Warum Defekte in Metallen erwünscht sind

Professorin Sandra Korte-Kerzel (l.) und Nanostrukturen-Gruppenleiterin Dr. Stefanie Sandloebes-Haut
Professorin Sandra Korte-Kerzel (l.) und Nanostrukturen-Gruppenleiterin Dr. Stefanie Sandloebes-HautBild: ©Peter Winandy

Forschende der RWTH Aachen untersuchen, wie Defekte und die Anordnung von Atomen die Eigenschaften von Metallen beeinflussen. Die Erkenntnisse des Sonderforschungsbereichs 1394 ‚Strukturelle und chemische atomare Komplexität: Von Defekt-Phasendiagrammen zu Materialeigenschaften‘ sollen dabei helfen, Werkstoffe gezielter zu entwickeln.

Die Forschenden beschreiben ihre Arbeit anhand von zusammengeknüllter Alufolie: Selbst nach sorgfältigem Glattziehen bleiben Knicke und Falten zurück. Der ursprüngliche Zustand lässt sich nicht wiederherstellen. Der Grund dafür liegt tief im Inneren des Materials auf der Ebene einzelner Atome. Solche Defekte gehören den Forschenden zufolge zu den wichtigsten Voraussetzungen für moderne Werkstoffe: „Defekte klingen zunächst negativ. Tatsächlich sind sie für viele Eigenschaften von Metallen unverzichtbar“, erklärt Professorin Sandra Korte-Kerzel, Leiterin des Instituts für Metallkunde und Materialphysik der RWTH Aachen. Ohne sie gäbe es keine Knautschzonen in Autos, keine belastbaren Brücken und keine verformbare Alufolie. Metalle verdanken ihre außergewöhnlichen Eigenschaften gerade den Unregelmäßigkeiten in ihrer atomaren Struktur.

Diese atomaren Unregelmäßigkeiten stehen im Mittelpunkt des Sonderforschungsbereichs, der im Jahr 2020 gestartet ist. Rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen daran, wie sich Defekte und die chemische Zusammensetzung von Metallen gegenseitig beeinflussen, und wie sich daraus gezielt neue Materialeigenschaften erzeugen lassen.

Defekte und Phasen

Die Beteiligten erklären, dass zwei grundlegende Bereiche der Materialforschung bisher weitgehend getrennt voneinander betrachtet wurden. Auf der einen Seite stehen die Defekte im Kristallgitter eines Materials, also fehlende Atome, Verschiebungen innerhalb der Struktur oder Grenzflächen zwischen Kristallen. Auf der anderen Seite erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sogenannte Phasen, also die Frage, welche Strukturen entstehen, wenn unterschiedliche metallische Elemente miteinander kombiniert werden.

Wie weiter betont wird, verhält sich nicht jede Mischung gleich: Während sich Gold und Silber problemlos miteinander verbinden lassen, bilden andere Metalle völlig neue Strukturen mit überraschenden Eigenschaften. Diese unterschiedlichen atomaren Anordnungen bestimmen darüber, ob ein Material magnetisch ist oder nicht, ob es besonders hart ist oder eher weich.

Der Aachener Sonderforschungsbereich bringt die beiden Forschungswelten Defekte und Phasen erstmals systematisch zusammen. „Das Wort Defekt-Phasendiagramm gab es vorher für diese Gesamtheit an Defekten nicht“, sagt Korte-Kerzel. Die Forschenden untersuchen, was passiert, wenn sich bestimmte Atome gezielt an Defekten anlagern und wie sich dadurch die Eigenschaften eines Materials verändern. Die Herausforderung sei, dass die Materialien oft nicht so reagieren, wie von den Forschenden angenommen. „Das ist allerdings nicht schlimm: Manchmal kommt man noch zu viel spannenderen Erkenntnissen“, sagt die SFB-Sprecherin, die auch Prorektorin für Forschung der RWTH Aachen ist.

Dabei unterscheiden die Forschenden verschiedene Arten von Defekten. Es gibt Punktdefekte, bei denen einzelne Atome fehlen oder durch andere ersetzt werden. Hinzu kommen Liniendefekte, sogenannte Versetzungen, die dafür sorgen, dass Metalle überhaupt verformbar sind. Schließlich spielen auch Flächendefekte eine entscheidende Rolle, wenn beispielsweise unterschiedlich ausgerichtete Kristalle aufeinandertreffen.

Mit modernen Forschungsmethoden können diese Prozesse genauer untersucht werden. Mithilfe hochauflösender Elektronenmikroskope machen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einzelne Atomsäulen sichtbar. Gleichzeitig erlauben Computersimulationen, dieselben Prozesse auf atomarer Ebene darzustellen. Auf diese Weise liefern sie die Grundlagen dafür, die je nach Anwendung gewünschten Materialien zu entwickeln. Langwieriges Ausprobieren entfällt, und die Aachener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können vorhersagen, welche Atome wie zusammengefügt werden müssen, um die gewünschte Materialeigenschaft zu erhalten.



  • Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

    Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

    Auch im Februar sind die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau prozentual zweistellig gesunken: Die Auftragseingänge blieben abermals um real 10% unter dem Vorjahresniveau.

    mehr lesen: Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

  • Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

    Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

    Ab April unterstützen Gerald Rosspeintner, Thomas Pötsch und Werner Lichtenegger als Prokuristen die Geschäftsleitung von Knapp Systemintegration in Loeben.

    mehr lesen: Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

  • Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

    Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

    Proalpha strukturiert das Führungsteam der ERP Business Unit neu und ernennt Christoph Kull zum President ERP+. Er berichtet an CEO Eric Verniaut.

    mehr lesen: Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

    Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

    95 Prozent der 102 von Horváth befragten Führungskräfte sprechen sich in der Studie für staatliche Unterstützung beim Ausbau von Studiengängen und ähnlichen Weiterbildungsformen mit KI-Schwerpunkten aus.

    mehr lesen: Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

  • VDMA gründet Forum Manufacturing-X

    VDMA gründet Forum Manufacturing-X

    Mit der Gründung des Forums Manufacturing-X will der VDMA sämtliche Aktivitäten zu diesem Thema in Richtung seiner Mitgliedsunternehmen und Stakeholder bündeln und koordinieren. Die Arbeit des Forums fußt dabei auf…

    mehr lesen: VDMA gründet Forum Manufacturing-X

  • Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

    Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

    Im aktuellen Bitkom-Ifo-Digitalindex schätzen die Unternehmen ihre aktuelle Lage wieder besser ein. Auch die Erwartungen haben sich verbessert. Der Indexwert klettert im März somit um 1,6 Punkte.

    mehr lesen: Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

  • Merlin Knott leitet Enterprise-Service-Management bei IFS

    Merlin Knott leitet Enterprise-Service-Management bei IFS

    Mit Merlin Knott hat IFS einen neuen Präsidenten für sein Enterprise-Service-Management-Geschäft. Knott leitete zuvor die globale Partner- und Channel-Organisation des Unternehmens.

    mehr lesen: Merlin Knott leitet Enterprise-Service-Management bei IFS

  • Die Digitalisierung in Deutschlands Industrie

    Die Digitalisierung in Deutschlands Industrie

    Eine aktuelle Studie von Reichelt Elektronik betrachtet den aktuellen Stand der Digitalisierung und stellt die Frage, wie Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern abschneidet.

    mehr lesen: Die Digitalisierung in Deutschlands Industrie

  • Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

    Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

    Seit 1949 widmet sich die Fraunhofer-Gesellschaft der anwendungsorientierten Forschung. Am 26. März feierte die heute 76 Institute umfassende Gesellschaft ihr 75-jähriges Bestehen.

    mehr lesen: Fraunhofer-Gesellschaft feiert 75-jähriges Bestehen

  • ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

    ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

    Die Studie ’ERP in der Praxis’ ist in ihre 12. Runde gestartet. Seit 2004 fordern die Analysten der Trovarit AG Anwender von ERP-Systemen dazu auf, ihrem eingesetzten System und dem…

    mehr lesen: ERP-Studie nimmt KI und Cloud in den Fokus

  • Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

    Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen

    Smartphone und Tablet benötigen keinen Cyberschutz? Diese Annahme sollte gründlich überdacht werden.

    mehr lesen: Cyberangriffe auf mobile Geräte deutlich zugenommen