Jürgenhake beschleunigt Vertriebsprozess: Kabel online konfiguriert

Blick auf einen Arbeitsplatz in der Kabelkonfektionierung von Jürgenhake
Blick auf einen Arbeitsplatz in der Kabelkonfektionierung von Jürgenhake – Bild: Jürgenhake

Ein Zulieferer, der sich in neuen und wachsenden Märkte mit vielen Startup-Unternehmen bewegt, muss ein hohes Maß an Reaktionsschnelligkeit mitbringen. Kunden wünschen Prototypen – am besten sofort -, und sie benötigen Komponenten oder Systeme in eher kleineren Stückzahlen, oft mit hohem Variantenreichtum.

Neuer Markt: Last-Mile-Mobility

Ein Beispiel für einen solchen Markt ist die Last Mile Mobility, also Transportmöglichkeiten von Waren für die letzte Meile auf dem Weg zum Kunden. Das können Lastenfahrräder und -dreiräder mit Elektroantrieb sein oder (ebenfalls elektrifizierte) Kleinsttransporter. Ein weiterer aufkommender Markt ist die Urban Mobility mit kompakten, zwei-, drei- oder vierrädrigen Elektrofahrzeugen. Diese Märkte hat sich die Jürgenhake Deutschland GmbH erschlossen. Als Hersteller von kundenspezifisch konfektionierten Kabelsätzen arbeitet das Unternehmen mit einer breiten Kundenbasis in den Anwendungsbereichen Automotive, Luftfahrtindustrie und Nutzfahrzeugproduktion zusammen – u.a. mit Hopper Mobility.

Drei Tage statt zwei Wochen

Die Kabelsätze von Jürgenhake werden grundsätzlich individuell projektiert und 100%-geprüft. Im Markt der Last Mile und Urban Mobility ist aber nochmals höhere Flexibilität gefragt als etwa in der stark reglementierten Luftfahrt – und das bereits in der Angebotsphase. „Normalerweise brauchen wir rund zwei Wochen von der ersten Anfrage über die Kalkulation bis zum verbindlichen Angebot bzw. zur Bestellung – nicht weil wir so langsam sind, sondern weil die Automobil- und die Luftfahrtindustrie schon in dieser ersten Phase der Zusammenarbeit extrem hohe Ansprüche stellen. Außerdem zählt hier, wenn es um Angebote für sechsstellige Stückzahlen geht, auch die Nachkommastelle. Ein Startup, das z.B. ein neues Lastenfahrrad entwickelt, hat ganz andere Ansprüche: Es wünscht ein schnelles Angebot und zügige Belieferung. Wir mussten also schneller werden. Drei Tage, das war das Ziel“, Geschäftsführer Dr. Christoph Jürgenhake.

Ein neuer Prozess für den Vertrieb war nötig. Diesen entwickelte Jürgenhake – im Rahmen eines Transferprojektes des Mittelstand-Digital Zentrums Ruhr-OWL – gemeinsam mit dem Fraunhofer IEM. Jabil Diri, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe „Lean Prototyping for IoT“ des Fraunhofer IEM: „Schnell stellte sich heraus, dass ein Konfigurator für Unternehmen und Kunde die beste Lösung ist. Die Schwierigkeit bei der Entwicklung des Konfigurators ergab sich aus der Anforderung der einfachen Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit ohne Programmierkenntnisse oder Änderungen am Quellcode. Die Anwenderunternehmen sollen unabhängig agieren und den Produktkonfigurator möglichst breit einsetzen können. Man könnte hier auch von einem Konfigurator für einen Konfigurator sprechen.“

Jürgenhake fertigt kundenspezifische, vollständig konfektionierte Leitungssätze für anspruchsvolle Kunden u.a. in der Automobil- und Luftfahrtindustrie.
Jürgenhake fertigt kundenspezifische, vollständig konfektionierte Leitungssätze für anspruchsvolle Kunden u.a. in der Automobil- und Luftfahrtindustrie. – Bild: Jürgenhake

Kunde konfiguriert online

Die Grundidee des neuen Konzeptes: Kunden nutzen einen von Jürgenhake bereitgestellten Online-Konfigurator, der alle in der Praxis möglichen Produktvarianten enthält. Ein Kunde wählt zunächst ein Basisprodukt, für das ein Kabelsatz benötigt wird – im Pilotprojekt ist das ein E-Bike-Akku. In den Folgeschritten kommen die Kabelvarianten, die Schnittstellen (Stecker), die Kabellängen, gegebenfalls mit Verzweigungen, und die gewünschte Stückzahl hinzu. Wenn die virtuelle Konfiguration abgeschlossen ist, wird dem Kunden unmittelbar der Preis angezeigt. Außerdem können die Nutzer über die Bedienoberfläche auch Angebote von Kabelsätzen anfordern, die (noch) nicht konfigurierbar sind. Und sie können direkt Bestellungen aufgeben.

Fraunhofer IEM bringt Knowhow ein

Der strukturierte Entstehungsprozess bis zum fertigen Konfigurator erfordert einiges an Aufwand, weil u.a. die zu konfigurierenden Parameter und die Gruppierung der Konfigurationen festgelegt und mit Kosten bzw. Preisen hinterlegt werden müssen. Zweitens müssen die passenden Tools für die Umsetzung ausgewählt werden. Hier half die Expertise des Fraunhofer IEM. Im Projekt verantwortete Shashank Lokesha Reddy die Programmierung. Zunächst wurde ein Soll-Prozess in der Modellierungssprache Omega erarbeitet. Auf dieser Basis wurde der Konfigurator zunächst konzipiert und modelliert und anschließend mit dem Web-Framework Django realisiert.

Vielfach nutzbar

Mit dem Produktkonfigurator, der aktuell von Partnern validiert wird, haben Jürgenhake und auch der Kunde gute Erfahrungen gemacht. „Sowohl der Kunde als auch wir sparen Zeit, alle Prozesse sind transparent, und die gemeinsam genutzte Plattform verstärkt auch die Kundenbindung. Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg. Wir werden dieses innovative Tool für die Vertriebskommunikation sicherlich auch für andere Kunden im Last Mile-Mobility-Bereich nutzen.“

Denn der Konfigurator ist so aufgebaut, dass er mit einem kundenspezifischen ‚Look and Feel‘ ausgestattet werden kann und somit vielfach nutzbar ist. Bei dieser Aufgabe – Anpassung an spezifische Anforderungen einzelner Kunden – hilft ein Leitfaden, der im Rahmen des Transferprojekts erstellt wurde und die Nutzung und Weiterentwicklung des Produktkonfigurators beschreibt.



  • Judith Wiese wird Siemens-Personalchefin

    Judith Wiese wird Siemens-Personalchefin

    Ab 1. Oktober ist Judith Wiese für die Bereiche Human Resources und Global Business Services bei der Siemens AG zuständig.

    mehr lesen: Judith Wiese wird Siemens-Personalchefin

  • Leistungsstarkes KI-System am KIT installiert

    Leistungsstarkes KI-System am KIT installiert

    Als ein Werkzeug der Spitzenforschung ist künstliche Intelligenz (KI) heute unentbehrlich. Für einen erfolgreichen Einsatz – ob in der Energieforschung oder bei der Entwicklung neuer Materialien – wird dabei neben…

    mehr lesen: Leistungsstarkes KI-System am KIT installiert

  • Am Anfang steht das Ziel

    Am Anfang steht das Ziel

    Bei Digitalisierungsprojekten in Fertigungsunternehmen ist die Herangehensweise entscheidend. Der MES-Anbieter Industrie Informatik gibt sieben Tipps für Digiatlisierungsprojekte.

    mehr lesen: Am Anfang steht das Ziel

  • TeamViewer übernimmt Ubimax

    TeamViewer übernimmt Ubimax

    Mit Ubimax übernimmt TeamViewer einen Anbieter von Wearable-Computing-Technologien und Augmented-Reality(AR)-Lösungen. Durch der Akquise will das Göppinger Unternehmen sein Portfolio im Großkundensegment erweitern.

    mehr lesen: TeamViewer übernimmt Ubimax

  • Prüfen und kalibrieren mechanischer Messuhren

    Prüfen und kalibrieren mechanischer Messuhren

    Prüfungen von Messgeräten sind wichtig für die Qualität der Prüfergebnisse. Daher sind Messuhren regelmäßig auf Funktionalität zu prüfen und zu kalibrieren.

    mehr lesen: Prüfen und kalibrieren mechanischer Messuhren

  • Umsatzwachstum erst wieder 2021

    Umsatzwachstum erst wieder 2021

    In einer siebten Blitzumfrage des VDMA zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie geben 60 Prozent der Mitglieder an, dass sie erst im kommenden Jahr mit Umsatzsteigerungen rechnen. Die Unternehmen, die…

    mehr lesen: Umsatzwachstum erst wieder 2021

  • Positionspapier zur Gestaltung der Energiewende

    Positionspapier zur Gestaltung der Energiewende

    Die VDI-Fachgesellschaften Energie und Umwelt (GEU) sowie Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) planen, ein Positionspapier zur Umsetzung der Energiewende zu erstellen.

    mehr lesen: Positionspapier zur Gestaltung der Energiewende

  • AAA in Essen und Chemnitz startbereit

    AAA in Essen und Chemnitz startbereit

    Die All About Automation Messen am 9. und 10. September in Essen und am 23. und 24. September in Chemnitz sind startbereit. Das Konzept für eine sichere und erfolgreiche Besucher/Aussteller-Interaktion…

    mehr lesen: AAA in Essen und Chemnitz startbereit

  • Cybersicherheit für Ethernet-Antriebe

    Cybersicherheit für Ethernet-Antriebe

    Industrielle Netzwerke werden mit dem Internet der Dinge immer offener für die gefürchtete Cyberkriminalität. Umso wichtiger ist es, die kommunizierenden Komponenten davor zu schützen.

    mehr lesen: Cybersicherheit für Ethernet-Antriebe

  • SSD mit mehrschichtigem Datenschutz

    SSD mit mehrschichtigem Datenschutz

    Wem seine Daten wichtig sind, setzt auf mehr als nur eine Sicherheitslösung. Lokale Backup- oder Cloudlösungen sind ein Weg, seine Daten zu sichern. Wird der PC allerdings entwendet, durch Dritte…

    mehr lesen: SSD mit mehrschichtigem Datenschutz

  • SAP und Siemens arbeiten an gemeinsamen Lösungen

    SAP und Siemens arbeiten an gemeinsamen Lösungen

    Im Rahmen einer Partnerschaft wollen Siemens und SAP ihre sich ergänzenden Softwarelösungen für Product Lifecycle, Supply Chain und Asset Management kombinieren.

    mehr lesen: SAP und Siemens arbeiten an gemeinsamen Lösungen

  • Geschäftsklima erholt sich

    Geschäftsklima erholt sich

    Die Corona-Krise hat die deutsch Elektroindustrie in den vergangenen Monaten hart getroffen. Auch der Mai brachte trotz erster Lockerungen Verluste für die Branche.

    mehr lesen: Geschäftsklima erholt sich