In sieben Schritten zum digitalen Produktpass

MHP AdobeStock 1062235507
Bild: ©Pangsiri/stock.adobe.com

Digitale Produktpässe (DPPs) sollen bis 2030 EU-weit eingeführt werden und für alle in der EU tätigen Unternehmen verpflichtend sein. Ein DPP als Instrument der Circular-Economy sammelt und teilt Informationen über die Herstellung, Nutzung und Entsorgung eines Produkts und schafft damit Transparenz. Laut Institut der deutschen Wirtschaft haben zwar etwa zwei Drittel der Unternehmen entsprechende Produktdaten in digitaler Form vorliegen. Aber nur ein Drittel ist in der Lage, diese effizient zu nutzen. Außerdem stellt nur etwa die Hälfte der Unternehmen ihren Kunden, Lieferanten oder anderen Partnern digitale Produktdaten bereit, und dann oft nicht standardisiert. Genau diese braucht es aber, um einen DPP ausfüllen zu können.

Alexander Appel MHP
Bild: Alexander Appel, Manager Sustainability & Mobility, MHP Management- und IT-Beratung GmbH

Nachholbedarf in der DACH-Region

Und laut aktuellem Industrie 4.0-Barometer der Managementberatung MHP und der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt sich weiterer Nachholbedarf in der DACH-Region: Demnach haben 80 Prozent der Befragten aus Ländern wie China, USA, UK und Indien angeben, bereits heute partiell oder vollständig in der Lage zu sein, sowohl Einzelteile als auch Endprodukte zu orten. In Deutschland, Österreich und Schweiz sind es trotz eines kontinuierlichen Aufwärtstrends 53 Prozent. Ein Grund dafür kann auf gewachsene IT-/OT-Landschaften zurückgeführt werden. Unternehmen in der DACH-Region sind etwa noch damit beschäftigt, bestehende Systeme zu integrieren und ältere Strukturen zu modernisieren. Gleichzeitig stehen sie stärker als internationale Wettbewerber unter regulatorischem Druck und verfügen zusätzlich oft noch nicht über die notwendige durchgängige Datenbasis.

Nutzen sichtbar machen

Firmen, die mindestens eine zirkuläre Strategie im Sinne der Kreislaufwirtschaft verfolgen, sind laut eines Reports des Instituts der deutschen Wirtschaft erfolgreicher als diejenigen, die das (noch) nicht tun. Ein Beispiel ist die Möglichkeit zur Nachverfolgung von Produkten und Ressourcen. Unternehmen, die ihre Lieferketten in Echtzeit überwachen gelten als resilienter gegenüber schwankenden Märkten und unvorhersehbaren Störungen. Folglich investieren viele Unternehmen verstärkt in solche Systeme.

Um Traceability als Standard weiter zu etablieren, ist es wichtig, auch den praktischen Nutzen von DPPs sichtbar zu machen. So entsteht durch den übergreifenden Blick auf ein Produkt auf der einen Seite die Chance, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, Produkte und Produktion zu verbessern, Materialkreisläufe zu optimieren und Lieferanten besser auszuwählen. Auf der anderen Seite können Konsumenten die Daten für ihre Kaufentscheidung nutzen, Zulieferer wiederum als Verkaufsargument, Reparaturunternehmen, um die Produktnutzungsdauer zu verlängern, und Verwertungs- und Recyclingunternehmen für den Produkt-End-of-Life.

Wissen und Klarheit schaffen

Voraussetzung ist, sich Klarheit über die (regulatorischen) Anforderungen zu schaffen. IT-seitig gilt es, ein standardisiertes Datenmanagement umzusetzen. Unternehmen müssen Daten aus diversen Quellsystemen zusammenführen, aggregieren und dann nutzerzentriert bereitstellen. Dazu gehören neben Produktname und -produzent, Eigenschaften und Herstellungsort auch Materialstammdaten, Daten zur Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeitsdaten wie CO2-Emissionen, Verwertungsdaten wie Demontageanleitungen, Reparaturmöglichkeiten, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Sicherheitsinformationen oder Daten zur korrekten Entsorgung des Produkts.

Sieben Schritte

Um mit der Umsetzung eines digitalen Produktpasses zu beginnen, können Unternehmen in sieben Stufen vorgehen. Auf der ersten Stufe werden aktuelle und zukünftige relevante gesetzliche Anforderungen analysiert und daraus funktionale und nicht-funktionale Anforderungen für den digitalen Produktpass abgeleitet. Anschließend geht es darum, Datenbedarfe für relevante Nutzergruppen zu identifizieren. Dafür bieten sich Interviews, User Journeys oder zu testende Hypothesen an. Anhand von Use Cases können potenzielle Auswirkungen auf den Business Case betrachtet und über die Nutzergruppen validiert werden. Die nächste Stufe umfasst die Konzeption des Zielzustands. Dafür werden ein Datenmodell, eine Architektur sowie nutzerfreundliche User Interfaces erstellt. Aus den vorhandenen Datenquellen und Attributen ergibt sich eine geeignete Umsetzungsumgebung.

Strukturiertes Vorgehen

Eine weitere Stufe ist die Pilotierung – eine mehrstufige technische Erprobung. Dabei werden verschiedene Datenquellen eingebunden und Daten aggregiert, sowie qualitativ und quantitativ verschiedene Ansätze und Technologien verglichen. Ausgehend von den Ergebnissen können Unternehmen den digitalen Produktpass zielgerichtet technisch weiterentwickeln, diesen in ihre IT-Infrastruktur einbetten und ersten Nutzergruppen zur Verfügung stellen. In der nächsten Stufe empfiehlt es sich, eine Roadmap zur Skalierung ihres digitalen Produktpasses zu entwickeln. Dazu werden relevante Plattformen, Konsortien und übergreifende Partner identifiziert. In diesem Zuge ist es sinnvoll, weitere Use Cases für den Einsatz eines digitalen Produktpasses zu analysieren und die entstehenden Potenziale zur Optimierung von Business Cases zu nutzen. In der letzten Stufe sollten Unternehmen ein geeignetes langfristiges Betriebsmodell finden – ob auf eigener Infrastruktur, auf Cloud-Plattformen oder bei Drittanbietern. Durchgängiges Reporting und kontinuierliche Verbesserungsprozesse helfen beim Betrieb.

Datenpunkte zentral managen

Produktlebenszyklusdaten über die verschiedenen Akteure hinweg strukturiert zu erfassen und verwalten, ist für Unternehmen die Pflicht. Die Kür ist der Aufbau einer zentralen Datenplattform mit allen für die Compliance relevanten Datenpunkten. Nachhaltigkeit benötigt ein datenbasiertes, vernetztes Modell, das automatisierte und skalierbare Bewertungs- und Berichterstattungsprozesse ermöglicht. Das reduziert den manuellen Aufwand und erleichtert den Umgang mit regulatorischen Vorgaben. Gleichzeitig können Unternehmen steigende Erwartungen seitens Investoren, Kunden und Mitarbeitern erfüllen sowie eine verlässige Entscheidungsgrundlage für Einkauf, Produktion und Strategie schaffen. Damit das Realität wird, müssen Nachhaltigkeit, IT und Compliance gemeinsam handeln.

Hier sollten Unternehmen darauf achten, dass Plattformen Daten über Fachbereiche hinweg harmonisieren, Transparenz über Dashboards, KPI-Tracking und automatisierte Alerts bieten sowie die Möglichkeit beinhalten, Audits zu erstellen und Reportings anzubinden. Zudem kann KI-Unterstützung dabei helfen, Emissionen vorherzusagen, Risiken in der Lieferkette zu erkennen, Ziele zu simulieren und Maßnahmen vorzuschlagen beziehungsweise Entscheidungen zu treffen.

Der Weg zum Zero Impact Product

Das langfristige Ziel sollten sogenannte Zero Impact Products sein – Produkte ohne negative Umweltauswirkungen. Um dies zu erreichen, müssen vor allem sogenannte ‚Scope-3-Emissionen‘ berechnet werden, die bei Industrieunternehmen schnell mehr als 80 Prozent der Gesamtemissionen ausmachen können. Außerdem bedarf es der Betrachtung des Product Environmental Footprint (PEF) bzw. in einer Spezifikation den Product Carbon Footprint (PDF). Eine zentrale Datenplattform kann hier unterstützen.



  • Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn Personen (79 Prozent) waren in den vergangenen 12 Monaten von kriminellen Vorfällen im Netz betroffen. Nur noch eine kleine Minderheit von 21 Prozent gibt an, keine solchen…

    mehr lesen: Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

  • Forterro übernimmt Myfactory

    Forterro übernimmt Myfactory

    Mit der Übernahme des Cloud-ERP-Softwareanbieter Myfactory will Forterro seine Stellung im Dach-Markt ausbauen. Das Unternehmens soll nach der Übernahme eigenständig innerhalb der Forterro-Gruppe agieren.

    mehr lesen: Forterro übernimmt Myfactory

  • Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

    Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

    Mit seiner Roboterdichte von 371 Industrie-Robotern pro 10.000 Mitarbeiter liegt Deutschland laut aktuellem World Robotics Report unter den Top 5 weltweit. An erster Stelle liegt nach wie vor Südkorea.

    mehr lesen: Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

  • BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

    BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat seine bestehende Cyber-Sicherheitswarnung für die Schwachstelle in der Java-Bibliothek Log4j auf Rot hochgestuft.

    mehr lesen: BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

  • Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

    Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

    Zwei von drei Unternehmen stehen Open Source aufgeschlossen gegenüber, so eine Bitkom-Studie. 25 Prozent der Befragten verfolgen beim Einsatz von Open-Source-Software eine Strategie.

    mehr lesen: Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

  • CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

    CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

    Der Netzwerkperimeter hat für die Sicherheit in einer Zeit der verstärkten Nutzung von Cloud-Services und Automatisierungslösungen sowie der Remote-Arbeit an Bedeutung verloren.

    mehr lesen: CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

  • Ixon verlegt  Firmensitz

    Ixon verlegt Firmensitz

    Mit der Verlegung des Firmensitzes ins niederländische Boxmeer will sich der IIoT-Spezialist Ixon für weiteres Mitarbeiterwachstum rüsten. Zugleich erhofft sich das Unternehmen durch die Nähe zur deutschen Grenze größeres Potenzial…

    mehr lesen: Ixon verlegt Firmensitz

  • Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

    Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

    Siemens Mobility und RazorSecure haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um Betreibern von Schienenfahrzeugen weltweit verbesserte Lösungen für die Cybersicherheit im Bahnverkehr anbieten zu können.

    mehr lesen: Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

  • Neues Mitglied in der Geschäftsführung

    Neues Mitglied in der Geschäftsführung

    Mit der Berufung von Sarah Bäumchen in die Geschäftsleitung baut der ZVEI seine Führungsspitze aus. Bäumchen soll darüber hinaus das Berliner Büro des Verbands leiten.

    mehr lesen: Neues Mitglied in der Geschäftsführung

  • 5 wichtige Faktoren

    5 wichtige Faktoren

    Die fortschreitende Digitalisierung macht Cyber-Angriffe für Unternehmen zunehmend geschäftskritisch. Sicherheitslücken nutzen Cyber-Kriminelle gezielt für ihre mehrstufigen Attacken.

    mehr lesen: 5 wichtige Faktoren

  • Rockwell Automation gibt neue Initiative bekannt

    Rockwell Automation gibt neue Initiative bekannt

    Rockwell Automation hat neue Investitionen bekannt gegeben, mit denen die Cybersecurity-Angebote für Informationstechnologie (IT) und Betriebstechnologie (OT) erweitert werden.

    mehr lesen: Rockwell Automation gibt neue Initiative bekannt

  • Lösungen für Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion

    Lösungen für Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion

    Im Projekt ‚Datenfabrik.NRW‘ erarbeiten vier Fraunhofer-Institute (Entwurfstechnik Mechatronik IEM, Materialfluss und Logistik IML, Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB und Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS) Anwendungen für den Einsatz von künstlicher…

    mehr lesen: Lösungen für Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion