VCI sieht keine Erholung für die Branche

VCI Halbjahrespressekonferenz 2026
Bild: VCI / Thomas Lohnes

Laut aktueller Zahlen des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) entwickelte sich die Branche im ersten Halbjahr 2026 zwar etwas besser als in der zweiten Jahreshälfte 2025. Von einer nachhaltigen Erholung könne jedoch keine Rede sein. Die Produktion lag rund 3% unter dem Vorjahr, der Umsatz sank um 1% auf 106Mrd.€. Gleichzeitig gehen die Investitionen im dritten Jahr in Folge weiter zurück. Für den VCI ist dies ein Warnsignal.

„Die Halbjahresbilanz ist enttäuschend“, fasst VCI-Präsident Markus Steilemann (Bild) zusammen. „Eine leichte Belebung ist kein Grund zur Entwarnung. Dafür sind vor allem Sondereffekte aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost verantwortlich. Wir erleben nur eine Atempause, keine Trendwende. Grundsätzlich bin ich aber weiter von dem großen Potenzial unserer Branche als Treiber für die notwendige Transformation zu Nachhaltigkeit und Resilienz überzeugt.“

Wie der VCI mitteilt, füllen Unternehmen derzeit wegen des Kriegs am Golf ihre Lager auf, um möglichen Versorgungsengpässen vorzubeugen. Gleichzeitig ließ der Wettbewerbsdruck aus Asien durch die Sperrung der Straße von Hormus vorübergehend nach.

Vor diesem Hintergrund hat sich das Inlandsgeschäft der chemisch-pharmazeutischen Industrie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zuletzt etwas stabilisiert. Die Exporte sind jedoch weiterhin schwach. Der Branchenverband betont, dass viele Anlagen nach wie vor unterausgelastet sind und Produktion sowie Absatz deutlich unter dem Niveau von 2021 liegen.

Viele Unternehmen rechnen auch für die kommenden Monate mit einer schwierigen Geschäftsentwicklung. Steigende Kosten, schwache Absatzmengen und der insgesamt intensive internationale Wettbewerb setzen die Erträge weiterhin unter Druck. Für das Gesamtjahr erwartet der VCI deshalb einen Produktionsrückgang von 1,5%. Von weiteren Prognosen sieht der Verband angesichts der volatilen geopolitischen Lage derzeit ab.

Sachanlageinvestitionen liegen 15% unter dem Niveau von 2023

Aus Sicht des VCI ist es besonders besorgniserregend, dass die Sachanlageinvestitionen zurückgegangen sind. Diese Entwicklung passt nach Ansicht des Verbands zum aktuellen Gesamtbild: Die produktiven Nettoinvestitionen in Deutschland liegen einer Studie zufolge nur noch bei etwa 0,2% der Wirtschaftsleistung. Auch in Europa werden Produktionskapazitäten abgebaut, ohne dass ausreichend in neue Anlagen und Zukunftstechnologien investiert wird. Für die Unternehmen zählen hohe Energie- und Produktionskosten sowie weitere negative Rahmenbedingungen in Deutschland zu den größten Investitionshemmnissen.

Forderungen der Branche

Vor diesem Hintergrund kommt es aus Sicht des VCI jetzt darauf an, dass die bisherigen Einzelmaßnahmen der Bundesregierung in eine umfassende Strukturreform münden. „Das Reformpaket der schwarz-roten Koalition ist der erste ernsthafte Versuch seit Jahren, die regulatorischen Ketten des Standorts Deutschland zu sprengen. Dieser Kurs muss konsequent fortgesetzt werden. Zusätzliche Belastungen würden die Lage weiter verschärfen“, betont Steilemann.

Wie Unternehmen den Handlungsbedarf einschätzen, zeigt eine aktuelle VCI-Mitgliederumfrage: Darin sehen mehr als 80% der Unternehmen die Risiken einer Deindustrialisierung politisch nicht ausreichend berücksichtigt. Der Verband fordert deshalb vor allem wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie.

Trotz der angeführten Entwicklungen sieht der VCI weiterhin großes Potenzial für den Industriestandort Deutschland. Steilemann betont: „Deutschland hat die industrielle Substanz und die Innovationskraft. Jetzt ist die Zeit, diese Stärken wieder zur Entfaltung zu bringen. Dazu brauchen wir auch einen Mentalitätswandel hin zu mehr Offenheit, Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung. Entscheidend ist die Einsicht, dass die Kosten des Nicht-Handelns größer werden als die Kosten gemeinsamer Reformen.“



  • IT-Sicherheitsmarkt vor Umsatzrekord

    IT-Sicherheitsmarkt vor Umsatzrekord

    Der Markt für IT-Sicherheit in Deutschland wächst ungebrochen. Das bisherige Rekordjahr 2020 könnte in diesem Jahr nochmals übertroffen werden. So geht der Digitalverband Bitkom von einem Plus von 9,7 Prozent…

    mehr lesen: IT-Sicherheitsmarkt vor Umsatzrekord

  • Zuliefermesse für den Maschinenbau

    Zuliefermesse für den Maschinenbau

    In Bad Salzuflen findet am 10. November die FBM statt. Bereits im Vorfeld der Messe können Unternehmen über eine Matchmaking-Plattform feste Termine mit den Ausstellern buchen.

    mehr lesen: Zuliefermesse für den Maschinenbau

  • Umsatzprognose auf Höchststand

    Umsatzprognose auf Höchststand

    Im neuen PWC-Maschinenbaubarormeter blicken mehr als die Hälfte der Unternehmen zwar optimistisch in die Zukunft. Im Vergleich zum Vorquartal ist dieser Wert jedoch zurückgegangen.

    mehr lesen: Umsatzprognose auf Höchststand

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Produktionserwartungen steigen im September

    Produktionserwartungen steigen im September

    Die Produktionsaussichten in der Industrie haben im September zugelegt. Dabei werden die Pläne der Unternehmen von den derzeitigen Materialengpässen gebremst.

    mehr lesen: Produktionserwartungen steigen im September

  • Partnerschaft zwischen UiPath und CrowdStrike

    Partnerschaft zwischen UiPath und CrowdStrike

    UiPath und CrowdStrike wollen gemeinsam den Schutz von RPA-Prozessen verbessern. Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen soll ein neues Sicherheitsniveau sowie mehr Transparenz bei RPA-Anwendungen bieten, heißt es in der Pressemitteilung.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen UiPath und CrowdStrike

  • Referenzbasis für TRIZ-Werkzeuge

    Referenzbasis für TRIZ-Werkzeuge

    Richtlinie VDI 4521 Blatt 1 ‚Erfinderisches Problemlösen mit TRIZ – Grundlagen und Begriffe‘ legt eine gemeinsame Sprache zur Beschreibung von Inhalten der TRIZ-Methodik fest. Sie bietet eine Referenzbasis zum Vergleich…

    mehr lesen: Referenzbasis für TRIZ-Werkzeuge

  • Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

    Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

    Mit der Ernennung von Ekrem Yigitdoel zum Managing Director will sich die Open Industry 4.0 Alliance für weiteres Wachstum rüsten. Derzeit gehören dem Zusammenschluss rund 80 Mitglieder an.

    mehr lesen: Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

  • Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Die beiden Unternehmen Innovation.rocks und Augmentaio wollen fusionieren und zukünftig gemeinsam als AR-Spezialist Svarmony am Markt auftreten.

    mehr lesen: Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

  • 5G-Ortungslösung für die Industrie

    5G-Ortungslösung für die Industrie

    Im Rahmen einer Partnerschaft haben die Telekom und Trumpf eine Ortungslösung entwickelt, die in einem 5G-Campusnetz betrieben werden kann. Durch den Omlox-Standard lassen sich unterschiedliche Endgeräte miteinander kombinieren.

    mehr lesen: 5G-Ortungslösung für die Industrie

  • Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Die Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt, aber auch zu einem zunehmendem Software-Entwicklungsstau geführt, so eine Studie von Mendix. Ein Low-Code-Ansatz kann helfen den damit einhergehenden Problemen zu begegnen.

    mehr lesen: Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

  • Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Seit 2006 ist Ralf W. Dieter Vorstandsvorsitzender der Dürr AG. Zum Jahresende wird er sein Amt zur Verfügung stellen. Seine Nachfolge tritt Jochen Weyrauch an.

    mehr lesen: Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter