Falsche Umweltversprechen und ihre Folgen: Greenwashing vermeiden

Factory polluting industry with smoke and sky
Bild: ©BillionPhotos.com/stock.adobe.com

Nachhaltigkeit ist eine geschäftskritische Notwendigkeit. Unternehmen müssen sich den steigenden Anforderungen von Konsumenten, Investoren und Gesetzgebern stellen. Gleichzeitig ist die Versuchung groß, sich „grüner“ darzustellen, als man tatsächlich ist – sei es durch vage Werbeversprechen, geschönte Emissionsbilanzen oder selektiv dargestellte Umweltmaßnahmen.

Was ist Greenwashing?

Greenwashing bezeichnet Strategien, bei denen Unternehmen falsche oder irreführende Umweltversprechen machen. In der produzierenden Industrie gibt es zahlreiche Fallstricke, darunter:

  • Selektive Nachhaltigkeit: Ein Unternehmen hebt ein einzelnes ‚grünes‘ Produkt hervor, obwohl der Großteil der Produktion weiterhin stark umweltbelastend ist.
  • Ungenaue Begriffe und Labels: Begriffe wie ‚umweltfreundlich‘, ’nachhaltig‘ oder ‚klimaneutral‘ werden ohne klare Definition oder unabhängigen Nachweis verwendet.
  • Emissionskompensation ohne Reduktion: Unternehmen kaufen CO2-Zertifikate, um sich als klimaneutral zu bezeichnen, reduzieren aber ihre tatsächlichen Emissionen nicht.
  • Irreführende Zertifikate und Labels: Selbstvergebene oder schwach regulierte Öko-Labels sollen umweltbewusstes Handeln suggerieren.
  • Unrealistische oder nicht überprüfbare Versprechen: Unternehmen setzen sich ehrgeizige Klimaziele, ohne einen konkreten Umsetzungsplan vorzulegen.

Folgen von Greenwashing

Weltweit verschärfen Regierungen die Regeln für Nachhaltigkeitskommunikation. Die wichtigsten Vorgaben in der EU sind:

  • Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD): Unternehmen müssen umfassend über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten berichten und detaillierte Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) machen. Dies betrifft nicht nur eigene Betriebsabläufe, sondern auch indirekte Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette.
  • Green Claims Directive: Wer mit Umweltversprechen wirbt, muss diese mit belastbaren und nachprüfbaren Daten belegen, um Verbraucher nicht in die Irre zu führen. Allgemeine Begriffe wie ‚klimaneutral‘ oder ‚umweltfreundlich‘ sind ohne konkrete Nachweise nicht mehr zulässig.
  • Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): Unternehmen haften für Umwelt- und Sozialverstöße entlang ihrer gesamten Lieferkette. Sie sind verpflichtet, Risiken wie Kinderarbeit, Umweltverschmutzung oder unfaire Arbeitsbedingungen systematisch zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder, Unterlassungsverfügungen und Schadensersatzforderungen. In schweren Fällen können zudem Vertriebsverbote oder Rückrufpflichten folgen. Zudem können sich Kunden, Investoren und strategische Partner abwenden. Auch Auswirkungen auf den Umsatz sind möglich.

Greenwashing vermeiden

Statt kurzfristiger Marketingversprechen sollten Unternehmen eine faktenbasierte und überprüfbare Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln. Auch gilt, es Umweltversprechen in Werbebotschaften mit harten Fakten untermauern. Das erfordert Transparenz in der Lieferkette: Von der Rohstoffgewinnung bis zur Produktion müssen alle Umweltauswirkungen erfasst werden. Ebenso gehören detaillierte CO2-Bilanzen dazu. Ferner unterstützen Produktinformations-Management-Systeme (PIM) dabei, Umweltinformationen korrekt und einheitlich kommuniziert werden.

Auf Nachhaltigkeit trimmen

Statt einzelne grüne Produkte hervorzuheben, sollten Unternehmen ihre gesamte Produktion auf Nachhaltigkeit ausrichten. Das bedeutet, Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette reduzieren, Recycling etablieren und Materialien wiederverwenden sowie auf Materialbeschaffung mit überprüfbaren Herkunftsnachweisen setzten. Auch Prüfungen und Zertifikate helfen dabei, Nachhaltigkeitsversprechen glaubwürdig zu vermitteln. Anerkannte Standards sind etwa ISO 14001 (Umweltmanagement-Systeme), Cradle-to-Cradle-Zertifizierung oder die B Corp-Zertifizierung für nachhaltige Geschäftsmodelle.

Glaubwürdige Nachhaltigkeit

Die produzierende Industrie steht vor einer Herausforderung: Während Nachhaltigkeit zu einem zentralen Erfolgsfaktor wird, wächst das Risiko, durch unzureichende oder irreführende Maßnahmen an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Unternehmen, die ihre Umweltversprechen mit belastbaren Daten untermauern, Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette schaffen und sich für eine echte nachhaltige Transformation einsetzen.



  • Ende 2021 wieder auf Vorkrisenniveau

    Ende 2021 wieder auf Vorkrisenniveau

    Die zweite Corona-Welle hat den Wirtschaftsaufschwung des Sommers ausgebremst, doch die Entwicklung mehrerer Impfstoffe macht Hoffnung: So geht die Konjunkturprognose des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) davon aus, dass das…

    mehr lesen: Ende 2021 wieder auf Vorkrisenniveau

  • Umfrage unter Deutschlands Ingenieuren 

    Umfrage unter Deutschlands Ingenieuren 

    Die deutschen Ingenieure blicken skeptisch auf das Jahr 2021. In einer Befragung des VDI Wissensforums gibt mehr als die Hälfte der befragten Ingenieure an, dass sich die Auftragslage im eigenen…

    mehr lesen: Umfrage unter Deutschlands Ingenieuren 

  • Neuer Westeuropachef bei Universal Robots

    Neuer Westeuropachef bei Universal Robots

    Andrea Alboni leitet seit dem 1. Dezember die Region Westeuropa für Universal Robots (UR). Damit übernimmt Alboni die Führung in einem der nach Unternehmensangaben wichtigsten Absatzmärkte von UR.

    mehr lesen: Neuer Westeuropachef bei Universal Robots

  • Blick in die Zukunft ist zuversichtlicher

    Blick in die Zukunft ist zuversichtlicher

    Mit einem Plus von 16 Punkten sind die ZEW-Konjunkturerwartungen im Dezember auf 55 Index-Punkte gestiegen. Die aktuelle Lage wird jedoch schlechter eingeschätzt als im Vormonat.

    mehr lesen: Blick in die Zukunft ist zuversichtlicher

  • Warenstau im Reich der Mitte

    Warenstau im Reich der Mitte

    Warentransporte von China nach Europa sind derzeit mit deutlich höheren Kosten als verbunden, als noch vor einigen Wochen. Containerschiffe sind ausgebucht, in der Luftfracht fehlen Kapazitäten und Waggons für Bahntransporte…

    mehr lesen: Warenstau im Reich der Mitte

  • Dassault Systèmes übernimmt alle Anteile von NuoDB

    Dassault Systèmes übernimmt alle Anteile von NuoDB

    Um die Weiterentwicklung seiner 3DEexperience-Plattform im Bereich Cloud und Data Science voranzutreiben, hat Dassault Systèmes das US-Unternehmen NuoDB übernommen.

    mehr lesen: Dassault Systèmes übernimmt alle Anteile von NuoDB

  • Modulare Sicherheit für modulare Produktionsanlagen

    Modulare Sicherheit für modulare Produktionsanlagen

    Die Industrie 4.0-Inititative SmartFactory-KL hat ein Whitepaper zur Absicherung von modularen Produktionsanlagen veröffentlicht. Die Grundlage für das Papier bildet ein ebenfalls modular aufgelegtes Safety-Konzept, das seit 2018 entwickelt wird.

    mehr lesen: Modulare Sicherheit für modulare Produktionsanlagen

  • Mehr Budget für mehr Digitalisierung

    Mehr Budget für mehr Digitalisierung

    Die Digitalisierung von Prozessen ist die Nummer-1-Priorität, wenn es um den Einsatz des IT-Budgets geht. Knapp die Hälfte im Rahmen einer Capgemini-Studie befragten Unternehmen will die Budgets im kommenden Jahr…

    mehr lesen: Mehr Budget für mehr Digitalisierung

  • Maschinen- und Anlagenbau trotzt der Krise

    Maschinen- und Anlagenbau trotzt der Krise

    Die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau werden das Krisenjahr 2020 mit deutlichen Minusraten abschließen, die aber nicht so heftig ausfallen, wie erwartet. „Für nicht wenige Betriebe dürfte dieses Jahr im…

    mehr lesen: Maschinen- und Anlagenbau trotzt der Krise

  • Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

    Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

    Im Rahmen einer Partnerschaft wollen die Software AG und Re‘Flekt eine gemeinsame IoT & AR-Lösung auf den Weg bringen.

    mehr lesen: Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

  • Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Volkswagen hat mit sechs Partnerunternehmen den Industrial.Digitalisation PartnerNet e.V. gegründet. Die herstellerunabhängige Non-Profit-Organisation ist vor allem als Innovationsmotor für die Automobilbranche ausgelegt, aber auch andere Fertigungsbranchen sollen profitieren.

    mehr lesen: Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

  • Intec und Z findet online statt

    Intec und Z findet online statt

    Auch das kommende Messejahr wird noch mit Einschränkungen zu kämpfen haben. Die Veranstalter der Intec und Z 2021 verlegen die Messe nun in die virtuelle Welt. Das Motto: ‘Intec und…

    mehr lesen: Intec und Z findet online statt