Open Source-Framework statt Monolithen

Der Framework-Ansatz erlaubt es, 
individuelle Prozesslogik mittels KI-gestützter Entwicklung (Vibe Coding) umzusetzen, während der Systemkern stabil bleibt.
Der Framework-Ansatz erlaubt es, individuelle Prozesslogik mittels KI-gestützter Entwicklung (Vibe Coding) umzusetzen, während der Systemkern stabil bleibt. – Bild: Pyck GmbH

Laut dem ‚WMS-Marktreport‘ des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) ist die Flexibilität der Systeme mittlerweile eines der entscheidenden Auswahlkriterien. Dennoch kämpfen viele Anwender mit der Komplexität sogenannter ‚Out-of-the-box‘-Lösungen. Diese monolithischen Systeme sind darauf ausgelegt, hunderte Funktionen im Standard mitzuliefern – von der Gefahrgutabwicklung bis zum Zoll-Interface. Für Unternehmen, die nur einen Teil der Funktionen benötigen, entsteht so eine kostspielige Überfrachtung, die nicht nur die Performance, sondern auch die Usability beeinträchtigt.

Das Dilemma der Standardisierung

Oft gilt die Einführung von Standard-WMS als vermeintlicher Garant für stabile und effiziente digitale Abläufe. In der Realität zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild: Wenn die Software die physischen Prozesse im Lager nicht exakt abbilden kann, entsteht ‚Schatten-IT‘. Unternehmen weichen auf Excel-Listen oder manuelle Workarounds aus oder bauen Middleware, um die Starrheit des Systems zu umgehen. Dieses Phänomen ist nicht auf bestimmte Unternehmensgrößen beschränkt, tritt aber besonders dort auf, wo spezialisierte Logistikprozesse auf vermeintlich allgemeingültige Software-Logiken treffen. Das Ergebnis ist eine kostspielige Abhängigkeit vom Anbieter (Vendor Lock-in), bei der Prozessanpassungen zu monatelangen und teuren IT-Projekten werden können.

Schlank und fokussiert: Der Framework-Ansatz ermöglicht maßgeschneiderte Benutzeroberflächen (UIs) für Web und Mobile Devices (z.B. Handheld o. Smartphone), die Mitarbeitern exakt die benötigten Workflowdaten anzeigen.
Schlank und fokussiert: Der Framework-Ansatz ermöglicht maßgeschneiderte Benutzeroberflächen (UIs) für Web und Mobile Devices (z.B. Handheld o. Smartphone), die Mitarbeitern exakt die benötigten Workflowdaten anzeigen.Bild: Pyck GmbH

Vom Monolithen zum Framework

Wie sich diese Hürden überwinden lassen, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Praxis. Ein Logistikunternehmen stand vor der Herausforderung, neue Kernprozesse in ein bestehendes System zu integrieren. Während klassische Implementierungszyklen für solche Anpassungen oft mehrere Monate in Anspruch nehmen, erlaubt ein neuer Ansatz die Umsetzung innerhalb weniger Stunden. Möglich wird dies durch einen architektonischen Paradigmenwechsel:

1. Open Source-Core: Statt proprietärer Systeme bildet ein offener Kern das Fundament. Dies soll die Souveränität der eigenen Daten sichern und ist von den individuellen Logistikprozessen entkoppelt.

2. KI-gestützte Modellierung: Hierbei werden die modellierten Workflows – die digitale Abbildung und Steuerung der physischen Lagerprozesse – mittels Vibe Coding in individuelle Software umgesetzt. Bei diesem Ansatz entwickelt der Mensch mithilfe von KI spezifischen Code, der die theoretischen Abläufe in ausführbare Anwendungen übersetzt. Dabei wird strikt zwischen dem stabilen Systemkern und variablen Workflows getrennt. Diese Vorgehensweise reduziert das Risiko technischer Fehler, da Anpassungen lokal begrenzt bleiben und die Integrität des Lagers nicht gefährden. Zusätzlich vermeidet sie die klassischen, langwierigen Programmierzyklen für Standardänderungen.

3. Reduktion auf das Wesentliche: Mobile Apps für die Mitarbeiter auf der Fläche zeigen nur die Informationen an, die für den jeweiligen Arbeitsschritt (z.B. Pick oder Putaway) relevant sind. Über Web-Apps kann das Lager von verschiedenen Geräten aus gemanagt und optimiert werden.

Agilität als strategischer Wettbewerbsvorteil

Der Wandel in der Intralogistik hin zu hochdynamischen Märkten erfordert eine Software-Infrastruktur, die nicht als statisches Korsett, sondern als agiles Werkzeug fungiert. Die Ära der starren Warehouse-Management-Systeme, die versuchen, jede erdenkliche Funktion abzubilden, stößt dort an ihre Grenzen, wo Individualität und Schnelligkeit gefragt sind. Der Trend zu modularen Anwendungen und Open Source-Frameworks könnte das Ende der Kompromisse zwischen Standardisierung und Flexibilität einläuten.

In vier Schritten zur maßgeschneiderten Warehouse Software: Logistikexperten designen den realen Prozess, während KI-gestützte Systeme und Entwickler die Abläufe direkt in individuelle WMS-Strukturen und Benutzeroberflächen übersetzen.
In vier Schritten zur maßgeschneiderten Warehouse Software: Logistikexperten designen den realen Prozess, während KI-gestützte Systeme und Entwickler die Abläufe direkt in individuelle WMS-Strukturen und Benutzeroberflächen übersetzen.Bild: Pyck GmbH

Unternehmen, die ihre Prozesse eigenständig in Software abbilden können, verkürzen ihre Time-to-Market-Zyklen bei Implementierung und Prozessänderungen. Sie können sich auf die Gestaltung guter Interfaces konzentrieren, die ihre Mitarbeiter schätzen. Zudem erarbeiten sie sich langfristige Kosteneffizienz, da ungenutzte Funktionen und starre Lizenzmodelle entfallen. Letztlich ist die Wahl des WMS keine reine IT-Entscheidung mehr, sondern eine strategische Weichenstellung. Wer seine Logistikprozesse als individuellen Wettbewerbsvorteil begreift, sollte sicherstellen, dass seine Software diesen Vorteil skaliert, statt ihn durch Standardvorgaben einzuschränken. Die Zukunft gehört Systemen, die mit dem Unternehmen wachsen – und nicht solchen, die es in starre Strukturen zwingen.



  • VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

    Basierend auf den neuesten VDMA-Umfragen, verzeichnete die europäische Bildverarbeitungsindustrie 2023 einen Umsatzrückgang von 7%. Die VDMA Fachabteilung Machine Vision rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang von 3% für das laufende Jahr.

    mehr lesen: VDMA: -7% für europäische Bildverarbeitungsindustrie

  • Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

    Manufacturing-X ist vielen Unternehmen zwar ein Begriff. Allerdings haben sich bisher die meisten Industrieunternehmen noch nicht näher mit dem Datenökosystem befasst.

    mehr lesen: Industrie noch zurückhaltend bei Manufacturing-X

  • 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

    Die Zahl der offenen Stellen in Ingenieurberufen bewegt sich im vierten Quartal 2023 weiter auf hohem Niveau. Besonders Berufsfelder mit Klimaschutz- und Digitalisierungsbezug weisen im aktuellen VDI/IW-Ingenieurmonitor eine hohe Engpasskennziffer…

    mehr lesen: 159.000 offene Stellen in Ingenieurberufen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Infosys übernimmt In-tech

    Infosys übernimmt In-tech

    In-Tech wird Teil von Infosys. Dies gaben die Unternehmen am Donnerstag bekannt. Der Abschluss der Übernahme wird für das zweite Quartal 2024 erwartet.

    mehr lesen: Infosys übernimmt In-tech

  • Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

    Die deutsche Industrie hat kaum noch mit Materialknappheit zu kämpfen. Laut Ifo Institut bewegt sich die Materialverfügbarkeit in Richtung Vor-Corona-Niveau.

    mehr lesen: Materialverfügbarkeit nähert sich dem Vor-Corona-Niveau

  • KI mit synthetischen Daten anlernen

    KI mit synthetischen Daten anlernen

    Technologien auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) benötigen Trainingsdaten. Diese zügig und in ausreichender Stückzahl zu generieren, stellt Anwender in der verarbeitenden Industrie oft vor Herausforderungen. Das Fraunhofer IGD arbeitet daher…

    mehr lesen: KI mit synthetischen Daten anlernen

  • 11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

    11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

    Ineffiziente Kommunikation im Unternehmen führt laut einer Studie von Grammarly zu einem Produktionsverlust von mehr als 11 Tagen pro Jahr. Die dafür befragten Fachkräfte berichten zudem, dass sie einen große…

    mehr lesen: 11,5 Tage Produktionsverlust durch ineffiziente Kommunikation

  • Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

    Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

    Virtuelle Assistenten, sogenannte Chatbots, kommen auf vielen Unternehmenswebseiten zum Einsatz. Eine Studie der TU Dresden hat untersucht, ob Fehler von Chatbots zu aggressivem Verhalten bei ihren Nutzerinnen und Nutzern führen…

    mehr lesen: Warum menschenähnliche Chatbots anders beleidigt werden

  • Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

    Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

    Das Beratungs- und Software-Haus Valantic und der Softwarespezialist Forcam Enisco mit Sitz in Böblingen haben eine strategische Partnerschaft geschlossen. Schwerpunkt der Kooperation soll auf Vernetzungs- und Analyse-Produkten für Fertiger liegen.

    mehr lesen: Valantic und Forcam Enisco vereinbaren strategische Partnerschaft

  • Baustart für neues MPDV-Gebäude in Mosbach

    Baustart für neues MPDV-Gebäude in Mosbach

    Am Unternehmenssitz in Mosbach errichtet MPDV ein neues Bürogebäude. Auf 2.800m² sollen 170 Arbeitsplätze entstehen. Zudem wird die MPDV-Junior-Akademie dort Räumlichkeiten beziehen.

    mehr lesen: Baustart für neues MPDV-Gebäude in Mosbach

  • Achema 2024 mit Angeboten für Nachwuchskräfte

    Achema 2024 mit Angeboten für Nachwuchskräfte

    Im Mittelpunkt des Achema-Auftakts am 10. Juni steht die Frage, wie sich die Prozessindustrie in einer Welt im Wandel erfolgreich positionieren kann. An allen fünf Messetagen sollen zudem zahlreiche Angebote…

    mehr lesen: Achema 2024 mit Angeboten für Nachwuchskräfte