Deutschland mit gutem Innovationssystem aber Schwächen in digitaler Infrastruktur

Innovative idea in businessman hand
Bild: ©?natali_mis/stock.adobe.com

Angesichts des deutschen Abschneidens beim diesjährigen Global Innovation Index hat die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), Eva Schewior, zu mehr Dynamik bei der Sicherung der Innovationsfähigkeit in Deutschland aufgerufen. „Der Global Innovation Index bescheinigt Deutschland derzeit noch ein starkes und sehr effektives Innovationssystem“, sagte die DPMA-Präsidentin. „Die Studie zeigt aber auch in aller Deutlichkeit, dass wir Schwierigkeiten bei der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft haben. Wenn wir hier den Anschluss verlieren, wird unsere Innovationsfähigkeit erheblich leiden. Die Folge wäre ein deutlicher Rückgang unseres gesellschaftlichen Wohlstands.“

Den Global Innovation Index 2024 hat die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) nun in Genf vorgestellt. Für die Studie betrachtet die WIPO die Innovationskraft von insgesamt 133 Volkswirtschaften anhand von rund 80 Indikatoren. Im Gesamtranking der Staaten liegt Deutschland auf Rang 9 – und damit einen Rang schlechter als in den vergangenen beiden Jahren. An der Spitze liegt die Schweiz, gefolgt von Schweden und den USA.

Positiv beurteilen die Autoren wie in den vergangenen Jahren unter anderem die Effizienz des deutschen Innovationssystems. Während Deutschland bei den Inputfaktoren in das Innovationssystems auf Rang 13 liegt, belegt es beim Output den 6. Platz. Das Innovationssystem bringt ein besseres Ergebnis hervor, als angesichts der Investitionen zu erwarten wäre, so die Studienautoren; in der Studie zählt es zu den „Overperformern“. Mehrere Indikatoren unterstreichen auch die noch immer vorhandene Exportstärke auf der Basis klassischer großer Technologieunternehmen mit hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Beim Indikator „High-tech manufacturing“ liegt Deutschland weltweit auf Rang 5, bei „Production and export complexity“ auf Rang 4. Auch bei der Zahl der Patentanmeldungen und Patentfamilien liegt Deutschland noch auf den vorderen Plätzen – wenngleich es im Vergleich zum vergangenen Jahr zurückgefallen ist. Gut schneidet Deutschland zudem in mehreren Indikatoren ab, die die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit messen.

Deutschland mit Sieben Top-Technologieregionen

Von den weltweit 100 wichtigsten Wissenschafts- und Technologieclustern befinden sich sieben in Deutschland: München mit dem Top-Anmelder BMW und der Top-Institution TU München als bestplatzierte deutsche Region auf Rang 22; Köln (Henkel, Universität Bonn); Stuttgart (Robert Bosch, Eberhard Karls Universität Tübingen); Frankfurt am Main (Merck Patent, Johannes Gutenberg Universität Mainz), Berlin (Fraunhofer-Gesellschaft, Humboldt Universität Berlin), Heidelberg-Mannheim (BASF, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg), Nürnberg-Erlangen (Siemens, FAU Erlangen-Nürnberg). Hinzu kommt das „Multi Cluster“ Basel, das die WIPO grenzübergreifend definiert (Schweiz, Frankreich, Deutschland). Mithilfe von Geokodierungstechniken werden in den Clustern die geografischen Gebiete mit einer hohen Konzentration von Erfinderinnen und Erfindern und wissenschaftlichen Autorinnen und Autoren ermittelt – gemessen anhand von PCT-Patentanmeldungen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. China platzierte 26 Cluster unter den Top 100, die USA 20 Cluster.

Deutschland schwächelt laut WIPO-Index allerdings unter anderem bei der Umsetzung von Produkten und Geschäftsmodellen in neuen Technologien. Bei der Bewertung herausgehobener Startups, sogenannter Unicorns, liegt die Bundesrepublik nicht unter den Top-Volkswirtschaften und die Ausschüttung des von jungen Unternehmen dringend benötigten Wagniskapitals war laut der Studie zuletzt deutlich rückläufig. Beim Export von Telekommunikations- und Computerdienstleistungen belegt das Land nur den 55. Platz, bei „Mobile App creation“ Rang 48. Auch bei der Einschätzung der Bedingungen für Unternehmensgründungen liegt Deutschland weit hinten. Bei der digitalen Infrastruktur und der Nutzung dieser durch die Bevölkerung rangiert das Deutschland laut der WIPO-Studie weit abgeschlagen. Breitbandinternet und 5G-Mobilfunk verbreiten sich vergleichsweise langsam. Auch bei der Nutzung klimaschonender Energien liegt Deutschland nicht unter den führenden Nationen.

„Deutschland hat auch in den neuen Technologien unglaubliches Potenzial. Dieses Potenzial müssen wir viel stärker in geschützte Innovationen und dann in international gefragte Produkte und Dienstleistungen umsetzen“, sagte DPMA-Präsidentin Schewior.



  • MES-Strategie entwickeln

    MES-Strategie entwickeln

    Ein Workshop von HIR Hoff Industrie Rationalisierung behandelt die mögliche Rolle von Manufacturing-Execution-Systemen in Zeiten der digitalen Transformation.

    mehr lesen: MES-Strategie entwickeln

  • Maschinenbau spürt weitere Auswirkungen der Corona-Krise

    Maschinenbau spürt weitere Auswirkungen der Corona-Krise

    Der Maschinenbau bekommt die Folgen der Corona-Pandemie mit zunehmender Wucht zu spüren. Das geht aus einer zweiten Umfrage des VDMA unter 965 Mitgliedsfirmen hervor.

    mehr lesen: Maschinenbau spürt weitere Auswirkungen der Corona-Krise

  • Beratungsangebote rund ums Homeoffice

    Beratungsangebote rund ums Homeoffice

    Cosmo Consult will in der Corona-Krise mit teils kostenfreie Webinaren, Workshops und Beratungspaketen Fachwissen rund um Microsoft Teams und die digitale Zusammenarbeit im Homeoffice anbieten.

    mehr lesen: Beratungsangebote rund ums Homeoffice

  • Stimmung in der Digitalbranche trübt sich ein

    Stimmung in der Digitalbranche trübt sich ein

    Nach 24,6 Punkten im Februar, ist der Bitkom-Ifo-Digitalindex im März auf 0,6 Punkte zurückgegangen. Dabei sind von den negativen Folgen im Zuge der Corona-Krise vor allem die Industrie und der…

    mehr lesen: Stimmung in der Digitalbranche trübt sich ein

  • Mit OPC UA over TSN zur Losgröße 1

    Mit OPC UA over TSN zur Losgröße 1

    Im Maschinenbau werden immer häufiger modulare Anlagen gefertigt. Deren Zusammenstellung aus Spezialmodulen für verschiedene Teilaufgaben von unterschiedlichen Herstellern scheiterte bisher oft an inkompatiblen Kommunikationsstandards.

    mehr lesen: Mit OPC UA over TSN zur Losgröße 1

  • Automatica in den Dezember verlegt

    Automatica in den Dezember verlegt

    Die Messe München hat sich dazu entschlossen, die Messe Automatica, die vom 16. bis zum 19. Juni stattfinden sollte, in den Dezember zu verschieben.

    mehr lesen: Automatica in den Dezember verlegt

  • Weltmarkt für Maschinen legt 2019 leicht zu

    Weltmarkt für Maschinen legt 2019 leicht zu

    Neue Maschinen und Anlagen waren auch im vergangenen Jahr weltweit gefragt. Allerdings erfolgten die Geschäfte bereits unter erschwerten Bedingungen: Der Wandel in der Automobilindustrie, der Handelskrieg zwischen den USA und…

    mehr lesen: Weltmarkt für Maschinen legt 2019 leicht zu

  • Keine Hannover Messe in 2020

    Keine Hannover Messe in 2020

    Die Hannover Messe kann dieses Jahr nicht stattfinden. Grund ist die zunehmend kritische Lage aufgrund der Covid-19-Pandemie und eine Untersagungsverfügung der Region Hannover.

    mehr lesen: Keine Hannover Messe in 2020

  • Nächste Management-Generation bei Siemens

    Nächste Management-Generation bei Siemens

    Siemens-CEO Joe Kaeser hat den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er keine Verlängerung seines Vertrages anstrebt. Er wird zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens Energy vorgeschlagen.

    mehr lesen: Nächste Management-Generation bei Siemens

  • Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

    Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

    Die Industrie setzt IoT-Lösungen vornehmlich in der Produktion, bei der Zeiterfassung und in der Lagerverwaltung ein. Dies geht aus einer Befragung hervor, die Ende vergangenen Jahres durchgeführt wurde.

    mehr lesen: Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

  • Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

    Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

    Finanzmarktexperten rechnen damit, dass die Corona-Pandemie das globale reale Bruttoinlandsprodukt erheblich belasten wird. Insbesondere die deutsche Wirtschaft wird dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Mit Blick auf einzelne Branchen schwanken die…

    mehr lesen: Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

  • Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

    Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

    Das Coronavirus könnte Deutschlands Wirtschaft Hunderte von Milliarden Euro Produktionsausfälle bescheren, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in die Höhe schießen lassen und den Staatshaushalt erheblich belasten. Das geht aus aktuellen Berechnungen des…

    mehr lesen: Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten