Das Industrial Metaverse des Stuttgarter ISW

Digitale Schatten des Maschinenparks (oben) werden z.B. über Unity3D in das Industrial Metaverse (mitte) integriert. Live-Daten von realen Maschinen mit unterschiedlichen Steuerungen (unten) werden über OPC UA Server in das Metaverse übertragen. VR-, Web- und Trainingsanwendungen (rechts) nutzen diese Daten für interaktive und immersive Erlebnisse.
Digitale Schatten des Maschinenparks (oben) werden z.B. über Unity3D in das Industrial Metaverse (mitte) integriert. Live-Daten von realen Maschinen mit unterschiedlichen Steuerungen (unten) werden über OPC UA Server in das Metaverse übertragen. VR-, Web- und Trainingsanwendungen (rechts) nutzen diese Daten für interaktive und immersive Erlebnisse. – Bild: Universität Stuttgart

Das Industrial Metaverse wird von der Plattform Industrie 4.0 wie folgt definiert: ‚Das Industrial Metaverse bezeichnet den Einsatz von virtuellen und erweiterten Realitäten in der industriellen Produktion und Instandhaltung. Das Metaverse kann zur Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung in der Produktion sowie zur Unterstützung von Telearbeit und Schulungen eingesetzt werden.‘ In diesem Beitrag werden die methodischen Schritte zur Erstellung des digitalen Hallenmodells sowie die technischen Details der Datenintegration mittels OPC UA erläutert. Darüber hinaus wird auf die Vorteile und potentiellen Anwendungsgebiete im Rahmen des Industrial Metaverse eingegangen.

Darstellung einer Produktionszelle, in welcher unterschiedliche Signale durch verschieden farbig animierte Datenleitungen hervorgehoben werden.
Darstellung einer Produktionszelle, in welcher unterschiedliche Signale durch verschieden farbig animierte Datenleitungen hervorgehoben werden. – Bild: Universität Stuttgart

Wem nutzt virtuelle Produktion?

Die Gründe, warum Institute und Unternehmen ein solches digitales Hallenmodell bzw. Metaverse erstellen sollten, sind vielfältig:

Außendarstellung – Unternehmen können ihre Innovationskraft und Technologieführerschaft demonstrieren, indem sie ihre Produkte und Dienstleistungen in einer interaktiven, immersiven Umgebung präsentieren. Das stärkt die Außenwahrnehmung der Marke und hebt das Unternehmen oder Institut von der Wettbewerbern ab.

Digitale Touren für Kunden – Virtuelle Führungen durch Werke und Showrooms ermöglichen es Kunden, Produkte und Prozesse realitätsnah zu erleben, ohne physisch vor Ort zu sein. Dies erhöht das Verständnis und die Wertschätzung für die angebotenen Produkte und Dienstleistungen und kann die Kaufentscheidung beeinflussen. Forschungseinrichtungen ermöglicht ein digitaler Rundgang die Darstellung aktueller Forschungsthemen und fördert den Austausch zwischen Unternehmen, anderen Instituten und Studenten.

Datenkonsolidierung – Das Industrial Metaverse bietet eine zentrale Plattform zur Integration und Analyse von Daten aus unterschiedlichen Quellen. Dies führt zu besseren Entscheidungen, optimierter Effizienz und frühzeitiger Problemerkennung. Auch aus Sicht der Forschung ergeben sich Vorteile. Themen im Forschungsbereich datengetriebene Services, erfordern eine Datenbasis an Prozessinformationen, die im Forschungskontext oft nicht vorhanden ist. So können Forscher am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) an der Universität Stuttgarts künftig Daten aus dem Industrial Metaverse für ihre Forschung nutzen.

Architektur und Anwendung

Für die Realisierung eines digitalen Hallenmodells sind die CAD-Daten des Maschinenparks und der Maschinenhalle erforderlich. Eine alternative Umgebung wäre zwar auch möglich, der Mehrwert einer realitätsgetreuen Hallenbegehung bleibt jedoch erhalten, wenn reale CAD-Daten verwendet werden. Für den Export werden die in Solidworks erstellten CAD-Daten mit dem Zusatzprogramm Visualize als FBX-Datei exportiert. Anschließend werden die CAD-Dateien in eine Game-Engine, in diesem Fall Unity3D, übertragen. Unity3D bietet zahlreiche Features und Plugins, die integriert und genutzt werden können. Für den Anwendungsfall wurde ein OPC UA Interface Plugin entwickelt, das es ermöglicht, Daten direkt von OPC UA Servern zu lesen oder zu schreiben. Dies bedeutet, dass die digitalen Schatten der Maschinen in Unity3D mit den OPC UA Servern der realen Maschinen verbunden werden können. Die Architektur ist in der Abbildung 2 dargestellt.

Nah an Standards bleiben

Werden die Modelle im CAD für den Anwendungsfall kinematisiert, das heißt zusammenhängende bewegliche Elemente werden als einzelne Baugruppen in Unity3D exportiert, können die über OPC UA bereitgestellten Achswerte direkt für die Visualisierung verwendet werden. Wichtig ist auch, dass die OPC UA Server der Maschinen nach entsprechenden Spezifikationen, wie der ‚OPC UA for Machinery‘ modelliert werden, damit alle Daten über standardisierte Schnittstellen zugänglich sind. Dies erleichtert die Integration neuer Maschinen.

Seiten: 1 2 3



  • Pilotprojekt erforscht Kreislaufwirtschaft in der Fahrzeugproduktion

    Pilotprojekt erforscht Kreislaufwirtschaft in der Fahrzeugproduktion

    Wie eine nachhaltige und ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft für kleine und leichte Elektrofahrzeuge bzw. Leichtkraftfahrzeuge aussehen kann, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal sowie der Hochschule Bochum im Projekt Pilot4CircuLEV.

    mehr lesen: Pilotprojekt erforscht Kreislaufwirtschaft in der Fahrzeugproduktion

  • VDI setzt Mentoringprogramm für ausländische Ingenieure auf

    VDI setzt Mentoringprogramm für ausländische Ingenieure auf

    Mit dem Projekt Xpand will der VDI ein Mentoring-Programm etablieren, das Ingenieure und Ingenieurinnen ausländischer Herkunft bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen soll.

    mehr lesen: VDI setzt Mentoringprogramm für ausländische Ingenieure auf

  • Exportindustrie mit „Luft nach oben“

    Exportindustrie mit „Luft nach oben“

    Zwar verbessern sich laut aktueller Ifo-Kennzahlen die Exporterwartungen der Industrie, jedoch rechnen insgesamt nur wenige Branchen mit Zuwächsen.

    mehr lesen: Exportindustrie mit „Luft nach oben“

  • Neues Fachforum auf der Rapid.Tech 3D

    Neues Fachforum auf der Rapid.Tech 3D

    Mit der Veranstaltung AM4industry widmet die Rapid-Tech 3D Trendthemen rund um den industriellen 3D-Druck ein eigenes Fachforum. Initiator und Organisator ist die VDMA-Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing.

    mehr lesen: Neues Fachforum auf der Rapid.Tech 3D

  • Morten Wierod wird ABB-CEO

    Morten Wierod wird ABB-CEO

    Mit Wirkung zum ersten August wird Morten Wierod CEO bei ABB. Er folgt damit auf Björn Rosengren, der das Unternehmen zum Jahresende verlässt.

    mehr lesen: Morten Wierod wird ABB-CEO

  • Studie identifiziert CO2-Einsparpotenzial digitaler Technologien

    Studie identifiziert CO2-Einsparpotenzial digitaler Technologien

    Digitale Technologien können dazu beitragen, dass Deutschland seine Klimaziele im Jahr 2030 erfüllt. Der Branchenverband Bitkom hat dazu gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Accenture unterschiedliche Szenarien für die Sektoren Industrie, Energie,…

    mehr lesen: Studie identifiziert CO2-Einsparpotenzial digitaler Technologien

  • Exportindustrie mit „Luft nach oben“

    Exportindustrie mit „Luft nach oben“

    Zwar verbessern sich laut aktueller Ifo-Kennzahlen die Exporterwartungen der Industrie, jedoch rechnen insgesamt nur wenige Branchen mit Zuwächsen.

    mehr lesen: Exportindustrie mit „Luft nach oben“

  • ProAlpha übernimmt HR-Spezialisten Quiply

    ProAlpha übernimmt HR-Spezialisten Quiply

    Mit der Übernahme von Quiply baut der ERP-Spezialist ProAlpha sein Angebot im Bereich HR-Management aus. Die App des Kölner Unternehmens unterstützt mittelständische Unternehmen in der DACH-Region bei ihrer internen Kommunikation.

    mehr lesen: ProAlpha übernimmt HR-Spezialisten Quiply

  • Edag und Bosch arbeiten zusammen

    Edag und Bosch arbeiten zusammen

    Edag und Bosch wollen bei der Fahrzeugentwicklung zusammenarbeiten. Die beiden Unternehmen haben dazu eine Absichtserklärung unterzeichnet.

    mehr lesen: Edag und Bosch arbeiten zusammen

  • Neue Fachmesse IN2AI 2024

    Neue Fachmesse IN2AI 2024

    Im September findet in Dortmund die Premiere der IN2AI statt. Die Messe beschäftigt sich mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz in Industrie und Logistik.

    mehr lesen: Neue Fachmesse IN2AI 2024

  • Logistik mit Nachholbedarf bei neuen Technologien und Nachhaltigkeit

    Logistik mit Nachholbedarf bei neuen Technologien und Nachhaltigkeit

    Für Logistiker scheint das Thema Nachhaltigkeit eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Mehr als die Hälfte der für eine Studie von Here Technologies befragten Unternehmen verfolgt aktuell keine Strategie in…

    mehr lesen: Logistik mit Nachholbedarf bei neuen Technologien und Nachhaltigkeit

  • Aufklärung soll Roboter-Akzeptanz erhöhen

    Aufklärung soll Roboter-Akzeptanz erhöhen

    Laut einer Studie von United Robotics herrscht international Einigkeit über das Potenzial des Robotik-Sektors. Unzureichende Informationen können nach der Umfrage jedoch für Skepsis gegenüber Robotern sorgen.

    mehr lesen: Aufklärung soll Roboter-Akzeptanz erhöhen