Industrielle KI und Datenökosysteme

Beispiel für gemeinschaftliche Nutzung von Daten im Datenökosystem
Beispiel für gemeinschaftliche Nutzung von Daten im DatenökosystemBild: Fraunhofer IOSB

Viele der wichtigen Zukunftstechnologien lassen sich nur in Kooperation mit gleichgesinnten Partnern im Wertschöpfungsnetzwerk sinnvoll nutzen. Wenn jeder seine Stärken ausspielt, können KI-Modelle Nutzen für alle Beteiligten schaffen. Datenökosysteme und Datenräume sind dabei die Basis für den nutzbringenden Einsatz von industrieller KI, besonders für kleine und mittlere Fertigungsbetriebe. Sie standardisieren Daten aus unterschiedlichen Quellen, bieten über standardisierte Konnektoren Zugang zum Datenökosystem und ermöglichen damit wiederverwendbare KI-Anwendungen. Im Folgenden sind weitere zentrale Aspekte aufgeführt.

Daten teilen hilft allen

Datenökosysteme erleichtern einfache Datenzugänglichkeit und -qualität, auch über Unternehmensgrenzen hinweg, z.B. durch Zugriff auf Maschinen-, Prozess-, Qualitäts- und Wartungsdaten aus verschiedenen Quellen. Standardisierte Formate und Metadaten, die die Datenökosysteme festlegen, erleichtern die gezielte Nutzung von Laufzeitdaten. Offene Standards, die bereits beginnen, sich in der produzierenden Industrie durchzusetzen, erleichtern dann die Kombination von Daten aus unterschiedlichen Systemen, etwa ERP-, MES-, Scada- oder PLM-Anwendungen.

Schutzkonzepte für Wissen

Oftmals zögern Unternehmen beim Datenaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg, weil sie befürchten, kostbares, langjährig aufgebautes Knowhow mit den Daten preiszugeben. Datenökosysteme bieten daher festgelegte Governance und Datensicherheit: Rollen-, Zugriffs- und Nutzungskontrollen, vertrauenswürdige Datenquellen und automatisierbare Datenverträge (Datenzugriffsvereinbarungen) erleichtern und unterstützen den Datenaustausch im Netzwerk. Damit können Ökosystempartner wie Lieferanten, Kunden und Dienstleister Daten kompletter Wertschöpfungsketten integrieren und zum Nutzen aller Potenziale ausschöpfen, die sie allein niemals heben könnten. So ergeben sich wesentliche Vorteile beim Einsatz von künstlicher Intelligenz wie maschinellem Lernen:

  • Bereits vorhandene, vorbereitete Datensätze sind für mehrere KI-Anwendungen nutzbar, etwa Predictive Maintenance oder Qualitätssicherung.
  • KI-Modelle haben eine höhere Qualität und sind vertrauenswürdig, weil saubere, konsistente Daten die Genauigkeit verbessern und Stabilität und Verständlichkeit der KI-Anwendungen erhöhen.
  • Das Teilen von Daten in vertrauenswürdigen Datenökosystemen vermeidet Inselsysteme und ermöglicht schrittweisen und damit risikoreduzierten Einsatz von KI bis zur Skalierung.
  • Partnerschaftliche Wertschöpfung entsteht, weil Unternehmen einer Wertschöpfungskette Daten kooperativ nutzen, z.B. gemeinsam trainierte Modelle mit Zulieferern.

Typische Szenarien

Es existieren bereits eine ganze Reihe möglicher Anwendungsgebiete für diesen Ansatz. Predictive Maintenance ermöglicht es etwa, mit KI früh zu erkennen, wenn Ausfälle von Maschinen oder Komponenten drohen. Auch die Prozessoptimierung gehört dazu, etwa bei der Feinjustierung von Prozessparametern wie Temperatur, Geschwindigkeit oder Druck. Hinzu kommen Qualitätsvorhersagen durch die Erkennung von Abweichungen oder die Reduzierung von Ausschuss und Nacharbeit. Ebenso kann die Energie- und Ressourceneffizienz verbessert werden, indem KI-Modelle Verschwendung erkennen und Verbrauchskurven optimieren.

Datenraumwerkstätten als KI-Inkubatoren

Viele Fabrikbetreiber und ihre Ausrüster sind kleine und mittelständische Unternehmen, die meist keine große IT-Abteilung, wenig Hallenfläche für Prototypen, kaum freie Kapazitäten zur Datengewinnung aus laufenden Maschinen oder kaum Personalkapazität für Forschungsprojekte haben. Genau darum bereitet das Fraunhofer IOSB seine Forschungsfabriken und KI-Reallabore in Karlsruhe und Lemgo darauf vor, Datenraumwerkstätten zu werden: Hier finden produzierende Unternehmen die Elemente, um Datenraumtechnologien zu entwickeln und zu erproben.

Was braucht es für den Datenraum

Die Datenraumwerkstatt soll alle Elemente anbieten, die erforderlich sind, um kollaborativ einen Datenraum aufzubauen, heterogene Daten aus verschiedenen Quellen zu gewinnen, zu standardisieren und zu verarbeiten sowie allgemein den Nutzen für Unternehmen aus dem Datenökosystem anschaulich zu machen. Zu diesen Elementen gehören Möglichkeiten zur Instrumentierung von Maschinen, Anlagen und Produktionsprozessen für die Fälle, dass die von Unternehmen vorgesehene oder existierende Sensorik zur Datenerfassung nicht ausreicht. Hinzu kommt die Verarbeitung von Produktionsdaten im Edge-Cloud-Kontinuum, z.B. um KI- und ML-Modelle von Komponenten und Maschinen zur Demonstration von Prädiktion bezüglich Qualität, Verfügbarkeit oder Ausbringung zu trainieren und zu erstellen. Ebenso erforderlich sind MX-Port-Konfigurationstools zur Anbindung von Assets an den Datenraum über die verschiedenen Ausprägungen des MX-Port, Kompetenzen im IT-Sicherheitsmanagement und in der IT-Sicherheit sowie die Entwicklung von KI-Anwendungen und deren Betrieb in industriellen Datenräumen gemäß der Methodik des KI-Engineering.

Ermöglicher für die Industrie

Unter Nutzung dieser Elemente bieten Datenraumwerkstätten unterschiedliche Formate an, von der bilateralen Unterstützung einzelner Unternehmen über Hackathons, z.B. zur kollaborativen Erprobung von Konnektoren bis zu Governance-Workshops, in der die Teilnehmer sich über Regeln, Rollen und Verantwortlichkeiten in einem Datenraum austauschen und verständigen. Auch Standardisierungsinitiativen können durch die Datenraumwerkstatt angestoßen werden.

KI-Projekte erfolgreich umsetzen

Der Fraunhofer IOSB Workshop am 17. Juni in Heilbronn zeigt Führungskräften und Projektleitern, wie KI-Projekte strukturiert geplant, durchgeführt und in bestehende Teams integriert werden. Mit Tools, Vorgehensmodellen und Anwendungsbeispielen – von der Pipeline bis zum produktiven Einsatz.

mes.automatisierungstreff.com



  • Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

    Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

    Im Rahmen einer Partnerschaft wollen die Software AG und Re‘Flekt eine gemeinsame IoT & AR-Lösung auf den Weg bringen.

    mehr lesen: Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

  • Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Volkswagen hat mit sechs Partnerunternehmen den Industrial.Digitalisation PartnerNet e.V. gegründet. Die herstellerunabhängige Non-Profit-Organisation ist vor allem als Innovationsmotor für die Automobilbranche ausgelegt, aber auch andere Fertigungsbranchen sollen profitieren.

    mehr lesen: Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

  • Intec und Z findet online statt

    Intec und Z findet online statt

    Auch das kommende Messejahr wird noch mit Einschränkungen zu kämpfen haben. Die Veranstalter der Intec und Z 2021 verlegen die Messe nun in die virtuelle Welt. Das Motto: ‘Intec und…

    mehr lesen: Intec und Z findet online statt

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Auftragseingang auf Vorjahresniveau

    Auftragseingang auf Vorjahresniveau

    Im Oktober hielt sich der Auftragseingang der Maschinen- und Anlagenbauer auf dem Niveau des Vorjahres. Jedoch kommen die erneuten Einschränkungen in Folge der Corona-Krise im Berichtsmonat noch nicht zum Tragen.

    mehr lesen: Auftragseingang auf Vorjahresniveau

  • Vorteile von Standards und Normen nutzen

    Vorteile von Standards und Normen nutzen

    Für die Verbreitung von Innovationen sind Normen und Standards ein wichtiger Katalysator. Sie definieren die Meilensteine der Technik und ebnen innovativen Ideen den Weg zum Erfolg auf dem Markt. Auch…

    mehr lesen: Vorteile von Standards und Normen nutzen

  • Produktionspläne der Industrie gedämpft

    Produktionspläne der Industrie gedämpft

    Die Erwartungen der Produzenten an die nächsten Monate haben sich insgesamt wieder leicht ins Minus gedreht, ermittelten die Wirtschaftsforscher am ifo Institut. Vor allem Konsumgüter könnten sich wieder leicht schlechter…

    mehr lesen: Produktionspläne der Industrie gedämpft

  • IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    In seiner kostenlosen Firewall Community, einer Sicherheitslösung auf Linux-Basis, steigt Endian ab der aktuellen Version 3.3.2 auf Rolling Releases um. Über Open-VPN können Mitarbeiter im Homeoffice sicher auf die Unternehmensressourcen…

    mehr lesen: IT-Sicherheit auf Linux-Basis

  • IPC mit zweiter Platinenebene

    IPC mit zweiter Platinenebene

    Der lüfterlose Industrie-PC C6027 von Beckhoff verfügt über eine zweite Platinenebene mit optionalen sechs RJ45-Ports oder integrierter 1s-USV.

    mehr lesen: IPC mit zweiter Platinenebene

  • Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Nach dem globalen Umsatzeinbruch um voraussichtlich 7 Prozent in diesem Jahr, wird für 2021 im Maschinenbau ein Umsatzwachstum von 6 Prozent prognostiziert.

    mehr lesen: Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

  • Aptean übernimmt Modula

    Aptean übernimmt Modula

    Mit dem Ziel, seine Präsenz in der DACH-Region weiter auszubauen hat das US-Unternehmen Aptean die Modula GmbH übernommen.

    mehr lesen: Aptean übernimmt Modula

  • Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

    Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken

    Die nun veröffentlichte Normungsroadmap KI von DIN DKE sowie dem BMWi soll Handlungsempfehlungen für Standardisierung von künstliche Intelligenz geben. Die Roadmap ist online abrufbar.

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz aus Deutschland stärken