Alle Geschäftsprozesse in einem zentralen System

Schiess Teamfoto
Bild: Planat GmbH

Dem ERP-System des Maschinenbauunternehmens Schiess fehlte insbesondere die Möglichkeit, die zunehmend komplexen Projektstrukturen und vielfältigen Fertigungs- und Serviceprozesse flexibel abzubilden. Darüber hinaus waren die Anpassungskapazitäten nicht mehr adäquat für die Anforderungen des Unternehmens. Eine Nachfolgelösung des bisherigen Anbieters wurde aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterverfolgt. Stattdessen entschied sich Schiess, die ERP-Software abzulösen. Die Entscheidung fiel auf das System Fepa von Planat. Entscheidende Kriterien waren neben der funktionalen Abdeckung aller relevanten Geschäftsprozesse auch die räumliche Nähe und die schnelle Verfügbarkeit des Supports. Ein weiteres zentrales Auswahlkriterium war die Fähigkeit des ERP-Systems, unterschiedlichste Geschäftsprozessmodelle innerhalb eines Unternehmens abzubilden. Schiess vereint Lohnfertigung, Serviceaufträge und hochindividuelle Maschinenbauprojekte. Diese Vielfalt erfordert ein flexibles und skalierbares System.

Die Einführung

Die Einführung von Fepa begann im Juni 2022. Der Echtbetrieb wurde zum 1. November 2023 aufgenommen. Die größte technische Herausforderung lag dabei in der Datenmigration. Historische Datenbestände mussten vollständig übernommen werden, da insbesondere im Servicebereich auch jahrzehntealte Maschinendaten und Stücklisten für die Ersatzteilversorgung erforderlich sind. Insgesamt wurden etwa 97.000 Artikel, 30.000 Arbeitspläne und 42.000 Stücklisten migriert.

Die Übernahme erfolgte über strukturierte Datenimporte. Hierzu wurde der Altdatenbestand aus dem bisherigen ERP-System exportiert, normiert und gemäß den Fepa-Vorgaben aufbereitet. Aufgrund der parallelen Systempflege während der Übergangsphase – teilweise über ein bis zwei Jahre – war eine doppelte Datenpflege erforderlich, was in der Praxis mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden war. Nico Schatz, Controller bei Schiess, sagt über diese Zeit: „ERP-Einführungen sind ein Marathon, kein Sprint. Aber wenn man den Weg konsequent geht, zahlt es sich mehr als aus.“

Zusammenführung dezentraler Systeme

Ein wesentlicher Fortschritt durch Fepa ist die vollständige Integration aller Geschäftsprozesse in einer zentralen Systemlandschaft. Während zuvor mehrere Systeme parallel betrieben wurden – etwa für Angebotserstellung, Auftragsbestätigung, Reklamationsmanagement und die Serviceorganisation – sind heute sämtliche Abläufe in der ERP-Software abgebildet. Dadurch wurde die Komplexität erheblich reduziert, Mehrfacheingaben entfallen, und die Datenkonsistenz konnte signifikant verbessert werden.

Das integrierte Dokumentenmanagementsystem (DMS) der Software ist heute ein zentraler Bestandteil der täglichen Arbeit bei Schiess. Die digitale Ablage ermöglicht es, Eingangsrechnungen, Bestellungen, Lieferantenschriftverkehr und sämtliche kundenbezogene Dokumente zentral zu verwalten. Medienbrüche wurden beseitigt, Suchzeiten reduziert und der Zugriff auf aktuelle Informationen beschleunigt.

Abbildung komplexer Projektstrukturen

Ein herausfordernder Aspekt der ERP-Einführung war die Abbildung der komplexen Projektstrukturen im Maschinenbau. Der Werkzeugmaschinenbauer fertigt mit Projektlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die aus bis zu 2.000 Fertigungsobjekten bestehen. Die systemgestützte Steuerung und Koordination von Einkauf, Fertigung, Montage und Entwicklung erfordert eine präzise Projektplanung und eine durchgängige Prozessverfolgung. Das ERP-System ermöglicht die strukturierte Erfassung und Steuerung dieser Projekte über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Die transparente Abbildung von Fertigungsständen, Bedarfen und Arbeitspaketen unterstützt die Projektabwicklung und schafft Nachvollziehbarkeit über alle Phasen hinweg.

Schiess will sein Projektmanagement kontinuierlich weiterentwickeln. Ziel ist es, die Detailplanung und die Steuerung der einzelnen Projektabschnitte weiter zu optimieren und dabei spezifische Anforderungen des Maschinenbaus systemseitig zu berücksichtigen. „Das Projektmanagement ist ein Bereich, den wir mit Fepa kontinuierlich weiterentwickeln. Die Feinplanung und die Abstimmung der vielen beteiligten Abteilungen sind extrem komplex. Aber auch hier ist Fepa sehr offen für Anpassungen und Erweiterungen“, erklärt Nico Schatz.

Effizienz, Transparenz und Verfügbarkeit

Durch die Systemumstellung verbesserten sich Transparenz und Verfügbarkeit von Informationen. Insbesondere die Echtzeitaktualisierung von Fertigungslisten stellt einen Fortschritt zum Vorgänger-System dar, in dem Bedarfsdaten nur über Nacht aktualisiert wurden. Die Vereinheitlichung der Datenbasis sorgte zudem in der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit deutlich für Verbesserungen. Mitarbeiter aus Einkauf, Fertigung und Service greifen heute auf identische, stets aktuelle Informationen zu. Dieser zentrale Datenzugriff hat das Prozessverständnis innerhalb des Unternehmens gefördert und das abteilungsbezogene Denken reduziert.

Christian Biebl Planat
Autor Christian Biebl – Bild: Planat GmbH

Vollständige Digitalisierung als strategisches Ziel

Die vollständige Digitalisierung der Geschäftsprozesse bleibt ein strategisches Ziel von Schiess. Bereits heute sind große Teile der Beleg- und Informationsprozesse papierlos abgebildet. Perspektivisch sollen unter anderem das papierlose Freigabeverfahren für Eingangsrechnungen sowie die Digitalisierung weiterer Genehmigungs- und Prüfprozesse realisiert werden. Die notwendigen Module sind im System bereits vorhanden, die schrittweise Implementierung ist geplant.



  • Die Ära der kostenlosen KI ist vorbei

    Die Ära der kostenlosen KI ist vorbei

    Die Wirtschaftlichkeit großer Sprachmodelle steht kurz davor, mit der Unternehmensrealität zu kollidieren, schreibt Pegasystems-CEO Alan Trefler (Bild).

    mehr lesen: Die Ära der kostenlosen KI ist vorbei

  • Geschäftsführerwechsel bei der SimPlan Integrations

    Geschäftsführerwechsel bei der SimPlan Integrations

    Im Zuge des 25-jährigen Bestehens der SimPlan Integrations hat die SimPlan Group angekündigt, dass im Jahr 2028 ein geplanter Geschäftsführerwechsel beim Tochterunternehmen stattfinden wird.

    mehr lesen: Geschäftsführerwechsel bei der SimPlan Integrations

  • Was Ausbilder im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt

    Was Ausbilder im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt

    Laut VDMA-Ausbildungsumfrage steht die duale Ausbildung im Maschinen- und Anlagenbau auf einem stabilen Fundament und punktet mit hochmotivierten und zufriedenen Ausbilderinnen und Ausbildern.

    mehr lesen: Was Ausbilder im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Forterro übernimmt 3E Datentechnik

    Forterro übernimmt 3E Datentechnik

    Forterro, ein europäischer Anbieter von Industriesoftware, hat die geplante Übernahme des Software-Spezialisten 3E Datentechnik bekannt gegeben, dessen Software bei der Konstruktion und Herstellung von Fenstern und Türen zum Einsatz kommt.

    mehr lesen: Forterro übernimmt 3E Datentechnik

  • AutoSim automatisiert die Erstellung digitaler Simulationsmodelle

    AutoSim automatisiert die Erstellung digitaler Simulationsmodelle

    Das Forschungsprojekt AutoSim vereinfacht die Erstellung von Simulationsmodellen für die Produktion. Es kombiniert intelligente Datenverarbeitung mit interoperablen Informationsmodellen.

    mehr lesen: AutoSim automatisiert die Erstellung digitaler Simulationsmodelle

  • SAP investiert in KI-Unternehmen n8n

    SAP investiert in KI-Unternehmen n8n

    SAP investiert in die KI-Automatisierungsplattform n8n, wodurch sich die Bewertung des in Berlin ansässigen Startups auf 5,2Mrd.US$ erhöht und somit mehr als verdoppelt.

    mehr lesen: SAP investiert in KI-Unternehmen n8n

  • BSI veröffentlicht G7-Richtlinie zu SBOM for AI

    BSI veröffentlicht G7-Richtlinie zu SBOM for AI

    Unter der Federführung des BSI und der italienischen Cybersicherheitsbehörde ACN haben die Cybersicherheitsbehörden der G7-Staaten unter Mitwirkung der EU Kommission eine Richtlinie zur Software Bill of Materials (SBOM) for AI…

    mehr lesen: BSI veröffentlicht G7-Richtlinie zu SBOM for AI

  • Was passiert mit dem Menschen, wenn die Roboter kommen?

    Was passiert mit dem Menschen, wenn die Roboter kommen?

    Künstliche Intelligenz automatisiert längst digitale Prozesse. Jetzt übernehmen Roboter auch physische Routinen. Was das für die Menschen bedeutet, beleuchtet Sören Michl, Vice President AI Adoption bei IFS.

    mehr lesen: Was passiert mit dem Menschen, wenn die Roboter kommen?

  • Ein Schritt auf dem Weg zum Quanteninternet?

    Ein Schritt auf dem Weg zum Quanteninternet?

    Seit mehr als 60 Jahren gilt das ‚Bellsche Theorem‘ als Goldstandard, um zu zeigen, dass die Quantenmechanik den Regeln der klassischen Physik widerspricht.

    mehr lesen: Ein Schritt auf dem Weg zum Quanteninternet?

  • Der VDI feiert 170-jähriges Bestehen

    Der VDI feiert 170-jähriges Bestehen

    Vor 170 Jahren, am 12. Mai 1856, wurde der VDI in Alexisbad gegründet. Aus diesem Anlass blickt der Verein zurück und gibt zugleich die Gründung eines neuen Gremiums bekannt.

    mehr lesen: Der VDI feiert 170-jähriges Bestehen

  • Cobot vs. stationär: Wie Roboter in der Fabrik eingesetzt werden

    Cobot vs. stationär: Wie Roboter in der Fabrik eingesetzt werden

    Eine aktuelle Robotik-Studie von Reichelt Elektronik, durchgeführt durch das unabhängige Institut OnePoll, untersucht, welche Arten von Robotern in deutschen Produktionsstätten eingesetzt werden und welche Arbeiten sie übernehmen.

    mehr lesen: Cobot vs. stationär: Wie Roboter in der Fabrik eingesetzt werden