Kriminelle setzen auf neue Ransomware ’Marke Eigenbau’

Computer Hacked System Error Virus Cyber attack Malware Concept. Danger Symbol. 3d rendering
Bild: ©Sashkin/stock.adobe.com

Sophos hat den Report ‘Junk Gun-Ransomware: Peashooters can still pack a punch’ veröffentlicht. Der Titel soll an eine Ära in den USA in den 1960er und 70er-Jahren erinnern, als mit billigen und teils schlecht funktionieren Waffen, später ’Junk Guns’ genannt, der Markt überschwemmt wurde – eine Entwicklung, die Sophos zurzeit in der Cybercrime-Szene beobachtet.

Seit Juni 2023 hat das Sophos-Team X-Ops insgesamt 19 ’Junk Gun’-Ransomware-Varianten ausgemacht. Hinter den selbst produzierten und eher plump aufgebauten Programmen im Darknet stecken eher rudimentär ausgebildete Entwickler, die mit einfachen und günstigen Ransomware-Modellen den etablierten Ransomware-as-a-Service-Markt (RaaS) aufrollen wollen, heißt es in der Pressemeldung.

Anstatt Ransomware als Affiliate-Produkt zu verkaufen oder zu erwerben, wie es im Cybercrimemarkt Standard ist, bauen und verkaufen die Cyberkriminellen primitive Ransomware-Modelle selbst, zu einer einmaligen Gebühr. Für einige Kriminelle ideal, um damit kleine und mittelständische Unternehmen oder Einzelpersonen anzugreifen.

Sättigungsgrad erreicht?

„Seit einem oder zwei Jahren beobachten wir, dass Ransomware einen gewissen Sättigungsgrad erreicht hat. Es ist immer noch eine der gängigsten und ernsthaftesten Bedrohungen für Unternehmen, aber laut unserem aktuellen Active Adversary Report hat sich die Anzahl der Angriffe auf einem bestimmten Level eingependelt und das RaaS-Geschäft als gängiges Betriebsmodell für die meisten Haupt-Ransomware-Gruppen etabliert. Vor zwei Monaten verschwanden einige der größten Ransomware-Player von der Bildfläche und in der Vergangenheit machten einige der Ransomware-Partner ihrem Ärger über die Profit-Orientierung von RaaS Luft. Nichts in der Cybercrimewelt bleibt wie es ist und vielleicht sind wir gerade Zeitzeugen, wie diese billigen Versionen von Ransomware der nächste Evolutionsschritt sind, besonders für Kriminelle mit wenig Kenntnissen, die eher auf den schnellen Profit statt auf einen ruhmreichen Angriff setzen“, sagt Christopher Budd, Director Threat Research bei Sophos, ein.

Eigenbau-Ransomware ist günstiger zu haben

Sophos listet im Report eine dieser Eigenbau-Varianten im Darknet zum Preis von 375 US$ auf, eindeutig günstiger als einige RaaS-Kits für Partner, die mit mehr als 1.000US$ zu Buche schlagen. Laut Analyse haben die Cyberkriminellen bereits vier dieser Varianten in Angriffen eingesetzt. Während die Fähigkeiten der Junk-Gun-Ransomware sich stark von den RaaS-Varianten unterscheiden, punkten sie laut Sophos mit zwei Argumenten: die Schadsoftware braucht zum Laufen wenig oder sogar gar keine unterstützende Infrastruktur und die Nutzer sind nicht verpflichtet, ihren Gewinn mit den Entwicklern zu teilen.

Anzeigen und Tutorials

Junk-Gun-Ransomware-Diskussionen finden hauptsächlich in Englisch-sprachigen Foren im Darknet statt und richten sich an Kriminelle mit wenig technischen Kenntnissen, so Sophos. Dies stehe im Gegensatz zu den oft russischsprachigen Foren, die von bekannten und gut ausgebildeten Angriffsgruppierungen besucht werden. Diese neuen Varianten eröffnen einen reizvollen Weg für kriminelle Novizen, in die Ransomware-Welt zu starten. Neben Anzeigen für die Ransomware-Schnäppchen gibt es Beiträge zu Tipps und Trick und How-to-Tutorials.

Eher geringe Lösegeldforderungen

„Diese Arten von Ransomware werden keine Millionen-Dollar-Lösegelder wie bei Clop oder Lockbit einfordern, aber getreu dem Motto ’Masse statt Klasse’ können sie recht effektiv bei KMUs sein und das Debüt für eine größeren Verbreitung darstellen. Während das Phänomen der Junk-Gun-Ransomware relativ neu ist, erhielten wir bereits Einblicke in den Ehrgeiz der Erfinder, um dieses Ransomware-Modell weiter zu verbreiten. Und wir haben viele Posts von weiteren Kriminellen gesehen, die ihre eigene Ransomware-Variante kreieren wollen“, kommentiert Budd. „Noch beunruhigender ist allerdings, dass diese neue Ransomware-Bedrohung eine ernsthafte Herausforderung für die Verteidigung darstellt: Da Angreifer diese Modelle gegen KMUs einsetzen und die Lösegeldforderungen gering sind, bleiben die meisten Attacken unentdeckt und unveröffentlicht. Das hinterlässt eine Informationslücke für die Verteidiger, die die Sicherheits-Gemeinschaft dann ausfüllen muss.“



  • Fokus Wirtschaftsspionage – Cybersecurity Essentials for Managers

    Fokus Wirtschaftsspionage – Cybersecurity Essentials for Managers

    Modernste Technologien zur Abwehr von Angriffen auf sensible Daten sind wichtige Maßnahmen, aber keine Technologie kann den Faktor Mensch kompensieren. Gut geschulte Führungskräfte in Kombination mit sinnvollen Unternehmensrichtlinien zur Informationssicherheit…

    mehr lesen: Fokus Wirtschaftsspionage – Cybersecurity Essentials for Managers

  • Verfassungsschutz warnt vor Winnti

    Verfassungsschutz warnt vor Winnti

    Der Verfassungsschutz hat kürzlich eine Warnung vor Hackerangriffen der chinesischen Gruppierung Winnti herausgegeben. Bereits Mitte des Jahres sind deutsche Unternehmen Opfer von Angriffen geworden, die Winnti zugeschrieben werden konnten.

    mehr lesen: Verfassungsschutz warnt vor Winnti

  • Hochschule des Bundes bildet Cybersecurity-Experten aus

    Hochschule des Bundes bildet Cybersecurity-Experten aus

    Ein neuer Studiengang an der Hochschule des Bundes richtet sein Augenmerk ab dem nächsten Wintersemester auf die Cybersicherheit.

    mehr lesen: Hochschule des Bundes bildet Cybersecurity-Experten aus

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • MHP Solutions erwirbt Transdata, Panda Products und AZ

    MHP Solutions erwirbt Transdata, Panda Products und AZ

    Mit drei Firmenkäufen stehen die Zeichen bei der MHP Solution Group mit Hauptsitz in Neustadt am Rübenberge bei Hannover weiter auf Wachstum. Die Unternehmen Transdata, Panda Products und AZ erweitern…

    mehr lesen: MHP Solutions erwirbt Transdata, Panda Products und AZ

  • Joint Venture von Porsche, MHP und Munich Re

    Joint Venture von Porsche, MHP und Munich Re

    Die Entwicklung neuer Konzepte, um die Wirtschaftlichkeit kleiner Produktionsvolumen zu verbessern, ist das Ziel eines Joint Ventures von Porsche, MHP und der Munic Re.

    mehr lesen: Joint Venture von Porsche, MHP und Munich Re

  • Jürgen Gut übernimmt alle Anteile an der IT-On.Net Süd

    Jürgen Gut übernimmt alle Anteile an der IT-On.Net Süd

    Die Nachfolge ist geregelt: Jürgen Gut übernimmt alle Geschäftsanteile der IT-On.NET Süd in Hüfingen. Zudem bleiben Karsten Agten und Manfred Haußmann Geschäftsführer der IT-On.Net GmbH.

    mehr lesen: Jürgen Gut übernimmt alle Anteile an der IT-On.Net Süd

  • Stabile Prognose zum Jahresende

    Stabile Prognose zum Jahresende

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer hat sich im Dezember auf seinem Vormonatswert behauptet. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag bei 102 Punkten, was eine weiterhin gute Arbeitsmarktentwicklung signalisiert.

    mehr lesen: Stabile Prognose zum Jahresende

  • Neue Personalchefin bei Microsoft Deutschland

    Neue Personalchefin bei Microsoft Deutschland

    Seit dem 1. Januar ist Claudia Hartwich neue Personalchefin bei Microsoft Deutschland.

    mehr lesen: Neue Personalchefin bei Microsoft Deutschland

  • Neuer IFR-Präsident

    Neuer IFR-Präsident

    Der Robotikverband IFR hat Steven Wyatt, ABB (m.) zum neuen Präsidenten gewählt. Er folgt auf Junji Tsuda, Yaskawa (l.), der seit Dezember 2017 in der Funktion tätig war.

    mehr lesen: Neuer IFR-Präsident

  • Lage im Maschinenbau bleibt angespannt

    Lage im Maschinenbau bleibt angespannt

    Die Umsatzerwartungen sowie die Auslastung im Maschinenbau erreichen im aktuellen Maschinenbau-Barometer der Beratungsgesellschaft PwC einen neuen Tiefststand.

    mehr lesen: Lage im Maschinenbau bleibt angespannt

  • Unterstützung bei Normung und Standardisierung

    Unterstützung bei Normung und Standardisierung

    Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Technologieförderprogramm Wipano bis 2023 verlängert. Zudem gibt es einen neuen Förderschwerpunkt.

    mehr lesen: Unterstützung bei Normung und Standardisierung