Predictive Maintenance über Systemgrenzen hinweg

Planon Screenshot Wartungsplan
Bild: Planon GmbH

Fertigungsanlagen reagieren sensibel auf Umgebungsbedingungen. Schwankungen bei Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Energieversorgung können Prozesse destabilisieren, Ausschussquoten erhöhen oder Maschinenschäden verursachen. Gleichzeitig beeinflussen Produktionsprozesse die Gebäudetechnik – etwa durch Abwärme, Lastspitzen oder veränderte Betriebszeiten.

Trotz dieser Wechselwirkungen werden Produktions-Assets und gebäudetechnische Systeme organisatorisch wie systemseitig häufig getrennt betrachtet. Maschinen laufen im MES oder in isolierten Instandhaltungslösungen, während HLK-Anlagen, Energieverteilungen oder Sicherheitstechnik in separaten Facility-Systemen geführt werden. Diese Trennung verhindert eine durchgängige Transparenz und limitiert das Potenzial datenbasierter Wartungsstrategien.

Von der isolierten Wartung zur integrierten Plattform

Der Strategiewandel von intervallbasierter oder reaktiver Wartung hin zu zustandsorientierter oder vorausschauender Wartung basiert auf der intelligenten Nutzung von Daten. Sensoren liefern kontinuierlich Informationen über Schwingungen, Temperaturen, Laufzeiten oder Energieverbräuche. Algorithmen erkennen Muster, die auf drohende Ausfälle hindeuten.

Zunehmend kommen dabei auch Verfahren aus der künstlichen Intelligenz zum Einsatz. Machine-Learning-Modelle analysieren große Mengen historischer und aktueller Betriebsdaten, erkennen komplexe Muster und Abhängigkeiten, und errechnen so präzisere Prognosen über den zukünftigen Zustand von Anlagen. Voraussetzung ist eine hohe Datenqualität und eine konsistente, belastbare Datenbasis, die Informationen aus unterschiedlichen technischen Systemen zusammenführt.

Doch der Mehrwert entsteht erst durch die Kontextualisierung der Daten über Systemgrenzen hinweg. Ein Temperaturanstieg kann mechanisch bedingt sein – oder durch eine unzureichende Kühlung im Gebäude. Eine steigende Stromaufnahme kann Verschleiß anzeigen – oder auf eine instabile Energieverteilung hindeuten.

Moderne Plattformlösungen wie Planon IWMS setzen genau hier an. Sie ermöglichen es, Produktionsmaschinen, technische Gebäudeausrüstung und unterstützende Infrastrukturen in einer gemeinsamen Daten- und Prozessarchitektur abzubilden. Anders als klassische CMMS-Systeme, die primär auf einzelne Assets fokussieren, verfolgt Planon einen ganzheitlichen Ansatz in Richtung einer Connected Portfolio Intelligence Platform (CPIP). Dieses, durch den Analysten Verdantix geprägte Konzept beschreibt eine offene Plattformarchitektur, die Daten aus Maschinen, Anlagen, Gebäudetechnik, IoT-Sensorik und Geschäftssystemen portfolioübergreifend zusammenführt. Daraus lassen sich wertvolle und ganzheitliche Erkenntnisse ableiten, die den Betrieb und die Instandhaltung verbessern.

2603 GRA DE AMM
Bild: Planon GmbH

Wie Planon IWMS Predictive Maintenance unterstützt

Für produzierende Unternehmen bedeutet das konkret:

1. Einheitliche Asset-Datenstruktur: Produktionsanlagen, Energieanlagen, HLK-Systeme und weitere technische Assets werden in einem konsistenten Datenmodell erfasst. Abhängigkeiten – etwa zwischen Reinraumtechnik und Fertigungslinie – können strukturell hinterlegt werden.

2. Integration von IIoT- und Fremdsystemdaten: Über offene Schnittstellen lassen sich Sensordaten aus Maschinensteuerungen, Gebäudeleittechnik, ERP- oder MES-Systemen einbinden. Diese Daten werden nicht nur visualisiert, sondern direkt in Wartungslogiken und Workflows überführt.

3. Automatisierte, zustandsbasierte Workflows: Erkannte Anomalien können automatisch Serviceaufträge generieren – inklusive Priorisierung, Eskalationsmechanismen und Ressourcenplanung. Dadurch wird Predictive Maintenance operativ wirksam und bleibt nicht auf Analyseebene stehen; KI-Technologien unterstützen den Prozess.

4. Lebenszyklus- und Kostenperspektive: Planon verbindet technische Zustandsdaten mit wirtschaftlichen Kennzahlen. Wartungshistorien, Ersatzteilverbräuche, Vertragsinformationen und Energiekennzahlen fließen in eine ganzheitliche Bewertung des Assets ein. Das schafft Transparenz über den tatsächlichen Total Cost of Ownership.

5. Mobile Einsatzunterstützung: Servicetechniker greifen mobil auf relevante Asset-Informationen, Wartungshistorien und Checklisten zu. Dokumentation erfolgt direkt im System – revisionssicher und standortübergreifend verfügbar.

Strategischer Nutzen für Produktionsunternehmen

Durch diese Integration entsteht mehr als ein digitales Wartungstool – es entsteht eine Steuerungsplattform für technische Performance.

  • Ungeplante Stillstände werden reduziert, weil systemische Ursachen schneller erkannt werden.
  • Wartungsfenster lassen sich besser mit Produktionsplänen abstimmen.
  • Ressourcen – intern wie extern – werden effizienter disponiert.
  • Standortübergreifende Standards schaffen Vergleichbarkeit und Skalierbarkeit.

Gerade in Unternehmen mit mehreren Werken ermöglicht eine cloudbasierte Plattform wie Planon IWMS die Harmonisierung von Prozessen und KPIs. Neue Standorte können strukturiert eingebunden werden, ohne gewachsene Systemlandschaften weiter zu fragmentieren. Ziel ist es, Komplexität im Betrieb beherrschbar zu machen: Wenn Daten, Prozesse und Assets auf einer Plattform zusammengeführt werden, entsteht aus fragmentierten Informationsquellen eine vernetzte Transparenz über einen oder auch mehrere Standorte hinweg – ein wichtiger Schritt hin zu weniger operativem Chaos und mehr Klarheit in der technischen Betriebsführung.

Perspektive: Vom integrierten Datenmodell zum digitalen Zwilling

Die konsequente Weiterentwicklung dieses Ansatzes ist der digitale Datenzwilling des gesamten Produktionsstandorts. Planon unterstützt diese Entwicklung, indem es Asset-Daten, Betriebszustände und Prozessinformationen in einer konsistenten Struktur zusammenführt. In Verbindung mit KI-gestützten Analysen innerhalb der CPIP-Architektur können diese Daten nicht nur visualisiert, sondern auch prognostisch genutzt werden – etwa um Wartungsbedarfe noch früher zu erkennen, Wechselwirkungen zwischen Infrastruktur und Produktion zu analysieren oder Optimierungspotenziale im Betrieb zu identifizieren. Auf dieser Basis lassen sich Wartungsszenarien simulieren, Investitionen fundierter bewerten und Wechselwirkungen zwischen Produktion und Gebäudeinfrastruktur transparent analysieren. Predictive Maintenance wird damit neben der Digitalisierungs- und Datenstrategie Teil einer umfassenden Performance-, Risiko- und Resilienzstrategie.



  • Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Die Fuji Europe Corparation hat Tower-Factory, einen Anbieter von Lagerlogistiksystemen, übernommen. Kunden von Fuji Europe sollen dadurch Lösungen erhalten, die den gesamten Materialfluss abdecken.

    mehr lesen: Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

  • Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

    Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

    Für die Webinare des TeDo Verlags, die im Rahmen des Herbstes der Innovationen durchgeführt werden, haben sich bereits weit über 1.200 Teilnehmer angemeldet. Das SPS-Magazin, die IT&Production, die Robotik und…

    mehr lesen: Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

  • Neuer VDMA-Präsident gewählt

    Neuer VDMA-Präsident gewählt

    Der VDMA hat mit Karl Haeusgen einen neuen Präsidenten. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde der Vorstandsvorsitzende von Hawe Hydraulik als Nachfolger von Carl Martin Welcker bestimmt. Auch der Verband VDMA…

    mehr lesen: Neuer VDMA-Präsident gewählt

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

    Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

    Maindays 2020 Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel Unter dem Motto ‘Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel‘ findet die 21. Jahrestagung MainDays vom 24. bis zum 25. November in Potsdam…

    mehr lesen: Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

  • Kurzarbeit geht weiter zurück

    Kurzarbeit geht weiter zurück

    Im September ist die Zahl der Beschäftigten, die in Kurzarbeit sind, weiter zurückgegangen. Das Ifo-Institut schätzt die Zahl der Kurzarbeiter aktuell auf 3,7 Millionen Menschen.

    mehr lesen: Kurzarbeit geht weiter zurück

  • Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

    Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

    Das Fraunhofer IPT und die Firma German Edge Cloud arbeiten gerade an der Fraunhofer Edge Cloud, die bald 20 Fraunhofer-Institute vernetzen soll. Die offene Foschungsplattform und Testumgebung hilft später im…

    mehr lesen: Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

  • CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

    CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

    Bosch erweitert das noch junge Automatisierungssystem CtrlX um Komponenten und Services. Vor allem aber lädt die Unternehmensgruppe Third-Party-Anbieter dazu ein, sich mit eigenen Anwendungen auf der Plattform zu engagieren.

    mehr lesen: CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

  • Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit ihrer Plattform Indigo will sich das Münchener Startup Emocean auf dem Markt für Analytics-Projekte positionieren. Das Besondere: Die Lösung soll Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren und so etwa den unmittelbaren…

    mehr lesen: Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

  • Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus ein reales Orderminus von 14 Prozent verzeichnet. Das ist seit Beginn der Corona-Krise der geringste Rückgang auf Monatsbasis.

    mehr lesen: Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

  • Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler übernimmt ab November die Leitung des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland und wird damit zugleich zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen.

    mehr lesen: Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

  • Abgelenkt und trotzdem produktiver

    Abgelenkt und trotzdem produktiver

    Chefs glauben: Ein Drittel der Angestellten ist im Home-Office mit Tätigkeiten wie Wäsche waschen beschäftigt. Dennoch ist das Ansehen von Remote-Work bei Managern sogar gestiegen, ergab jetzt eine Umfrage von…

    mehr lesen: Abgelenkt und trotzdem produktiver