TrendAI-Experten über Verantwortung und Guardrails

0:000:00

Richard Werner, Cybersecurity Platform Lead Europe bei TrendAI
Richard Werner, Cybersecurity Platform Lead Europe bei TrendAI – Bild: Trend Micro Deutschland GmbH

OpenAI hat Details zum Sicherheitsvorfall bestätigt, den das Unternehmen in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit Hugging Face gemeldet hatte: Demnach nutzte das Modell GPT-5.6 Sol sowie ein noch unveröffentlichtes, leistungsfähigeres Modell im Rahmen eines internen Tests zur Bewertung von Cyber-Fähigkeiten eine Zero-Day-Schwachstelle sowie erbeutete Zugangsdaten, um aus der eigenen Sandbox auszubrechen und direkt auf die Produktivsysteme von Hugging Face zuzugreifen – mit dem Ziel, dort die Lösungen des Benchmarks abzugreifen. Zwei Security-Experten von TrendAI, dem Enterprise-Geschäftsbereich vom Trend Micro, ordnen den Vorfall ein.

Richard Werner, Cybersecurity Platform Lead Europe bei TrendAI, sagt zur Frage der Verantwortung: „Das Narrativ der ‚eigenmächtig handelnden KI‘ ist effizient darin, Verantwortung abzuwälzen. Was tatsächlich passiert ist: OpenAI hat einen Agenten gebaut, der zu autonomen Cyber-Operationen fähig ist, ihn in einer vermeintlich kontrollierten Umgebung getestet und diese Eindämmung ist gescheitert. Der Agent ist ausgebrochen, hat Zugangsdaten gestohlen, eine unbekannte Schwachstelle gefunden und ist in die Systeme von Hugging Face eingedrungen. Niemand hat ihm befohlen, gezielt Hugging Face anzugreifen, aber darum geht es nicht! OpenAI hat sich entschieden, diese Fähigkeit zu bauen, hat die Testbedingungen festgelegt, hat das Sandboxing definiert, das letztlich nicht gehalten hat.“ Von ‚beispiellos‘ und ‚eigenmächtigem Handeln‘ zu sprechen, beschreibe den Mechanismus, nicht die Verantwortung, so Werner. Er kommentiert weiter: „Es ist so, als würden Sie eine autonome Waffe bauen, diese auf einem vermeintlich sicheren Testgelände erproben, sie außer Kontrolle geraten und jemanden treffen lassen – und der Welt anschließend erklären, ‚die Waffe hat eigenständig gehandelt‘. Technisch korrekt. Trotzdem ist es Ihre Waffe, Ihr Testgelände, Ihr Versagen.“

Udo Schneider, Governance, Risk & Compliance Lead Europe bei TrendAI erläutert, warum Guardrails allein das Problem nicht lösen: „Sagt man einem Agenten, er solle eine Aufgabe ‚auf jede erdenkliche Weise‘ lösen, wird er das wörtlich nehmen. Mit ausreichend Autonomie und Zeit wird er in Infrastruktur vordringen, die er nie hätte berühren sollen: alte Passwörter, verwaiste Zugangsdaten, vergessene API-Keys. Nicht, weil man es ihm gesagt hat, sondern weil er im Streben nach dem vorgegebenen Ziel schlicht alles Verfügbare ausprobiert hat. Sprache öffnet diese Tür standardmäßig.“

Er betont, dass die beiden naheliegenden Lösungsansätze jeweils nur teilweise greifen: „Human-in-the-Loop-Kontrolle funktioniert, skaliert aber nicht für die langlaufenden, komplexen Workflows, in denen genau solche Vorfälle entstehen. Engere Guardrails im Modell oder in den Prompts helfen, garantieren aber nichts: Es handelt sich um probabilistische, keine deterministischen Systeme. Ein Guardrail ist eine starke Wahrscheinlichkeitsannahme, keine Mauer.“

Udo Schneider, Governance, Risk & Compliance Lead Europe bei TrendAI
Udo Schneider, Governance, Risk & Compliance Lead Europe bei TrendAI – Bild: Trend Micro Deutschland GmbH

Schneider zufolge zählen deshalb die unspektakulären, nicht-KI-spezifischen Kontrollen mehr als die KI selbst: Zugriffsfilterung, Kontrolle darüber, was überhaupt als Input beim Modell ankommt, Sandboxes, die tatsächlich halten, und Berechtigungskonzepte nach dem Prinzip der geringsten Rechte (Least-Privilege-Prinzip). Er hebt hervor, dass ein Agent niemals einfach als ‚der Nutzer‘ laufen und dabei sämtliche Zugangsdaten und Berechtigungen erben sollte. „Er sollte als er selbst laufen – beschränkt auf genau das, was die Aufgabe erfordert.“

Nach Ansicht von Trend Micro zeigt der Vorfall erstmals unter realistischen Bedingungen, welche Risiken entstehen können, wenn autonome KI-Agenten mit weitreichenden Systemrechten arbeiten. Nicht ein externer Angreifer, sondern ein interner Benchmark-Test führte zu über 17.000 autonomen Aktionen, der Ausnutzung einer Zero-Day-Schwachstelle und einem Zugriff auf Produktivsysteme. Für Unternehmen, die agentenbasierte KI einsetzen oder dies planen, rückt damit laut dem Cybersecurity-Spezialisten weniger die Leistungsfähigkeit der Modelle als die Absicherung ihrer Einsatzumgebung in den Mittelpunkt.

Den vollständigen Bericht von OpenAI finden Sie hier: openai.com/index/hugging-face-model-evaluation-security-incident



  • Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

    Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

    Die Menge an Daten wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind und welche Hindernisse durch Dark Data entstehen, zeigt eine aktuelle Studie von Splunk.

    mehr lesen: Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

  • Auftragsrückgang schwächt sich ab

    Auftragsrückgang schwächt sich ab

    Die Auftragseingänge im Maschinen- und Anlagenbau sind auch im Juli prozentual zweistellig gesunken, allerdings hat sich der Rückgang im Vergleich zu den Vormonaten abgeschwächt.

    mehr lesen: Auftragsrückgang schwächt sich ab

  • Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Mit einem Anstieg von 0,6 Punkten im Vergleich zum Juli liegt das IAB-Arbeitsmarktbarometer im August weiter auf Erholungskurs. Die Beschäftigungskomponente des Frühindikators sank jedoch leicht.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

  • Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

    Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

    Grundsätzlich stehen Arbeitnehmer der Einführung neuer Technologie am Arbeitsplatz positiv gegenüber. Entsprechende Modernisierungen sehen viele Arbeitstätige unter anderem als Chance, ihre Karriere voranzubringen. Das geht aus einer Studie des Payroll-…

    mehr lesen: Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

  • Allianz kombiniert KI und IoT

    Allianz kombiniert KI und IoT

    Device Insight, Anbieter von IoT- und IIoT-Lösungen, und Sentian, schwedischer Spezialist für industrielle KI, bündeln ihre Expertise, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Produktionsprozesse im Sinne einer Smart Factory zu…

    mehr lesen: Allianz kombiniert KI und IoT

  • Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

    Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

    Gerhard Knoch, bisher Vice President bei Infor, stößt als neuer Geschäftsführer zum PLM-Anbieter Procad.

    mehr lesen: Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

  • Die Sicherheit im Hafen erhöhen

    Die Sicherheit im Hafen erhöhen

    Häfen zählen zu den kritischen Infrastrukturen. Die möglichen Sicherheitsrisiken sind vielfältig, insbesondere in digitalisierten Containerterminal-Prozessen. Ein neues Methoden- und Werkzeugset, entwickelt am Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF, soll die…

    mehr lesen: Die Sicherheit im Hafen erhöhen

  • Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

    Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

    Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass sich Unternehmen vermehrt mit der Digitalisierung beschäftigen. Trend-Technologien sind dabei jedoch weniger entscheidend, so der Software-Anbieter Proalpha. Wichtiger sei es, dass Unternehmen ihre Prozesse…

    mehr lesen: Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

  • Starke Passwörter für starken Schutz

    Starke Passwörter für starken Schutz

    Bei Hackerangriffen sind die Mitarbeiter und ihre schwachen Passwörter nach wie vor Angriffspunkt Nummer Eins. Trotz gelegentlicher Diskussionen unter Fachleuten sind starke Passwörter noch immer die wohl wichtigste und sicherste…

    mehr lesen: Starke Passwörter für starken Schutz

  • SPS 2020 ausschließlich virtuell

    SPS 2020 ausschließlich virtuell

    Aufgrund der durch die Corona-Pandemie maßgeblich veränderten Rahmenbedingungen und den weiterhin bestehenden Reiserestriktionen hat die Mesago Messe Frankfurt entschieden, die SPS 2020 in einem rein virtuellen Format stattfinden zu lassen.

    mehr lesen: SPS 2020 ausschließlich virtuell

  • Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Nach dem durch die Corona-Krise verursachten Einbruch im April, ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im August erneut angestiegen – zum vierten Mal in Folge.

    mehr lesen: Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

  • Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Laut einer Studie von Forrester Research nutzen 80 Prozent der Unternehmen Multi-Cloud-Umgebungen für geschäftskritische Anwendungen. Zudem berichten die befragten Unternehmen fast einstimmig von Vorteilen, die durch die Nutzung von Managed…

    mehr lesen: Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter