LLMs für komplexe Domänen nutzbar machen

thdata MCP Artikel IT Production
Bild: KI generiert mit ChatGPT / TH Data GmbH

Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, der die Kommunikation zwischen KI-Modellen und externen Datenquellen bzw. Systemen vereinheitlicht. MCP fungiert als Vermittlungsschicht, die es LLMs ermöglicht, kontrolliert auf Werkzeuge, Datenbanken und Applikationen zuzugreifen, ohne dass für jede Integration individuelle Schnittstellen entwickelt werden müssen. Das Protokoll basiert auf drei Kernkomponenten: MCP-Hosts (typischerweise KI-Anwendungen), MCP-Clients (die Verbindungen zu Servern herstellen) und MCP-Server (die Zugriff auf spezifische Ressourcen bereitstellen). Diese Architektur ermöglicht eine modulare und erweiterbare Integration, bei der neue Datenquellen oder Funktionen durch einfaches Hinzufügen neuer Server erschlossen werden können.

Drei Funktionsbereiche

MCP bietet drei wesentliche Funktionsbereiche: Resources ermöglichen den strukturierten Zugriff auf Dateien und Datenbanken, wobei das LLM den Kontext der Daten intelligent interpretiert. Prompts sind vordefinierte Vorlagen für häufige Aufgaben, die Standardisierung gewährleisten. Tools sind ausführbare Funktionen, die das LLM aufrufen kann – von Datenbankabfragen bis hin zu komplexen Geschäftsprozessen.

Ein Vorteil liegt in der Sicherheit: Das LLM erhält keinen direkten Zugriff auf Datenbanken oder Applikationen, sondern interagiert ausschließlich über explizit definierte MCP-Server. Berechtigungen können granular gesteuert werden und sensible Daten verlassen nicht das Unternehmensnetzwerk. Somit schafft MCP eine robuste Sicherheits- und Datenschutzarchitektur, die den produktiven Einsatz von LLMs in unternehmenskritischen Prozessen überhaupt erst ermöglicht.

Systemübergreifende Integration

Die eigentliche Stärke von MCP liegt in der systemübergreifenden Integration. In modernen Produktionsunternehmen sind Informationen verteilt: ERP-Systeme verwalten Aufträge und Material, CRM-Systeme halten Kundendaten vor, MES-Systeme erfassen Maschinendaten. MCP ermöglicht es, diese isolierten Datensilos durch einen einheitlichen Zugriffsmechanismus zu verbinden. Dies wirkt sich positiv auf die Planungszeit aus und unterstützt Entscheidungsprozesse, da alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden. Die Modularität von MCP erlaubt es zudem, schrittweise weitere Systeme anzubinden.

Vielfältige Anwendungsszenarien

In der Fertigungsindustrie bietet MCP verschiedene Anwendungsmöglichkeiten, die weit über einfache Chatbots hinausgehen. So können etwa Produktionsanalysen automatisiert werden. Ein Produktionsleiter fragt in natürlicher Sprache: „Welche Maschinen hatten in den letzten drei Monaten die höchsten Ausfallzeiten und wie wirkte sich das auf die Termintreue aus?“ Das System greift über MCP auf Maschinendaten, Wartungsprotokolle und Auftragsinformationen zu und generiert eine fundierte Analyse mit Handlungsempfehlungen. Kapazitätsplanung und Szenarioanalysen profitieren von der Fähigkeit des LLMs, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Planer können hypothetische Fragen stellen wie: „Was passiert, wenn wir eine zusätzliche Schicht einführen?“ Das System simuliert die Auswirkungen und visualisiert Engpässe, Kosteneffekte und Lieferzeitverbesserungen. Das MCP hilft auch im Störungsmanagement. Wenn ein dringender Eilauftrag reinkommt, berechnet das System automatisch Umplanungsoptionen, identifiziert betroffene Aufträge und präsentiert mehrere Lösungsszenarien mit ihren jeweiligen Konsequenzen.

Praxisbeispiel: KI-gestützte Produktionsplanung

Das Potenzial von MCP wird in der Produktionsplanung durch intelligente Assistenzsysteme sichtbar: Sie verbinden über das Protokoll Planungsfunktionen mit verschiedenen Unternehmenssystemen und unterstützen so Entscheidungsprozesse.

Der MCP-Server stellt verschiedene Tools bereit: Funktionen zur Auftragsverwaltung, Kapazitätsabfrage, Materialbestandsprüfung oder zur Durchführung automatischer Umplanungen. Der Planer kommuniziert in natürlicher Sprache. Ein typisches Szenario: „Erstelle mir eine Übersicht der kritischen Aufträge dieser Woche mit Fokus auf Engpassressourcen.“ Der KI-Assistent ruft über MCP die entsprechenden Daten ab, identifiziert Engpässe und generiert eine Auswertung. Bei Bedarf macht er direkt Vorschläge zur Konfliktlösung. Nutzen verspricht hier die kontextbezogene Konfliktlösung. Wenn konkurrierende Aufträge um dieselbe Ressource konkurrieren, analysiert das System über MCP nicht nur technische Abhängigkeiten, sondern auch Prioritäten, Kundenvorgaben und Materialverfügbarkeit. Die Integration mit ERP- und CRM-Systemen erweitert die Möglichkeiten zusätzlich. Fragt ein Vertriebsmitarbeiter: „Können wir für die Müller GmbH einen Eilauftrag über 500 Stück bis Freitag zusagen?“, greift der Assistent über den CRM-MCP-Server auf die Kundenhistorie zu, prüft über den ERP-MCP-Server Materialbestände und analysiert über den Planungs-MCP-Server die Produktionskapazitäten. Die Antwort: „Ja, aber nur 400 Stück bis Freitag. Die Müller GmbH ist A-Kunde mit Express-Vereinbarung. Material ist verfügbar, wir müssen jedoch Auftrag 4890 verschieben. Alternativ: 500 Stück bis Montag möglich.“

Diese systemübergreifende Entscheidungsunterstützung macht Produktionsplanungssoftware mit MCP zur intelligenten Schaltzentrale, die verschiedene Unternehmensbereiche informationstechnisch verbindet. Die endgültige Entscheidung trifft immer noch der Mensch, aber die Entscheidungsgrundlage ist wesentlich fundierter.

Blick in die Zukunft

Das Model Context Protocol markiert einen wichtigen Schritt in Richtung praktisch nutzbarer KI-Integration in Unternehmenssoftware. Für die Produktionsplanung bietet es die Chance, komplexe Planungsaufgaben durch natürlichsprachige Interaktion zu vereinfachen, ohne dabei Kontrolle oder Sicherheit zu verlieren. Die Kombination aus menschlicher Expertise und KI-gestützter Datenanalyse ermöglicht schnellere und fundiertere Entscheidungen – was einen Wettbewerbsvorteil in dynamischen Produktionsumgebungen verspricht.

Zukünftig könnten adaptive Planungssysteme nicht nur auf Anfragen reagieren, sondern proaktiv Optimierungspotenziale identifizieren. Mit Standards wie MCP wird diese Vision zunehmend Realität.



  • Dämpfer für das IAB-Arbeitsmarktbarometer

    Dämpfer für das IAB-Arbeitsmarktbarometer

    Im Vergleich zum Vormonat sinkt das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Mai 2024 um 0,8 Punkte. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befindet sich nun mit 99,8 Punkten unter dem…

    mehr lesen: Dämpfer für das IAB-Arbeitsmarktbarometer

  • Wago und Radiflow bündeln ihre Kräfte zur Stärkung der OT-Sicherheit

    Wago und Radiflow bündeln ihre Kräfte zur Stärkung der OT-Sicherheit

    Wago und Radiflow gehen eine Partnerschaft ein und bündeln künftig ihre Kompetenzen: Wago zählt zu den international führenden Anbietern von elektrischer Verbindungs- und Automatisierungstechnik.

    mehr lesen: Wago und Radiflow bündeln ihre Kräfte zur Stärkung der OT-Sicherheit

  • AI’d Forge hilft beim Transfer von KI-Technologien

    AI’d Forge hilft beim Transfer von KI-Technologien

    Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der finnische KI-Spezialist Emblica mit Sitz in Helsinki wollen Unternehmen künftig bei der digitalen Transformation unterstützen.

    mehr lesen: AI’d Forge hilft beim Transfer von KI-Technologien

  • Bechtle führt belgische Einzelgesellschaften zusammen

    Bechtle führt belgische Einzelgesellschaften zusammen

    Der IT-Dienstleister Bechtle bündelt die belgischen Gesellschaften Bechtle Group BE Public, Bechtle Direct NV und Bechtle NV in der Bechtle NV.

    mehr lesen: Bechtle führt belgische Einzelgesellschaften zusammen

  • T-Systems hat einen neuen Marketing-Chef

    T-Systems hat einen neuen Marketing-Chef

    Zum 1. September übernimmt Christian Loefert das Marketing von T-Systems. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist bereits seit 2008 für den Telekom-Konzern tätig.

    mehr lesen: T-Systems hat einen neuen Marketing-Chef

  • Bestellungen im Maschinenbau wachsen um 10 Prozent

    Bestellungen im Maschinenbau wachsen um 10 Prozent

    Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer melden im April ein Auftragsplus von 10 Prozent. Die Talsohle sei erreicht, kommentiert VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers.

    mehr lesen: Bestellungen im Maschinenbau wachsen um 10 Prozent

  • Klassische und Quanten-Algorithmen in Kombination

    Klassische und Quanten-Algorithmen in Kombination

    Im Rahmen eines Forschungsprojekts kombinieren Classiq und Hewlett Packard Enterprise klassisches High-Performance-Computing (HPC) mit Quantencomputing. Ziel ist es, kombinatorischer Optimierungsprobleme zu lösen.

    mehr lesen: Klassische und Quanten-Algorithmen in Kombination

  • Telekom und Trumpf schließen Vertriebspartnerschaft für 5G-System

    Telekom und Trumpf schließen Vertriebspartnerschaft für 5G-System

    Telekom und Trumpf bauen ihre Zusammenarbeit aus. Im Rahmen einer Vertriebspartnerschaft bieten die Unternehmen etwa ein von Trumpf entwickeltes Ortungssystem an, das von T-Systems auf einer Edge-Cloud bereitgestellt wird.

    mehr lesen: Telekom und Trumpf schließen Vertriebspartnerschaft für 5G-System

  • Gründungen auf neuem Tiefststand –  vor allem verarbeitendes Gewerbe betroffen

    Gründungen auf neuem Tiefststand – vor allem verarbeitendes Gewerbe betroffen

    Im Jahr 2018 führten 25 Prozent der jungen Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe Marktneuheiten ein. Im aktuellen IAB/ZEW-Gründungspanel ist dieser Wert auf 21 Prozent gesunken. Zudem beobachten die Studienverantwortlichen insgesamt einen…

    mehr lesen: Gründungen auf neuem Tiefststand – vor allem verarbeitendes Gewerbe betroffen

  • Künstliche Intelligenz: Algorithmen und Chips zusammen entwickelt

    Künstliche Intelligenz: Algorithmen und Chips zusammen entwickelt

    Leistungsfähige Mikrochips sind entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierte Projekt EDAI verfolgt einen neuen Ansatz: Die Forschenden koppeln den…

    mehr lesen: Künstliche Intelligenz: Algorithmen und Chips zusammen entwickelt

  • VDMA-Befragung: Arbeitskräftemangel kostet Umsatz

    VDMA-Befragung: Arbeitskräftemangel kostet Umsatz

    Nur zwei von drei Unternehmen im Maschinenbau können aktuell die Mehrheit ihrer offenen Stellen für Fachkräfte besetzen. Der Arbeitskräftemangel kostet sie nun auch Umsatz.

    mehr lesen: VDMA-Befragung: Arbeitskräftemangel kostet Umsatz

  • Wo Manager zukünftig Cybergefahren sehen

    Wo Manager zukünftig Cybergefahren sehen

    Deutsche und Schweizer C-Level Manager sehen besonders für das Homeoffice Handlungsbedarf, um dort in der Zukunft sensible Daten besser zu schützen. Die Österreicher halten Smart-Building-Technologien für anfällig. Dies zeigen die…

    mehr lesen: Wo Manager zukünftig Cybergefahren sehen