Auf den Spuren eines rückläufigen Industrie 4.0-Fortschritts

Future evolution change of human resources employee work labor r
Bild: ©Chan2545/ stock.adobe.com

Wie entwickelte sich die Industrie 4.0 (I4.0) am Produktionsstandort Deutschland in den vergangenen Jahren? Welche Unternehmen konnten digitale Fortschritte erzielen und wo gibt es Nachholbedarf? Ein aktuelle Veröffentlichung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschnung ISI bietet für Industrie, Politik und Öffentlichkeit einen Blick auf die Entwicklung der Industrie 4.0 in Deutschland seit 2015. Dafür werden auf Basis der Erhebung Modernisierung der Produktion die Ergebnisse von 2015, 2018 und 2022 analysiert und mithilfe des neuen ISI-Industriepanels, das diese drei Erhebungswellen miteinander verknüpft, Schlussfolgerungen gezogen. Dabei zeigt das Industriepanel ein eher verhaltenes Digital-Wachstum des letzten Jahrzehnts auf.

Die Beteiligten bieten einen Einblick in die Entwicklung der I4.0-Readiness Deutschlands. Dafür haben sie auf Basis der Erhebung Modernisierung der Produktion die Ergebnisse von 2015, 2018 und 2022 analysiert und mithilfe des neuen ISI-Industriepanels, das diese drei Erhebungswellen miteinander verknüpft, Schlussfolgerungen gezogen. Dabei zeigt das Industriepanel ein eher verhaltenes Digital-Wachstum des letzten Jahrzehnts auf.

Digitalen Kluft zwischen KMU und großen Betrieben schmolz bis 2018

Zunächst hatten sich die vormals weniger digitalisierten Betriebe und Branchen überdurchschnittlich verbessert. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) hatten von 2015 bis 2018 große Fortschritte hinsichtlich der Digitalisierung gemacht und gegenüber größeren Betrieben deutlich aufholen können. Mit Hilfe des I4.0-Readiness Index des Fraunhofer ISI, der auf sieben digitalen Produktionstechnologien und deren Einteilung in drei separate Technologiefeder basiert, zeigt sich aber, dass dieser Trend in den letzten Jahren nicht beibehalten werden konnte. Als prozentualer Anstieg tritt der Unterschied der beiden jeweiligen Indexwerte zum Ausgangswert 2015 noch deutlicher hervor: Das Wachstum der KMU hatte 2018 zunächst bei 12 Prozent im Vergleich zum Ausgangsjahr 2015 gelegen. Seither ist deren digitaler Fortschritt jedoch deutlich rückläufig und lag zuletzt lediglich bei 5 Prozent.

„Die Aufhebung der digitalen Kluft zwischen den KMU und den großen Betrieben konnte sich nicht fortsetzen“, so Dr. Christian Lerch, Leiter des Geschäftsfelds Industrieller Wandel und neue Geschäftsmodelle. Er erläutert: „Während sich der Abstand zu den großen Unternehmen bis 2018 verringerte und sie einen Anschluss an die Führungsgruppe gefunden hatte, verlangsamte sich das Tempo dieser technologischen Entwicklung jedoch deutlich. 2022 waren es dann insbesondere große Betriebe, die verstärkt auf einen Ausbau ihrer digitalen Produktion setzten.“

Stagnation und Trendwende durch Corona

Diese Stagnation führt das Team des Competence Centers Innovations- und Wissensökonomie auf die Covid-19-Krise mit ihren Lockdowns und einhergehenden Produktionseinschränkungen ab dem Frühjahr 2020 zurück. Aufgrund schwächerer Umsätze zeigten sich gerade KMU weniger investitionsfreudig, was wiederum einen geringeren Modernisierungsgrad des Produktionsequipments zur Folge hatte. Großunternehmen konnten aufgrund ihrer besseren Ressourcenausstattung die Folgen der Lockdowns besser überwinden und der Digitalisierung auch während der Krise eine höhere Aufmerksamkeit schenken.

Laut der neuen Panelanalysen des Fraunhofer ISI ist der Rückgang der Dynamik auch darin begründet, dass ein relevanter Anteil an KMU nicht nur keinen Fortschritt in ihrer I4.0-Readiness realisierte, sondern vielmehr zwischen 2018 und 2022 deutliche Rückschritte in der digitalen Ausstattung zu verzeichnen hat. Damit weisen die Analysen auf eine Besonderheit von Digitalisierung in der Produktion hin: „Mehr als klassische analoge Technologien erfordern digitale Lösungen auch nach ihrer Implementierung kontinuierliche Anpassungen, gezielte Maßnahmen und Investitionen. Diese waren von KMU nicht immer zu leisten.“, so Christian Lerch.

Weitere Erkenntnisse auf Basis der Indexwerte etwa mit Blick auf die Branchen des Verarbeitenden Gewerbes sowie eine detaillierte Erläuterung der einzelnen Elemente und Einstufungen des I4.0-Readiness-Index bietet die Publikation ‚(r)Evolution 4.0: auf den Spuren des rückläufigen I4.0-Fortschrtts‘, Nr. 82 der Mitteilungen aus der ISI-Erhebung Modernisierung der Produktion.

Seit 1993 führt das Fraunhofer ISI regelmäßig die Erhebungen zur Modernisierung der Produktion durch. Die Erhebung erfasst aller drei Jahre eine repräsentative Stichprobe in der Größenordnung von 1.600 Betrieben des gesamten Verarbeitenden Gewerbes. Mit ihrer umfassenden und faktenbasierten Konzeption erlaubt die Umfrage detaillierte Analysen zur Modernität und Leistungskraft der Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes.



  • Die Sicherheit im Hafen erhöhen

    Die Sicherheit im Hafen erhöhen

    Häfen zählen zu den kritischen Infrastrukturen. Die möglichen Sicherheitsrisiken sind vielfältig, insbesondere in digitalisierten Containerterminal-Prozessen. Ein neues Methoden- und Werkzeugset, entwickelt am Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF, soll die…

    mehr lesen: Die Sicherheit im Hafen erhöhen

  • Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

    Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

    Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass sich Unternehmen vermehrt mit der Digitalisierung beschäftigen. Trend-Technologien sind dabei jedoch weniger entscheidend, so der Software-Anbieter Proalpha. Wichtiger sei es, dass Unternehmen ihre Prozesse…

    mehr lesen: Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

  • Starke Passwörter für starken Schutz

    Starke Passwörter für starken Schutz

    Bei Hackerangriffen sind die Mitarbeiter und ihre schwachen Passwörter nach wie vor Angriffspunkt Nummer Eins. Trotz gelegentlicher Diskussionen unter Fachleuten sind starke Passwörter noch immer die wohl wichtigste und sicherste…

    mehr lesen: Starke Passwörter für starken Schutz

  • SPS 2020 ausschließlich virtuell

    SPS 2020 ausschließlich virtuell

    Aufgrund der durch die Corona-Pandemie maßgeblich veränderten Rahmenbedingungen und den weiterhin bestehenden Reiserestriktionen hat die Mesago Messe Frankfurt entschieden, die SPS 2020 in einem rein virtuellen Format stattfinden zu lassen.

    mehr lesen: SPS 2020 ausschließlich virtuell

  • Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Nach dem durch die Corona-Krise verursachten Einbruch im April, ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im August erneut angestiegen – zum vierten Mal in Folge.

    mehr lesen: Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

  • Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Laut einer Studie von Forrester Research nutzen 80 Prozent der Unternehmen Multi-Cloud-Umgebungen für geschäftskritische Anwendungen. Zudem berichten die befragten Unternehmen fast einstimmig von Vorteilen, die durch die Nutzung von Managed…

    mehr lesen: Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

  • Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

    Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

    Wie aus einer Studie von KPMG hervorgeht, ist in den vergangenen zwei Jahren etwa ein Drittel der Unternehme Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden. Dabei kommen die Täter nicht nur von außen.

    mehr lesen: Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

  • Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

    Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

    Als neues Tochterunternehmen wird die Ensico GmbH zukünftig zu Forcam gehören. Das Unternehmen bietet u.a. das Produktionsleitsystem ‘E-MES‘ an.

    mehr lesen: Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

  • Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

    Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

    Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer haben im ersten Quartal ein Exportminus von 22,9 Prozent verzeichnet. Im Juni fiel das Minus dabei jedoch weniger stark aus.

    mehr lesen: Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

  • Produktivität und Flexibilität verbinden

    Produktivität und Flexibilität verbinden

    Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt ein Forschungsteam gemeinsam mit Industriepartnern ein neuartiges Produktionsplanungssystem, das die hohe Produktivität und Genauigkeit von Spezialmaschinen mit der Flexibilität von Industrierobotern kombinieren soll.

    mehr lesen: Produktivität und Flexibilität verbinden

  • Hacken mit legitimen Tools

    Hacken mit legitimen Tools

    Sind Cyberattacken einmal in das Unternehmensnetzwerk eingedrungen, nutzen Hacker oftmals auch legitime Tools für weitere Aktivitäten, was die Angriffserkennung erschwert. Dies hat eine Analyse von Kaspersky ergeben.

    mehr lesen: Hacken mit legitimen Tools

  • Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Mit der Übernahme von S&WISE erweitert Altair sein Simulationsangebot um eine Polyurethanschaum-Simulationslösung.

    mehr lesen: Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE