Wie Angreifer KI in großem Maßstab einsetzen

John Hultquist hi res
Bild: Google

Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) hat einen neuen Bericht veröffentlicht und beschreibt darin aktuelle Methoden von Angreifern. Demnach experimentieren diese nicht mehr nur mit künstlicher Intelligenz (KI), sondern setzen die Technologie im großen Maßstab ein.

KI entdeckt Zero-Day-Exploit

So hat die GTIG etwa einen Zero-Day-Exploit identifiziert, mit dessen Hilfe die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgangen werden kann. Dieser wurde wahrscheinlich mithilfe eines KI-Modells entdeckt und für Angriffe genutzt. Es sei der erste bekannte Beweis dafür, dass Angreifer KI erfolgreich zur Entwicklung einer Zero-Day-Schwachstelle eingesetzt haben. Google hat jedoch bereits mehrere andere Versuche beobachtet und geht davon aus, dass es parallel viele Angriffsoperationen mit verschiedenen Modellen gibt, die noch nicht entdeckt wurden.

Die beteiligten Bedrohungsakteure haben in der Vergangenheit bereits größere Angriffe durchgeführt. Google vermutet, dass der erfolgreiche Einsatz durch Fehler bei der Umsetzung des Zero-Day-Exploits verhindert wurde. Die Schwachstelle hat Google dem Entwickler gemeldet, der daraufhin einen Patch veröffentlicht hat. Wie Google weiter mitteilt, wies der Exploit zahlreiche verräterische Merkmale von KI auf. Der Softwarekonzern geht jedoch nicht davon aus, dass er mit Claude Mythos entwickelt wurde.

Staatliche Bedrohungsakteure setzen auf KI

Im Bericht wirft die GTIG zudem einen Blick auf staatlich geförderte Skalierung von KI-unterstützten Angriffen. Insbesondere werden in diesem Zusammenhang China und Nordkorea genannt. Demnach nutzen Cyberkriminelle und Hacker aus diesen Ländern künstliche Intelligenz, um Sicherheitslücken zu erforschen und Exploits zu entwickeln. Beschrieben wird etwa der nordkoreanische Bedrohungsakteur APT45, der KI einsetzt, um Tausende von Exploits zu validieren und sein Arsenal erheblich auszubauen. In China nutzen Akteure wie UNC2814 Experten-Personas, um mit KI nach Schwachstellen in Hardware wie Routern zu suchen.

Autonome Malware und Agenten

Eine weitere Erkenntnis der GTIG ist, dass Bedrohungsakteure agentenbasierte KI-Tools in ihre Aktivitäten integrieren, wodurch sie ihre Operationen erheblich skalieren können. So navigiert etwa die neue Android-Backdoor Promptpsy mithilfe von KI selbstständig durch die Benutzeroberfläche des Opfergeräts und blockiert Deinstallationsversuche. Das KI-Framework OpenClaw wird von Hackern genutzt, um ihre Angriffsfähigkeiten in kontrollierten Umgebungen zu testen und zu verfeinern. Google beobachtete zudem einen Akteur mit Verbindungen zur Volksrepublik China dabei, wie er mithilfe von agentenbasierten Tools autonom und dauerhaft ein japanisches Technologieunternehmen auf Schwachstellen untersuchte.

Russische Informationsoperationen

In dem Bericht beschreibt Google außerdem, dass russische Akteure KI nutzen, um Malware zu verfeinern, die in der Ukraine eingesetzt wird. Zudem verwendet die prorussische Kampagne „Operation Overload” KI-gestütztes Stimmenklonen, um echte Journalisten zu imitieren und gefälschte Audioaufnahmen in legitime Nachrichtenbeiträge einzufügen. Ziel ist die Verbreitung von Desinformationen in den USA, der Ukraine und Frankreich.

Sicherheitsvorkehrungen umgehen

Akteure mit Verbindungen zu Russland setzen Google zufolge zudem KI-generierten Ködercode ein, um Schadsoftware vor Sicherheitsscannern zu verbergen. Zudem attackieren Angreifer wie TeamPCP Zulieferteile für KI-Software wie LiteLLM, um sensible Cloud-Informationen und AWS-Schlüssel aus Entwicklungsumgebungen zu stehlen.

John Hultquist, Chefanalyst der Google Threat Intelligence Group, kommentiert den Bericht: „Es herrscht die Fehlannahme, dass der Wettlauf um KI-Sicherheitslücken unmittelbar bevorsteht. Tatsächlich hat er bereits begonnen. Für jede Zero-Day-Schwachstelle, die wir auf KI zurückführen können, gibt es wahrscheinlich viele weitere. Bedrohungsakteure nutzen KI, um Geschwindigkeit, Umfang und Raffinesse ihrer Angriffe zu steigern. Sie können damit ihre Operationen testen, Ziele dauerhaft ins Visier nehmen, bessere Malware entwickeln und viele weitere Verbesserungen vornehmen. Staatliche Akteure nutzen diese Technologie bereits, doch auch kriminell motivierte Hacker sollten nicht unterschätzt werden, denn sie sind bekannt für breit angelegte und aggressive Angriffe.“



  • Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Im Projekt Gaia-X sollen Datenräume entstehen, die europäischen Datenschutz-Standards entsprechen und die unabhängig von den großen Hyperscalern sind. Für Marc Schieder, CIO von Dracoon, entscheidet sich in diesem Jahr, ob…

    mehr lesen: Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

  • 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    Wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, könnten die coronabedingten Arbeitsausfälle der Erwerbstätigen im aktuellen Lockdown bis Mitte Februar auf 59,2Mio. Arbeitstage steigen was 6,2…

    mehr lesen: 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

  • Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Laut ersten Berechnungen des VDMA lag die Produktion im Maschinen-und Anlagenbau im vergangenen Jahr 12,1 Prozent unter der des Vorjahres.

    mehr lesen: Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Cyberattacke auf SolarWinds

    Cyberattacke auf SolarWinds

    Nach dem Angriff mit der Malware Sunburst auf Kunden des IT-Anbieters SolarWinds sind auch viele Industrieunternehmen betroffen.

    mehr lesen: Cyberattacke auf SolarWinds

  • Tec Center für 3D-Druck

    Tec Center für 3D-Druck

    HP und verschiedene Partnerunternehmen haben ein Netzwerk ins Leben gerufen, das Industrieunternehmen beim Thema 3D-Druck unterstützen soll.

    mehr lesen: Tec Center für 3D-Druck

  • Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb ist neuer Senior Vice President und General Manager Zentraleuropa bei Infor.

    mehr lesen: Joachim Harb in neuer Position bei Infor

  • Kontron erwirbt HC Solutions

    Kontron erwirbt HC Solutions

    Das Softwareunternehmen HC Solutions gehört ab sofort zu Kontron und soll dort in den IoT-Software-Bereich integriert werden.

    mehr lesen: Kontron erwirbt HC Solutions

  • Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

    Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

    Zum Jahresbeginn hat die Fraunhofer-Gesellschaft mit ‘6G Sentinel‘ ein Leitprojekt zur Entwicklung von Schlüsseltechnologien für den kommenden Mobilfunkstandard 6G gestartet. Im Mittelpunkt stehen Terahertz-Technologien und Lösungen für flexible Netze.

    mehr lesen: Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

  • Industrie steigert Ausstoß im Dezember

    Industrie steigert Ausstoß im Dezember

    Insgesamt zeigt sich die Produktion im produzierenden Gewerbe im Dezember unverändert im Vergleich zum Vormonat. Seitens der Industrie hat der Ausstoß jedoch zugelegt.

    mehr lesen: Industrie steigert Ausstoß im Dezember

  • Produktionserwartungen steigen im Januar

    Produktionserwartungen steigen im Januar

    Die Produktionserwartungen der deutschen Industrie haben sich im Januar etwas aufgehellt. In der aktuellen Konjunkturumfrage des Ifo Instituts stiegen sie auf 8,4 Punkte, nach 5,1 im Dezember.

    mehr lesen: Produktionserwartungen steigen im Januar

  • Neue Funktionen zur Baugruppenplanung

    Neue Funktionen zur Baugruppenplanung

    Die industrielle Produktion wird individueller und der Kostendruck steigt. Die Planung von Fertigungsaufträgen ist zentral für den Erfolg des Fertiger. Daher unterstützt Sack EDV-Systeme im neuen Release 2.8 seiner MES-Lösung…

    mehr lesen: Neue Funktionen zur Baugruppenplanung