
Für Unternehmen ist der DPP damit kein optionales Digitalisierungsprojekt, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Entscheidend ist das Verständnis der Anforderungen und die Fähigkeit zur technischen Umsetzung. Der digitale Produktpass ist ein strukturierter, maschinenlesbarer Datensatz, der zentrale Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg digital verfügbar macht – etwa zu Materialien, CO2-Werten, Lieferketten, Reparierbarkeit oder Recyclingfähigkeit. Er wird verbindlich für Marktzugang, Transparenz und Nachhaltigkeitsnachweise in Europa. Unternehmen müssen demnach vergleichsweise schnell technische Lösungen implementieren, um die Anforderungen zu erfüllen. Die Firma Software Factory hat sich im Rahmen ihrer Projekte schon früh mit dem Thema beschäftigt.
Batteriepass im industriellen Forschungsumfeld
So konnte der Softwareanbieter praktische Erfahrung bei der Realisierung eines digitalen Batteriepasses sammeln. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurde dieser Batteriepass konzipiert und technisch umgesetzt, eingebettet in eine Forschungsproduktionslinie für Lithium-Ionen-Zellen. Die Herausforderung bestand darin, Produktions-, Prozess-, Energie- und Qualitätsdaten aus unterschiedlichen Systemen konsistent zu erfassen, strukturiert aufzubereiten und regulatorisch nutzbar zu machen. Dabei wurden auch:
- heterogene Produktions- und Prozessleitsysteme integriert,
- Energie- und Gebäudedaten mit Produktionsdaten verknüpft,
- Datenmodelle für regulatorische Anforderungen vorbereitet,
- Webbasierte Zugriffskonzepte realisiert,
- Industrie-4.0- und datengetriebene Ansätze berücksichtigt.
Das Ergebnis war ein funktionierendes technisches System in einem komplexen Produktionsumfeld. Der erstellte Batteriepass erfüllt die EU-Anforderungen und beinhaltet alle notwendigen 107 Datenpunkte in den definierten sieben Datenbereichen.
Demonstrator für die Industrie
Zusätzlich hat die Firma mit einem Industrieunternehmen die Demo-Version eines digitalen Produktpasses entwickelt, der als skalierbare Referenzarchitektur für den produktiven Einsatz dienen soll. Das Konzept des Demonstrators basiert auf dem standardisierten Austauschdatenformat der Asset Administration Shell (AAS). Die AAS ermöglicht eine strukturierte, interoperable Beschreibung von Produkten, eine hervorragende Grundlage für den DPP. Durch die standardisierte REST-Schnittstelle der AAS kann der Produktpass nach seiner Veröffentlichung nicht nur gelesen, sondern auch interaktiv von Teilnehmern entlang der Lieferkette erweitert und befüllt werden. Der DPP wird damit zu einem aktiv genutzten, verteilten Informationssystem. Die serviceorientierte Architektur bleibt dabei modular und skalierbar. Die Produktpassarchitektur setzt sich aus mehreren spezialisierten AAS-Services zusammen: Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität ‣ weiterlesen
Business Process Solutions
Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion
- AAS Discovery Interface – Dieses ermöglicht die Zuordnung einer Produkt-seriennummer zu einer konkreten AAS.
- AAS Teilmodell Registries – Hier werden AAS und ihre Teilmodelle registriert. Die Registries enthalten Referenzen, über die die tatsächlichen Daten im System auffindbar sind.
- AAS Environment – Sie enthält die AAS-Instanzen und Teilmodelle mit den realen Produkt- und Lebenszyklusdaten.
Diese Architektur erlaubt eine Trennung von Identifikation, Registrierung und Datenhaltung, was das Skalieren auf große Produktportfolios unterstützt.

Aus der Produktion heraus erstellt
Ein zentrales Element des Demonstrators ist der DPP-Manager. Das Modul ermöglicht die automatisierte Erstellung eines Produktpasses aus der Produktion heraus. Die Generierung kann über ein Signal wie eine MQTT-Nachricht oder REST-Anfrage angestoßen werden. Erreicht ein Produkt eine definierte Produktionsstufe wie Seriennummer vergeben oder End-of-Line-Test bestanden, wird der Produktpass automatisch erzeugt, strukturiert befüllt und registriert. Damit wird der DPP Bestandteil des Produktionsprozesses – nicht einer nachgelagerten Dokumentation.
DPP-Web-UI mit Berechtigungssystem
Für die Anwender wurde zusätzlich eine Web-UI-Anwendung realisiert. Diese ermöglicht:
- das Suchen nach Produktpässen,
- die Anzeige von Produktinformationen,
- ein Berechtigungssystem zur Zugriffskontrolle.
So erhalten die unterschiedlichen Akteure im Service über Nachhaltigkeitsverantwortliche bis hin zu Partnern in der Lieferkette die passenden Informationen.
Integrations- und Architekturaufwand
Der digitale Produktpass ist kein isoliertes IT-Add-on. Er erfordert die Integration in ERP-, PLM- und MES-Systeme, belastbare Datenmodelle, skalierbare Service-Architekturen sowie klar definierte Governance- und Zugriffskonzepte. Mit dem realisierten Batteriepass im Forschungsumfeld und dem AAS-basierten DPP-Demonstrator für die Industrie ist belegt, dass regulatorische Anforderungen technisch robust, automatisiert und produktionsnah umgesetzt werden können.









































