SAP Field Service Management bei Putzmeister

Bild: Putzmeister

Beim Bau des Burj Khalifa, dem höchsten Bauwerk der Welt, beförderten die Stationär-Betonpumpen von Putzmeister den Beton auf eine Rekordhöhe von 606 Metern. Mit der Iontron Hybrid brachte Putzmeister 2021 zudem die erste fahrbare Hybrid-Serienbetonpumpe auf den Markt, die im Elektro-Betriebsmodus komplett emissionsfrei arbeitet. Um für seine Kunden ein effizientes Nutzererlebnis im Service zu ermöglichen, modernisierte und optimierte das Unternehmen auch seine After-Sales-Aktivitäten. Manuelle Arbeitsabläufe wurden durch digitalisierte Prozesse mit SAP Field Service Management (FSM) ersetzt.

Serviceprozess an der Grenze

Bereits 1999 führte Putzmeister einen Service-Prozess ein. Mit Unternehmenswachstum wurde jedoch auch die IT-Landschaft komplexer. „Wir haben zwar an allen sieben Service-Standorten in Deutschland mit SAP gearbeitet, hatten aber im Prozess an sich lokale Eigenheiten“, berichtet Bernhard Urban, Leiter des Kundendienst Deutschland von Putzmeister. Der Service-Prozess war nicht stringent und hatte Medienbrüche. „So haben wir außerhalb des Systems u.a. mit manuellen Hilfsmitteln viel Papier erzeugt, um dann wieder den Loop ins System zu finden. Wir waren schon immer sehr stark in der Feld-Datenerhebung mit allen Tücken der manuellen Erfassung, haben die Daten aber dann in PDF-Files quasi beerdigt.“

Neues SAP-Tool

Um einheitliche Standards für einen internationalen Service-Prozess festzulegen, entschied sich Putzmeister für den Einsatz von SAP-FSM. „Die Implementierung des FSM-Systems bot nun die Chance, den Putzmeister-Service-Prozess von lokaler über die regionale Ebene bis hin zum globalen Roll-out nachhaltig zu harmonisieren“, so Urban. Die Anforderungen wurden dabei klar definiert:

  • Digitalisierung des Field-Service-Prozesses inklusive Service-Report
  • Nutzbarmachung der Inspektionsprotokolle
  • Beschleunigung und Digitalisierung der Werkstattverwaltung
  • Abbildung komplexer Service-Reports inklusive Vorbefüllung aus SAP ERP und Nachverarbeitung
  • Rückmeldung der Zeiten, verbrauchten Materialien und Spesen über die mobile App
  • Integration in SAP CS über den Proaxia Connector
  • Umsetzung diverser Checklisten für Inspektion, Wartung und Inbetriebnahme

Aufgrund positiver Erfahrungen aus einem früheren Projekt entschied sich Putzmeister für Sybit als Implementierungspartner. Dies sei gerade in der Anfangsphase sehr effektiv gewesen und das Projekt-Team harmonierte, so Urban.

Im Ergebnis zeigten sich positive Effekte: So waren etwa die Rückmeldungen der Service-Techniker nach der Einführung der Software positiv – auch, weil vorab ausgiebig getestet wurde. Zudem verbesserte sich die Qualität der Service- Berichte: „Wir haben Daten nun einheitlich digital vorliegen und nicht an einem toten PDF, das an irgendeiner Maschinenhistorie hängt“, sagt Urban. Gab es zuvor viele viele manuelle Schnittstellen, bei denen Kolleginnen oder Kollegen aus dem Back-Office aus den Service-Reports Daten ins System einpflegen mussten, liegen diese Daten nun automatisch digital und ohne Verzögerungen vor. Auch der Rechnungsstellungsprozess wurde optimiert, so dass die Kunden ihre Rechnungen schneller nach Abschluss eines Auftrags erhalten. Insgesamt wurden zehn Businesspartner migriert. Zudem arbeiten sieben Service-Locations in Deutschland sowie das global tätige Industrie-Technik-Service-Team mit und in dem komplett integrierten Service-Prozess.

504362
Das Back-Office hat alle Daten im Überblick. – Bild: Putzmeister

Der neue Service-Prozess

Der Prozess läuft dabei wie folgt: Ein Kunde meldet sich per Telefon im Service-Back-Office. Der zuständige Mitarbeiter kann das Problem dieses Mal nicht direkt mit einer kurzen telefonischen Beratung lösen, sondern legt eine Service-Maßnahme im System an. Die notwendigen Auftrags(kopf)daten wie die Einsatzadresse, die geplanten Vorgänge wie die Planzeiten und die Materialverfügbarkeit werden in SAP erfasst und übertragen. Sind alle erforderlichen Daten und Materialanforderungen eingepflegt, wird der Service-Auftrag erstellt, in das FSM-Tool gezogen und der Einsatz geplant. Der Service-Techniker bekommt eine Meldung auf sein iPhone und bestätigt den Auftrag. Im System sieht er die Lagerbestände und kann noch benötigtes Material anfordern. Am Tag des Einsatzes startet der Service-Techniker den Auftrag und prüft die zugeordneten Check-Listen. Nach Abschluss erstellt er vor Ort beim Kunden auf seinem iPhone oder über den Windows Client den Service-Report, den der Kunde bestätigt und das Dokument später papierlos per E-Mail erhält.

Agiles Projekt

„Das größte Risiko ist nicht, nicht alle Features in der vorgegebenen Zeit zu bekommen. Das größte Risiko ist, die falschen Features zu bekommen.“ Gemäß diesem Motto hat sich das Putzmeister-Team auch den administrativen Themen gewidmet. Organisationen und Prozesse wurden daher insgesamt neu bewertet und optimiert.

Vor dem Rollout schulte Putzmeister die Service-Techniker und Dispatcher im Test-System. „Wir waren in der Regel eine Woche vor Ort und haben uns aufgeteilt auf die verschiedenen User-Gruppen“, so Urban. Ein Key-User pro Standort sammelte Themen und war erster Ansprechpartner bei Fragen und Verbesserungsvorschlägen.

Nach den Schulungen hieß das Motto ‚Learning by doing‘. Im Echtsystem arbeiteten die Kolleginnen und Kollegen mit Echtaufträgen und konnten bei Fragen direkt auf das Projekt-Team zugehen.

504361
Der neue End-to-End Service-Prozess. – Bild: Putzmeister


  • Auftragseingang anhaltend schwach

    Auftragseingang anhaltend schwach

    Der Branchenverband VDMA hat im Juli bei seinen Mitgliedern erneut einen schwachen Auftragseingang ermittelt. Der Monatswert fiel bei den Maschinen- und Anlagenbauern real um elf Prozent niedriger als im Vorjahr…

    mehr lesen: Auftragseingang anhaltend schwach

  • KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    Forschung an neuromorpher Hardware im Projekt KI-Flex KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug Im Forschungsprojekt KI-Flex wurde an einer Plattform gearbeitet, die im autonomen Fahrzeug alle Verkehrsteilnehmer sicher orten soll. Entstanden…

    mehr lesen: KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

  • Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit für den Industriesektor Hand in Hand? Dies kann Realität werden. Das kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekt ’Climate Solution for Industries’ (CS4I) unter Beteiligung des Fraunhofer IPA setzt bereits bei…

    mehr lesen: Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Nach 13 Jahren als CEO beim Softwareunternehmen PTC verabschiedet sich James Heppelmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Neil Barua.

    mehr lesen: Neil Barua folgt auf James Heppelmann

  • Skeptischer Blick auf den Sommer

    Skeptischer Blick auf den Sommer

    Ifo Geschäftsklimaindex im Mai Skeptischer Blick auf den Sommer Nach 93,4 Punkten im Vormonat, fällt der Ifo Geschäftsklimaindex im Mai auf 91,7 Punkte – der erste Rückgang in sechs Montanen.

    mehr lesen: Skeptischer Blick auf den Sommer

  • Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act Open-Source-Organisationen richten offenen Brief an EU Kommission In einem offenen Brief kritisieren neun Open-Source-Organisationen die EU Kommission, die Perspektive der Community im Rahmen des Cyber…

    mehr lesen: Kritik am Cyber Resilience Act

  • VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    Aus- und Weiterbildung VDI bietet Big-Data-Schulungen an Auf Grundlage der im November 2022 veröffentlichten Richtlinie VDI/VDE-MT 3714 bietet der VDI Schulungen für die Implementierung und den Betrieb von Big-Data-Anwendungen an.

    mehr lesen: VDI bietet Big-Data-Schulungen an

  • Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    KI-Funktionen in Standardsoftware Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI Softwareanbieter Consense ergänzt sein Qualitätsmanagement-System um KI-gestützte Funktionen. Die Algorithmen sollen helfen, Prozesse zu automatisieren und einfacher zu gestalten.

    mehr lesen: Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

  • Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Plattform Wavetrade Eine Tauschplattform für die Autoindustrie Der KI-Spezialist One Data hat eine Tauschplattform an den Start gebracht, über die Automobilhersteller ’kritische Komponenten’ wie etwa Halbleiter an- und verkaufen sowie…

    mehr lesen: Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

  • Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Supply-Chain-Management-Software Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen Wo liegen die Unterschiede in Supply-Chain-Management-Software? Eine Marktübersicht der Trovarit, des Fraunhofer IPA und des IFR vergleicht mehr als 140 Lösungen.

    mehr lesen: Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

  • Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Diskussionspapier des Bitkom Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme? Mit Low Code bzw. No Code können auch Nicht-ITler Anwendungen aus vorgefertigten Bausteinen erstellen. Die Auswirkungen des Ansatzes…

    mehr lesen: Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?