KI-basierte Robotik ist mehr als humanoide Roboter

Humanoide Roboter sind nicht die einzige Ausprägung von KI-basierter Robotik.
Humanoide Roboter sind nicht die einzige Ausprägung von KI-basierter Robotik. – Bild: ©Fraunhofer IPA/Foto: Rainer Bez

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA analysiert in einer Studie für das ‚FERI Cognitive Finance Institute‘ die Konvergenz von künstlicher Intelligenz und Robotik – Physical bzw. Embodied AI – aus technologischer, markt- und investitionsbezogener Perspektive.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Demografie, Fachkräftemangel, Lohndruck, Re-Shoring sowie Nachhaltigkeitsvorgaben strukturellen Automatisierungsbedarf erzeugen. Dieser Bedarf zeigt sich vor allem in Fertigung und Logistik, aber auch in ganz anderen Bereichen wie Pflege und Dienstleistung zeigt. Gleichzeitig reifen KI-Methoden, die Roboter adaptiver machen. Die Kombination aus hoher verfügbarer Rechenleistung sowie effizienter Hardware und Software sorgt zudem für disruptives Potenzial.

„Viele Entscheider sehen Humanoide derzeit vor allem in Shows oder in Demonstrationen auf Messen und fragen zurecht: Was ist davon schon einsatzreif?“, sagt Dr. Werner Kraus, Leiter des Forschungsbereichs Automatisierung und Robotik am Fraunhofer IPA. „Unsere Studie trennt Hype und Realität und zeigt, wo bereits heute Mehrwert entsteht. Insbesondere bei Humanoiden dreht sich vieles noch ums Pilotieren, Benchmarking und das Erarbeiten klarer Anwendungsmöglichkeiten, die technisch und wirtschaftlich umsetzbar sind.“

Sichtbarste Ausprägung: Humanoide Robotik

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass KI-basierte Robotik nicht synonym mit humanoiden Robotern ist. KI lässt sich in Industrieroboter, mobile Systeme, Cobots und Serviceroboter integrieren, um diese autonomer und lernfähig zu machen. Die Forschenden erklären, dass Humanoide zwar die sichtbarste Ausprägung sind, aber dennoch nur ein Teil des Ökosystems. Die eigentliche Disruption entstehe in der Tiefe der Wertschöpfungskette: bei Foundation Models, Sensorik und Aktuatorik, bei Simulation und Datenplattformen sowie bei Integratoren, die Technologie in Prozesse überführen.

Den Studienverantwortlichen zufolge sind die umfangreichen Investitionen in Humanoide ein Beweis dafür, dass die Entwicklungen in diesem Segment massiv vorangehen. Sie beziffern den Anstieg des Venture Capitals in diesem Segment für das Jahr 2025 mit rund 6,1Mrd.US$ – verglichen mit dem Vorjahr entspricht das dem Vierfachen der Investitionen.

Demonstrationen nicht mit Massenadoption verwechseln

„Unwahrscheinlich ist, dass Humanoide bestehende Robotiklösungen kurzfristig ersetzen“, führt Simon Schmidt aus, Geschäftsbereichsleiter Automatisierte Systeme am Fraunhofer IPA. „Industrieroboter, Cobots und autonome mobile Roboter bleiben in vielen Anwendungen bei Produktivität und Kosten überlegen. Wahrscheinlicher ist, dass Humanoide Tätigkeiten ergänzen, die wegen Flexibilitätsanforderungen oder menschlicher Arbeitsplatzgestaltung bislang schwer automatisierbar waren.“ Das Fraunhofer-Institut betont hier, dass Demonstrationen nicht mit Massenadoption verwechselt werden dürfen. Der Erfolg hänge von Diffusion, Sicherheit, Regulatorik und Integration ab.

Als besonderes Nadelöhr für den breiteren Einsatz nennen die Forschenden die Datenbasis, mithilfe derer intelligente Roboter im Kontext leistungsstarker KI-Modelle (Foundation Models, Vision-Language-Action-Modelle etc.) bestimmte Aufgaben selbst erlernen können. Die Generierung dieser wichtigen Daten steht deshalb aktuell besonders im Fokus rund um die Entwicklung KI-basierter Robotik.

Was Entscheider daraus ableiten können

KI-basierte Robotik ist heute bereits in bestimmten Anwendungen marktreif. Unternehmen, die sich für diese Technologien interessieren, raten die Fraunhofer-Forschenden dazu, zunächst konkrete ‚Pain Points‘ für mehr Automatisierung zu ermitteln. Anschließend gilt es, passende, ausgereifte Lösungen zu finden, diese zunächst zu pilotieren und erst dann zu skalieren.

Investoren sollten zudem entlang der Wertschöpfungskette differenzieren. Die Forschenden betonen außerdem, dass direkte Wetten auf einzelne Hersteller humanoider Robotik risikoreich sind, da der Markt noch einer sehr starken Dynamik unterliegt. Anbieter von Schlüsselkomponenten, KI-Infrastruktur, Simulation und Datenökosystemen können hingegen früher und breiter partizipieren.

Die Studie ist hier in einer Kurzform verfügbar: www.ipa.fraunhofer.de



  • Potenziale und Grenzen KI-gesteuerter Roboter

    Potenziale und Grenzen KI-gesteuerter Roboter

    In einem neuen Webspecial bietet die Plattform Lernende Systeme einen Überblick über die lernfähige Robotik. Ein Dashboard zeigt unter anderem Einsatzbereiche und Entwicklungen.

    mehr lesen: Potenziale und Grenzen KI-gesteuerter Roboter

  • Kriminelle setzen auf neue Ransomware ’Marke Eigenbau’

    Kriminelle setzen auf neue Ransomware ’Marke Eigenbau’

    Ransomware-as-a-Service gilt als lukratives Geschäft und ist fest in der Hand professionell organisierter Gruppen. Kriminelle, die nicht auf die teuren Bausätze zurückgreifen wollen, könnten nun auf eine schnell zusammengebastelte ’Ramsch-Ransomware’…

    mehr lesen: Kriminelle setzen auf neue Ransomware ’Marke Eigenbau’

  • AutoID-Märkte auch im 2. Halbjahr stabil

    AutoID-Märkte auch im 2. Halbjahr stabil

    Der Industrie-Verband AIM-D befragt seine Mitglieder regelmäßig zur wirtschaftlichen Lage. In der aktuellen Erhebung erweist sich die AutoID-Branche als stabil.

    mehr lesen: AutoID-Märkte auch im 2. Halbjahr stabil

  • Entspannungssignale trotz hohem Monatsminus

    Entspannungssignale trotz hohem Monatsminus

    Im März 2024 lag der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau 17 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die VDMA-Volkswirte erkennen jedoch erste Anzeichen einer Entspannung.

    mehr lesen: Entspannungssignale trotz hohem Monatsminus

  • Risikoreiche KI per Red Teaming testen

    Risikoreiche KI per Red Teaming testen

    Red Teaming ist eine Möglichkeit, um etwa die Sicherheit von künstlicher Intelligenz zu testen. Jedoch gibt es hierfür keine standardisierten Ansätze. Wissenschaftler des ZEW in Mannheim haben dafür einen Vorschlag.

    mehr lesen: Risikoreiche KI per Red Teaming testen

  • Heute die Materialien von morgen modellieren

    Heute die Materialien von morgen modellieren

    Welche Faktoren bestimmen, wie schnell sich eine Batterie laden lässt? Dieser und weiteren Fragen gehen Forschende am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit computergestützten Simulationen nach.

    mehr lesen: Heute die Materialien von morgen modellieren

  • Eduard Daoud leitet Vertrieb der SQL Projekt AG

    Eduard Daoud leitet Vertrieb der SQL Projekt AG

    Seit Beginn des Jahres leitet Eduard Daoud das fünfköpfige Transconnect-Vertriebsteam der SQL Projekt AG. Für Unternehmensvorstand Stefan Ehrlich ein Schritt zu noch mehr Professionalisierung, der genau zum richtigen Zeitpunkt komme.

    mehr lesen: Eduard Daoud leitet Vertrieb der SQL Projekt AG

  • Altair übernimmt Cambridge Semantics

    Altair übernimmt Cambridge Semantics

    Mit Cambridge Semantics übernimmt Altair einen Spezialisten für Datenmanagement. Die Software des 2007 gegründeten Unternehmens soll RapidMiner-Plattform von Altair integriert werden.

    mehr lesen: Altair übernimmt Cambridge Semantics

  • Geschäftsklimaindex steigt auch im April

    Geschäftsklimaindex steigt auch im April

    Mit 89,4 Punkten liegt der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts im April 2024 1,5 Punkte über dem Wert des Vormonats. Die Wirtschaftsforscher führen den Anstieg vor allem auf Entwicklungen im Dienstleistungssektor zurück.

    mehr lesen: Geschäftsklimaindex steigt auch im April

  • Fachforum beleuchtet KI-Potenzial und gibt rechtliche Tipps

    Fachforum beleuchtet KI-Potenzial und gibt rechtliche Tipps

    Welche Rolle künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung für die additive Fertigung spielen, erörtert das Forum Software, KI & Design, das am 15. Mai auf der Rapid.Tech 3D (14. bis 16.…

    mehr lesen: Fachforum beleuchtet KI-Potenzial und gibt rechtliche Tipps

  • OPC Foundation startet KI-Arbeitsgruppe und Cloud-Initiative

    OPC Foundation startet KI-Arbeitsgruppe und Cloud-Initiative

    Die OPC Foundation hat die Arbeitsgruppe ‚OPC UA for AI’ gegründet. Zudem wurde eine Cloud-Initiative gestartet, um die Interoperabilität zwischen IT- und Cloud-Plattformen auf Basis von OPC UA zu fördern.

    mehr lesen: OPC Foundation startet KI-Arbeitsgruppe und Cloud-Initiative

  • Insys Icom beruft zweiten Geschäftsführer

    Insys Icom beruft zweiten Geschäftsführer

    Die Insys Icom hat einen zweiten Geschäftsführer. Gemeinsam mit Unternehmensgründer Eduard B. Wagner steht seit 1. April Florian Froschermeier an der Spitze des Regensburger Unternehmens.

    mehr lesen: Insys Icom beruft zweiten Geschäftsführer