Strukturiertes Portfoliomanagement bei Viessmann Climate Solutions

Bild01 Vi Waermepumpenfertigung Bil 20250806091507
Bild: Soley GmbH

In einem industriellen Umfeld, das durch Marktkomplexität, technologische Umbrüche und wechselnde Kundenanforderungen geprägt ist, ist die Optimierung des Produktportfolios strategisch entscheidend. Gleichzeitig stellt sich die Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Innovation, Effizienz und Kundenorientierung herzustellen. Überlappungen innerhalb des Angebots, redundante Varianten und auslaufende Nischenprodukte führen nicht nur zu einer erhöhten Komplexität, sondern wirken sich auch auf Ressourcenbindung, Lieferketten und Ertragskraft aus.

Der Druck, nachhaltig und effizient zu agieren, nimmt zu. Doch fragmentierte Daten, die sich über verschiedene Systeme verteilt kaum gewinnbringend nutzen lassen, erschweren Transparenz hinsichtlich der besten Produktportfolioentscheidungen für das Unternehmen. Die umfangreichen Abhängigkeiten innerhalb der Produktarchitektur und Wertschöpfungskette lassen sich nur mit erheblichem Aufwand nachvollziehen.

Portfoliokomplexität senken, Transparenz gewinnen

Diese Erkenntnisse hat auch VCS auf dem Weg vom traditionsreichen Heizgerätehersteller zum Anbieter integrierter Klimasysteme gewonnen. Mit rund 3.000 Produkten und etwa 40.000 regional variierenden Zubehörteilen erhöhte sich die Portfoliokomplexität deutlich. Daraus resultierten hoher Koordinationsaufwand, manuelle Prozesse und langwierige Abstimmungen – häufig mit einer Dauer von mehreren Monaten – was schnelle Produktauslaufentscheidungen erschwerte. Die Folge: begrenzte Innovationsspielräume und eingeschränkte Ressourcennutzung.

Ziel war es daher, unnötige Vielfalt im Portfolio zu identifizieren und gezielt zu reduzieren – ohne dabei relevante Umsatzträger zu gefährden. Als breit aufgestellter Anbieter technologischer Energiesysteme standen dabei die Aspekte Ressourcenschonung und Effizienz im Zentrum. Heute arbeitet VCS mit einem digital gestützten Portfoliomanagement.

Product Mining – Wegweiser für die Industrie

Die Schlüsselrolle kommt dabei den vorhandenen Daten zu – auch wenn diese in vielen Unternehmen unstrukturiert und isoliert vorliegen. Bei VCS wurde daher der Einsatz eines systematischen Product-Mining-Ansatzes vorbereitet – im Rahmen der digitalen Transformation des Unternehmens. Zur Anwendung kommt dabei die Lösung von Soley. Mit ihr wird eine automatisierte Bereinigung und Strukturierung von Daten ermöglicht, kombiniert mit analytischer Auswertung und kollaborativer Entscheidungsfähigkeit – in drei Schritten.

Schritt 1 – Datenoptimierung

Bei Projektbeginn umfasste das Portfolio rund 3.000 Produkte, etwa 40.000 Zubehörartikel und rund 100.000 Einzelbauteile. Insgesamt wurden über zwei Millionen Datensätze aufbereitet. Die Plattform strukturierte die fragmentierten Informationen und ermöglichte einen vollständigen und transparenten Gesamtüberblick. Im Fokus standen unter anderem Zusammenhänge zwischen Produkten, Kostenstrukturen und Absatzmärkten – als Basis für valide Portfoliobewertungen.

Schritt 2 – Auslaufkandidaten

Im Rahmen der Portfolioanalyse identifizierte VCS potenzielle Auslaufkandidaten anhand einer datengetriebenen Bewertung entlang definierter KPIs. Die vier verwendeten Dimensionen erlauben eine strukturierte Beurteilung mit hoher Umsetzungstiefe:

  • Finanzielle Performance: Analyse von Umsatz, Deckungsbeitrag und Rentabilität zur Identifikation wirtschaftlich schwacher Produkte.
  • Systemrelevanz: Betrachtung der funktionalen Einbindung von Produkten innerhalb von Warenkörben – etwa als Exklusivteil oder systemkritisches Element.
  • Komplexität und Kosten: Bewertung von Produktionsaufwand, Investitionsbedarf sowie weiterer Kostenfaktoren entlang der Wertschöpfungskette.
  • Strategische Relevanz: Berücksichtigung von Marktpotenzial, Nachfolgeprodukten und strategischer Ausrichtung des Unternehmens dank neugewonnenem Überblick.

Durch Justierung der Schwellenwerte innerhalb dieser vier Dimensionen konnten strukturierte Kandidatenlisten für den Produktauslauf erstellt werden, mit dem Ziel, die Profitabilität des Portfolios zu steigern.

Schritt 3 – Kollaborative Entscheidungsfindung

Anschließend begann der kollaborative Entscheidungsprozess unter Einbeziehung relevanter Fachbereiche. Die in der Plattform bereitgestellte multidimensionale Drilldown-Funktion erlaubte die detaillierte Bewertung einzelner Produkte, das Einfügen von Kommentaren und die digitale Abstimmung. Ein zentrales Management Summary lieferte die Grundlage für fundierte Entscheidungen auf Basis wesentlicher Kennzahlen – etwa zu Umsatzveränderungen, Margenentwicklungen oder logistischen Auswirkungen.

Entwicklung in Zahlen

Die Umsetzung führte bei VCS zu signifikanten Effizienzgewinnen und messbaren Effekten. Beschaffung und Produktion wurden durch die Eliminierung redundanter Artikel verschlankt, wodurch sowohl direkte als auch indirekte Kosten sanken. Zudem konnten alte, wirtschaftlich nicht tragfähige Produkte identifiziert und abgekündigt werden, was zu reduzierten Lagerbeständen und geringeren Abschreibungen führte. Durch transparente Portfolioanalysen auf Basis von Key Performance Indicators verbesserte sich die strategische Entscheidungsqualität. Ein präziseres und fokussierteres Produktangebot sowie verkürzte Lieferzeiten wirkten sich darüber hinaus positiv auf die Kundenzufriedenheit aus.

Im Ergebnis führte VCS 66 Prozent des aktiven Portfolios weiter, rund 2.000 Produkte. Weitere 1.500 Artikel wurden zur Prüfung eingebracht, von denen 800 Produkte nach Abstimmung entfernt wurden. Hinzu kamen 500 Produkte, die in Abstimmung mit dem Vertrieb abgekündigt wurden. Insgesamt ließen sich 87 Prozent der durch den Algorithmus vorgeschlagenen Auslaufprodukte tatsächlich ausphasen.

Der Autor Michael Krieg ist Projektleiter ‚Product Process & Data Management – Marktauslauf‘ bei Viessmann Climate Solutions. Der Autor Ephraim Triemer ist CPO bei der Soley GmbH.



  • Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

    Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

    Seit 1949 widmet sich die Fraunhofer-Gesellschaft der anwendungsorientierten Forschung. Am 26. März feierte die heute 76 Institute umfassende Gesellschaft ihr 75-jähriges Bestehen.

    mehr lesen: Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

  • ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

    ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

    Die Studie ’ERP in der Praxis’ ist in ihre 12. Runde gestartet. Seit 2004 fordern die Analysten der Trovarit AG Anwender von ERP-Systemen dazu auf, ihrem eingesetzten System und dem…

    mehr lesen: ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

  • Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

    Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

    Smartphone und Tablet benötigen keinen Cyberschutz? Diese Annahme sollte gründlich überdacht werden.

    mehr lesen: Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

  • Forschungszulage im Maschinen- und Anlagenbau

    Forschungszulage im Maschinen- und Anlagenbau

    Immer mehr Maschinen- und Anlagenbauer nutzen die Forschungszulage und gehen dadurch zusätzliche FuE-Aktivitäten. an Eine Anhebung der Obergrenze könnte weiteres Potenzial freisetzen

    mehr lesen: Forschungszulage im Maschinen- und Anlagenbau

  • IAB-Arbeitsmarktbarometer legt weiter zu

    IAB-Arbeitsmarktbarometer legt weiter zu

    Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) setzt seine trendmäßige Verbesserung im März fort. Das Arbeitsmarktbarometer klettert um 0,4 Punkte auf nun 100,6 Punkte und erreicht damit den…

    mehr lesen: IAB-Arbeitsmarktbarometer legt weiter zu

  • IT-Anwender mit der Digitalisierung ‚einigermaßen zufrieden‘

    IT-Anwender mit der Digitalisierung ‚einigermaßen zufrieden‘

    Wie bewerten IT-Entscheider den Stand der Digitalisierung in Deutschland? Dieser Frage geht der CIO-Barometer des IT-Anwenderverbands Voice nach. Demnach werden vor allem interne Faktoren positiv bewertet. Die externen Rahmenbedingungen kommen…

    mehr lesen: IT-Anwender mit der Digitalisierung ‚einigermaßen zufrieden‘

  • Neue Finance Vice President DACH bei Schneider Electric

    Neue Finance Vice President DACH bei Schneider Electric

    Seit Februar ist Elisabeth Skorna neue Finance Vice President DACH des Tech-Konzerns. Zusätzlich ist sie Teil des DACH-Managementteams. Skorna ist in ihrer neuen Position für die strategische Finanz- und Budgetplanung…

    mehr lesen: Neue Finance Vice President DACH bei Schneider Electric

  • IoT-Einsatz steigt sprunghaft an

    IoT-Einsatz steigt sprunghaft an

    Nach Angaben der Eclipse Foundation verzeichnete die IoT-Einführung im Jahr 2023 einen sprunghaft Anstieg. 64 Prozent der insgesamt Befragten setzen mittlerweile entsprechende Lösungen ein – ein Plus von 11 Prozentpunkten.

    mehr lesen: IoT-Einsatz steigt sprunghaft an

  • Fraunhofer IWU erprobt wasserstoffbasierte Energiesysteme

    Fraunhofer IWU erprobt wasserstoffbasierte Energiesysteme

    In der Forschungsfabrik am Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU wird an einer energie- und ressourceneffizienten Produktion gearbeitet. Das dortige Wasserstoff-Kraftwerk soll Impulse zur dezentralen, stationären Energieversorgung von Fabriken…

    mehr lesen: Fraunhofer IWU erprobt wasserstoffbasierte Energiesysteme

  • BSI schult Dienstleister für den CyberRisikoCheck

    BSI schult Dienstleister für den CyberRisikoCheck

    Um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beim Thema Cybersicherheit zu unterstützen, hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gemeinsam mit Partnern den CyberRisikoCheck entwickelt. Er bietet KMU eine…

    mehr lesen: BSI schult Dienstleister für den CyberRisikoCheck

  • Logimat mit Besucherwachstum

    Logimat mit Besucherwachstum

    Die Logimat 2024 ist vorüber und laut Veranstalter Euroexpo kamen mehr Besucher und mehr Aussteller – hier etwa jeder Dritte aus dem Ausland – nach Stuttgart.

    mehr lesen: Logimat mit Besucherwachstum

  • Copa-Data Deutschland wird 25

    Copa-Data Deutschland wird 25

    2024 wird für Copa-Data Deutschland zum Jubiläumsjahr: Seit 1999 ist die Tochter des österreichischen Softwareanbieters in der Bundesrepublik aktiv.

    mehr lesen: Copa-Data Deutschland wird 25