Umweltmanagementsysteme nach ISO14001 anpassen

393886 AdobeStock 812885491
Bild: ©ภาคภูมิ ปัจจังคะตา/stock.adobe.com

Zum Jahresbeginn 2026 ist die revidierte Fassung der internationalen Umweltmanagementnorm ISO14001 in Kraft getreten. Der Standard legt Anforderungen an das Umweltmanagementsystem fest, mit dem Unternehmen Umweltaspekte steuern und Verpflichtungen erfüllen können. Ein Umweltmanagementsystem bildet bspw. Prozesse zur Planung, Steuerung und Überprüfung sowie der dauerhaften Verbesserung von Vorgängen ab, die die Umwelt betreffen. Das Ziel besteht darin, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu identifizieren und zu reduzieren. Unternehmen jeder Größe und jeder Branche sind davon betroffen.

Green Deal nicht integriert

Bei der Revision der ISO14001 handelt es sich nicht um eine komplette Überarbeitung, sondern um eine Präzisierung der Inhalte und eine Anpassung der Struktur. Nicht integriert wurden Anforderungen, die sich aus dem Green Deal der EU und den Sustainable Development Goals der UN ergeben.

Es ist üblich, dass Managementsystem-Normen wie die ISO14001 alle sieben bis acht Jahre überarbeitet, aktualisiert und damit an neue gesellschaftliche Anforderungen angepasst werden. Seit der letzten Änderung der ISO14001 sind mittlerweile sogar zehn Jahre vergangen. Anlass für die Revision waren tatsächlich formale Gründe: Der Aufbau vieler Normen wurde in einer Harmonized Structure (HS) integriert, die eine einheitliche Struktur und konsistente Begrifflichkeiten sicherstellen soll. Im Oktober wird auch die ISO9001, die wichtige Norm für Managementsysteme und Qualitätsmanagement, nach HS revidiert. Hinzu kommt, dass Normen stets in Englisch vorgehalten werden und bei der Übersetzung immer wieder Interpretationsschwierigkeiten auftreten. Hier wird von Revision zu Revision präzisiert. Unter dem Strich bedeutet das: Die Revision der ISO14001 beinhaltet nur wenige inhaltliche Neuerungen, viele Änderungen betreffen lediglich Formulierungen.

Ein wenig Veränderung

Die inhaltliche Änderung, die sich wohl am stärksten auswirkt, ist die Aufnahme des Amendment 1 ‚Climate Action Changes‘. Damit wird der Klimawandel fester Bestandteil der Norm. Unternehmen müssen nun bewerten, ob er für sie einen relevanten Faktor darstellt und ob sie daher die Anforderungen der sogenannten interessierten Parteien berücksichtigen sollten. Diese Ergänzung zum Thema Klimawandel wurde von den meisten zertifizierten Unternehmen aber bereits aufgenommen, denn das Amendment ist bekannt und offiziell gültig. Hier entstehen also keine zusätzlichen Aufwände, sondern vielmehr Chancen durch die inhaltliche Präzisierung und durch neue Beispiele.

Neben dem Klimawandel kommen biologische Vielfalt und Ressourcenverfügbarkeit als weitere zu betrachtende Umweltzustände hinzu. Außerdem werden die Umweltauswirkungen von Produkten oder Dienstleistungen über deren gesamten Lebenszyklus hinweg in den Fokus gerückt. Zudem wurden sogenannte Notfallsituationen integriert – eine Grundforderung der ISO9001. Unternehmen müssen auf solche Ereignisse vorbereitet sein. Nicht zuletzt ist die Norm in bestimmten Bereichen verbindlicher geworden, indem Soll-Anforderungen zu Muss-Anforderungen geändert wurden.

Implementierung in der Übergangsphase

Für Organisationen, die bereits nach der vorherigen Version der ISO14001 zertifiziert sind, dürfte der Übergang zur neuen Version nach dem aktuellen Kenntnisstand keinen großen Aufwand erfordern. Es wird einen Übergangszeitraum von drei Jahren geben, in dem Auditoren mit den Organisationen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sie die neuen Anforderungen integrieren.

Die Entwicklung

Die ISO14001 leitet Ziele aus Umweltaspekten ab, die ISO9001 für das Qualitätsmanagement aus Kundenanforderungen. Mit der Erfüllung der ISO14001 zeigen Unternehmen nach außen, dass sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen; die ISO9001 zeigt, dass Qualitätsstandards gegenüber dem Kunden eingehalten werden. Beide werden an einer Harmonized Structure (HS) ausgerichtet und betonen Themen wie Risiken oder Chancen stärker. Die Wirksamkeit des Managementsystems – UMS und QMS – wird bei beiden wichtiger, ebenso müssen Ziele für interne Audits festgelegt werden. Während der Einfluss auf das Umfeld bereits Teil der ISO14001 ist, ist er für die ISO9001 neu: Sie wird interessierte Personen oder den Umgang mit Ressourcen vermehrt berücksichtigen. Damit wird der Umgang mit der Umwelt jetzt ebenfalls zu einem Qualitätsmerkmal.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass der Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltleistung für Organisationen weiter an Bedeutung gewinnen wird. Während die aktuelle Überarbeitung der ISO14001 einen kleinen Schritt in diese Richtung darstellt, wird in Zukunft eine weitere Stärkung der Umweltanforderungen erwartet, getrieben durch sich wandelnde gesellschaftliche Erwartungen und Regulierung: Beim Energiemanagement ist es zum Beispiel bereits heute so, dass sich in jedem Zertifizierungszyklus eine Verbesserung ergeben muss. Das ist bei der ISO14001 hier noch nicht der Fall, aber die Richtung ist klar, auch hinsichtlich EU-Vorgaben zur Reduktion des CO2-Ausstoßes und Nachhaltigkeit.

Kein Grund zur Hektik

Die Revision der ISO14001 für Umweltmanagementsysteme ist keine inhaltliche Neuausrichtung, sondern in erster Linie eine Präzisierung der bestehenden Formulierungen. Inhaltliche Änderungen betreffen die Integration neuer gesellschaftlicher Anforderungen hinsichtlich Klimawandel, biologischer Vielfalt und Ressourcenverfügbarkeit. Unternehmen haben nun drei Jahre Zeit, die Änderungen zu integrieren – ihre Managementsysteme müssen dafür aber nicht von Grund auf neu strukturiert werden.



  • Hexagon übernimmt CADLM

    Hexagon übernimmt CADLM

    Mit der Übernahme von CADLM will Hexagon sein Portfolio für autonome, intelligente Fertigung erweitern.

    mehr lesen: Hexagon übernimmt CADLM

  • Neuer CFO bei Process Analytics Factory

    Neuer CFO bei Process Analytics Factory

    Mit Pascal Redaoui hat Process Analytics Factory einen neuen Chief Financial Officer.

    mehr lesen: Neuer CFO bei Process Analytics Factory

  • Hilfsmittel für das Engineering

    Hilfsmittel für das Engineering

    Die Richtlinienreihe VDI/VDE 3695 ‚Engineering von Anlagen – Evaluieren und Optimieren des Engineerings‘ wurde komplett überarbeitet und an den Stand der Technik, insbesondere an Industrie-4.0-Vorgaben, angepasst. Im März 2021 erscheint…

    mehr lesen: Hilfsmittel für das Engineering

  • Was lernen Unternehmen aus der Krise?

    Was lernen Unternehmen aus der Krise?

    Mehr als 70 Prozent der im PWC Global Crisis Survey befragten Unternehmen weltweit sind durch die Covid19-Pandemie negativ beeinträchtigt. Für 15 Prozent der Unternehmen in Deutschland hatte die Krise jedoch…

    mehr lesen: Was lernen Unternehmen aus der Krise?

  • Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

    Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

    Im März hat sich die Geschäftslage in der Automobilindustrie verbessert. Doch laut aktueller Ifo-Konjunkturumfrage hat sich der Ausblick der Unternehmen eingetrübt.

    mehr lesen: Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

  • Die Nominierten stehen fest

    Die Nominierten stehen fest

    Hermes Award 2021 Die Nominierten stehen fest Bosch Rexroth, Phoenix Contact und Pilz sind die Nominierten für den Hermes Award der im Rahmen der Hannover Messe Digital Edition verliehen wird.

    mehr lesen: Die Nominierten stehen fest

  • Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

    Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

    Synaos und SEW-Eurodrive wollen in einem gemeinsamen Projekt das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz und mobilen Robotern erproben und verbessern.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

  • Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

    Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

    Der Karlsruher PLM-Anbieter Procad hat Acatec erworben. Wenige Monate nach Beginn einer Partnerschaft mit dem Spezialisten für Produktkonfiguratoren sprachen die Synergieeffekte für die Akquisition, heißt es in der Pressemitteilung.

    mehr lesen: Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

  • Das selbstständige Warehouse-Management-System

    Das selbstständige Warehouse-Management-System

    ZIM-Förderung für Forschungsprojekt ‚SeSoGEN‘ Das selbstständige Warehouse-Management-System Die CIM GmbH und die Technische Universität München entwickeln im Rahmen eines Forschungsprojektes intelligente Lagersoftware die selbstständig Einlagerungsstrategien entwickeln kann.

    mehr lesen: Das selbstständige Warehouse-Management-System

  • Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

    Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

    Mercedes-Benz will die Produktionsaktivitäten am Standort in Berlin-Marienfelde neu gestalten. Dort soll ein Zentrum für Digitalisierung entstehen. Dafür arbeitet der Autobauer mit Siemens zusammen.

    mehr lesen: Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

  • Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Im aktuellen IAB-Arbeitsmarktbarometer stehen die Zeichen auf Entspannung. Beide Komponenten des Indexes gaben im März positive Signale.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

  • UiPath übernimmt Cloud Elements

    UiPath übernimmt Cloud Elements

    Cloud Elements gehört ab sofort zu UiPath. Durch die Akquisition kann der RPA-Anbieter zukünftig Benutzeroberflächen- und API-basierte Automatisierung auf einer Plattform anbieten.

    mehr lesen: UiPath übernimmt Cloud Elements