Secure-by-Design im ERP-System von Škoda

260227 skoda opens new battery syst 20260423150849
Bild: Škoda Auto Deutschland GmbH

In der Automobilindustrie sind ERP-Systeme zentrale Steuerungsinstanzen der Wertschöpfung und stehen daher oft im Fokus von Cyberangriffen. Diese Anwendungen bündeln wichtige Daten, steuern Lieferketten sowie Produktionsprozesse und sind tief in operative Prozesse integriert. Gleichzeitig wachsen ERP-Landschaften über Jahre hinweg: individuelle Erweiterungen, komplexe Transportketten, Schnittstellen und hybride Architekturen erhöhen die strukturelle Komplexität und damit die Angriffsfläche. Wird die ERP-Landschaft kompromittiert oder durch fehlerhafte Änderungen destabilisiert, kann dies operative Auswirkungen haben. Je komplexer ein ERP-System, desto schwieriger wird es, Transparenz über Code-Qualität, Konfigurationen und Richtlinienkonformität zu behalten.

Klassische Werkzeuge greifen oft nicht

Klassische IT-Sicherheitsmechanismen wie Netzwerksegmentierung oder Perimeter-Schutz adressieren in erster Linie Infrastruktur- und Zugriffsebene. Spezifische Risiken innerhalb der ERP-Anwendungen selbst – etwa in kundenspezifischen Erweiterungen oder Transportprozessen – erfordern zusätzliche, anwendungsspezifische Mechanismen. Dedizierte Anwendungen für die ERP-Systemsicherheit zahlen damit auf die Produktionssicherheit ein. Wie sich dieser Herausforderung strukturiert begegnen lässt, zeigt das Beispiel von Škoda.

ERP-Systemlandschaft unter steigendem Druck

Škoda Auto zählt zu den etablierten europäischen Automobilherstellern und produziert Fahrzeuge an mehreren internationalen Standorten. Die IT-Systeme des Unternehmens unterstützen eine Vielzahl zentraler Geschäfts- und Produktionsprozesse. Der Automobilhersteller mit rund 40.000 Mitarbeitenden stand vor der Aufgabe, die Qualität, Sicherheit und Compliance seiner SAP-Umgebung zuverlässig mit internen sowie gruppenweiten Richtlinien in Einklang zu bringen. Standardsoftware am Markt konnte die Anforderungen an Compliance und Wirksamkeit nur teilweise abbilden. Škoda wollte daher bestehende Prüfprozesse weiter optimieren, den manuellen Aufwand reduzieren und den Zeitbedarf in Entwicklung und Qualitätssicherung senken – bei gleichzeitig wirtschaftlich vertretbaren Kosten. Ziel war es, die Systemlandschaft sicher, compliant und aktuell zu halten – mit einem Fokus auf strukturierte Qualitätssicherung innerhalb einer komplexen Systemumgebung.

Verankerte Sicherheit im Entwicklungsprozess

Im Rahmen einer DevSecOps-Strategie wurde Onapsis Control for Code implementiert. Die Software wurde in insgesamt fünf produktiven Systemen implementiert, darunter das zentrale ERP-System sowie das Data Warehouse. Ausschlaggebend für den Einsatz des Produktes waren sowohl funktionale Anforderungen als auch die Möglichkeit, Prüfprozesse zentralisiert und automatisiert in bestehende Entwicklungs- und Transportabläufe zu integrieren. Der Ansatz basiert auf einer kontinuierlichen Überprüfung und Optimierung des Quellcodes während Entwicklung und Modifikation der Anwendungen. Sicherheits- und Compliance-Prüfungen sind Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Ergänzend prüft eine Transport-Scanning-Funktionalität jeden neuen Code-Transport, bevor Änderungen in produktive Systeme gelangen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass nur geprüfter, regelkonformer Code in die operative Umgebung überführt wird. Zusätzlich können Scans regelmäßig im Rahmen von Wartungs- oder Patchzyklen erfolgen. Die Anwendung unterstützt rund 300 Entwickler und ermöglicht eine signifikante Skalierung der Sicherheitsaktivitäten im Entwicklungsumfeld. Qualitätssicherung wird dadurch systematisiert und unabhängig von individuellen Einzelprüfungen – ein klassischer Secure-by-Design-Ansatz.

Betriebssicherheit und Transparenz verbessert

Seit Einführung der Anwendung wurden zahlreiche Funde in sicherheitsrelevanten Bereichen wie Security, Compliance und Data Loss Prevention identifiziert und behoben, über einen Zeitraum von sieben Jahren. Dies verdeutlicht den Bedarf an dedizierten Security-Produkten, insbesondere in gewachsenen ERP-Systemlandschaften. Erweiterungen, gewachsene Strukturen und komplexe Transportketten erzeugen eine Dynamik, die ohne automatisierte Prüfmechanismen oft nur schwer vollständig zu überblicken ist. Gleichzeitig verbesserten sich mit dem Einsatz des Werkzeuges die Performance und die Stabilität der ERP-Systeme weiter. Die Betriebssicherheit wurde gestärkt und die Zahl der manuellen Code-Reviews deutlich gesenkt. Die geringe False-Positive-Rate erhöhte die Effizienz zusätzlich und stärkte die Akzeptanz im Entwicklungsteam.

ERP-Systemsicherheit als Produktionsfaktor

Gerade im Automotive-Umfeld sind ERP-Systeme eng mit Produktions- und Logistikprozessen verzahnt. Änderungen an Anwendungen oder Konfigurationen wirken sich auf Disposition, Fertigungsaufträge oder Qualitätsprozesse aus. Ungeprüfte Transporte oder unsicherer Custom Code können daher nicht nur Compliance-Verstöße verursachen, sondern operative Risiken nach sich ziehen. Ein Secure-by-Design-Ansatz integriert Sicherheitsprüfungen in Entwicklungs- und Änderungsprozesse. Die kontinuierliche Analyse von Code und Transporten sorgt für eine gleichbleibend hohe Qualität über die gesamte ERP-Landschaft hinweg. Sicherheit wird so zu einem festen Bestandteil der Prozessstabilität.

Verantwortung in hybriden ERP-Systemarchitekturen

Eine weitere Herausforderung stellt das Shared-Responsibility-Modell in Cloud- und Hybrid-Systemen dar. ERP-Systemlandschaften bestehen zunehmend aus hybriden Architekturen, in denen On-Premise-Systeme und Cloud-Komponenten zusammenwirken. Während Infrastruktur- und Basisdienste teilweise beim Anbieter liegen, bleiben etwa Application Security, Code-Erweiterungen oder Konfigurationskontrollen in der Verantwortung der Unternehmen. Das erfordert eine aufmerksame ERP-Security.

Relevanz über Automotive hinaus

Die beschriebenen Herausforderungen sind nicht auf die Automobilindustrie beschränkt. Das dargestellte Beispiel zeigt exemplarisch, dass die strukturierte Integration von Sicherheits- und Qualitätsprüfungen in Entwicklungs- und Änderungsprozesse sowohl die Systemsecurity verbessern als auch Effizienzpotenziale erschließen kann.



  • VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    Basierend auf den neuesten VDMA-Umfragen, verzeichnete die europäische Bildverarbeitungsindustrie 2023 einen Umsatzrückgang von 7%. Die VDMA Fachabteilung Machine Vision rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang von 3% für das laufende Jahr.

    mehr lesen: VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

  • Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Manufacturing-X ist vielen Unternehmen zwar ein Begriff. Allerdings haben sich bisher die meisten Industrieunternehmen noch nicht näher mit dem Datenökosystem befasst.

    mehr lesen: Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

  • 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    Die Zahl der offenen Stellen in Ingenieurberufen bewegt sich im vierten Quartal 2023 weiter auf hohem Niveau. Besonders Berufsfelder mit Klimaschutz- und Digitalisierungsbezug weisen im aktuellen VDI/IW-Ingenieurmonitor eine hohe Engpasskennziffer…

    mehr lesen: 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Infosys übernimmt In-tech

    Infosys übernimmt In-tech

    In-Tech wird Teil von Infosys. Dies gaben die Unternehmen am Donnerstag bekannt. Der Abschluss der Übernahme wird für das zweite Quartal 2024 erwartet.

    mehr lesen: Infosys übernimmt In-tech

  • Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Die deutsche Industrie hat kaum noch mit Materialknappheit zu kämpfen. Laut Ifo Institut bewegt sich die Materialverfügbarkeit in Richtung Vor-Corona-Niveau.

    mehr lesen: Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

  • KI mit synthetischen Daten anlernen

    KI mit synthetischen Daten anlernen

    Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) benötigen Trainingsdaten. Diese zügig und in ausreichender Stückzahl zu generieren, stellt Anwender in der verarbeitenden Industrie oft vor Herausforderungen. Das Fraunhofer IGD arbeitet daher…

    mehr lesen: KI mit synthetischen Daten anlernen

  • 11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

    11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

    Ineffiziente Kommunikation im Unternehmen führt laut einer Studie von Grammarly zu einem Produktionsverlust von mehr als 11 Tagen pro Jahr. Die dafür befragten Fachkräfte berichten zudem, dass sie einen große…

    mehr lesen: 11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

  • Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

    Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

    Virtuelle Assistenten, sogenannte Chatbots, kommen auf vielen Unternehmenswebseiten zum Einsatz. Eine Studie der TU Dresden hat untersucht, ob Fehler von Chatbots zu aggressivem Verhalten bei ihren Nutzerinnen und Nutzern führen…

    mehr lesen: Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

  • Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

    Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

    Das Beratungs- und Software-Haus Valantic und der Softwarespezialist Forcam Enisco mit Sitz in Böblingen haben eine strategische Partnerschaft geschlossen. Schwerpunkt der Kooperation soll auf Vernetzungs- und Analyse-Produkten für Fertiger liegen.

    mehr lesen: Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

  • Baustart für neues MPDV-Gebäude in Mosbach

    Baustart für neues MPDV-Gebäude in Mosbach

    Am Unternehmenssitz in Mosbach errichtet MPDV ein neues Bürogebäude. Auf 2.800m² sollen 170 Arbeitsplätze entstehen. Zudem wird die MPDV-Junior-Akademie dort Räumlichkeiten beziehen.

    mehr lesen: Baustart für neues MPDV-Gebäude in Mosbach

  • Achema 2024 mit Angeboten für Nachwuchskräfte

    Achema 2024 mit Angeboten für Nachwuchskräfte

    Im Mittelpunkt des Achema-Auftakts am 10. Juni steht die Frage, wie sich die Prozessindustrie in einer Welt im Wandel erfolgreich positionieren kann. An allen fünf Messetagen sollen zudem zahlreiche Angebote…

    mehr lesen: Achema 2024 mit Angeboten für Nachwuchskräfte