Chinas neuer Fünfjahresplan fokussiert Robotik

Wie die International Federation of Robotics berichtet, hat China mit seinem 15. Fünfjahresplan die Robotik in das Zentrum seiner neuen Industriestrategie gestellt. Das Ziel besteht darin, die KI-Forschung auf physische Anwendungen auszurichten und die Robotik dabei als Haupttreiber des Wirtschaftswachstums einzusetzen. Der Robotikverband sieht darin einen weiteren Schritt auf Chinas ambitioniertem Automatisierungspfad: Laut dem IFR-Jahresbericht 2025 verfügt die dortige Fertigungsindustrie bereits heute über einen operativen Bestand von rund 2 Millionen Industrie-Robotern – etwa 4,5-mal mehr als das weltweit an zweiter Stelle rangierende Japan. 54% der jährlich rund um den Globus installierten Industrie-Roboter kommen in China zum Einsatz.

„Der neue Fünfjahresplan der Volksrepublik China dient als wichtigstes Rahmendokument, das die übergeordnete Ausrichtung für alle weiteren staatlichen Maßnahmen vorgibt“, sagt Takayuki Ito, Präsident der International Federation of Robotics. „Tausende untergeordneter, sektoraler und regionaler Pläne müssen nun auf die neuen Ziele abgestimmt werden. Mit diesem Rahmenplan verlagert China seinen Schwerpunkt von der traditionellen industriellen Automatisierung hin zu hochwertiger, intelligenter Robotik, die mit künstlicher Intelligenz kombiniert wird.“

Show vs. Realität

Der Fünfjahresplan sieht den Hauptnutzen von KI in der praktischen Anwendung in Wirtschaft und Industrie. Um seine Kompetenz und globale Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der ‚embodied intelligence‘ zu veranschaulichen, präsentiert China humanoide Roboter, die tanzen oder laufen – etwa beim Humanoiden-Roboter-Halbmarathon in Peking. Die IFR betont jedoch, dass sich die tatsächlichen Fähigkeiten humanoider Roboter trotz dieser beeindruckenden öffentlichen Präsentationen bei inszenierten Veranstaltungen derzeit noch auf Demonstrationsmodelle oder Pilotprojekte in realen Produktionsszenarien beschränken. Zudem weist der Verband darauf hin, dass humanoide Roboter und in ihnen genutzte künstliche Intelligenz nicht unbedingt von denselben Marktteilnehmern entwickelt werden.

Humanoide Roboter vs. Industrieroboter

Mit einem Vergleich mit traditionellen Industrie-Robotern verdeutlicht die IFR Faktoren, die den Einsatz humanoider Roboter einschränken. Kritiker verweisen hier etwa auf den Grundsatz ‚Form folgt Funktion‘: Aus dieser Sicht ist der menschliche Körper für bestimmte Aufgaben nicht gut geeignet. Klassische Industrie-Roboter verfügen im Vergleich zu den Humanoiden in der Regel über weniger Gelenke und sind für eine bestimmte Aufgabe entwickelt. Dies führt zu einfacheren Steuerungskonzepten, die schneller und zuverlässiger arbeiten. Der Robotikverband geht daher davon aus, dass Industrie-Roboter auch weiterhin das Rückgrat von Fertigungsumgebungen bilden werden. Humanoide Roboter bieten nach Ansicht des Verbands einen allgemeineren Ansatz und eignen sich eher für Dienstleistungsaufgaben.

Die breite Markteinführung von universellen humanoiden Helfern in Fabriken oder in Privathaushalten ist der IFR zufolge in naher und mittelfristiger Zukunft nicht zu erwarten. Auch der neue Fünfjahresplan sieht die Kommerzialisierung humanoider Roboter eher gegen Ende des Planzeitraums vor. Eine breite Einführung von KI in der traditionellen Industrie-Robotik wird hingegen in den nächsten fünf bis zehn Jahren erwartet.

Chinas Binnenmarkt-Potenziale

Im chinesischen Binnenmarkt sieht die IFR enormes Potenzial für die Umsetzung des 15. Fünfjahresplans in verschiedenen Branchen – mit wachsenden Marktanteilen einheimischer Hersteller: So stieg der Anteil chinesischer Anbieter an den Installationen von Industrie-Robotern von 30% im Jahr 2020 auf 57% im Jahr 2024. Mit Blick auf die Branchen werden beispielsweise 64% der Industrie-Roboter in der weltweiten Elektronikindustrie in China installiert. Chinesische Hersteller beliefern 59% der heimischen Anwender in dieser Branche. In der Metall- und Maschinenbauindustrie erreichten chinesische Roboterlieferanten sogar einen Inlandsmarktanteil von 85%.

Seiten: 1 2



  • Neuer Deutschlandchef bei HPE

    Neuer Deutschlandchef bei HPE

    Marc Fischer folgt auf Johannes Koch Neuer Deutschlandchef bei HPE Hewlett Packard Enterprise hat Marc Fischer zum Deutschland-Chef ernannt. Sein Vorgänger Johannes Koch übernimmt die Leitung für die Region Zentraleuropa.

    mehr lesen: Neuer Deutschlandchef bei HPE

  • Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich

    Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich

    Erwartungen wieder positiv Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich Die deutsche Autoindustrie ist laut einer Ifo Befragung zuversichtlicher gestimmt als noch zuletzt. So sind auch die Erwartungen erstmals seit fünf Monaten…

    mehr lesen: Geschäftslage der Autoindustrie bessert sich

  • MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent

    MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent

    Positive Entwicklung MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent Mit einem zweistelligen Umsatzplus hat die MPDV-Gruppe das vergangene Geschäftsjahr abgeschlossen.

    mehr lesen: MPDV steigert Umsatz um 16 Prozent

  • Kumavision übernimmt Henrichsen4msd

    Kumavision übernimmt Henrichsen4msd

    Zum Jahreswechsel hat Kumavision Henrichsen4msd übernommen. Die Lösungen des DMS-Spezialisten sollen das eigene Portfolio ergänzen.

    mehr lesen: Kumavision übernimmt Henrichsen4msd

  • Philippine de T’Serclaes wird Chief Sustainability Officer

    Philippine de T’Serclaes wird Chief Sustainability Officer

    Nachhaltigkeitsstrategie Philippine de T’Serclaes wird Chief Sustainability Officer Dassault Systèmes beruft Philippine de T’Serclaes zum Chief Sustainability Officer. Mit diesem Schritt will das Unternehmen seine Nachhaltigkeitsstrategie stärken.

    mehr lesen: Philippine de T’Serclaes wird Chief Sustainability Officer

  • ZEW-Konjunkturerwartungen für Eurozone im Dezember verbessert

    ZEW-Konjunkturerwartungen für Eurozone im Dezember verbessert

    Entspanntere Energiemärkte beflügeln Konjunktur ZEW-Konjunkturerwartungen für Eurozone im Dezember verbessert Im Dezember 2022 haben sich die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone verbessert. Fachleute aus dem Finanzmarkt gehen von einem…

    mehr lesen: ZEW-Konjunkturerwartungen für Eurozone im Dezember verbessert

  • Bechtle beruft CTO

    Bechtle beruft CTO

    Plattformstrategie im C-Level verankert Bechtle beruft CTO Dirk Müller-Niessner (Bild) hat zum 1. Januar 2023 die neu geschaffene Position des CTO besetzt. Damit will das Systemhaus die Verantwortung für seine…

    mehr lesen: Bechtle beruft CTO

  • FlexPro forscht an Industrie 5.0

    FlexPro forscht an Industrie 5.0

    Wissensbasierte Produktionsplanung FlexPro forscht an Industrie 5.0 Im Herbst 2021 ist das Industrie 5.0-Forschungsprojekt FlexPro gestartet. Nun legen die Projektpartner erste Erkenntnisse vor.

    mehr lesen: FlexPro forscht an Industrie 5.0

  • Warum stockt die digitale Transformation

    Warum stockt die digitale Transformation

    In der neuen Expertise des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0 untersuchen die beiden Fraunhofer-Institute IAO und IPA die Gründe, warum die digitale Transformation in Unternehmen oftmals nur langsam vorankommt. Die…

    mehr lesen: Warum stockt die digitale Transformation

  • Dominik Bösl wird zweiter Geschäftsführer von Micropsi Industries

    Dominik Bösl wird zweiter Geschäftsführer von Micropsi Industries

    Dominik Bösl zukünftig als Geschäftsführer, gemeinsam mit Gründer Ronnie Vuine, das Berliner Robotik-Startups Micropsi Industries.

    mehr lesen: Dominik Bösl wird zweiter Geschäftsführer von Micropsi Industries

  • Japan weltweit größter Hersteller von Industrierobotern

    Japan weltweit größter Hersteller von Industrierobotern

    45 Prozent des weltweiten Roboterangebots kommt aus Japan. Wie die International Federation of Robotics mitteilt, wurden im Jahr 2020 136.069 Industrieroboter von dort aus exportiert.

    mehr lesen: Japan weltweit größter Hersteller von Industrierobotern

  • Intel investiert in europäische Chip-Fertigung

    Intel investiert in europäische Chip-Fertigung

    Intel investiert 17 Mrd.€ in zwei neue Halbleiterfabriken in Magdeburg. Insgesamt sollen der in den nächsten zehn Jahren bis zu 80Mrd.€ in die europäische Chip-Herstellung fließen.

    mehr lesen: Intel investiert in europäische Chip-Fertigung