Wie generative KI die Softwareentwicklung verändert

445978
Bild: ©amorn/stock.adobe.com

Die Veröffentlichung von ChatGPT hat begeistert, aber auch Bedenken geweckt: Es wird über die begrenzte Leistungsfähigkeit diskutiert, potenziell verzerrte Ergebnisse und wegfallende Arbeitsplätze, auch in der Softwareentwicklung. Ähnlich war es in der Vergangenheit schon mit Low-Code-Tools, die den Entwicklungsprozess automatisieren und beschleunigen sollen. Bedenken waren hier, dass sich die Technologie nicht skalieren lasse, sie nicht robust genug für unternehmenskritische Systeme wäre und sie Softwareentwickler überflüssig mache. Wer sich die Fähigkeiten von Tools wie ChatGPT und Github Copilot anschaut, könnte durchaus beeindruckt sein. Deren Repertoire umfasst die Erstellung von Dokumenten und das Vervollständigen oder Schreiben von Code-Snippets. Allerdings herrscht heute vielerorts Konsens darüber, dass Automatisierung die Effizienz und Produktivität von Entwicklern steigert – sie aber nicht ersetzt. Generative KI hat diese Sichtweise mitgeprägt, denn mit der Popularität von KI-gestützter Softwareentwicklung ist auch das Vertrauen in die Vorzüge dieser Technologie für die Softwareentwicklung und die Rolle des Entwicklers gewachsen.

Zusammenarbeit erleichtern

Neben den Auswirkungen auf die Arbeit selbst, kann KI die Kooperation der Entwickler mit anderen Abteilungen unterstützen. Genauer gesagt kann generative KI Citizen Developer und Profi-Entwickler enger zusammenbringen. Citizen Development kommt in Organisationen häufig zum Einsatz, wenn langwierige Herausforderungen wie ein wachsender IT-Backlog und Entwicklermangel bewältigt werden soll. Dabei entlastet Citizen Development die IT-Abteilung, indem die Endnutzer eigenständig ihre benötigten Anwendungen erstellen. Ein Citizen Developer verwendet dafür in der Regel von der IT-Abteilung bereitgestellte Werkzeuge wie No-Code- und Low-Code-Plattformen, mit denen sie auf Basis einer visuellen, modellgesteuerten Oberfläche Anwendungen entwickeln können, anstatt sich in traditionelle Programmiersprachen einarbeiten zu müssen.

Lösung für gängige Probleme

In der Vergangenheit stieß dies auf Hindernisse, die von unterschiedlichen technischen Kenntnissen bis hin zur Komplexität der Projekte reichten. Die Idee, den Fachbereichen Autonomie bei der Lösung ihrer IT-Herausforderungen zu geben, mag verlockend sein. Diese Strategie berücksichtigt jedoch nicht die IT-Governance und die Struktur von modernen Teams. Bei herkömmlichem Citizen Development entstehen häufig Anwendungen, die anfällig für Datenschutzverletzungen sind und schnell verwaisen, sobald ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Oftmals liegt es dann wiederum an der IT-Abteilung geschäftskritische Anwendungen neu zu entwickeln.

Synergie von KI und Coding

Mit der Einführung von generativer KI fallen diese Hindernisse weg und Ideen, Fähigkeiten sowie Innovationen lassen sich dynamischer austauschen und pflegen. Geschäftsanwender können ihr Fachwissen einbringen, während Entwickler ihr technisches Knowhow beisteuern und generative KI bei der eigentlichen Programmierarbeit unterstützt. Durch diese Synergie können sie gemeinsam schneller Anwendungen entwickeln. Ein Ansatz, der Automatisierung, künstliche Intelligenz und visuelle Entwicklung anstelle von Code, Frameworks und Bibliotheken umfasst, kann die Anwendungsentwicklung breiter im gesamten Unternehmen aufstellen und fördern.

Mit Low-Code entwickeln

Low-Code kann bei dieser Strategie eine entscheidende Rolle spielen. Low-Code-Plattformen bieten oft skalierbare SaaS-Cloud-Infrastrukturen, um Full-Stack-Anwendungen erstellen und innerhalb der Plattformen zu testen. Da die Einrichtung von Webservern oder Code-Repositorien entfällt, lassen sie sich zudem oft einfach implementieren. Gleichzeitig haben Unternehmen die Möglichkeit, ein auf der Low-Code-Plattform erstelltes Modul ohne großen Aufwand in eine neue Anwendung zu integrieren. Darüber hinaus können Verfahren in Bezug auf Sicherheit, Skalierbarkeit und Wartbarkeit hinterlegt werden. So können Low-Code-Plattformen generative KI kontrolliert nutzen, etwa um Entwicklungszyklen zu beschleunigen.

Ist eine Generative KI ein Citizen Developer?

Generative KI entwickelt sich in der Softwareentwicklung zu einem praktischen Helfer. Während das Potenzial noch ausgelotet wird, ist bereits sehr sicher, dass sie langfristig die Arbeit von Citizen Developer und damit auch von professionellen Entwicklern unterstützen wird. Letztlich geht es darum, das Potential von KI mit menschlicher Expertise und Kreativität zu kombinieren. Naheliegend ist auch, dass Entwickler in Zukunft KIs beauftragen können, eine funktionale Anwendung komplett zu implementieren. Gartner prognostiziert, dass bis 2027 fast 15 Prozent der entwickelten Anwendungen vollständig durch KI-gesteuerte Prozesse erstellt werden. Schon heute sind Unternehmen durch generative KI besser in der Lage, den Mangel an Entwicklern aufzufangen. Zugleich profitieren sie durch die Kombination von Low-Code und KI von der Möglichkeit, repetitive Aufgaben zu automatisieren, agiler auf Veränderungen zu reagieren und Innovationen zu entwickeln.



  • T-Systems setzt auf die Cloud

    T-Systems setzt auf die Cloud

    ‚Cloud First‘ T-Systems setzt auf die Cloud T-Systems will sich strategisch neu aufstellen. Mit ‘Cloud First‘ setzt das Unternehmen künftig auf die Cloud. Die Investitionen in den Ausbau der Cloud…

    mehr lesen: T-Systems setzt auf die Cloud

  • Markus Asch wird CEO bei Rittal

    Markus Asch wird CEO bei Rittal

    Rittal hat einen neuen CEO. Markus Asch hat den Posten beim Herborner Unternehmen zum 1. Februar übernommen.

    mehr lesen: Markus Asch wird CEO bei Rittal

  • Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

    Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

    Wenn es um die Digitalisierung der eigenen Unternehmensprozesse geht, sehen IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen Bedarf in vielen Bereichen. Laut einer Studie des Analystenhauses Techconsult im Auftrag von Valantic liegt dabei…

    mehr lesen: Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

  • Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Software und Hardware für vernetzte eingebettete Systeme müssen höchste Anforderungen an Sicherheit, Echtzeitfähigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz erfüllen. In dem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Projekt Xandar erarbeiten acht…

    mehr lesen: Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

  • Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Im Projekt Gaia-X sollen Datenräume entstehen, die europäischen Datenschutz-Standards entsprechen und die unabhängig von den großen Hyperscalern sind. Für Marc Schieder, CIO von Dracoon, entscheidet sich in diesem Jahr, ob…

    mehr lesen: Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

  • 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    Wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, könnten die coronabedingten Arbeitsausfälle der Erwerbstätigen im aktuellen Lockdown bis Mitte Februar auf 59,2Mio. Arbeitstage steigen was 6,2…

    mehr lesen: 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

  • Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Laut ersten Berechnungen des VDMA lag die Produktion im Maschinen-und Anlagenbau im vergangenen Jahr 12,1 Prozent unter der des Vorjahres.

    mehr lesen: Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

  • Tec Center für 3D-Druck

    Tec Center für 3D-Druck

    HP und verschiedene Partnerunternehmen haben ein Netzwerk ins Leben gerufen, das Industrieunternehmen beim Thema 3D-Druck unterstützen soll.

    mehr lesen: Tec Center für 3D-Druck

  • Cyberattacke auf SolarWinds

    Cyberattacke auf SolarWinds

    Nach dem Angriff mit der Malware Sunburst auf Kunden des IT-Anbieters SolarWinds sind auch viele Industrieunternehmen betroffen.

    mehr lesen: Cyberattacke auf SolarWinds

  • Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb in neuer Position bei Infor

    Joachim Harb ist neuer Senior Vice President und General Manager Zentraleuropa bei Infor.

    mehr lesen: Joachim Harb in neuer Position bei Infor

  • Kontron erwirbt HC Solutions

    Kontron erwirbt HC Solutions

    Das Softwareunternehmen HC Solutions gehört ab sofort zu Kontron und soll dort in den IoT-Software-Bereich integriert werden.

    mehr lesen: Kontron erwirbt HC Solutions

  • Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

    Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration

    Zum Jahresbeginn hat die Fraunhofer-Gesellschaft mit ‘6G Sentinel‘ ein Leitprojekt zur Entwicklung von Schlüsseltechnologien für den kommenden Mobilfunkstandard 6G gestartet. Im Mittelpunkt stehen Terahertz-Technologien und Lösungen für flexible Netze.

    mehr lesen: Forschung an der nächsten Mobilfunkgeneration