Prozessgestützte Automatisierung direkt im ERP-System

APplus 9
Bild: Asseco Solutions AG

Nach wie vor sind viele Geschäftsprozesse im Fertigungskontext von einem hohen Grad an manuellem Aufwand geprägt: vom Anlegen eines Auftrags über die Aufschlüsselung der Stückliste und Prüfung von Materialverfügbarkeiten bis hin zur Simulation von Fertigungskapazitäten und der Ermittlung des Liefertermins. Prozessfortschritte werden jeweils manuell im ERP-System abgearbeitet, Daten gegebenenfalls von Hand übertragen. Insbesondere generative KI verspricht, die übergreifenden Kernprozesse in naher Zukunft weitreichend zu verändern. Die technische Grundlage hierzu liefern sogenannte KI-Agenten, die nicht nur in der Lage sind, Text-Output zu generieren, sondern auf Basis ihrer Analysen auch Aktionen im ERP-System ausführen können, etwa einen Auftrag anlegen oder eine freigegebene Bestellung ausführen. Schon bald dürfte KI in der Lage sein, alle Schritte zur Bearbeitung eines Prozesses automatisiert zu bearbeiten, bis die Entscheidung oder der Input eines Menschen erforderlich ist. Die Effizienz der jeweiligen Abläufe können sich dadurch enorm erhöhen, während die Steuerung und Entscheidungshoheit beim Menschen bliebe.

Gelernt ist gelernt

Damit das funktioniert, muss KI die individuellen Prozessabläufe eines Unternehmens erlernen können. So können KI-Agenten ‚wissen‘, welche Einzelschritte sie zur Bearbeitung einer bestimmten Aufgabe der Reihe nach durchführen müssen. Ohne diese Prozessinformationen wäre das Risiko hoch, dass die KI sich im Ablauf verirrt und unbeabsichtigte Aktionen auslöst.

Im Gegensatz zu datenbasiertem Wissen wie Informationen zu Beständen, zur Auftragslage oder zu Service-Tickets – das meist ohnehin im ERP-System vorhanden ist – ist die Vermittlung von Prozessabläufen ein komplexeres Unterfangen. Der ERP-Spezialist Asseco Solutions hat dazu 2023 ein erstes Fundament mit der Einführung seines Flow Mode gelegt. Dieses prozessorientierte Nutzungskonzept ermöglicht es, Unternehmensabläufe per Business Process Model and Notation (BPMN) abzubilden und User auf dieser Basis Schritt für Schritt durch die Bearbeitung ihrer Aufgabe zu führen.

Mehr als 60 Kernprozesse lassen sich mittlerweile als Flow-Abläufe abdecken.
Mehr als 60 Kernprozesse lassen sich mittlerweile als Flow-Abläufe abdecken. – Bild: Asseco Solutions AG

In der neuen Produktgeneration Applus 9 lassen sich mittlerweile rund 60 Kernprozesse auf diese Weise im System abdecken, von der Stammdatenpflege wie Artikelanlage über Einkaufsprozesse oder Einplanungen bis hin zu spezifischen Abläufen wie Fremdvergaben, die sich von der Fertigung über den Einkauf bis hin zur Logistik erstrecken. Auch Prozessentscheidungen und Umstellungen wie ‚Make Or Buy‘ sind darunter: Neben der initialen Entscheidung, ein Teil selbst zu fertigen oder an einen Lieferanten zu vergeben, ermöglicht der Prozessablauf auch, diese Entscheidung bei Bedarf im Nachgang ohne großen manuellen Aufwand für Stornierungen, Rücksetzungen oder Neueinplanungen zu ändern.

ERP-System mit Eigeninitiative

Die digitale Prozessabbildung hat auch die Aufgabe, die Abläufe für IT-Systeme verständlich und nachvollziehbar festzuhalten – insbesondere damit die KI-Agenten sinnvoll und korrekt mit den Prozessen interagieren können. Gleichzeitig ermöglicht sie so schon heute eine hochgradig automatisierte Bearbeitung von Prozessketten: Ausgelöst durch einen definierten Trigger ist das ERP-System in der Lage, die hinterlegten Prozesslogiken selbstständig auf regelbasierte Weise zu durchlaufen. Anstelle einer User-Interaktion ist damit ein benutzerunabhängiges Ereignis der direkte Startpunkt eines Prozesses. Als Trigger können verschiedene Ereignisse fungieren, etwa der Eingang einer bestimmten E-Mail. Das System startet dann automatisiert den gewünschten Prozess, erstellt beispielsweise zu einer eingehenden Service-Anfrage ein Ticket oder zieht zur Prüfung die Techniker heran.

Definieren muss der Anwender

Mittels Entscheidungsknoten lässt sich dabei definieren, wie der Prozess ablaufen soll. So kann beispielsweise festgelegt sein, dass das System Aufträge unter einem bestimmten Wert automatisch in die Fertigungsplanung geben darf, während bei Aufträgen über einem Schwellenwert die Führungskraft involviert werden muss. Die Regeln können Unternehmen auf Konfigurationsebene in den Prozess integrieren, Anpassungen oder Programmierungen sind nicht erforderlich.

Flow-Prozesse führen User Schritt für Schritt durch die Aufgaben, etwa eine Auftragsverarbeitung.
Flow-Prozesse führen User Schritt für Schritt durch die Aufgaben, etwa eine Auftragsverarbeitung. – Bild: Asseco Solutions AG

Menschen mit ins Boot holen

Die automatisierten Prozesse werden jeweils so weit durchlaufen, bis der Input eines Mitarbeitenden erforderlich ist. Benötigt das ERP-System eine Rückmeldung, kann es auf Anwenderinnen und Anwender zugehen. Bei Freigaben erhält die zuständige Person etwa eine Push-Benachrichtigung in ihrem System, die Details zur Freigabe enthält. Durch einen Klick lässt sich der Prozess dann fortführen. Für Transparenz über die automatisierten Aufgaben soll die integrierte Process-Monitoring-Funktionalität sorgen. Sie listet auf, wie viele und welche Abläufe das ERP-System derzeit bearbeitet und auf welcher Prozessstufe sie sind. Dies ermöglicht es den zuständigen Mitarbeitenden, steuernd einzugreifen, falls ein unerwarteter Sonderfall die weitere Prozessausführung verhindert.



  • Online-Vorschau zur It-sa Expo&Congress

    Online-Vorschau zur It-sa Expo&Congress

    Am 8. Oktober, zwei Wochen vor der It-sa Expo&Congress (22. bis 24. Oktober), findet der Digital Preview Day statt. Das digitale Event bietet Fachvorträge und Präsentationen von Ausstellern. Der Digital…

    mehr lesen: Online-Vorschau zur It-sa Expo&Congress

  • Eine Forschungsinfrastruktur für digitale Zwillinge

    Eine Forschungsinfrastruktur für digitale Zwillinge

    1,66Mio.€ für die Entwicklung digitaler Zwillinge: Durch die erfolgreiche Beteiligung an einem landesweiten Wettbewerb stehen für das Projekt Explore in den kommenden drei Jahren Fördermittel bereit, um eine standortübergreifende Forschungsinfrastruktur…

    mehr lesen: Eine Forschungsinfrastruktur für digitale Zwillinge

  • Servicequalität der ERP-Anbieter in der Kritik

    Servicequalität der ERP-Anbieter in der Kritik

    Viele Unternehmen steuern mit ERP-Systemen ihre wichtigsten Geschäftsprozesse.

    mehr lesen: Servicequalität der ERP-Anbieter in der Kritik

  • Eclipse Foundation gründet Open Regulatory Compliance Working Group

    Eclipse Foundation gründet Open Regulatory Compliance Working Group

    Die Eclipse Foundation, eine der weltweit größten Open-Source-Foundations, hat die Open Regulatory Compliance Working Group (ORC WG) ins Leben gerufen.

    mehr lesen: Eclipse Foundation gründet Open Regulatory Compliance Working Group

  • Deutschland mit gutem Innovationssystem aber Schwächen in digitaler Infrastruktur

    Deutschland mit gutem Innovationssystem aber Schwächen in digitaler Infrastruktur

    Angesichts des deutschen Abschneidens beim diesjährigen Global Innovation Index hat die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), Eva Schewior, zu mehr Dynamik bei der Sicherung der Innovationsfähigkeit in Deutschland…

    mehr lesen: Deutschland mit gutem Innovationssystem aber Schwächen in digitaler Infrastruktur

  • Peter Leibinger als neuer BDI-Präsident vorgeschlagen

    Peter Leibinger als neuer BDI-Präsident vorgeschlagen

    Nach zwei Amtszeiten als BDI-Präsident wird Siegfried Russwurm am Jahresende das Amt satzungsgemäß abgeben.

    mehr lesen: Peter Leibinger als neuer BDI-Präsident vorgeschlagen

  • Neue Höchstzahl an Industrierobotern in Deutschland

    Neue Höchstzahl an Industrierobotern in Deutschland

    Die deutsche Wirtschaft hat 28.355 neue Industrieroboter installiert – ein neues Allzeithoch: 2023 stieg der Absatz um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der operative Bestand erreichte den neuen europäischen…

    mehr lesen: Neue Höchstzahl an Industrierobotern in Deutschland

  • Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

    Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

    Arvato Systems und Advanco, ein Anbieter von Track & Trace-Systemen für die Pharma- und Life Science-Branche, bündeln ihre Expertise und starten eine Partnerschaft.

    mehr lesen: Arvato Systems und Advanco starten Partnerschaft

  • Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

    Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

    Im September 2024 hat der SAP-Gold-Partner und Cloudspezialist Innovabee seine Geschäftsführung um Saskia Fontanive und Christian Schweizer erweitert.

    mehr lesen: Saskia Fontanive und Christian Schweizer werden COOs

  • Siemens gliedert eMobility-Geschäft aus

    Siemens gliedert eMobility-Geschäft aus

    Siemens plant, sein eMobility-Geschäft auszugliedern. Im Jahr 2018 bündelte das Unternehmen seine Ladeaktivitäten für Elektrofahrzeuge und überführte diese 2022 in eine eigene Geschäftseinheit.

    mehr lesen: Siemens gliedert eMobility-Geschäft aus

  • Rechtliche Orientierung für Cybersicherheitsforschende

    Rechtliche Orientierung für Cybersicherheitsforschende

    Cybersicherheitsforschende stehen mitunter gefühlt mit einem Bein im Gefängnis – es herrscht viel Unsicherheit darüber, was rechtlich im Rahmen von Wissenschaft erlaubt ist und was nicht.

    mehr lesen: Rechtliche Orientierung für Cybersicherheitsforschende

  • DFKI und Taiwan AICoE vereinbaren KI-Zusammenarbeit

    DFKI und Taiwan AICoE vereinbaren KI-Zusammenarbeit

    Das Taiwan AI Center of Excellence (AICoE) und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) haben eine Absprache zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit geschlossen.

    mehr lesen: DFKI und Taiwan AICoE vereinbaren KI-Zusammenarbeit