Forschungsintensive Industrie verliert an Wettbewerbsfähigkeit

0:000:00

WB21 2026 FuE Infografik.png.756079
Bild: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Deutsche Produzenten hochwertiger Technologiegüter, etwa aus dem Automobil- und Maschinenbau, sind laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im internationalen Vergleich abgerutscht. Demnach sind sowohl ihr Wertschöpfungsanteil in Deutschland als auch ihr Anteil am Welthandel rückläufig. Zugleich konnten die betreffenden Industrien seit 2016 kaum Produktivitätsfortschritte erzielen. Auch die deutschen Industrien im Bereich der Spitzentechnologien, zu denen die Pharma- und Elektronikbranche zählen, konnten laut DIW-Analyse keine überdurchschnittliche Dynamik entfalten.

„Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands beruhte lange auf seinen forschungsintensiven Industrien. Doch diese Stärke schwindet“, fasst Studienautor Alexander Schiersch aus der Forschungsgruppe Entrepreneurship die Ergebnisse zusammen. Gemeinsam mit Christian Danne von der DIW-Consultingtochter DIW Econ hat er Deutschlands Entwicklung bei hochwertigen Technologiegütern und Spitzentechnologie im Hinblick auf Wertschöpfung, Produktivität und Welthandelsanteil im internationalen Vergleich analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass forschungsintensive Industrien vieler größerer Länder zwischen 2015 und 2024 zwar Wertschöpfungsanteile verloren haben, doch der Rückgang war in Deutschland im Vergleich zu beispielsweise Japan oder Südkorea besonders ausgeprägt. In vielen kleinen europäischen Ländern wie Dänemark, der Schweiz oder den Niederlanden konnten sie ihre Wertschöpfungsanteile hingegen ausbauen. Den Autorinnen und Autoren zufolge waren dafür mitunter einzelne Unternehmen wie der Pharmakonzern Novo Nordisk in Dänemark oder eine einzelne Branche wie die Pharmaindustrie in der Schweiz verantwortlich. „Die wachsende Spreizung zwischen den Ländern basiert somit nicht auf breit angelegten Trends. Die Erfolge der europäischen Nachbarn zeigen aber, dass es weiterhin möglich ist, mit Innovationen zusätzliche Wertschöpfung und wirtschaftliches Wachstum zu generieren“, sagt Schiersch.

Auch beim Zuwachs in der Arbeitsproduktivität, also der Wertschöpfung je Beschäftigtem, liegen einige der genannten Länder weit vorne. Deutschland hingegen konnte seit 2015 seine Produktivität bei hochwertigen Technologiegütern nur um 8% und bei der Spitzentechnologie nur um 25% verbessern.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit sinkt

Laut DIW-Mitteilung zeigt sich der Wettbewerbsverlust besonders deutlich im Welthandel: Demnach ging Deutschlands Anteil an den globalen Exporten forschungsintensiver Güter seit 2015 um rund 15% zurück. „Deutschlands Erfolg im Handel mit forschungsintensiven Gütern war lange vor allem durch Qualität und Innovation getrieben. Dieser komparative Vorteil ist zunehmend in Gefahr“, konstatiert Ko-Autor Danne. Ihm zufolge geht dies nicht nur auf das Konto Chinas, das seinen Anteil um 22% ausbauen konnte. Kleinere europäische Länder wie Dänemark, die Niederlande und Belgien stemmten sich gegen den Trend. „Innovation und die Entwicklung von sehr spezialisierten, schwer ersetzbaren Produkten können den Welthandelsanteil steigern – trotz Chinas wachsender Bedeutung“, sagt Danne.

Um dem Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit entgegenzuwirken, beschreiben die Autoren drei Hebel, die auf politischer Ebene ansetzen: „Weniger Regulierungsdichte, bessere öffentliche Verwaltung und ein weniger fragmentierter europäischer Binnenmarkt. Ohne diese Hebel lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht dauerhaft sichern“, ist Schiersch überzeugt.



  • Vier von fünf Unternehmen beklagen zunehmende Bürokratie

    Vier von fünf Unternehmen beklagen zunehmende Bürokratie

    Rund 80% der Unternehmen in Deutschland berichten in einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft von einem gestiegenen Aufwand für die Erfüllung gesetzlicher Berichts- und Dokumentationspflichten in den vergangenen drei…

    mehr lesen: Vier von fünf Unternehmen beklagen zunehmende Bürokratie

  • Harting eröffnet Kompetenzzentrum für 3D-Druck

    Harting eröffnet Kompetenzzentrum für 3D-Druck

    Die Harting Technologiegruppe baut ihre Kompetenzen im Bereich 3D-Druck aus und eröffnet das ‚Center of Competence Additive Manufacturing‘ im Werk Rahden.

    mehr lesen: Harting eröffnet Kompetenzzentrum für 3D-Druck

  • ZVEI sieht weiteren Vereinfachungsbedarf der KI-Regulatorik

    ZVEI sieht weiteren Vereinfachungsbedarf der KI-Regulatorik

    Das Plenum des EU-Parlaments stimmt in der ersten Lesung über seine Position zum KI-Omnibus ab. ZVEI-Geschäftsführerin Sarah Bäumchen unterstützt in den Reformwillen und fordert weitere Vereinfachungen beim AI Act.

    mehr lesen: ZVEI sieht weiteren Vereinfachungsbedarf der KI-Regulatorik

  • Forschungsbeirat Industrie 4.0 widmet sich Physical AI

    Forschungsbeirat Industrie 4.0 widmet sich Physical AI

    Die dritte Ausgabe von ‚Industrie 4.0 Forschung in Kürze‘ des Forschungsbeirats Industrie 4.0 widmet sich den Möglichkeiten von Physical Artificial Intelligence (Physical AI) in der Industrie.

    mehr lesen: Forschungsbeirat Industrie 4.0 widmet sich Physical AI

  • Logimat-Preis für bestes Produkt verliehen

    Logimat-Preis für bestes Produkt verliehen

    Im Rahmen der Logimatwurde der Preis ‚Logimat Best Product‘ in drei Kategorien verliehen.

    mehr lesen: Logimat-Preis für bestes Produkt verliehen

  • Spezielle Chips für reduzierten KI-Energieverbrauch

    Spezielle Chips für reduzierten KI-Energieverbrauch

    Im Rahmen des KI-Leuchtturmprojekts ‚Eki‘ hat ein Forschungsteam unter der Leitung der Universität Paderborn an der Verbesserung der Energieeffizienz von KI-Systemen gearbeitet und Methoden entwickelt, mit denen sich der Energieverbrauch…

    mehr lesen: Spezielle Chips für reduzierten KI-Energieverbrauch

  • Neues Mitglied im Aufsichtsrat von Wibu-Systems

    Neues Mitglied im Aufsichtsrat von Wibu-Systems

    Wibu-Systems, ein Spezialist für Softwareschutz, Lizenzierung und Cybersicherheit, hat Prof. Dr. Jörn Müller-Quade in den Aufsichtsrat berufen.

    mehr lesen: Neues Mitglied im Aufsichtsrat von Wibu-Systems

  • SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    Im Rahmen der Fachmesse Logimat haben SEW-Eurodrive und Safelog eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben.

    mehr lesen: SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

  • KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    Ein neuartiges Bauteil, das durch eine fortschrittliche Fertigungstechnologie eine sehr schnelle, sparsame und verlässliche Datenübertragung ermöglicht, haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der École Polytechnique Fédérale de…

    mehr lesen: KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

  • PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC ist dem ZVEI beigetreten und will in diesem Rahmen seine Expertise in den Bereichen digitale Geschäftsmodelle, industrielle künstliche Intelligenz (KI) und datenbasierte Wertschöpfung in die Verbandsarbeit einbringen.

    mehr lesen: PTC tritt dem ZVEI bei

  • Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Laut einer Untersuchung von TE Connectivity treibt die deutsche Industrie den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Automatisierung mit hoher Geschwindigkeit voran.

    mehr lesen: Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

  • Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Wenn Fachkräfte ein Unternehmen verlassen, geht auch oft Knowhow verloren. Im Projekt ‚Stark‘ untersuchen Forschende des Fraunhofer IPK gemeinsam mit der BSP Business and Law School – Hochschule für Management…

    mehr lesen: Ein Chatbot für den Wissenstransfer