PLM- und ERP-System intelligent verbunden

0:000:00

427979 Titel ITProduction Bechtle PLM 1920x1080
Bild: Bechtle PLM Deutschland GmbH (KI-generiert)

Die Anforderungen an produzierende Unternehmen steigen. Kunden erwarten individuelle Produkte, kürzere Lieferzeiten und höchste Qualität. Gleichzeitig müssen Entwicklungs-, Fertigungs- und Geschäftsprozesse nahtlos zusammenarbeiten. Genau vor dieser Herausforderung stand auch die BS Bodensteckdosen Systemtechnik GmbH aus Bielefeld. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Bodensteckdosen, Bodentanks, Energiesäulen und individuelle Sonderlösungen. Mit einer hohen Fertigungstiefe und zahlreichen kundenindividuellen Projekten ist die Produktentwicklung ein zentraler Erfolgsfaktor. Im Zuge der Modernisierung ihrer digitalen Produktentwicklung musste die Firma ein bestehendes PLM-System ablösen. Dabei zeigte sich schnell, dass die Herausforderungen weit über die Datenmigration hinausgingen. Unterschiedliche Datenstrukturen erschwerten die Übernahme vorhandener Produktdaten, Medienbrüche zwischen den Anwendungen für Konstruktion und ERP führten zu zusätzlichem manuellen Aufwand, und fehleranfällige Stücklistenprozesse verlangsamten die Abläufe. Gleichzeitig fehlte zwischen den Mitarbeitenden aus Konstruktion, Vertrieb und Montage häufig die notwendige Transparenz. In der Folge kam es immer wieder zu Rückfragen. Diese Ausgangssituation ist keineswegs ungewöhnlich. Viele mittelständische Fertigungsunternehmen erfahren täglich ähnliche Probleme.

Durchgängige Prozesse gefragt

Moderne Produktionsunternehmen verfügen heute über hochkomplexe Systemlandschaften. CAD-Systeme erzeugen Konstruktionsdaten, PLM- und PDM-Softwares verwalten Produktinformationen, während ERP-Systeme Materialstämme, Stücklisten und Fertigungsprozesse steuern. Hinzu kommen oft Simulations- und Fertigungsdaten, Produktspezifikationen sowie Dokumentation. In der Praxis werden die Systemdaten jedoch häufig nicht zwischen allen Beteiligten ausgetauscht, sondern nur abteilungsintern genutzt. Dann werden etwa Informationen mehrfach gepflegt, Excel-Listen dienen als Übergangslösung und Freigabeprozesse erfolgen teilweise manuell. Besonders kritisch wird dies, wenn Produktvarianten zunehmen oder kundenspezifische Entwicklungen einen großen Teil des Geschäftsmodells ausmachen.

PLM-System baut Brücken

Die Folgen sind in vielen Produktionsunternehmen spürbar: Produktdaten werden mehrfach erfasst, Stücklisten liegen nicht durchgängig aktuell vor und Abstimmungsaufwände zwischen Konstruktion, Einkauf und Produktion steigen. Die daraus resultierenden Fehler und Verzögerungen verlängern Durchlaufzeiten und erhöhen die Prozesskosten. Die Ursachen liegen dabei meist nicht in den einzelnen Systemen, sondern an den Schnittstellen zwischen ihnen. Hier setzen Anwendungen für Product Lifecycle Management an, indem sie Informationen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg konsistent, aktuell und für alle Beteiligten verfügbar halten sollen. So ein durchgängiger Digital Thread ermöglicht den unterbrechungsfreien Informationsfluss zwischen Entwicklung, Fertigung und Geschäftsprozessen.

Datenbasis als Fundament

Bei BS Bodensteckdosen wurde deshalb zunächst die technologische Grundlage erneuert. Das Unternehmen führte die 3DExperience-Plattform des Herstellers Dassault Système als zentrale Umgebung für CAD- und PLM-Prozesse ein. Solidworks Design blieb das führende 3D-CAD-System, während Produktdaten, Projektplanung und Zusammenarbeit künftig zentral auf der Plattform organisiert werden. Unterstützt wurde die Umstellung durch eine strukturierte Datenmigration und eine Bereinigung bestehender Datenbestände. Neue Entwicklungsprojekte werden heute im Project Planner der Plattform angelegt und über definierte Aufgaben, Checklisten und Status gesteuert. Die Produktdaten entstehen im MCAD-System. Sobald ein Produkt freigegeben ist, erfolgt die Übergabe an die nachgelagerten Prozesse. Doch erst durch die Verbindung zwischen PLM- und ERP-System entsteht ein durchgängiger digitaler Prozess.

427979 BS 3DS
Um Datensilos aufbrechen zu können, führte BS Bodensteckdosen eine leistungsfähige PLM-Plattform ein. – Bild: BS Bodensteckdosen Systemtechnik

Schaltzentrale der Integration

Beim Produzenten war dafür die zentrale Verbindung zwischen den Produktdaten aus der Entwicklungsabteilung und dem ERP-System entscheidend. Sie steuert den Datenaustausch zwischen den Systemen. Freigegebene Produktinformationen werden automatisiert, regelbasiert und ohne Medienbruch an die nachgelagerten Prozesse übergeben. Die zentrale Rolle übernimmt dabei der PLM Process Hub, eine Entwicklung von Bechtle PLM. Die Low-Code-/No-Code-Plattform wurde speziell entwickelt, um Daten- und Prozessflüsse zwischen PLM-, PDM-, CAD- und ERP-Systemen zu orchestrieren. Sie fungiert als zentrale Orchestrierungsebene zwischen Entwicklung und Unternehmensprozessen. Bei BS Bodensteckdosen Systemtechnik bildet der Hub die Schnittstelle zwischen der 3DExperience-Plattform und Microsoft Dynamics 365. Der PLM Process Hub überträgt Artikelnummern sowie Fertigungs- und Montagestücklisten automatisiert und regelbasiert in das ERP-System. Dadurch entfällt die manuelle Übertragung von Daten nahezu vollständig. Änderungen werden kontrolliert und nachvollziehbar weitergegeben, während die beteiligten Systeme auf konsistente Informationen zugreifen. „Die neue Schnittstelle zum ERP-System, der PLM Process Hub, bringt uns deutliche Vorteile – technisch wie organisatorisch“, sagt Daniel Bergen, Konstruktionsleiter bei BS Bodensteckdosen Systemtechnik. Freigegebene Daten stehen schneller zur Verfügung, während Abstimmungsaufwand zwischen Konstruktion, Vertrieb und Montage reduziert wird.

Hub löst auch Prozesse aus

Der eigentliche Nutzen der Drehscheibe für Daten und Prozesse geht über den klassischer Schnittstellen hinaus. Während Punkt-zu-Punkt-Integrationen meist nur einzelne Datensätze transportieren, übernimmt der Hub die Steuerung kompletter Abläufe. Artikelstammdaten, Konstruktionsstücklisten und weitere Dokumente werden automatisiert synchronisiert und können Folgeprozesse auslösen. Durch standardisierte Konnektoren lassen sich neben den in diesem Projekt integrierten Systemen auch ERP-Systeme von SAP oder Microsoft Dynamics Business Central sowie Datenbanken und Webservices anbinden. Unternehmen können so auf eine skalierbare Integrationsplattform zugreifen, die zukünftige Systemerweiterungen wesentlich erleichtern kann. Gerade mittelständische Unternehmen können davon profitieren, Schnittstellenlogik nicht mehr individuell zu entwickeln und zu pflegen, sondern weitgehend konfigurationsbasiert umzusetzen. Denn es sinken Implementierungsaufwand und Abhängigkeiten von individuellen Programmierungen.

427979 BS SOLIDWORKS
Die Produktdaten entstehen bei BS Bodensteckdosen Systemtechnik in Solidworks Design. Sobald ein Produkt freigegeben ist, erfolgt die Übergabe an die nachgelagerten Prozesse. – Bild: BS Bodensteckdosen Systemtechnik

Transparenz für die Beteiligten

Die Auswirkungen zeigen sich bei BS Bodensteckdosen Systemtechnik bereits im Tagesgeschäft. Vertrieb und Montage greifen auf aktuelle 3D-Daten, Zeichnungen und Visualisierungen zu. „Der Vertrieb kann sich die Baugruppen jetzt in der PLM-Plattform anschauen, messen und visualisieren. Das gab es vorher nicht“, sagt Daniel Bergen. Rückfragen werden reduziert, Informationen stehen schneller zur Verfügung und die Transparenz innerhalb der Projekte ist deutlich höher. Gleichzeitig gelangen freigegebene Datensätze schneller und zuverlässiger in die Fertigung und Montage. Besonders die Synchronisation von Stücklisten und Attributen zwischen PLM- und ERP-Software funktioniert heute deutlich effizienter als zuvor. Damit werden nicht nur Fehler vermieden, sondern auch Durchlaufzeiten reduziert und Prozesse beschleunigt.

Ein Schritt zum Digital Thread

Die digitale Transformation in der Produktion entscheidet sich zunehmend an der Fähigkeit, Daten durchgängig und systemübergreifend nutzbar zu machen. Moderne PLM-Strategien benötigen deshalb mehr als leistungsfähige CAD- oder ERP-Systeme. Gefragt sind Integrationsplattformen, die Informationen intelligent verknüpfen und Prozesse automatisieren. Das Beispiel der BS Bodensteckdosen Systemtechnik GmbH zeigt, wie Unternehmen mit einer Kombination aus Solidworks, der 3DExperience-Plattform und dem PLM Process Hub eine durchgängige Prozesskette schaffen können. Dabei übernimmt der Datendirigent eine wichtige Rolle bei der digitalen Produktentstehung und wird zu einem wichtigen Baustein auf dem Weg zur vernetzten Produktion.



  • KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

    Forschung an neuromorpher Hardware im Projekt KI-Flex KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug Im Forschungsprojekt KI-Flex wurde an einer Plattform gearbeitet, die im autonomen Fahrzeug alle Verkehrsteilnehmer sicher orten soll. Entstanden…

    mehr lesen: KI-basierte Datenverarbeitung im autonomen Fahrzeug

  • All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

    All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

    Praxisnah automatisieren All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr Am 27. und 28. September 2023 dreht sich in der Messe Chemnitz alles um die Themen Industrieautomation, Digitalisierung und Robotik.…

    mehr lesen: All About Automation in Chemnitz wächst gegenüber Vorjahr

  • Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

    Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

    Manager in der Intralogistik-Branche Viastore beruft Dominic Daly zum CFO Dominic Daly (Bild) ist neuer CFO bei Viastore Group, einem Anbieter von Intralogistik-Systemen. Zuvor war der studierte Betriebswirt als Führungskraft…

    mehr lesen: Viastore beruft Dominic Daly zum CFO

  • Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

    Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit für den Industriesektor Hand in Hand? Dies kann Realität werden. Das kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekt ’Climate Solution for Industries’ (CS4I) unter Beteiligung des Fraunhofer IPA setzt bereits bei…

    mehr lesen: Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette

  • Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Neil Barua folgt auf James Heppelmann

    Nach 13 Jahren als CEO beim Softwareunternehmen PTC verabschiedet sich James Heppelmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Neil Barua.

    mehr lesen: Neil Barua folgt auf James Heppelmann

  • Skeptischer Blick auf den Sommer

    Skeptischer Blick auf den Sommer

    Ifo Geschäftsklimaindex im Mai Skeptischer Blick auf den Sommer Nach 93,4 Punkten im Vormonat, fällt der Ifo Geschäftsklimaindex im Mai auf 91,7 Punkte – der erste Rückgang in sechs Montanen.

    mehr lesen: Skeptischer Blick auf den Sommer

  • Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act

    Kritik am Cyber Resilience Act Open-Source-Organisationen richten offenen Brief an EU Kommission In einem offenen Brief kritisieren neun Open-Source-Organisationen die EU Kommission, die Perspektive der Community im Rahmen des Cyber…

    mehr lesen: Kritik am Cyber Resilience Act

  • VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    VDI bietet Big-Data-Schulungen an

    Aus- und Weiterbildung VDI bietet Big-Data-Schulungen an Auf Grundlage der im November 2022 veröffentlichten Richtlinie VDI/VDE-MT 3714 bietet der VDI Schulungen für die Implementierung und den Betrieb von Big-Data-Anwendungen an.

    mehr lesen: VDI bietet Big-Data-Schulungen an

  • Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

    KI-Funktionen in Standardsoftware Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI Softwareanbieter Consense ergänzt sein Qualitätsmanagement-System um KI-gestützte Funktionen. Die Algorithmen sollen helfen, Prozesse zu automatisieren und einfacher zu gestalten.

    mehr lesen: Qualitätsmanagement-System mit integrierter KI

  • Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

    Plattform Wavetrade Eine Tauschplattform für die Autoindustrie Der KI-Spezialist One Data hat eine Tauschplattform an den Start gebracht, über die Automobilhersteller ’kritische Komponenten’ wie etwa Halbleiter an- und verkaufen sowie…

    mehr lesen: Eine Tauschplattform für die Autoindustrie

  • Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

    Supply-Chain-Management-Software Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen Wo liegen die Unterschiede in Supply-Chain-Management-Software? Eine Marktübersicht der Trovarit, des Fraunhofer IPA und des IFR vergleicht mehr als 140 Lösungen.

    mehr lesen: Marktstudie vergleicht mehr als 140 SCM-Lösungen

  • Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?

    Diskussionspapier des Bitkom Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme? Mit Low Code bzw. No Code können auch Nicht-ITler Anwendungen aus vorgefertigten Bausteinen erstellen. Die Auswirkungen des Ansatzes…

    mehr lesen: Was bedeuten Low Code und No Code für ERP-Systeme?