In fünf Schritten zum No-Code/Low-Code-Projekt

450355
Bild: ©putilov_denis/stock.adobe.com

Ein erfolgversprechender Ansatz, digitale Vorhaben unter Ressourcenmangel zu beschleunigen, ist der Einsatz sogenannter No-Code/Low-Code (NCLC)-Plattformen. Mit diesen können Fachanwender Applikationen erstellen, ohne dafür gängigen Programmcode schreiben zu müssen. Dabei kann dies gänzlich ohne (No-Code) oder mit geringen Programmierkenntnissen (Low-Code) erfolgen. NCLC-Plattformen arbeiten mit visuellen Werkzeugen. Die Elemente einer Anwendung lassen sich per Drag&Drop in einer Benutzeroberfläche zusammenziehen. Die Anwendenden stellen die vorgefertigten Bausteine samt Logik intuitiv zusammen – ohne eine Zeile Programmcode zu schreiben.

Chance für Unternehmen

Die Tools haben sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt, sodass mittlerweile technisch anspruchsvolle mobile und webbasierte Anwendungen realisiert werden können. Für Unternehmen, die nur über wenig Expertise im eigenen Haus verfügen, ergibt sich damit eine Chance auf digitale Prozessverbesserungen, neue digitale Services sowie Geschäftsmodelle. Dies kann entweder durch die Befähigung der bestehenden Belegschaft erfolgen, die selbst digitale Produkte mittels NCLC erstellt oder durch externe Partner, die durch den Einsatz der Tools Lösungen schneller ausliefern können.

Verwenden Mitarbeiter, die nicht der IT-Abteilung angehören, NCLC-Plattformen, besteht die Gefahr, dass die eigenständig entwickelten Anwendungen den Sicherheitsvorgaben der IT widersprechen. Zudem kann sich so eine eine ‚Schatten-IT‘ bilden. IT-Verantwortliche sollten daher in die NCLC-Vorhaben eingebunden werden. Zudem sollten sie in die Auswahl der Fachkollegen eingebunden werden, um sicherzustellen, dass diese über die notwendigen Fähigkeiten und das Verständnis für IT-Sicherheitsanforderungen verfügen. Weiterhin bedarf es der Einbindung der Abteilungen, auf deren Bereich die spätere Anwendung einen Einfluss hat, damit alle Anforderungen und Erwartungen geklärt sind.

Alternativ zur vollständig internen Umsetzung können NCLC-Anwendungen mit externer Hilfe eingeführt werden. Hier entwickeln Dienstleister das gewünschte Produkt initial mittels NCLC-Tools und ein internes Team übernimmt schrittweise den Betrieb sowie die Erweiterung.

In fünf Schritten zum Pilotprojekt

Zunächst gilt es, Erfahrungen zu sammeln und in einem Pilotprojekt ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich Anwendungen mittels NCLC umsetzen lassen. Erste Schritte können Sie bereits mit geringem Invest machen.

Schritt 1 – Projektteam und Rahmenbedingungen: Ein Pilotprojekt sollte mit Personen aus der IT und technisch affinen Mitarbeitern aus den Fachabteilungen besetzt sein und gegebenenfalls durch einen externen Dienstleister begleitet werden. Dieses Team legt zunächst die Rahmenbedingungen (z.B. Rollen, Verantwortlichkeiten, IT-Betrieb) fest und gestaltet die weitere Umsetzung.

Schritt 2 – Pilotanwendung und Scope definieren: Eine erste Herausforderung ist oft, betrieblichen Anwendungsfälle für den Einstieg zu identifizieren. Oft eignen sich hier administrative (nicht-wertschöpfende) Prozesse für einen Einstieg in NCLC. In der Produktion bieten Prozesse wie etwa die Erfassung der Wareneingänge ein Umfeld für den NCLC-Einsatz. Ein Beispiel wäre eine Anwendung, die auf einem mobilen Endgerät per Foto erfasste Lieferscheine analysiert, den Lieferanten, die Kunden- und Bestellnummer ausliest, darauf aufbauend zugehörige Bestellungen aus dem ERP-System abruft und dann bei der Überprüfung der Lieferung, bei Qualitätsdokumentation und Weiterverarbeitung unterstützt.

Schritt 3 – Minimal benötigte Funktionen bestimmen: Ist der Anwendungsfall identifiziert, definiert das Projektteam die minimal benötigten Kernfunktionen, die bereits einen deutlichen Mehrwert bieten würden. Hierbei sollten Unternehmen hinterfragen, ob Abläufe gegebenenfalls anders gestaltet werden können als in der bestehenden analogen Welt. Ein ineffizienter analoger Prozess wird nicht besser, wenn er 1:1 digital abgebildet wird.

Schritt 4 – Eine Tool-Auswahl treffen: Es kann eine Herausforderung sein, die Vielzahl an NCLC-Anbietern zu sondieren. Für den Einstieg eignen sich etwa Tools wie Airtable (Datenhaltung), Softr (Interface und Programmlogik) oder Make (Workflow Automation). Diese lassen sich miteinander integrieren und erfüllen die gängigen IT-Sicherheitsvorschriften (z.B. ISO27001) und EU-Datenschutzanforderungen (z.B. DSGVO). Des Weiteren bieten sie jeweils eine kostenlose Basisversion an.

Schritt 5 – Die Umsetzung schaffen: Vor der eigentlichen technischen Umsetzung sollten Unternehmen die in Schritt drei festgelegten Kernfunktionen in kleinere Aufgaben herunterbrechen. Ausgehend von der gewünschten Kernfunktionalität wird definiert, welche Teilfunktionen die Anwendung benötigt. Soll die App beispielsweise verschiedene Nutzerrollen mit unterschiedlichen Rechten unterscheiden können, benötigt die Anwendung eine Benutzer- und Rollenverwaltung.

Weiter professionalisieren

Entscheidend ist, dass Unternehmen Erfahrungen sammeln. Es soll ein Pilotprojekt bleiben, das schnelle Erfolge liefert, auf denen aufgebaut werden kann. Ist die erste NCLC-App umgesetzt, sollten Unternehmen das weitere Vorgehen professionalisieren. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt helfen, einen iterativen Prozess zur schrittweisen Verbesserung und Ausweitung der Anwendungsfälle zu etablieren. Externe Spezialisten können hier unterstützen, um beispielsweise die passende Toolauswahl, die Geschwindigkeit und eine effektive Skalierung sicherzustellen.



  • Automatisierungsbranche investiert weiter in Europa

    Automatisierungsbranche investiert weiter in Europa

    Laut einer aktuellen Horvath-Studie unter Automatisierungsunternehmen mit mindestens 100 Millionen Euro Jahresumsatz aus Deutschland, Europa und Nordamerika konzentrieren sich die Investitionen der Branche auf neue Produkktionsanlagen in der Nähe des…

    mehr lesen: Automatisierungsbranche investiert weiter in Europa

  • IÖW empfiehlt Gründung einer CDR-Allianz

    IÖW empfiehlt Gründung einer CDR-Allianz

    Unternehmen müssen im Zuge der Digitalisierung auch ethische, soziale und ökologische Auswirkungen berücksichtigen und managen. Hier rät das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zur Gründung einer Allianz aus Politik, Verbänden…

    mehr lesen: IÖW empfiehlt Gründung einer CDR-Allianz

  • Forscherinnen bringen Pilze zum Klingen

    Forscherinnen bringen Pilze zum Klingen

    Ein Team des Fraunhofer IWU will Pilzmyzel als Werkstoff für Transmissionline-Lautsprecher nutzbar machen. Das Material soll zunächst per 3D-Druck verarbeitet und dann im Wachstum beeinflusst werden. Erste Ergebnisse erscheinen vielversprechend.

    mehr lesen: Forscherinnen bringen Pilze zum Klingen

  • B2B-Messe beleuchtet XR- und Metaverse-Strategien

    B2B-Messe beleuchtet XR- und Metaverse-Strategien

    Anfang April stehen Extended Reality und das Metaverse auf der XR Expo im Mittelpunkt. Die B2B-Messe im Stuttgarter Haus der Wirtschaft bietet neben einer Fachausstellung auch verschiedene Workshops und Vorträge.

    mehr lesen: B2B-Messe beleuchtet XR- und Metaverse-Strategien

  • Tim Srock wird Geschäftsführer von Lobster

    Tim Srock wird Geschäftsführer von Lobster

    Zuletzt war Tim Srock CEO der Siemens-Tochter Mendix. Nun übernimmt er das Ruder beim No-Code-Spezialisten Lobster.

    mehr lesen: Tim Srock wird Geschäftsführer von Lobster

  • Cyberbedrohungen auf Rekord-Niveau

    Cyberbedrohungen auf Rekord-Niveau

    2023 blockierte Trend Micro mehr als 161 Milliarden Cyberbedrohungen weltweit – 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor und fast 107 Milliarden mehr als noch vor fünf Jahren.

    mehr lesen: Cyberbedrohungen auf Rekord-Niveau

  • Deutsche Unternehmen melden wieder mehr Erfindungen an

    Deutsche Unternehmen melden wieder mehr Erfindungen an

    Die Zahl der Patentanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt ist im Jahr 2023 gestiegen. Größere Anstiege zeigten sich bei den Digitaltechnologien und bei der Elektromobilität.

    mehr lesen: Deutsche Unternehmen melden wieder mehr Erfindungen an

  • Automatisierungspotenzial steigt auch in Expertenberufen

    Automatisierungspotenzial steigt auch in Expertenberufen

    Auch hochqualifizierte Beschäftigte bekommen die Digitalisierung zu spüren. Laut einer Untersuchung des IAB steigt der Anteil automatisierbarer Tätigkeiten in diesen sogenannten Expertenberufen besonders stark.

    mehr lesen: Automatisierungspotenzial steigt auch in Expertenberufen

  • Jahrestagung ‚Enterprise Portfolio- und Projektmanagement mit SAP‘

    Jahrestagung ‚Enterprise Portfolio- und Projektmanagement mit SAP‘

    Unter dem Motto ’Berichte, Praxiserfahrungen, Neuigkeiten und Umsetzung rund um das SAP EPPM’ bietet die 25. Jahrestagung Enterprise Portfolio- und Projektmanagement mit SAP am 16. und 17. Mai 2024 in…

    mehr lesen: Jahrestagung ‚Enterprise Portfolio- und Projektmanagement mit SAP‘

  • Roboterzelle steckt Brennstoffzellen in Sekundenschnelle

    Roboterzelle steckt Brennstoffzellen in Sekundenschnelle

    Ein Forschungsteam vom Fraunhofer IPA und vom Campus Schwarzwald hat eine Roboterzelle aufgebaut, die Brennstoffzellen in Sekundenschnelle und automatisiert stecken kann. Brennstoffzellensysteme könnten so günstiger werden und den Verbrenner im…

    mehr lesen: Roboterzelle steckt Brennstoffzellen in Sekundenschnelle

  • Marcus Mead wird neuer Europa-Chef

    Marcus Mead wird neuer Europa-Chef

    Seit 1. März 2024 ist Marcus Mead neuer Executive Officer Regional Manager Europe, Chairman & President der Yaskawa Europe. Er folgt auf Bruno J. Schnekenburger, der in den Ruhestand tritt.

    mehr lesen: Marcus Mead wird neuer Europa-Chef

  • Unternehmen kämpfen mit intransparenten Supply-Chain-Daten

    Unternehmen kämpfen mit intransparenten Supply-Chain-Daten

    Viele Logistiker müssen mit veralteten Daten arbeiten. Dies zeigt eine Studie von InterSystems in der fast die Hälfte der Befragten über fehlende Transparenz in der Lieferkette klagen.

    mehr lesen: Unternehmen kämpfen mit intransparenten Supply-Chain-Daten