Preislogik gezielt steuern

585644
Bild: ©Jumain/stock.adobe.com

Ersatzteilpreise festzulegen war lange ein Nebenschauplatz im Servicegeschäft: einmal im Jahr anpassen, ein paar Prozent drauf, fertig. Dabei zeigen sich im Preiswasserfall immer wieder dieselben Muster: Regionale Preisinseln entstehen, wenn Landesgesellschaften eigene Preislisten und Nachlässe ohne koordinierende Leitplanken festlegen. Ein europäischer Key Account kauft dann in Polen günstiger ein als in Deutschland, obwohl ihn derselbe Hersteller beliefert. Die Folge sind zähe Verhandlungen und ein Graumarkt im eigenen Netzwerk. Zukaufteile ohne Marktbezug werden weiterhin mit simplen Kostenaufschlägen bepreist. Es fehlen Marktdaten: Wo ist das Teil noch erhältlich, zu welchem Preis und in welcher Lieferzeit? Zu teure Ersatzteile treiben Kunden zu Alternativanbietern, zu niedrig bepreiste Teile kosten Marge. Pauschale Erhöhungen statt gezielter Steuerung sind ebenfalls verbreitet: ‚Einmal im Jahr plus zwei, drei Prozent auf alles‘ ist noch immer üblich. Marktdaten zeigen schnell, dass dieses Gießkannenprinzip am Markt vorbeigeht und das Preisgefüge über die Jahre kippt. Ungenutzte Daten finden sich in Warenwirtschaftssystemen, etwa Win-Rates, ABC-Klassifizierung und Verfügbarkeit, in eShops, etwa Klickraten und Conversions, sowie in PLM- und CRM-Systemen, etwa Teileattribute, Bestellhistorie und Reklamationen. Diese Informationen können für eine wertorientierte Preisgestaltung genutzt werden.

Aktuelle Anforderungen

Angesichts hoher Marktvolatilität, wachsender Konkurrenz durch Online-Händler und global agierender Kunden funktioniert ein statisches Pricing oft nicht mehr. Kunden vergleichen Preise über Ländergrenzen hinweg. Sechs Anforderungen sind heute zu erfüllen: Transparenz bedeutet etwa, dass jederzeit nachvollziehbar sein muss, wie ein Preis zustande kommt – für Pricing, Vertrieb und Service ebenso wie als Argumentationsgrundlage gegenüber dem Kunden. Preise, Regeln und Listen werden laufend auf Basis valider Daten angepasst, etwa auf Grundlage von Marktdaten, Verkaufshistorie, Kosten und Win-Rates. Neue Listenpreise und Regeln werden vorab anhand historischer Verkaufsdaten und geforderter Mindestmargen validiert. Listenpreise werden mit realen Transaktionspreisen abgeglichen, um Lücken und Ausreißer sichtbar zu machen. Die Verantwortlichkeiten sind eindeutig definiert: Wer darf was ändern, wo liegen die Freigabegrenzen und wie stimmen sich Zentrale und Ländergesellschaften ab? Jede Änderung an Preisen, Regeln und Listen ist festgehalten, inklusive Zeitpunkt, Verantwortlichkeit und Begründung. Mit Excel-Tabellen und fragmentierten Daten sind diese Anforderungen kaum zu erfüllen.

Preiswasserfall ist steuerbar

Technologische Unterstützung bieten Pricing-Performance-Plattformen wie MP One. Vier Funktionsbereiche sind zentral: Eine Preislogik bildet Basiskosten als Ausgangspunkt ab und berücksichtigt Attribute wie Kritikalität, Komplexität und Verfügbarkeit als Aufschläge. Marktdaten bilden eine dritte Dimension. So entsteht eine veränderbare Preisarchitektur statt einer starren Liste. Globale, regionale und kundenspezifische Preisbücher werden logisch miteinander verknüpft. Wer die globale Liste anpasst, sieht die Wirkung auf die nachgelagerten Listen. Tochtergesellschaften bewegen sich in definierten Preiskorridoren, behalten aber lokalen Spielraum. Anders als bei klassischen Pricing-Tools sind Marktdaten fest in den Preisbildungsprozess eingebunden und nicht nur eine optionale Referenz. Je Region und Produktgruppe wird sichtbar, wo der eigene Preis liegt. Preise lassen sich gezielt über oder unter Marktniveau setzen. Vor der Produktivsetzung des Systems lassen sich Szenarien durchspielen, etwa die Margenwirkung einer Regelanpassung je Produktgruppe oder Region. Über Transaktionsdaten wird später messbar, ob mehr Marge, weniger Freigaben und stabilere Kundenbeziehungen erreicht wurden. ?

Anwendung im Maschinenbau

Ein Hersteller kann seine Preisgestaltung anhand von Marktdaten optimieren. Zeigt sich etwa bei Filtern und Dichtungen eine deutliche regionale Preisspreizung zwischen Nord- und Südeuropa, lässt sich diese Spreizung durch die Ausrichtung länderspezifischer Preislisten an globale Preisbänder glätten. Bestellungen werden so seltener zwischen Märkten verlagert und die Margen stabilisiert. Auch bei Zukaufteilen zeigt sich häufig ein Ungleichgewicht: Sie liegen oft über dem Marktniveau, während kritische Eigenentwicklungen tendenziell unter Wert verkauft werden. Auf Basis von Produktattributen und Marktpreisen lassen sich die Aufschläge neu kalibrieren – je nach Fall nach oben oder nach unten angepasst. Ein weiterer Effekt liegt in der besseren Nachvollziehbarkeit von Preisentscheidungen. Ein international tätiger Hersteller etwa dokumentiert lückenlos, wer welche Regel geändert und welche Liste auf welcher Datenbasis angepasst hat. Das reduziert interne Reibungsverluste und liefert zugleich eine belastbare Argumentationsgrundlage für Gespräche mit Vertrieb und Handel. Voraussetzung für eine solche Preissteuerung sind Transparenz, valide Marktdaten und eine Plattform, die Preislogik, Teileattribute und What-If-Simulationen zusammenführt. Der Preiswasserfall wird so vom Analysebild zum operativen Steuerungsinstrument.



  • Weniger deutsche Unternehmen abhängig von Vorprodukten aus China

    Weniger deutsche Unternehmen abhängig von Vorprodukten aus China

    Im Vergleich zu einer Untersuchung kurz vor Beginn Kriegs in der Ukraine, geben in einer aktuellen Untersuchung des Ifo Instituts weniger Unternehmen an, auf Vorprodukte aus China angewiesen zu sein.

    mehr lesen: Weniger deutsche Unternehmen abhängig von Vorprodukten aus China

  • Nachhaltigkeitsthemen im Datenmanagement abbilden

    Nachhaltigkeitsthemen im Datenmanagement abbilden

    Technologien wie Robotic Process Automation (RPA) oder künstliche Intelligenz (KI) können Unternehmen beim Management von ESG-Daten unterstützen. Der Softwarespezialist Blue Prism beleuchtet die Möglichkeiten.

    mehr lesen: Nachhaltigkeitsthemen im Datenmanagement abbilden

  • Ein Stück näher am Quanteninternet

    Ein Stück näher am Quanteninternet

    Das Quanteninternet verspricht signifikante Verbesserungen in verschiedenen technologischen Schlüsselbereichen. Um dieses jedoch im bestehenden Glaserfasernetz zu realisieren, sind Quantenfrequenzkonverter nötig, die die Wellenlänge von Photonen an das Telekomband (1.550nm) anpassen…

    mehr lesen: Ein Stück näher am Quanteninternet

  • BlackBerry und AMD kooperieren

    BlackBerry und AMD kooperieren

    Im Rahmen einer Kooperation haben sich BlackBerry und AMD zum Ziel gesetzt, Präzision und Steuerung von Robotersystemen zu verbessern.

    mehr lesen: BlackBerry und AMD kooperieren

  • Gaia-X Hub: neue Arbeitsgruppe für vernetzte Lieferketten

    Gaia-X Hub: neue Arbeitsgruppe für vernetzte Lieferketten

    Am Gaia-X Hub wurde eine neue Branchenarbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit digital vernetzten Lieferketten beschäftigt.

    mehr lesen: Gaia-X Hub: neue Arbeitsgruppe für vernetzte Lieferketten

  • MVTec eröffnet Niederlassung in Taiwan

    MVTec eröffnet Niederlassung in Taiwan

    Bereits seit 2020 unterhält MVTec ein Vertriebsbüro in Taiwan. Dieses wertet der Bildverarbeitungsspezialist nun zu einer eigenen Niederlassung, der MVTec Taiwan, auf.

    mehr lesen: MVTec eröffnet Niederlassung in Taiwan

  • Lohnt sich ein Retrofit?

    Lohnt sich ein Retrofit?

    Oft ist unklar, ob es sich lohnt, ältere Maschinen mit neuen Sensoren auszustatten. Im Projekt ‚DiReProFit‘ wollen Forschende dieses Problem mit künstlicher Intelligenz lösen.

    mehr lesen: Lohnt sich ein Retrofit?

  • Digital Future Congress nimmt Techniktrends in den Blick

    Digital Future Congress nimmt Techniktrends in den Blick

    Der zweitägige virtuelle Digital Future Congress stellt im April die Potenziale aktueller Technologietrends in den Mittelpunkt. Per Video-Chat können sich die Teilnehmer untereinander sowie mit Spezialisten vernetzen.

    mehr lesen: Digital Future Congress nimmt Techniktrends in den Blick

  • Neue Vice President Channel & Marketing bei Schneider Electric DACH

    Neue Vice President Channel & Marketing bei Schneider Electric DACH

    Mit der Zusammenlegung von Marketing und Channel-Organisation stellt Schneider Electric die Kommunikationsarbeit in der DACH-Region neu auf.

    mehr lesen: Neue Vice President Channel & Marketing bei Schneider Electric DACH

  • Erwerbstätige sind beim KI-Einsatz geteilter Meinung

    Erwerbstätige sind beim KI-Einsatz geteilter Meinung

    Rund die Hälfte der vom Branchenverband Bitkom befragten Erwerbstätigen würde Routineaufgabe an eine KI abgeben. Die andere Hälfte lehnt dies jedoch ab. Zudem sehen nur wenige der Befragten keinerlei Nachteile…

    mehr lesen: Erwerbstätige sind beim KI-Einsatz geteilter Meinung

  • Technologiemonitor weist Weg zur klimaneutralen Produktion

    Technologiemonitor weist Weg zur klimaneutralen Produktion

    Fraunhofer IAO und IPA sowie das IAT und EEP der Universität Stuttgart haben gemeinsam mit der Umwelttechnik BW in Stuttgart eine Studie vorgestellt: Die ’Roadmap Klimaneutrale Produktion’ soll Unternehmen in…

    mehr lesen: Technologiemonitor weist Weg zur klimaneutralen Produktion

  • Autobauer sehen sich im Aufwind

    Autobauer sehen sich im Aufwind

    Die deutschen Autobauer blicken wieder zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Laut aktueller Zahlen des Ifo Instituts fallen vor allem die Exportaussichten positiv auf.

    mehr lesen: Autobauer sehen sich im Aufwind