MES-Strategie im Liebherr-Werk Telfs

web 373047 Liebherr Cronetwork 017
Bild: Industrie Informatik GmbH

Seit 1976 produziert das Liebherr-Werk Telfs ein stetig wachsendes Programm von Baumaschinen mit hydrostatischem Antrieb. Der Standort mit mehr als 850 Mitarbeitenden setzt auf konsequente Digitalisierungsmaßnahmen. In diesem Rahmen wurde Toni Ferstl, Leitung Industrial Engineering Fertigung, mit der Auswahl einer MES-Software beauftragt. Er erinnert sich: „Ein effizient arbeitender Shopfloor ist selbstverständlich unverzichtbar, das war uns schon immer klar. Mit der Einführung eines MES sind wir einen für uns logischen Evolutionsschritt gegangen, der uns dabei hilft, Transparenz, Reaktionsgeschwindigkeit und Eigenverantwortung in der Fertigung entscheidend zu optimieren.“

Single-Point-of-Entry für Werker

„Unsere Baumaschinen zeichnen sich durch eine extrem hohe Ausrüstungsvarianz aus. Jeder Auftrag und jeder Handgriff bringen spezifische Anforderungen an Material, Fertigungsschritte und natürlich unsere Mitarbeitenden mit sich. Die Werkerinformation entlang der Fertigungsaufträge ist daher entscheidend“, sagt Christina Radis, Business Solution Architect Production bei Liebherr. Heute werden Zeichnungen, Stücklisten, Arbeitspläne und -anweisungen in der MES-Software Cronetwork konzentriert. „Was früher mittels Mengen an Papierdokumenten, wiederholten Informationssuchen und potenziellen Fehlerquellen verbunden war, wollten wir unseren Kolleginnen und Kollegen am Shopfloor mit einem Single-Point-of-Entry bereitstellen. Alle nötigen Informationen zum aktuellen Auftrag stehen daher nun in einem System zur Verfügung und müssen nicht mehr zusammengesucht werden. So können wir manuelle Fehler ausschließen, in Summe schneller werden und einen großen Schritt in Richtung papierarmer Fertigung gehen“, sagt Radis. Sie sieht einen weiteren Nutzen darin, dass die Nutzenden nicht nur Informationen beziehen, sondern auch zurückgeben können, wie etwa Fehlteile auf Stücklisten vermerken. Sie ergänzt: „Für den Fertigungsbereich hat sich das MES neben unserem ERP-System Infor LN, von wo aus Materialvorkalkulationen, Arbeitspläne und -anweisungen etc. an Cronetwork bereitgestellt werden, zum wichtigsten Tool entwickelt und auch die Bereitstellung der Zeichnungen aus dem PLM funktioniert einwandfrei. Diese können wir auch auf unseren Tablets aufrufen.“

Datendrehscheibe MES

Das MES wurde in den Bereichen Zuschnitt, Stahlbau, Mechanik, Lackieranlage und Intralogistik eingeführt und sollte den gesamten Fertigungsbereich möglichst breit abdecken. Auch die Nutzung von Meldeterminals zur Betriebsdatenerfassung spielte eine wichtige Rolle im Liebherr-Werk Telfs. Zusätzlich zur klassischen Auftragsbemeldung ist das sogenannte MES Incident Reporting für den Werker die erste Möglichkeit zur Informationsweitergabe, wenn es ein Problem oder einen unvorhergesehenen Zwischenfall zu melden gibt. Für die Verantwortlichen bei Liebherr ein wichtiger Punkt, der für die nötige Transparenz im Bereich der Eigenfertigung sorgt. Radis: „Im laufenden Betrieb erkennen wir so immer wieder Optimierungspotenziale, etwa hinsichtlich der Reduktion von Fehlteilen und Wartezeiten und erhalten auch im administrativen Bereich wichtige Kennzahlen zur Produktivitätssteigerung in der Fertigung.“

Gemeint sind damit unter anderem Expertenportale, die Meistern und Teamleitern vom PC aus einen Echtzeiteinblick in ihre Fertigung ermöglichen und ein Bild über das aktuelle Geschehen am Shop-floor liefern. Auch die Fertigungssteuerung nutzt das MES und speziell die Pido Business Intelligence (Pido, Produktionsinfo Datenobjekte) für Auswertungen, auf deren Basis weitere Maßnahmen und Strategien geplant werden.

web 373047 Liebherr Cronetwork 019
Bild: Industrie Informatik GmbH

In Summe arbeiten heute knapp 100 Werker an 80 Terminals und ca. 40 Personen aus der Administration (Meister, Teamleiter, Produktionsleitung, Fertigungssteuerung, Industrial Engineering, usw.) im täglichen Betrieb mit der Software. Zu Beginn des MES-Projekts wurden die Mitarbeitenden im Rahmen eines Change-Prozesses umfangreich informiert und geschult. Für Christina Radis sorgt der integrierte No-Code-Ansatz in der Software für einen weiteren Mehrwert, denn so können Optimierungen auf Basis von Mitarbeiteranfragen schnell und unkompliziert gelöst werden, was für zusätzliche Akzeptanz sorgt.

Das Management profitiert

Auch in der obersten Management-Ebene ist man sich der Effekte eines digitalen Shopfloors in Verbindung mit der MES-Software bewusst. Liebherr Werk-Telfs Geschäftsführer Alfred Weithaler: „Als auftragsbezogen arbeitendes Werk mit einer breiten Produktpalette und vielfältigen Optionen in der Produktkonfiguration ist es mir wichtig, die richtigen Teile zur richtigen Zeit in bester Qualität für unsere Kunden zur Verfügung zu stellen. Damit einhergehend sind schnelle Durchlaufzeiten essenziell. Das größte Potenzial zur Optimierung von Durchlaufzeiten liegt in der Eliminierung von Liegezeiten. Dabei unterstützt uns das MES und wir schafften damit den Sprung von der manuellen ‚Meistersteuerung‘ zu einer professionellen, digitalen Fertigungssteuerung.“

Fazit

Weitere Projekte sind bereits in Planung. So plant das Liebherr-Werk Telfs im ERP-System heute noch gegen unbegrenzte Kapazitäten. Cronetwork Feinplanung APS soll hier weitere Effizienz- und Optimierungspotenziale freisetzen.



  • Mesago zieht positive SPS-Bilanz

    Mesago zieht positive SPS-Bilanz

    In ihrer Messeanalyse zieht die Mesago Messe Frankfurt ein positives Fazit der SPS in Nürnberg. Demnach erfuhr die Veranstaltung großen Zuspruch seitens Ausstellern und Fachbesuchern.

    mehr lesen: Mesago zieht positive SPS-Bilanz

  • WIIT übernimmt Teil von German Edge Cloud

    WIIT übernimmt Teil von German Edge Cloud

    Die WIIT, ein Cloud Computing-Anbieter aus Italien, hat über die deutsche Tochtergesellschaft WIIT AG einen Vertrag zum Erwerb des Geschäftsbereichs Edge & Cloud der zur Friedhelm Loh Group gehörenden German…

    mehr lesen: WIIT übernimmt Teil von German Edge Cloud

  • Aufatmen in der deutschen Automobilindustrie

    Aufatmen in der deutschen Automobilindustrie

    Im Januar hat sich die Stimmung der deutschen Autobauer verbessert. Trotz einiger positiver Signale, gibt das Ifo Institut jedoch noch keine Entwarnung. Unter anderem bereiten Auftragslage und der Fachkräftemangel sorgen.

    mehr lesen: Aufatmen in der deutschen Automobilindustrie

  • Industrielle Instandhaltung, Pumpen, Armaturen und Ventile im Fokus

    Industrielle Instandhaltung, Pumpen, Armaturen und Ventile im Fokus

    Am 21. Februar 2024 starten die Maintenance als Messe für die industrielle Instandhaltung und die Pumps&Valves als Fachmesse für industrielle Pumpen, Armaturen und Ventile. Auf die Fachbesucher warten rund 240…

    mehr lesen: Industrielle Instandhaltung, Pumpen, Armaturen und Ventile im Fokus

  • Führungswechsel bei Schneider Electric DACH

    Führungswechsel bei Schneider Electric DACH

    Stefan Gierse wird mit Wirkung zum April neuer Zone President der DACH-Organisation von Schneider Electric. Der 45-Jährige war zuvor für Siemens tätig.

    mehr lesen: Führungswechsel bei Schneider Electric DACH

  • Rückgang schwächt sich leicht ab

    Rückgang schwächt sich leicht ab

    Der Orderrückgang des Maschinen- und Anlagenbaus hat sich im Dezember 2023 etwas abgeschwächt – unter dem Strich vermeldet der VDMA für das gesamte Jahr aber dennoch ein zweistelliges Minus der…

    mehr lesen: Rückgang schwächt sich leicht ab

  • Jörg von Ploetz zum CEO ernannt

    Jörg von Ploetz zum CEO ernannt

    Jörg von Ploetz löst Rüdiger Weihs an der Spitze des Softwareunternehmens Böhme & Weihs ab. Von Ploetz war zuvor COO des Qualitätsmanagement-Spezialisten.

    mehr lesen: Jörg von Ploetz zum CEO ernannt

  • Wie Hacker im Darknet Innentäter anwerben

    Wie Hacker im Darknet Innentäter anwerben

    Hacker und Cyberkriminelle bieten im Darknet nicht nur ihre Dienste an oder verkaufen dort erbeutete Datensätze. Sie suchen auch Komplizen, wie etwa unzufriedenen Mitarbeitern. Manchmal bieten diese ihre Dienste sogar…

    mehr lesen: Wie Hacker im Darknet Innentäter anwerben

  • Ein Motorrad fürs Wasserstoffzeitalter

    Ein Motorrad fürs Wasserstoffzeitalter

    Ein deutsch-tschechisches Konsortium aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeitet im Projekt Hydrocycle an einem Wasserstoff-Motorrad. Unter anderem wollen die Partner einen neuartigen Brennstoffzellenstack entwickeln

    mehr lesen: Ein Motorrad fürs Wasserstoffzeitalter

  • Verbände üben Kritik am AI Act

    Verbände üben Kritik am AI Act

    Regeln für künstliche Intelligenz Verbände üben Kritik am AI Act In dieser Woche wird Deutschland voraussichtlich grünes Licht für den aktuellen Entwurf des EU AI Acts geben. Verbände äußern jedoch…

    mehr lesen: Verbände üben Kritik am AI Act

  • Hesthaven neuer KIT-Präsident

    Hesthaven neuer KIT-Präsident

    Jan S. Hesthaven folgt auf Holger Hanselka Hesthaven neuer KIT-Präsident Prof. Jan S. Hesthaven wird neuer Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie. Er folgt auf Prof. Holger Hanselka, der Mitte…

    mehr lesen: Hesthaven neuer KIT-Präsident

  • Nostradamus arbeitet an europäischer Quanten-Testinfrastruktur

    Nostradamus arbeitet an europäischer Quanten-Testinfrastruktur

    Kommunikationsnetz mit Quantenverschlüsselung Nostradamus arbeitet an europäischer Quanten-Testinfrastruktur Ein von der Telekom geführtes Konsortium verantwortet den Aufbau von Quanten-Testinfrastruktur für Europa. Die Europäische Union will damit die Sicherheit ihrer Kommunikationsnetze,…

    mehr lesen: Nostradamus arbeitet an europäischer Quanten-Testinfrastruktur