Predictive Forecasting verstehen und implementieren

330291 470405
Bild: BoOm/stock.adobe.com

Predictive Forecasting ist eine weiterentwickelte Form des traditionellen Forecasting, die eine Vielzahl von Eingabedaten wie Werte, Trends, Zyklen und Fluktuationen aus verschiedenen Geschäftsbereichen integriert, um Ereignisse vorherzusagen. Der Ansatz verwendet statistische Methoden und Algorithmen des maschinellen Lernens, um Daten miteinander zu verknüpfen und Muster zu erkennen, die als Grundlage für Vorhersagen dienen. Die Genauigkeit dieser Vorhersagen hängt stark von der Breite der Datenbasis und der Präzision der erkannten Muster ab. Darüber hinaus hängt die Prognosegenauigkeit vom jeweiligen Geschäftsmodell ab: Bei stabileren und weniger schwankungsanfälligen Kennzahlen kann Predictive Forecasting sehr genaue Prognosen liefern. Mit Predictive Forecasting können Unternehmen fundierte Entscheidungen treffen und ihre Prozesse optimieren. Es ermöglicht, zukünftige Trends zu erkennen, Risiken zu reduzieren und Chancen zu nutzen, bevor sie offensichtlich werden. Dies führt zu einer verbesserten Ressourcenplanung, erhöht die Effizienz und kann zu erheblichen Kosteneinsparungen und Umsatzsteigerungen führen.

Wo liegen die Herausforderungen ?

Der Analyseansatz ist jedoch kein Selbstläufer. Vielmehr birgt die Implementierung von Predictive Forecasting spezifische Herausforderungen, die sowohl die Datenverarbeitung als auch die Modellierung betreffen:

Datenqualität und -verfügbarkeit – Die Genauigkeit von Prognosen hängt stark von der Qualität der verwendeten Daten ab. Fehlende, fehlerhafte oder inkonsistente Daten können die Leistungsfähigkeit der Modelle erheblich beeinträchtigen. Darüber hinaus können Daten, die nicht die tatsächliche Vielfalt oder Verteilung der Gesamtheit widerspiegeln, zu verzerrten Prognosen führen.

Dynamische und veränderliche Umgebungen – Prognosemodelle können durch plötzliche und unvorhersehbare Ereignisse wie wirtschaftliche Schocks oder Naturkatastrophen stark beeinflusst werden. Diese Ereignisse können die Prognosen drastisch verändern und erfordern eine kontinuierliche Anpassung der Modelle.

Unklarheit über die Treiber des Geschäftsmodells – Ein unternehmensweit etabliertes Verständnis der Treiber relevanter Geschäftsmodelle vereinfacht den Aufbau akzeptierter Modelle erheblich. Predictive Forecasting-Modelle helfen zudem, Annahmen über die Wirkung dieser Treiber zu validieren.

Mangelndes Verständnis für geeignete Anwendungsgebiete – Predictive Forecasting sollte nicht als Universallösung verstanden werden. Es ist wichtig, geeignete Anwendungsfelder sorgfältig auszuwählen und die Methoden dort gezielt einzusetzen.

Datenmanagement erforderlich

Durch die Integration bereits vorhandener, qualitativ hochwertiger Prognosedaten, z.B. für den Absatz, können präzisere Produktionsprognosen erstellt werden, als mit isolierten Prognoseverfahren für die Produktionsmenge. Diese gezielte Anwendung und Integration von Predictive Forecasting Methoden erhöht die Genauigkeit und Effizienz von Prognosen und optimiert die Unternehmensperformance. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, ist ein sorgfältiges Datenmanagement erforderlich. Es ist wichtig, qualitativ hochwertige Daten zu erheben und zu pflegen. Die Auswahl der richtigen Modelle erfordert Fachwissen und eine regelmäßige Überprüfung. Schließlich müssen die Modelle kontinuierlich an sich ändernde Umstände und Anforderungen angepasst werden.

Und in der Praxis?

Predictive Forecasting findet in vielen Bereichen Anwendung, insbesondere in Vertrieb, Marketing, Logistik und Finanzen. Im Vertrieb können damit die Verkaufszahlen für das kommende Jahr prognostiziert werden, während in der Logistik die Produktionsmengen auf Basis der Daten des Vorjahres genau bestimmt werden können. Besonders vorteilhaft ist Predictive Forecasting für Unternehmen aus datenintensiven Branchen wie dem Finanzsektor, dem Einzelhandel oder dem produzierenden Gewerbe. Diese Branchen zeichnen sich häufig durch dynamische Märkte aus, in denen die Fähigkeit zu schnellen Anpassungen entscheidend ist. Durch den Einsatz von Predictive Forecasting können diese Unternehmen besser auf Marktveränderungen reagieren, indem sie fundierte Entscheidungen auf der Grundlage datengestützter Prognosen treffen.

Bild PCS Beratungscontor AG
Dirk Frick verantwortet bei PCS Beratungscontor Projekte zur Einführung von Planungs-,
Forecast- und Target-Setting-Systemen bei den Kunden des Beratungshauses. Bild: PCS Beratungscontor AG

Zusammenfassung

Predictive Forecasting kann einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten, indem zeit- und kostenintensive Prognoseprozesse deutlich effizienter gestaltet werden. Durch die Nutzung der aus Predictive Forecasting gewonnenen Erkenntnisse können Unternehmen große Chancen und bisher unerkannte Risiken frühzeitig erkennen. Dadurch wird das Risiko von Fehlentscheidungen deutlich reduziert, da jeder neu erkannte Wirkungszusammenhang das Risiko weiter reduziert. Gerade in Krisenzeiten ist ein effektives Krisenmanagement von entscheidender Bedeutung. Die Einbeziehung externer Faktoren in die Unternehmensplanung ist daher unverzichtbar geworden. Predictive Forecasting ermöglicht es, diese externen Einflüsse effizient in die Prognosen einzubeziehen und damit die Unternehmensstrategie und -planung auf eine solidere Datenbasis zu stellen. Dadurch können Unternehmen agiler auf Veränderungen reagieren und ihre Widerstandsfähigkeit in unsicheren Zeiten stärken.

Predictive Forecasting hilft bei der Vorhersage zukünftiger Geschäftsereignisse, so dass Unternehmen Vorsorge treffen und fundierte Entscheidungen treffen können. Es nutzt historische und aktuelle Daten, um alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen und so die Entscheidungsfindung zu verbessern. Predictive Forecasting hilft, künftige Trends zu identifizieren und ermöglicht es Unternehmen, außergewöhnliche Szenarien früh zu erkennen und dadurch Risiken zu reduzieren.



  • Maschinenbau rechnet nicht mit Konjunkturerholung

    Maschinenbau rechnet nicht mit Konjunkturerholung

    Besorgt blicken die Entscheidungsträger im Maschinen- und Anlagenbau auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland.

    mehr lesen: Maschinenbau rechnet nicht mit Konjunkturerholung

  • Sprint zur Cyber Resilience Act-Konformität

    Sprint zur Cyber Resilience Act-Konformität

    Wie erfüllt Open Source Software die Anforderungen des europäischen Cyber Resilience Act? Auf Basis etablierter Prozesse wollen die Apache Software Foundation, die Blender Foundation, die OpenSSL Software Foundation, die PHP…

    mehr lesen: Sprint zur Cyber Resilience Act-Konformität

  • Wie KI und Mensch im Team zusammenarbeiten

    Wie KI und Mensch im Team zusammenarbeiten

    In einer neuen Expertise mit dem Titel ‘künstliche Intelligenz und industrielle Arbeit’ des Forschungsbeirats Industrie 4.0 zeigen das Fraunhofer IEM und das Fraunhofer IML Gestaltungsoptionen und Handlungsfelder auf, wie KI…

    mehr lesen: Wie KI und Mensch im Team zusammenarbeiten

  • VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    Basierend auf den neuesten VDMA-Umfragen, verzeichnete die europäische Bildverarbeitungsindustrie 2023 einen Umsatzrückgang von 7%. Die VDMA Fachabteilung Machine Vision rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang von 3% für das laufende Jahr.

    mehr lesen: VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

  • Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Manufacturing-X ist vielen Unternehmen zwar ein Begriff. Allerdings haben sich bisher die meisten Industrieunternehmen noch nicht näher mit dem Datenökosystem befasst.

    mehr lesen: Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

  • 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    Die Zahl der offenen Stellen in Ingenieurberufen bewegt sich im vierten Quartal 2023 weiter auf hohem Niveau. Besonders Berufsfelder mit Klimaschutz- und Digitalisierungsbezug weisen im aktuellen VDI/IW-Ingenieurmonitor eine hohe Engpasskennziffer…

    mehr lesen: 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

  • Infosys übernimmt In-tech

    Infosys übernimmt In-tech

    In-Tech wird Teil von Infosys. Dies gaben die Unternehmen am Donnerstag bekannt. Der Abschluss der Übernahme wird für das zweite Quartal 2024 erwartet.

    mehr lesen: Infosys übernimmt In-tech

  • Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Die deutsche Industrie hat kaum noch mit Materialknappheit zu kämpfen. Laut Ifo Institut bewegt sich die Materialverfügbarkeit in Richtung Vor-Corona-Niveau.

    mehr lesen: Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

  • KI mit synthetischen Daten anlernen

    KI mit synthetischen Daten anlernen

    Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) benötigen Trainingsdaten. Diese zügig und in ausreichender Stückzahl zu generieren, stellt Anwender in der verarbeitenden Industrie oft vor Herausforderungen. Das Fraunhofer IGD arbeitet daher…

    mehr lesen: KI mit synthetischen Daten anlernen

  • 11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

    11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

    Ineffiziente Kommunikation im Unternehmen führt laut einer Studie von Grammarly zu einem Produktionsverlust von mehr als 11 Tagen pro Jahr. Die dafür befragten Fachkräfte berichten zudem, dass sie einen große…

    mehr lesen: 11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

  • Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

    Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

    Virtuelle Assistenten, sogenannte Chatbots, kommen auf vielen Unternehmenswebseiten zum Einsatz. Eine Studie der TU Dresden hat untersucht, ob Fehler von Chatbots zu aggressivem Verhalten bei ihren Nutzerinnen und Nutzern führen…

    mehr lesen: Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

  • Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

    Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

    Das Beratungs- und Software-Haus Valantic und der Softwarespezialist Forcam Enisco mit Sitz in Böblingen haben eine strategische Partnerschaft geschlossen. Schwerpunkt der Kooperation soll auf Vernetzungs- und Analyse-Produkten für Fertiger liegen.

    mehr lesen: Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft