Cyber Resilience Act startet mit Meldepflichten

Cubes form the expression Cyber Resilience Act CRA
Bild: ©Frank H./stock.adobe.com

Der Cyber Resilience Act (CRA) hat ab 2026 erstmals unmittelbare Auswirkungen, auf die sich die Hersteller digitaler Geräte, Maschinen und Anlagen mit Internetverbindung einstellen müssen. Darauf weist das Düsseldorfer Cybersicherheitsunternehmen Onekey hin, das eine Plattform zur Überprüfung von Gerätesoftware (Firmware) auf Sicherheitsmängel und CRA-Compliance betreibt.

In einer Pressemitteilung verweist das Düsseldorfer Unternehmen darauf, dass ab dem 11. September 2026 die „Verpflichtungen zur Meldung von aktiv ausgenutzten Schwachstellen und schweren Sicherheitsvorfällen“ greifen: Hersteller müssen Sicherheitslücken und sicherheitsrelevante Vorfälle melden, sobald sie davon Kenntnis erlangen – und zwar innerhalb kurzer Fristen. Hierzu baut die EU Agency for Cybersecurity (ENISA) zurzeit eine einheitliche zentrale Meldeplattform – CRA Single Reporting Platform (SRP) – auf, über die künftig alle Meldungen abgegeben werden müssen.

Die umfassenden Anforderungen des CRA wie Security-by-Design, Lifecycle-Management oder CE-Kennzeichnung unter CRA-Konformitätsnachweis gelten vollständig ab 11. Dezember 2027. „2026 beginnt die operative Phase des Cyber Resilience Act“, sagt Onekey-Geschäftsführer Jan Wendenburg.

Onekey teilt ferner mit, dass ab dem 11. Juni 2026 die ersten Konformitätsbewertungsstellen (CABs) ihre Tätigkeit aufnehmen werden und die Konformität von Produkten vorab prüfen. Es handelt sich dabei um zugelassene, unabhängige Prüfstellen. Dadurch können Hersteller einen externen CRA-Konformitätsnachweis erhalten. Dazu Jan Wendenburg: „Die betroffenen Hersteller müssen bis spätestens dahin ihre internen Prozesse, Dokumentationen, technischen Nachweise und Sicherheitsanforderungen so vorbereitet haben, dass eine CAB überhaupt etwas prüfen kann.“ Für Produkte mit hohem Sicherheitsrisiko (CRA-Klassen „critical“und „highly critical“) wie beispielsweise kritische Infrastruktur-Komponenten, IoT-Geräte mit großem Schadenspotenzial, industrielle Steuerungssysteme ist die externe Konformitätsbewertung Pflicht.

„Für rund 90 Prozent aller vernetzten Produkte genügt allerdings eine Selbsterklärung“, sagt Wendenburg. Es handelt sich dabei um eine Erklärung des Herstellers, dass ein digitales Produkt die Anforderungen des CRA erfüllt und rechtskonform in Verkehr gebracht wird. Diese muss eine detaillierte Konformitätsbewertung beinhalten. Onekey betont, dass Produkte ohne eine solche Erklärung nach dem 11. Dezember 2027 nicht mehr auf dem EU-Markt verkauft werden dürfen.

SBOM als erster Schritt

Jan Wendenburg erklärt: „Es wird höchste Zeit für die Hersteller, ihre vernetzten Geräte, Maschinen und Anlagen einer CRA-Konformitätsbewertung zu unterziehen.“ Er berichtet von Erfahrungen bei den entsprechenden Tests auf der Onekey-Plattform: „In den meisten Fällen treten Lücken zutage, von denen viele nicht leicht zu beheben sind. Die Hersteller sollten sich auf einen entsprechenden Zeit-, Kosten- und Personalaufwand einstellen, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen, die auf sie zukommen.“ Als Beispiele nennt er: Schwachstellen in externen Programmen von Partnern außerhalb der EU mit wenig Verständnis für CRA-Compliance, zugekaufte Komponenten mit unvollständiger Dokumentation oder Open-Source-Software.

Der Geschäftsführer führt aus: „Einer der ersten Schritte besteht darin, für jedes vernetzte Produkt eine lückenlose Software-Stückliste zu erstellen, eine sogenannte Software Bill of Materials, kurz SBOM. Und das erweist sich häufig als schwierig.“ Ziel ist es, mögliche Software-Schwachstellen, die Hackern als Angriffsfläche dienen könnten, zu identifizieren, um sie zeitnah beheben zu können. Der CRA verlangt daher eine detaillierte Auflistung aller Programme, Bibliotheken, Frameworks und Abhängigkeiten mit genauen Versionsnummern der einzelnen Komponenten, Informationen zu den jeweiligen Lizenzen, Angaben zu den Urhebern und einem Überblick über alle bekannten Schwachstellen und Sicherheitslücken. Diese Anforderungen zu erfüllen fällt vielen Herstellern schwer, und sei es nur, weil sie von ihren Vorlieferanten nicht die gewünschten Informationen in der notwendigen Vollständigkeit erhalten. Jan Wendenburg stellt klar: „Viele SBOMS sind unvollständig, veraltet oder ohne Kontext zu Schwachstellen. Für die in der EU-Regulatorik zwingend vorgeschriebene Nachweispflicht sind diese lückenhaften und teilweise überholten Software-Stücklisten unbrauchbar.“

Aufwand automatisieren

Die CRA-Auflagen gehen jedoch über die Bereitstellung einer korrekten SBOM hinaus. Onkey verweist hier etwa darauf, dass Hersteller verpflichtet sind, Sicherheitsvorgaben bereits während der Konzeptions- und Entwicklungsphase ihrer Produkte umzusetzen. Dazu gehören sichere Software- und Hardwaredesigns, klare Vorgaben zur Schwachstellenbehandlung, die Einführung eines durchgängigen Risikomanagements sowie verpflichtende Sicherheitsupdates über definierte Produktlebenszyklen hinweg. „Diese Maßnahmen müssen nicht nur durchgeführt, sondern auch bewertet, dokumentiert und nachgewiesen werden“, sagt Wendenburg.

Er resümiert: „Die bevorstehende erste Umsetzungsphase des Cyber Resilience Act stellt zweifellos einen Meilenstein für die digitale Sicherheit in Europa dar, aber sie führt auch für die Hersteller zu einem Aufwand erheblichen Ausmaßes.“



  • Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

    Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

    Auch im Februar sind die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau prozentual zweistellig gesunken: Die Auftragseingänge blieben abermals um real 10% unter dem Vorjahresniveau.

    mehr lesen: Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

  • Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

    Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

    Ab April unterstützen Gerald Rosspeintner, Thomas Pötsch und Werner Lichtenegger als Prokuristen die Geschäftsleitung von Knapp Systemintegration in Loeben.

    mehr lesen: Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

  • Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

    Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

    Proalpha strukturiert das Führungsteam der ERP Business Unit neu und ernennt Christoph Kull zum President ERP+. Er berichtet an CEO Eric Verniaut.

    mehr lesen: Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

  • Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

    Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

    95 Prozent der 102 von Horváth befragten Führungskräfte sprechen sich in der Studie für staatliche Unterstützung beim Ausbau von Studiengängen und ähnlichen Weiterbildungsformen mit KI-Schwerpunkten aus.

    mehr lesen: Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

  • VDMA gründet Forum Manufacturing-X

    VDMA gründet Forum Manufacturing-X

    Mit der Gründung des Forums Manufacturing-X will der VDMA sämtliche Aktivitäten zu diesem Thema in Richtung seiner Mitgliedsunternehmen und Stakeholder bündeln und koordinieren. Die Arbeit des Forums fußt dabei auf…

    mehr lesen: VDMA gründet Forum Manufacturing-X

  • Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

    Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

    Im aktuellen Bitkom-Ifo-Digitalindex schätzen die Unternehmen ihre aktuelle Lage wieder besser ein. Auch die Erwartungen haben sich verbessert. Der Indexwert klettert im März somit um 1,6 Punkte.

    mehr lesen: Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

  • Merlin Knott leitet Enterprise-Service-Management bei IFS

    Merlin Knott leitet Enterprise-Service-Management bei IFS

    Mit Merlin Knott hat IFS einen neuen Präsidenten für sein Enterprise-Service-Management-Geschäft. Knott leitete zuvor die globale Partner- und Channel-Organisation des Unternehmens.

    mehr lesen: Merlin Knott leitet Enterprise-Service-Management bei IFS

  • Die Digitalisierung in Deutschlands Industrie

    Die Digitalisierung in Deutschlands Industrie

    Eine aktuelle Studie von Reichelt Elektronik betrachtet den aktuellen Stand der Digitalisierung und stellt die Frage, wie Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern abschneidet.

    mehr lesen: Die Digitalisierung in Deutschlands Industrie

  • Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

    Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

    Seit 1949 widmet sich die Fraunhofer-Gesellschaft der anwendungsorientierten Forschung. Am 26. März feierte die heute 76 Institute umfassende Gesellschaft ihr 75-jähriges Bestehen.

    mehr lesen: Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

  • ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

    ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

    Die Studie ’ERP in der Praxis’ ist in ihre 12. Runde gestartet. Seit 2004 fordern die Analysten der Trovarit AG Anwender von ERP-Systemen dazu auf, ihrem eingesetzten System und dem…

    mehr lesen: ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

  • Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

    Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

    Smartphone und Tablet benötigen keinen Cyberschutz? Diese Annahme sollte gründlich überdacht werden.

    mehr lesen: Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

  • Forschungszulage im Maschinen- und Anlagenbau

    Forschungszulage im Maschinen- und Anlagenbau

    Immer mehr Maschinen- und Anlagenbauer nutzen die Forschungszulage und gehen dadurch zusätzliche FuE-Aktivitäten. an Eine Anhebung der Obergrenze könnte weiteres Potenzial freisetzen

    mehr lesen: Forschungszulage im Maschinen- und Anlagenbau