Lücke zwischen CRA-Bewusstsein und Umsetzung

PwC Product SecurityCRA Fortschritt
Bild: PwC PricewaterhouseCoopers AG

Die Meldepflichten des EU Cyber Resilience Act (CRA) gelten seit dem 11. September 2026. Doch nach der PwC-Umfrage ‚Product Security Survey 2026‘ ist die deutsche Industrie auf die neue Regulierung mehrheitlich noch nicht vorbereitet. Erst jedes zweite Unternehmen hat mit der aktiven Umsetzung begonnen, und nur drei Prozent schätzen sich als vollständig konform ein. Die vollständigen Anforderungen gelten verbindlich ab dem 11. Dezember 2027.

Bewusstsein hoch, Umsetzung gering

Nach der Studie kennen 88 Prozent der Unternehmen den CRA in Grundzügen, und 85 Prozent der Befragten sind persönlich in das Thema Produkt-Cybersicherheit eingebunden. Doch bei der Bewältigung von Sicherheitsvorfällen zeigen sich Lücken: 50 Prozent der Unternehmen verfügen trotz der neuen Meldepflichten über keine dedizierte externe Meldeschnittstelle für Sicherheitsmeldungen. Das schreibt der CRA ausdrücklich vor. 27 Prozent haben intern keinen Prozess für den Umgang mit produktbezogenen Sicherheitsproblemen etabliert.

„Das Risiko liegt weniger in fehlenden Kenntnissen rund um den CRA als in der falschen Einschätzung des eigenen Reifegrads. Viele Unternehmen haben sich mit dem Thema beschäftigt, unterschätzen aber den Weg zur tatsächlichen Konformität“, sagt Siri Sophia Oberpottkamp (Bild), Director Product Security bei PwC Deutschland.

Nur 19 Prozent der Befragten verfügen nach eigenen Aussagen über ein fundiertes bis umfassendes Verständnis des CRA. Für 12 Prozent dagegen war der Begriff vor der Umfrage weitgehend unbekannt – obwohl 56 Prozent der Befragten direkte Verantwortung für die Produkt-Cybersicherheit (Product Security) in ihrem Unternehmen tragen.

Technische Bausteine vorhanden

Viele Unternehmen verfügen bereits über einzelne Bausteine: 94 Prozent der befragten Unternehmen bieten updatefähige Produkte an, 84 Prozent folgen einem dokumentierten Entwicklungsprozess, 83 Prozent führen eine formale Risikobewertung durch, und 58 Prozent setzen kontinuierliches Security-Testing ein. Vielerorts sind also einzelne technische und prozessuale Fähigkeiten vorhanden, die als Grundlage für die Erfüllung der CRA-Anforderungen dienen und deren Integration in bestehende Strukturen erleichtern können.

PwC Siri Sophia Oberpottkamp
Bild: PwC PricewaterhouseCoopers AG

Ein integrierter Product-Security-Engineering-Ansatz über den gesamten Produktlebenszyklus fehlt jedoch in der Mehrheit der Unternehmen. Besonders deutlich wird das beim Umgang mit Software Bills of Materials (SBOM): Erst 27 Prozent der Unternehmen erstellen sie für die Mehrheit oder das gesamte Produktportfolio, 30 Prozent erhalten SBOMs von ihren Lieferanten. Dabei sind SBOMs essenziell, um bei Sicherheitsvorfällen schnell und präzise reagieren zu können.

Hohe Anforderungen an den Mittelstand

Die Studie zeigt einen deutlichen Reifegrad-Unterschied zwischen großen und mittelständischen Unternehmen. 59 Prozent der Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden haben mit der aktiven CRA-Umsetzung begonnen, bei kleineren Unternehmen sind es nur 37 Prozent. Umgekehrt haben 34 Prozent der kleineren Unternehmen noch gar nicht begonnen, bei den größeren sind es lediglich 13 Prozent.

Auch bei der Produktklassifizierung (46 Prozent vs. 25 Prozent), beim SBOM-Management (56 Prozent vs. 41 Prozent), bei dokumentierten Entwicklungsprozessen (56 Prozent vs. 34 Prozent) und bei dedizierten Meldeschnittstellen (56 Prozent vs. 46 Prozent) liegen größere Unternehmen durchgängig vorn.

„Der CRA fordert nicht die einmalige Erfüllung, sondern einen konsequenten, nachweisbaren Umgang mit Produkt-Cybersicherheit über den gesamten Lebenszyklus. Genau dort liegt für viele Unternehmen noch die größte Herausforderung. Die kommenden Monate entscheiden, welche Unternehmen diese Transformation frühzeitig schaffen und welche unter wachsendem Druck aufholen müssen“, sagt Siri Sophia Oberpottkamp.

Methodik

Für die Studie wurden 100 Unternehmen in Deutschland befragt, deren Produktportfolio Produkte mit digitalen Elementen umfasst – von einzelnen Hardware- und Softwarekomponenten bis hin zu vollständigen Endprodukten für B2B- und B2C-Märkte. Im Fokus standen insbesondere Branchen, für die der Cyber Resilience Act (CRA) weitreichende Bedeutung hat: 65 Prozent der Unternehmen gehören dem Maschinenbau an, 22 Prozent der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen und 13 Prozent der Herstellung elektrischer Ausrüstungen. 47 Prozent der Unternehmen richten ihr Produktportfolio überwiegend an gewerbliche Nutzer aus, etwa mit vernetzten Maschinen, Steuerungskomponenten und eingebetteten Systemen. 61 Prozent beschäftigen weniger als 500 Mitarbeitende, während 39 Prozent auf 500 oder mehr Mitarbeitende kommen. Die Stichprobe bildet damit sowohl mittelständische als auch größere Unternehmen der relevanten Branchen ab.



  • Synostik stellt Geschäftsführer Maik Ekert vor

    Synostik stellt Geschäftsführer Maik Ekert vor

    Mit sofortiger Wirkung Synostik stellt Geschäftsführer Maik Ekert vor Der IT-Dienstleister Synostik gibt Veränderungen in der Führungsebene bekannt und hat Maik Ekert mit sofortiger Wirkung zum Geschäftsführer ernannt.

    mehr lesen: Synostik stellt Geschäftsführer Maik Ekert vor

  • Aleph Alpha erweitert Führungsteam

    Aleph Alpha erweitert Führungsteam

    Jan Hiesserich ist neuer Vice President of Strategy & Communications bei Aleph Alpha. Er kommt vom US-Datenanalyse-Spezialisten Palantir Technologies zum Heidelberger KI-Startup.

    mehr lesen: Aleph Alpha erweitert Führungsteam

  • Fabian Kuttenkeuler leitet Vertrieb

    Fabian Kuttenkeuler leitet Vertrieb

    Wechsel bei Kontron Electronics Fabian Kuttenkeuler leitet Vertrieb Kontron Electronics hat einen neuen Vertriebsleiter. Fabian Kuttenkeuler übernimmt das Amt von Franz Ott, der neuer Business Development Manager des Unternehmens wird.

    mehr lesen: Fabian Kuttenkeuler leitet Vertrieb

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Antrieb 4.0: Forschung für zukunftsfähige Antriebslösungen

    Antrieb 4.0: Forschung für zukunftsfähige Antriebslösungen

    Antriebe der Zukunft entwickeln Antrieb 4.0: Forschung für zukunftsfähige Antriebslösungen Im Forschungsprojekt Antrieb 4.0 sollen Ansätze für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit in Antriebssystemen entwickelt werden. Ein Use Case zielt darauf…

    mehr lesen: Antrieb 4.0: Forschung für zukunftsfähige Antriebslösungen

  • KI und Hochleistungscomputer beschleunigen Forschung

    KI und Hochleistungscomputer beschleunigen Forschung

    Materialwissenschaft KI und Hochleistungscomputer beschleunigen Forschung Forschende gehen davon aus, ihre Arbeit mit einer Kombination aus künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud Computing auf ein Tempo beschleunigen zu können, das bis…

    mehr lesen: KI und Hochleistungscomputer beschleunigen Forschung

  • Die industrielle Bildverarbeitung in der Automobilbranche

    Die industrielle Bildverarbeitung in der Automobilbranche

    Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien Die industrielle Bildverarbeitung in der Automobilbranche 43 Prozent der deutschen Automotive-Unternehmen setzen KI in der Bildverarbeitung ein. In Großbritannien sind es mehr als die Hälfte.…

    mehr lesen: Die industrielle Bildverarbeitung in der Automobilbranche

  • Warum Unternehmen zu einem APS-System greifen

    Warum Unternehmen zu einem APS-System greifen

    Im Maschinen- und Anlagenbau sind effiziente Fertigungs- und Planungsprozesse unerlässlich. Advanced-Planning-and-Scheduling-Systeme (APS) gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Der Aachener Softwarespezialist Inform hat in einer Kundenbefragung die Ziele und Einflussfaktoren…

    mehr lesen: Warum Unternehmen zu einem APS-System greifen

  • Welche Security-Themen Unternehmen auf dem Zettel haben sollten

    Welche Security-Themen Unternehmen auf dem Zettel haben sollten

    Kyndryl-Prognosen für Cyber-Sicherheit Welche Security-Themen Unternehmen auf dem Zettel haben sollten Cybersicherheit wird Unternehmen auch im kommenden Jahr nicht loslassen. Für den IT-Dienstleister Kyndryl kristallisieren sich dabei vor allem fünf…

    mehr lesen: Welche Security-Themen Unternehmen auf dem Zettel haben sollten

  • Neue Technologien adaptiv regulieren

    Neue Technologien adaptiv regulieren

    Interdisziplinäre Forschung an der Universität Freiburg Neue Technologien adaptiv regulieren Voraussichtlich 2024 soll der EU AI Act in Kraft treten. Er unterscheidet verschiedene Systeme von künstlicher Intelligenz (KI) nach ihrem…

    mehr lesen: Neue Technologien adaptiv regulieren

  • Fünf Trends in der KI-gesteuerten Authentifizierung

    Fünf Trends in der KI-gesteuerten Authentifizierung

    Künstliche Intelligenz im CIAM Fünf Trends in der KI-gesteuerten Authentifizierung Die Diskussion rund um künstliche Intelligenz reicht von möglichen Einsatzszenarien bis zur Wahrung der Datenschutzrichtlinien. Und laut einer Studie des…

    mehr lesen: Fünf Trends in der KI-gesteuerten Authentifizierung

  • IBM und Meta starten AI Alliance

    IBM und Meta starten AI Alliance

    Gemeinsam mit Meta startet IBM die AI Alliance, die mehr als 50 Unternehmen und Institutionen zusammenbringt. Ziel ist die Förderung offener, sicherer und vertrauenswürdiger künstlicher Intelligenz.

    mehr lesen: IBM und Meta starten AI Alliance