Unternehmenswissen im LLM gespeichert

338765 479285
Bild: ©tippapatt/stock.adobe.com

Eine Studie von Yext aus dem Jahr 2023 zeigt, dass Kunden erwarten, Informationen direkt online zu finden und Probleme selbst zu lösen, anstatt den Kundenservice zu kontaktieren – neun von zehn befragten Deutschen gaben an, dass ihnen dies wichtig ist. Das Wissen, um diesen Anspruch zu erfüllen, ist bereits vorhanden. Unternehmen verfügen über umfangreiche Informationsbestände, die jedoch häufig nicht zentral zugänglich und durchsuchbar sind, sondern in Abteilungen, Laufwerken oder verschachtelten Ordnern in der Cloud liegen. Zudem stehen Unternehmen vor der Herausforderung, die Informationen für ihre Mitarbeiter aufzubereiten und bereitzustellen. Doch was wäre, wenn sich interne und externe Anfragen an KI-Modelle wie ChatGPT richten ließen? Mit Fragen in natürlicher Sprache und klaren Antworten – aber ohne Personaleinsatz.

Der geeignete Ansatz

Bevor Sprachmodelle eingesetzt werden können, müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Die unternehmenseigenen Daten müsen dafür strukturiert, qualitätsgesichert und aktuell gehalten werden, um sie für die Nutzung durch Sprachmodelle aufzubereiten. Dabei stellt sich die zentrale Frage: Welche spezifischen Anforderungen und Ziele verfolgt das Unternehmen? Sobald dies geklärt ist, muss das Sprachmodell mit zusätzlichen unternehmensspezifischen Daten trainiert bzw. verfeinert werden, um die Genauigkeit und Relevanz der Antworten zu verbessern. Schließlich sollten einige grundlegende Prinzipien beachtet werden:

Menschliche Kontrolle – Es muss definierte Verantwortliche geben, die das Werkzeug und die KI überwachen und steuern. KI funktioniert ohne regelmäßige Wartung nicht einwandfrei. Ungepflegte Systeme können falsche Antworten geben.
Vollständige Daten – Ein Sprachmodell kann aus unvollständigen Informationen keine gültigen Schlüsse ziehen. Die KI muss mit relevanten und vollständigen Daten trainiert werden.
Halluzinationen vermeiden – Wenn nicht genügend Informationen vorliegen, um eine Frage zu beantworten, wird die KI trotzdem antworten – und zwar falsch. Auf Basis ihrer Wahrscheinlichkeitsprozesse erfindet sie eine Antwort. Für den Nutzer sind diese Halluzinationen nur schwer von echten Antworten zu unterscheiden. Statistiken zeigen, dass die KI in manchen Fällen bis zu 20 Prozent der Antworten hinzufügt. Dieses Problem kann durch vollständige Daten und gutes Training der KI reduziert werden.
Einbettung in eine umfassende Infrastruktur – Sprachmodelle allein nützen wenig. Sie müssen sinnvoll in eine umfassende und gut entwickelte Infrastruktur eingebettet werden. Die Verantwortlichen müssen sicherstellen, dass Compliance, Datenschutz und vor allem Fehlerresistenz gewährleistet sind.

Um das Wissen in Unternehmen mit Hilfe von Large Language Models (LLM) durchsuchbar zu machen, wird ein dreistufiger Ansatz empfohlen:

1. Informationsbasis schaffen

Auf der ersten Ebene, der Daten- oder konzeptionellen Ebene, müssen Daten gesammelt, organisiert und strukturiert werden, um sie nutzbar zu machen. Dazu gehören alle im Unternehmen vorhandenen Daten: strukturierte, semistrukturierte und unstrukturierte Daten, interne Dokumente, technische Spezifikationen, Handbücher, FAQs und bereits bearbeitete Kundensupport-Tickets. Diese Informationen müssen auf geeignete Weise gespeichert werden. Das Unternehmen Yext nutzt beispielsweise Knowledge-Graphen als zentrale Datenquellen. Diese Knowledge-Graphen wurden speziell für künstliche Intelligenz entwickelt und auf Informationen für Sprachsuchen, Chatbots und andere KI-Anwendungen optimiert.

2. Inhalte für die Customer Journey

Auf der zweiten Ebene wird das Sprachmodell (Large Language Model Layer) aufgebaut und die Zusammenhänge hergestellt. Hier sollten verschiedene Personas und Zielgruppen definiert werden, die für das Unternehmen und die interne und externe Kommunikation relevant sind. Anhand dieser Zielgruppen wird die Customer Journey nachvollzogen und das in der ersten Ebene gesammelte Wissen für passende Inhalte und individuelle Antworten genutzt. Jeder Informationssuchende soll maßgeschneiderte und relevante Antworten erhalten. Dabei ist es wichtig, die Sprachmodelle regelmäßig zu überprüfen und sicherzustellen, dass alle zugrundeliegenden Daten und Parameter aktuell sind. Neue Daten müssen eingegeben und die Ergebnisse stichprobenartig überprüft werden, um die Qualität der Antworten konstant hochzuhalten und das Modell kontinuierlich zu verbessern.

3. Ausgabe und Anpassung in verschiedenen Kanäle.

Auf der dritten Ebene, der Anwendungsebene oder Syntaxebene, werden die erstellten Inhalte für verschiedene Kanäle und Zielgruppen aufbereitet (Multi-Channel Experience Layer). Diese Ebene umfasst Funktionen wie Suche, Textgenerierung, Zusammenfassungen und Transkription von Texten. Die Multi-Channel Experience Layer ermöglicht es, KI-generierte Inhalte sowohl für interne als auch für externe Kanäle sichtbar zu machen. Diese Schicht bestimmt, wie Wissen präsentiert und verstanden wird, und kann je nach Darstellung auf der syntaktischen Ebene mehr oder weniger klar, verständlich, überzeugend oder ansprechend sein. Beispielsweise kann ein Text über ein Produkt in verschiedenen Formaten verfasst sein, z.B. als Beschreibung, Bewertung oder Anleitung. Nutzer können über verschiedene Kommunikationskanäle wie Websites, Chatbots, Sprachassistenten oder E-Mails auf das so angebotene Unternehmenswissen zugreifen.

Leistungsversprechen einlösen

Sprachmodelle können, wenn sie richtig implementiert und gepflegt werden, das Wissen eines Unternehmens nutzbar machen, die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern erhöhen und die Supportkosten senken. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, ihre Struktur klar zu definieren und die verschiedenen Ebenen miteinander zu verknüpfen. Darüber hinaus erfordern sie eine sorgfältige Planung, Implementierung und kontinuierliche Schulung, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen.



  • PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

    PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

    Der Softwareanbieter PSI hat Prognos Energy übernommen. Das Unternehmen aus Potsdam ist auf Einspeisungsprognosen aus erneuerbaren Energien spezialisiert.

    mehr lesen: PSI übernimmt Prognosesoftwareanbieter Prognos Energy

  • Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

    Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

    Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA unter 600 Mitgliedsfirmen gehen 68 Prozent davon aus, dass sie künftig genauso viele gewerblich-technische Ausbildungsplätze anbieten können, wie vor der Corona-Pandemie.

    mehr lesen: Maschinenbau will trotz Corona weiter ausbilden

  • Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

    Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

    Im Rahmen der Marktstudie ‚Industrielle Kommunikation/Industrie 4.0 2020‘ gaben im Januar/Februar 2020 mehr als 300 Maschinenbauunternehmen Auskunft über das Einsatzverhalten und über zukünftige Entwicklungen in den Bereichen Kommunikationstechnologien und Industrie…

    mehr lesen: Industrie 4.0 im Maschinenbau im Trend

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Cyberattacken oft zu spät entdeckt

    Cyberattacken oft zu spät entdeckt

    Mangelnde Reaktionsgeschwindigkeit ist für den Mittelstand die größte Herausforderung bei Cyberangriffen. Dabei stehen laut einer Studie von Deloitte Mitarbeiter bei der Abwehr von Risiken im Brennpunkt. Phishing-Mails, Betrugs-Websites und Erpressungssoftware…

    mehr lesen: Cyberattacken oft zu spät entdeckt

  • KI ist wichtig, die Umsetzung läuft noch schleppend

    KI ist wichtig, die Umsetzung läuft noch schleppend

    Die Unternehmen sprechen der künstlichen Intelligenz eine herausragende Bedeutung zu, tun sich aber schwer damit, die Technologie praktisch einzusetzen. Dies geht aus einer branchenübergreifenden Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 603…

    mehr lesen: KI ist wichtig, die Umsetzung läuft noch schleppend

  • Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Das MES von Critical Manufacturing können Schweizer Unternehmen künftig auch von Hilpert Electronic beziehen. Der Spezialist für Applikationen rund um die Mikroelektronikfertigung ist neuer Vertriebspartner des weltweit agierenden MES-Herstellers mit…

    mehr lesen: Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

  • Algorithmen automatisiert trainieren

    Algorithmen automatisiert trainieren

    Durch künstliche Intelligenz (KI) können Maschinen Objekte erkennen. Dafür werden Algorithmen mit Bilddaten manuell trainiert. Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entstandene Start-up Kimoknow hat eine Technologie entwickelt, um…

    mehr lesen: Algorithmen automatisiert trainieren

  • Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

    Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

    Immer mehr IT-Abteilungen vertrauen auf Penetrationstests oder Bug-Bounty-Programme und simulieren Cyberattacken, um ihre Mitarbeiter zu sensibilisieren. Grund dafür ist der explosionsartige Anstieg von Cyberbedrohungen. 

    mehr lesen: Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

  • Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

    Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

    Stephan Klokow, Direktor DPI (Deep Packet Inspection) beim Rohde & Schwarz Tochterunternehmen Ipoque, wurde während der Mitgliederversammlung am 18. Mai 2020 in den Vorstand des Branchennetzwerks Cluster IT Mitteldeutschland e.V.…

    mehr lesen: Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

  • Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

    Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

    Fortinet stellt mit der FortiGate 4200F eine leistungsstarke Netzwerk-Firewall vor. Diese basiert auf dem NP7, dem von Fortinet entwickelten Netzwerkprozessor der siebten Generation. Indem sie Networking mit Security verbindet, ermöglicht…

    mehr lesen: Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

  • Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

    Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

    Trotz eines Anstiegs im Vergleich zum Vormonat bleiben die Ifo-Produktionserwartungen im negativen Bereich. Die deutsche Industrieunternehmen erwarten somit einen weiteren Rückgang der Produktion.

    mehr lesen: Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion