Customizing und Feinschliff

Wenn das Grundsystem steht, folgt der vorletzte Schritt: Das Customizing und der Feinschliff. Dabei wird die ERP-Anwendung detailliert an das Unternehmen angepasst. Für das Customizing sind kaum Programmierkenntnisse nötig, aber viel ERP-Erfahrung und Prozessverständnis. Nur wer die Prozesse versteht, kann sie so konfigurieren, dass sie effizient funktionieren. An dieser Stelle zahlt es sich aus, wenn Key-User früh definiert wurden. Diese Mitarbeiter des Projektteams werden von Anfang an in den Aufbau und die Konfiguration des Systems involviert und können sich in den persönlich relevanten Bereichen einbringen und bereits Erfahrungen mit dem System sammeln. In dieser Phase spielt der agile Teil des Wasserfalls seine Trümpfe aus. Denn manche vorher nicht erkennbare Themen bei Prozessen und Funktionen fallen erst bei der Umsetzung auf und können nun innerhalb der Einzelphase sofort und meist mit wenig Aufwand umgesetzt werden. Doch die Projektverantwortlichen sollten aufpassen, nicht jeden Wunsch und jede Funktion realisieren zu wollen. Die Flexibilität eines Baukastensystems und der agilen Methode weckt in der Praxis oft Begehrlichkeiten nach immer mehr Detallierung. Eine Orientierung an den zuvor definierten Projektleitplanken hilft, in der Spur zu bleiben. Abhängig von der Größe eines Unternehmens sowie den Prozessen, Anforderungen und der Datenreinheit dauert die Realisierung eines ERP-Projekts mit Low-Code drei bis 18 Monate.

Gutes Change Management nötig

Im letzten Schritt erfolgt die allgemeine Vorstellung und Einführung des neuen Systems. Als Herzstück eines Unternehmens muss das ERP-System von den Nutzern akzeptiert werden. Auch deshalb sollten einige Mitarbeiter als Key-User am Entwicklungsprozess beteiligt sein. Das neue System ist dann sozusagen ihr Baby, was die Akzeptanz auf Seiten dieser Anwender drastisch erhöht. Diese Begeisterung sollen die Key-User in ihre Abteilungen übertragen. Bei einem ERP-System auf Basis etwa der Gebra-Suite verspricht der Systemanbieter einen geringen Schulungsbedarf. Denn im Unternehmen bereits bekannte Begriffe bei der Benennung der Buttons und Menüs werden in den vorherigen Schritten übernommen. Selbst die eigenständige Anpassung des Systems durch eigene Mitarbeiter ist über Low-Code mit Drag&Drop-Funktionen schnell erlernt.

Tipps für die Auswahl:

1. Unternehmen sollten sich nicht von Namen oder Image der Anbieter beeinflussen lassen, sondern das System genau anschauen. Sie sollten im Workshop Funktionen, Onboarding und Kosten genau abklopfen.

2. ERP-Kompetenz ist wichtiger als Software-Kompetenz. Wie viel davon bringt der Anbieter tatsächlich ins Projekt ein?

3. Das System muss offen sein für die Kommunikation mit anderen Systemen. Die vorhandenen oder möglichen Schnittstellen und die Komplexität der Anbindung sind genau zu prüfen. Eine REST-API sollte heutzutage verfügbar sein. Abschottung gegenüber anderen Systemen ist ein No-Go.

4. Erfüllt das System alle relevanten Compliance-Anforderungen, insbesondere in Bezug auf Datenschutz und -sicherheit?

5. Das ERP-System sollte langfristig den Anforderungen entsprechen. Bei einem auf Low-Code basierenden System sind Anpassungen meistens ohne viel Programmierung und zügig umsetzbar. Wenn sich ein Unternehmen stark verändert, können modulare und flexible ERP-Systeme ihren Vorteil ausspielen.

6. ERP-Software sollte benutzerfreundlich sein. Lässt sie sich an die Anforderungen etwa beim Unternehmens-Wording, bei der Benennung der Buttons und Menüs anpassen? Das erhöht den Bedienkomfort, erhöht meist die Akzeptanz bei den Nutzern und reduziert Schulungskosten.

Seiten: 1 2



  • Erwerbstätige sind beim KI-Einsatz geteilter Meinung

    Erwerbstätige sind beim KI-Einsatz geteilter Meinung

    Rund die Hälfte der vom Branchenverband Bitkom befragten Erwerbstätigen würde Routineaufgabe an eine KI abgeben. Die andere Hälfte lehnt dies jedoch ab. Zudem sehen nur wenige der Befragten keinerlei Nachteile…

    mehr lesen: Erwerbstätige sind beim KI-Einsatz geteilter Meinung

  • Technologiemonitor weist Weg zur klimaneutralen Produktion

    Technologiemonitor weist Weg zur klimaneutralen Produktion

    Fraunhofer IAO und IPA sowie das IAT und EEP der Universität Stuttgart haben gemeinsam mit der Umwelttechnik BW in Stuttgart eine Studie vorgestellt: Die ’Roadmap Klimaneutrale Produktion’ soll Unternehmen in…

    mehr lesen: Technologiemonitor weist Weg zur klimaneutralen Produktion

  • Autobauer sehen sich im Aufwind

    Autobauer sehen sich im Aufwind

    Die deutschen Autobauer blicken wieder zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Laut aktueller Zahlen des Ifo Instituts fallen vor allem die Exportaussichten positiv auf.

    mehr lesen: Autobauer sehen sich im Aufwind

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Deutsche Fertiger setzen vermehrt auf KI

    Deutsche Fertiger setzen vermehrt auf KI

    Rockwell Automation liefert in der neunten Ausgabe des ’State of Smart Manufacturing’-Reports Einblicke in Trends, Herausforderungen und Pläne für Hersteller. Demnach ist künstliche Intelligenz in der Fertigung angekommen.

    mehr lesen: Deutsche Fertiger setzen vermehrt auf KI

  • Silo AI und AppliedAI wollen KI-Ökosystem aufbauen

    Silo AI und AppliedAI wollen KI-Ökosystem aufbauen

    Die KI-Initiative AppliedAI startet eine Partnerschaft mit dem privaten KI-Labor Silo AI. Die Partner wollen ein europäisches Ökosystem zur KI-Implementierung aufbauen und Unternehmen damit eine Anlaufstelle bieten.

    mehr lesen: Silo AI und AppliedAI wollen KI-Ökosystem aufbauen

  • Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

    Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

    Auch im Februar sind die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau prozentual zweistellig gesunken: Die Auftragseingänge blieben abermals um real 10% unter dem Vorjahresniveau.

    mehr lesen: Auftragseingang im Maschinenbau: Flaute hält an

  • Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

    Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

    Ab April unterstützen Gerald Rosspeintner, Thomas Pötsch und Werner Lichtenegger als Prokuristen die Geschäftsleitung von Knapp Systemintegration in Loeben.

    mehr lesen: Drei Prokuristen für Knapp Systemintegration

  • Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

    Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

    Proalpha strukturiert das Führungsteam der ERP Business Unit neu und ernennt Christoph Kull zum President ERP+. Er berichtet an CEO Eric Verniaut.

    mehr lesen: Christoph Kull wird President ERP+ bei Proalpha

  • Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

    Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

    95 Prozent der 102 von Horváth befragten Führungskräfte sprechen sich in der Studie für staatliche Unterstützung beim Ausbau von Studiengängen und ähnlichen Weiterbildungsformen mit KI-Schwerpunkten aus.

    mehr lesen: Horváth-Studie untersucht KI-Standortfaktoren für Deutschland

  • VDMA gründet Forum Manufacturing-X

    VDMA gründet Forum Manufacturing-X

    Mit der Gründung des Forums Manufacturing-X will der VDMA sämtliche Aktivitäten zu diesem Thema in Richtung seiner Mitgliedsunternehmen und Stakeholder bündeln und koordinieren. Die Arbeit des Forums fußt dabei auf…

    mehr lesen: VDMA gründet Forum Manufacturing-X

  • Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

    Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer

    Im aktuellen Bitkom-Ifo-Digitalindex schätzen die Unternehmen ihre aktuelle Lage wieder besser ein. Auch die Erwartungen haben sich verbessert. Der Indexwert klettert im März somit um 1,6 Punkte.

    mehr lesen: Unternehmen der Digitalwirtschaft wieder optimistischer