„Der Aufbau einer Datenplattform ist wie Keller aufräumen“

CosmoConsult Uwe Bergmann PRINT 4
Bild: Cosmo Consult SSC GmbH

Seit Jahren wächst Cosmo Consult weltweit, durch Zukäufe und neue Niederlassungen. Wie hat sich das Geschäft verändert?

Uwe Bergmann: Fundamental. Als wir vor fast drei Jahrzehnten gestartet sind, ging es primär darum, integrierte betriebswirtschaftliche Anwendungen (ERP-Systeme) zu implementieren, um Funktions- und Daten-Silos aufzubrechen und Insellösungen zusammenzuführen. Heute sind wir kein reiner Software- und Systemintegrator mehr. Wir haben uns zu einem echten digitalen End-to-End-Partner entwickelt, der das gesamte Spektrum von ERP, CRM, Data & AI bis hin zum modernen Arbeiten nahtlos abdeckt und so die Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle unserer Kunden ganzheitlich digitalisiert. Unser Geschäft hat sich von einer eher technischen Rolle hin zu einer strategischen Partnerschaft verschoben, die auf tiefer fachlicher Expertise und einem starken Vertrauensverhältnis basiert.

Was macht so ein Wachstum mit einer in Münster, Nordrhein-Westfalen, gegründeten Organisation?

Es schärft den Blick für das Wesentliche. Die Wurzeln der heutigen Cosmo liegen tatsächlich in der Ende 1996 in Berlin gegründeten Gesellschaft, die damals eine Tochtergesellschaft der ursprünglichen Cosmo aus Münster war. Als die Münsteraner Muttergesellschaft 2004 an Tectura (einen amerikanischen Microsoft Dynamics Partner) verkauft wurde, entstand daraus Tectura Münster. Auch die Berliner Tochtergesellschaft wurde teilweise an Tectura veräußert, allerdings bin ich als Gesellschafter in Berlin an Bord geblieben. 2011 gingen wir dann den entscheidenden Schritt: Ich habe meine Anteile von Tectura zurückerworben und gemeinsam mit meinen Partnern die heutige Cosmo Consult aus den damaligen Standorten Berlin und Dresden wieder auferstehen lassen. Damit sind wir dann organisch sehr schnell gewachsen. Im Jahr 2014 bekamen wir die Gelegenheit, unsere ehemalige Muttergesellschaft aus Münster und das gesamte europäische Geschäft von Tectura zu übernehmen. In den Jahren darauf haben wir weitere Unternehmen erworben und sind auch international weitergewachsen. Was macht so ein Weg mit uns? Wir sind wahnsinnig dankbar und stolz, dass wir mit unseren Kunden und Mitarbeitenden diese dynamische Entwicklung mitgestalten dürfen. Wir betreiben unser Geschäft nun im dreißigsten Jahr und sind immer noch mit Liebe, Leidenschaft und Unternehmertum dabei. Heute sind wir der weltweit größte Microsoft Dynamics Partner, der vollständig im Besitz seiner Gründer ist.

Wie vermittelt man eigentlich eine übergreifende Unternehmenskultur in so vielen Gesellschaften und Ländern, noch dazu in kurzer Zeit? Was sind die Herausforderungen?

Kultur kann man nicht verordnen. Sie können kein PDF mit Unternehmenswerten verschicken und erwarten, dass am nächsten Tag alle danach leben, vor allem nicht über Ländergrenzen hinweg. Als ich 2017 den ‘Cosmo Code’ geschrieben habe, war es mein Ziel, ein kulturelles Leitwerk zu schaffen, das alles in sich vereint: unsere Werte, unsere Prinzipien, unsere langfristige Vision, unsere Identität und unsere Kernziele. Der Code regelt unseren täglichen, wertschätzenden Umgang miteinander und mit unseren Kunden. Die größte Herausforderung beim schnellen Wachstum liegt darin, den Menschen nicht aus den Augen zu verlieren. Wir machen die digitale Transformation menschlich, indem wir Intelligenz, Technologie und Vertrauen miteinander verbinden. Wenn alle Mitarbeitenden weltweit spüren, dass sie nach denselben Prinzipien arbeiten und dass Vertrauen und Offenheit keine Lippenbekenntnisse sind, entsteht auf natürliche Weise eine globale Einheit.

Heute sind wir der weltweit größte Microsoft Dynamics Partner, der vollständig im Besitz seiner Gründer ist.

Change-Management ist ein strapazierter Begriff, aber Wandel dürfte auch bei Cosmo real sein. Das vorausgesetzt: Hat es die IT-Branche gegenüber der produzierenden Industrie leichter, was ihre Wandlungsfähigkeit betrifft?

Am Ende des Tages arbeiten in beiden Branchen Menschen und das menschliche Gehirn mag Veränderung erst einmal nicht so gerne. In der IT-Branche haben wir es mit einer extrem hohen Taktzahl zu tun. Wir kämpfen nicht mit physischem Verschleiß von Maschinen, sondern mit der rasanten Veralterung von Wissen und Methoden. In der Industrie ist der Wandel durch physische Anlagen, Hallen und Lieferketten etwas langsamer und mit höheren Reibungsverlusten verbunden, denn wenn ein Prozess in der Produktion einmal optimiert ist, steht er oft für Jahre stabil. In der IT verschiebt sich der Boden, auf dem wir stehen, praktisch jede Woche. Es ist also nicht leichter, sondern einfach eine völlig andere Dimension von Dynamik. Unser Anspruch ist es jedoch, den Menschen die Freude an dieser Veränderung zu vermitteln, damit sie die Digitalisierung als Chance begreifen. In der nahen Zukunft wird jedoch in beiden Bereichen die Veränderung zur Normalität und die schnelle Anpassung zum Wettbewerbsvorteil oder zur Überlebensstrategie.

Was könnten beide Branchen jeweils voneinander lernen?

Die IT-Branche kann von der produzierenden Industrie die unerbittliche Prozessdisziplin und das kompromisslose Qualitätsbewusstsein lernen. Umgekehrt kann die Industrie von der IT die Agilität und die Offenheit für das Unfertige lernen. Wir müssen im Mittelstand weg von der Mentalität, ein Innovationsprojekt erst dann zu starten, wenn es zu 100 Prozent durchgeplant ist. Einfach mal ein Minimum Viable Product wagen, Daten fließen lassen und das System im Betrieb iterativ verbessern. Das spart Zeit und schont Ressourcen.

Als Microsoft-Partner mit starkem ERP-Footprint skizziere ich in Schwarzweiß: Sie bieten einerseits einen sicheren Hort für die Stamm- und Bewegungsdaten, andererseits eine flexible Datenplattform für KI-Applikationen. Wie passt diese Sicht in die heutige Welt der Enterprise-IT?

Diese Sicht trifft das fundamentale Spannungsfeld der modernen IT perfekt: Auf der einen Seite brauchen wir Struktur und absolute Verlässlichkeit, auf der anderen Seite maximale Offenheit für Innovation. Ein ERP-System ist das digitale Nervensystem eines Unternehmens. Hier liegen die hochsensiblen, strukturierten Stamm- und Bewegungsdaten, dieser Bereich muss absolut sicher und stabil sein. Aber das allein genügt nicht. Wir brauchen zusätzlich Skelett, Muskeln und Gehirn: eine moderne, flexible Datenplattform, eine ganzheitliche Architektur und darauf aufsetzende KI-Applikationen. Erst wenn diese verschiedenen Welten nahtlos ineinandergreifen, entsteht echtes intelligentes Arbeiten. Wenn Sie KI-Systeme mit schlechten Daten füttern, bekommen Sie schlechte oder falsche Ergebnisse. Im echten Businesskontext ist die Vertrauenswürdigkeit einer KI wichtiger als ihre Fähigkeiten. Daher braucht es ein starkes Fundament und eine flexible Intelligenz – und das schaffen wir mit unserem integrierten End-to-End-Portfolio.

Nach anfangs meist individueller Projektierung, etwa für PoCs oder Use Cases, gelangt KI heute zunehmend in Standardsoftware integriert in die Tool Chains. Warum sollte etwa ein Mittelständler KI übergreifend denken, oder gar projektieren?

Weil punktuelle KI-Inseln wie einsame Leuchttürme im Nebel sind. Sie sehen zwar hübsch aus, weisen aber dem restlichen Schiff nicht den Weg. Ein mittelständisches Unternehmen ist ein integrierter Organismus. Hier stoßen wir direkt auf das Nadelöhr der heutigen IT: die Daten-Integration. In den meisten Unternehmen liegen die Daten über unzählige, heterogene Systeme verstreut. Um KI sinnvoll zu nutzen, müssen wir diese Daten vereinheitlichen, strukturieren und mit einer klaren Semantik versehen – also eine gemeinsame Sprache, eine Unternehmens-Ontologie (corporate ontology) für das gesamte Unternehmen schaffen. Genau hierfür haben wir mit Cosmo Anyfy eine hochinnovative Plattform entwickelt. Anyfy harmonisiert die Datenmodelle verschiedener Systeme (ERP, CRM, PLM) und überführt sie in eine einheitliche Unternehmens-Ontologie. Das Geniale daran: Ihr unternehmenseigenes Datenmodell wird dadurch völlig unabhängig von den darunterliegenden Softwaresystemen. Selbst wenn Sie später Systeme austauschen, bleibt Ihre Datenstruktur stabil und lesbar für KI. Erst wenn Sie Ihre Daten so organisieren, wird KI zu einem echten, übergreifenden Innovations- und Effizienz-Booster.

Wenn Unternehmen eine strategisch ausgerichtete Datenplattform einrichten wollen. Was wäre ein pragmatischer Ansatz, um Kosten, Zukunftssicherheit, Interoperabilität, Flexibilität und Funktionalität zu harmonisieren?

Der Aufbau einer nachhaltigen Datenplattform ist eine bisschen wie den Keller aufräumen. Keiner macht es gerne, aber man findet immer Schätze und wenn alles schön sortiert und aufgeräumt ist und man alles sofort findet, freut man sich. Im Unternehmen ist die Datenplattform der Maschinenraum der betriebswirtschaftlichen Organisation. Am Anfang steht ein Plan: die digitale Strategie. Und dann folgen die Umsetzung und einzelne Schritte, die immer das Gesamtziel im Auge haben. Fangen Sie klein an, aber denken Sie groß. Greifen Sie nach den niedrig hängenden Früchten und schaffen Sie schnell Mehrwerte. Das steigert die Motivation und bringt einen schnellen ROI. Mit dieser positiven Energie ist es dann viel einfacher, die härteren Nüsse zu knacken. Mit unserer Methode Cosmo Success by Design verfolgen wir einen sehr pragmatischen Ansatz. Wir setzen uns zuerst mit den Fachexperten an einen Tisch und definieren eine gemeinsame, universelle Sprache für den jeweiligen Bereich. Auf dieser Basis strukturieren wir die Datenmodelle mit Anyfy.

Zum Zielbild gehören Entscheidungen über lokales Hosting und den Bezug von Cloud-Services. Wie sehen die Best Practices bei Ihren Kunden aus?

Die ideologische Debatte ‘On-Premises vs. Cloud’ ist eigentlich vorbei. Die Realität und die Best Practice unserer Kunden ist eindeutig hybrid: Cloud-First, but Edge-Resilient. Wenn es um KI, rechenintensive Analysen, globale Kollaboration und Skalierbarkeit geht, führt an der Cloud kein Weg vorbei. Wenn wir aber über die direkte Steuerung von Maschinen auf der Werksebene sprechen, wo Millisekunden entscheiden oder die Produktion auch bei einem theoretischen Internetausfall absolut sicher weiterlaufen muss, dann nutzen wir Edge-Szenarien, also lokales Computing.

Datensicherheit hat sich im KI-Zeitalter völlig neu definiert. Früher ging es darum, eine dicke Mauer um die Server zu bauen. Heute geht es um Datensouveränität und Vertrauen.

Welche Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang bei der Datensicherheit?

Datensicherheit hat sich im KI-Zeitalter völlig neu definiert. Früher ging es darum, eine dicke Mauer um die Server zu bauen. Heute geht es um Datensouveränität und Vertrauen. Die brennendste Frage, die mir Kunden stellen, lautet: ‘Wo landen meine Daten, wenn die KI damit arbeitet? Trainiert OpenAI mit meinen vertraulichen Konstruktionsplänen ihre öffentlichen Modelle?‘ Unsere klare Antwort als Microsoft-Partner darauf lautet: Nein, niemals. In unseren Enterprise-Szenarien bleiben die Daten in einem geschlossenen, sicheren Raum, auf den ausschließlich das jeweilige Unternehmen Zugriff hat. Datensicherheit bedeutet heute auch, die Integrität von KI-Entscheidungen sicherzustellen. Dabei geht es nicht mehr nur um den Schutz vor Cyberangriffen, sondern auch um die vollständige Kontrolle über den gesamten Lebenszyklus von Daten hinweg – von der Erfassung über die Verarbeitung bis hin zur Löschung. Die zentralen Schutzziele der Informationssicherheit – Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit – müssen dabei nahtlos ineinandergreifen. Nur wenn Unternehmen jederzeit sicherstellen können, dass ihre Daten geschützt, unverändert und bedarfsgerecht verfügbar sind, entsteht das notwendige Vertrauen für den verantwortungsvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Was sind typische Use Cases, die als erstes auf den ROI einzahlen? Und wie geht es dann weiter?

Die ‘Low-Hanging Fruits’ mit sofortigem ROI liegen überall dort, wo Menschen heute wertvolle Zeit mit der Suche und dem Zusammenführen von unstrukturierten Informationen verwenden. Zum Beispiel KI-gestützte Dokumentenanalysen, automatisiertes Auslesen, das Beantworten von Kundenanfragen und Ausschreibungen oder intelligente Assistenzsysteme im Kundenservice. In der Produktion sind es die präventive Instandhaltung (Predictive Maintenance), Lager- und Logistikoptimierung, Planungsoptimierung, intelligente Beschaffung auf Basis von Echtzeit-Lieferketten-Daten. Wie geht es weiter? Sobald diese Effizienzgewinne etabliert sind, wechseln wir von der rein assistierenden KI zur agentenbasierten KI, also zu Systemen, die nicht mehr nur Vorschläge machen, sondern selbstständig Prozesse anstoßen, reagieren und Wege zum Ziel finden.

Agentic AI wird oft als nächste Stufe der KI-Entwicklung beworben. Für mich hört sich das an wie klassische KI, die eine Chain-of-Prompt abarbeitet und Tools aufruft. Wo ist der Unterschied?

Der Unterschied ist der Sprung von der Reaktivität zur Proaktivität. Oder anders gesagt: Der Sprung vom Werkzeug zum ‘Kollegen’. Klassische KI ist wie ein sehr schlauer Assistent, dem Sie sehr präzise Anweisungen geben müssen: ‘Lies diese E-Mail, schreib eine Antwort und schick sie mir.’ Agentic AI hingegen bekommt ein Ziel vorgegeben: ‘Finde die beste und günstigste logistische Alternative für unseren Kunden in Lyon, da sich die Lieferung wegen des Streiks in Frankreich verspäten wird. Stimme dich mit dem Kunden ab und buche die Spedition selbstständig um, wenn die Mehrkosten unter 1.000 Euro liegen.’ Der KI-Agent fängt nun selbstständig an zu denken. Er analysiert Optionen, wägt Risiken ab, kommuniziert eigenständig mit Systemen, trifft Entscheidungen innerhalb seiner Leitplanken und handelt. Das ist keine starre Befehlskette mehr, sondern dynamisches, zielgerichtetes Verhalten.

Ist Agentic AI in naher Zukunft für Büro, Konstruktion und Werksebene gleichermaßen relevant?

Absolut, aber in unterschiedlichen Ausprägungen und Wellen. Im Büro erleben wir es bereits. Agenten übernehmen das Terminmanagement, die Rechnungsverarbeitung oder das Lead-Scoring im Vertrieb. In der Konstruktion (R&D) werden Agenten zu Co-Designern, die basierend auf physikalischen Parametern und Kostenstrukturen hunderte Designvarianten autonom simulieren und optimieren. Auf der Werksebene wird es hochspannend: Hier werden Agenten zur Schnittstelle zwischen der digitalen und der physischen Welt. Sie orchestrieren autonom Maschinenbelegungen, verhandeln mit autonomen Transportsystemen (AGVs) über Materialflüsse und reagieren in Echtzeit auf Werkzeugverschleiß. Die Werksebene erfordert wegen der physischen Risiken die strengsten Sicherheitsleitplanken, aber das Potenzial ist gigantisch.

Von der ersten Idee bis zur Systempflege nach dem Rollout: Wo fangen die Leistungen von Cosmo eigentlich an, und wo hören sie auf?

Wir hören eigentlich nie auf. (schmunzelt) Das klingt nach einer Drohung, ist aber ein Versprechen. Unsere Arbeit beginnt weit vor der Technologie – bei der strategischen Unternehmensberatung, der Prozessanalyse und dem Change-Management. Wir implementieren erst dann die Systeme, migrieren die Daten und programmieren die Schnittstellen. Aber das Projekt endet nicht nach dem Go-Live. Dann geht es um die kontinuierliche Adoption durch die Mitarbeitenden, um Trainings über unser Cosmo College und darum, das System kontinuierlich mit neuen Innovationen wie KI anzureichern. Unser Customer Lifetime Service ist das Herzstück unserer langfristigen Partnerschaft mit unseren Kunden. Weil unser ganzer Anspruch darauf ausgerichtet ist, Menschen und Unternehmen dabei zu helfen, ohne Limits zu wachsen und fundierte Entscheidungen mit absoluter Klarheit zu treffen, ist unsere Begleitung eine fortlaufende, vertrauensvolle Partnerschaft auf Augenhöhe.

Wie haben sich im Lauf der letzten Jahre die Erwartungen Ihrer Kunden an dieses Technologiespektrum verändert?

Die Kunden sind extrem reif und anspruchsvoll geworden. Vor zehn Jahren wollten die Entscheider ein stabiles System, das im Budget bleibt und pünktlich läuft. Technologie war ein Kostenfaktor, den man optimieren musste. Heute sitzen uns Manager gegenüber, die genau wissen, dass Technologie über ihr Zukunft am Markt entscheidet. Sie wollen keine Features mehr kaufen, sondern echte Wettbewerbsvorteile. Die Erwartungshaltung an uns ist heute, dass wir nicht nur exzellente IT-Architekten sind, sondern die Business-Modelle unserer Kunden proaktiv herausfordern und weiterentwickeln. Sie erwarten von uns die Antwort auf die Frage: ‘Wie sieht mein Unternehmen in fünf Jahren aus und wie verdienen wir dann unser Geld?’ Wir sind heute Business und Strategie Partner unserer Kunden.

Bei welcher Aufgabe bringt Sie als CEO künstliche Intelligenz am spürbarsten weiter?

Ganz klar bei der Informationssynthese und als strategischer Sparringspartner. Als CEO werde ich täglich mit einer unfassbaren Menge an unstrukturierten Informationen überflutet: Marktberichte, Board-Anfragen, lange E-Mail-Verläufe, juristische Dokumente. Dazu kommen mir immer wieder neue Ideen, die ich heute zuerst mit der KI ‘challenge’ und strukturiere bevor ich sie mit meinen Kollegen bespreche. Unserer internen KI – wir haben eine eigene, tief integrierte KI-Assistentin namens Cosma entwickelt – gebe ich komplexe Dokumente und sage: ‘Fasse mir die drei kritischsten Risiken und die zwei größten Hebel dieser Vorlage zusammen.’ Was mich früher zwei Stunden mühsames Lesen gekostet hätte, erledigt Cosma in Sekunden – auf einem sehr hohen Niveau. Das befreit mich von administrativem Rauschen und gibt mir die Zeit zurück, mich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: Strategie, Vision und die Gespräche mit unseren Menschen.

Was fehlt Ihnen im aktuellen Diskurs unserer Branche?

Mir fehlt der Fokus auf den Menschen. Wir sind aktuell völlig betrunken von den technologischen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz. Wir diskutieren über Parameter-Größen, Rechenleistungen und die nächste Modellgeneration. Aber wir sprechen viel zu wenig darüber, wie wir die Menschen bei dieser Reise mitnehmen. Wie nehmen wir der Buchhalterin oder dem Produktionsmitarbeiter die Angst, dass die KI sie überflüssig macht? Wie befähigen wir eine ganze Organisation, diese Werkzeuge sinnvoll und ethisch vertretbar einzusetzen? Unsere feste Überzeugung ist: Echter Fortschritt beginnt immer beim Menschen – die Technologie ist das Werkzeug, das ihn befähigt, über sich hinauszuwachsen. Die beste KI nützt überhaupt nichts, wenn Mitarbeitende sie aus Angst oder Unwissenheit blockieren. Wir müssen Technologie viel menschlicher diskutieren und die einzigartige Kombination aus menschlicher und künstlicher Intelligenz in den Vordergrund stellen.

Auf welche Technik-Entwicklung in naher Zukunft freuen Sie sich?

Ich bin sehr gespannt, wie agentische Systeme im kritischen Umfeld zuverlässig komplexe Aufgaben lösen werden. Ich freue mich auf die Verschmelzung von Physical AI und Generative AI – also auf den Moment, an dem intelligente, agentenbasierte Systeme nahtlos mit moderner Robotik in der echten Welt interagieren. Zu sehen, wie humanoide Roboter oder hochflexible Fertigungszellen durch Edge-KI lernen, sich in Echtzeit an neue Aufgaben anzupassen und Hand in Hand mit dem Menschen in der Fabrik arbeiten. Das ist für mich keine Science-Fiction mehr, sondern die nahe Zukunft. Das wird die industrielle Produktion und die Art, wie wir arbeiten, noch einmal völlig neu definieren – und wir bei Cosmo Consult werden unsere Kunden dabei unterstützen diese Technologien, sicher und effizient zu nutzen.

Cosma: KI-Plattform macht Unternehmenswissen verfügbar
Cosma ist eine KI-Plattform, die Unternehmen dabei unterstützt, ihr Wissen und ihre Systeme zu vernetzen und für alle nutzbar zu machen. Sie verbindet ERP- und CRM-Systeme, SharePoint und Microsoft 365 – Antworten basieren auf übergreifend auf Daten dieser Quellsysteme. Mitarbeitende können eigene KI-Agenten erstellen und unternehmensweit teilen – auf Basis von Modellen wie GPT, Claude oder Gemini, auf europäischer Infrastruktur gehostet und DSGVO-konform.