Leitfaden zur Migration auf SAP EWM MFS

image 40
Bild: ©thanapun/stock.adobe.com

Um als Produktionsunternehmen praxisgerecht zu beantworten, was bei der Implementierung von SAP EWM zu beachten ist, müssen sie sich über die Ausgangsposition im Klaren sein. Das schließt vor allem den Blick auf die einzelnen Softwareebenen ein, die das Lager bislang kennzeichnen. Als Veranschaulichung dient folgende Skizze.

Ebene 1 – Das Scada-System bringt Transparenz in die Anlage.

Ebene 2 – Die Materialflusssteuerung (MFS) steuert den Weg eines Ladungsträgers – etwa Behälter oder Paletten – vom Quell- bis zum Zielplatz.

Ebene 3 – Die Stellplatzverwaltung (SV) speichert, welcher Ladungsträger sich aktuell wo befindet.

Ebene 4 – Die Bestandsverwaltung (BV) erfasst, welches Material in welcher Qualität auf den Ladungsträgern ist.

Lagersteuerungsmodelle

Wie die Softwarefunktionen der Ebenen 1 bis 4 realisiert sind, kann sehr unterschiedlich sein. Dabei sind einige prototypische Modelle zu unterscheiden:

image 40
Bild: Artschwager und Kohl Software GmbH

Modell A – Die BV, SV und die MFS sind mit der AS in der SPS A1 realisiert.

Modell B – Die BV ist in einer Software B1 auf dem Server angesiedelt. Den Rest übernimmt die Software B2 in einer SPS.

Modell C – Hier verwaltet eine Software C1 die Bestände und die Stellplätze auf einem Server. MFS und AS sind als Software C2 in der SPS realisiert.

Modell D – Die Software D1 auf dem Server ist für die BV, SV und MFS zuständig. In der SPS läuft nur die AS.

Modell E – Das neue SAP EWM System E1 läuft auf dem Server und kommuniziert mit der AS in der SPS E2.

Je nach der Art des zu ersetzenden Ausgangsmodells (A bis D) unterscheiden sich die erforderlichen Anpassungen in ihrem Aufwand auf dem Weg zum Zielmodell E.

Welche Details sind wichtig?

Bei der praktischen Umsetzung stehen fünf Problemkomplexe im Vordergrund, bei denen einige Best Practices Orientierung bieten können:

Wie kann die Software zuverlässig angepasst werden? Grundlage dafür ist eine gut dokumentierte Steuerungssoftware, sowie vollständig und fehlerfrei dokumentierte Prozesse und Schnittstellen zwischen den Steuerungen und überlagerten Systemen. Dies ist bei den meisten Lagern eher nicht gegeben. Es muss die Steuerungssoftware sowie die Kommunikation zwischen allen Systemen reengineered und vollständig dokumentiert werden.

Wie muss die künftige Schnittstelle zwischen SAP EWM und den SPSen aussehen? Dies ist abhängig vom vorhandenen Modell A bis D. Die neue Schnittstelle muss basierend auf den Ergebnisses des Re-Engineerings designt werden. Der benötigte Aufwand sinkt von Model A bis D.

Wie kann später die Instandhaltung erkennen, warum ein Ladungsträger nicht weiter fährt? Die Ursache kann an SAP EWM oder an der Fördertechnik liegen. Um das leichter erkennbar zu machen, lassen sich verschiedenfarbige Symbolen bei den Dialogpunkten im Scada-Systemvergeben. Ein solcher Dialogpunkt ist etwa ein Verzweigungspunkt an der Fördertechnik. Die Fördertechnik sendet ein Telegramm zur Zielanfrage an SAP EWM, das SAP-Symbol wird blau dargestellt. Bei eingehender Antwort wird das SAP-Symbol grün. Kommt keine Antwort in der festgelegten Zeit, sollte das SAP-Symbol rot werden.

Wie sieht die Schnittstellendiagnose zwischen den SPSen und SAP aus? Eine Reaktionszeitmessung muss den Telegrammaustausch mit dem SAP-System überwachen. Bei Störungen soll das Scada-System eine Meldung ausgeben. Es ist hilfreich, wenn es mindestens die letzten 20 Telegramme chronologisch auflistet. Für die spätere Aufarbeitung von Störungen ist zudem die Einrichtung eines Loggers sinnvoll, der alle ausgetauschten Telegramme zwischen den Steuerungen und der SAP-Software für mindestens vier Wochen aufzeichnet.

Wie sollten Bedienoberflächen gestaltet sein? Das Scada-System muss auf jeden Fall angepasst oder sogar vollständig neu erstellt werden. Es ist darauf zu achen, dass ein neu eingeführtes Scada-System von Grund auf in einem Webbrowser abläuft. Dies reduziert im Regelfall den Installations- und Pflegeaufwand und somit die Kosten.

Zeitrahmen für die Umsetzung

Je nach Anlagenmodell A bis D kann der Zeitplan für die Migrationsdurchführung etwa folgendermaßen aussehen:

Vorbereitungsphase – Pflichtenheft und Reengineering dauern 2 Monate,

Durchführungsphase – Engineering und Inhouse-Tests brauchen 3 bis 4 Monate,

Integrationsphase – die Integrationstests mit SAP Testsystem nehmen 1 bis 2 Monate Zeit in Anspruch,

finale Phase – Go-live und Hypercare dauern einen weiten Monat.

Erfahrungsgemäß dauern solche Projekte also 6 bis 9 Monate.

Geeignete Dienstleister

Bei der Wahl eines Dienstleisters sollten Produktionsunternehmen darauf achten, einen mit viel Erfahrung in den Bereichen Softwarearchitektur und -entwicklung sowie SPS-SAP-basierter Kommunikation auszuwählen. Stellt er qualifiziertes Personal für ein Brownfield-Projekt bereit, das deutlich komplexer als ein Greenfield-Projekt ist? Unternehmen sollten sich Referenzen geben lassen und mit deren Projektleitern sprechen. Produzenten sollten keine Abstriche bei der Robustheit des späteren Anlagenbetriebs und der Echtzeit-Diagnose der SAP-Schnittstelle machen. Denn eine bestehende Anlage so umzubauen, dass sie zuverlässig und robust mit SAP EWM MFS zusammenarbeitet, ist keine Kleinigkeit. Wenn dabei die Hardware modernisiert und die Software vollständig neu erstellt werden soll, ist das schon mehr als Retrofit denn als reine Migration nach SAP EWM zu begreifen. Dann müssen Unternehmen das Projekt ganz anders angehen.

Autor: Jürgen Kohl, Geschäftsführer, Artschwager und Kohl Software GmbH



  • Arbeitsagenturen sehen zunehmende Bedeutung von Transformationsproblemen

    Arbeitsagenturen sehen zunehmende Bedeutung von Transformationsproblemen

    Der deutsche Arbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck. Das zeigt eine Befragung der Arbeitsagenturen, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Studie nun ausgewertet hat.

    mehr lesen: Arbeitsagenturen sehen zunehmende Bedeutung von Transformationsproblemen

  • Automatica auf Wachstumskurs

    Automatica auf Wachstumskurs

    Die Vorbereitungen für die nächste Automatica laufen. Vom 24. bis 27. Juni 2025 bringt die Messe in sechs Hallen Industrie und Forschung zusammen und bietet einen Überblick zu aktuellen Themen…

    mehr lesen: Automatica auf Wachstumskurs

  • Cyberkriminelle nutzen Microsoft Teams als Einfallstor

    Cyberkriminelle nutzen Microsoft Teams als Einfallstor

    Die Cybersecurity-Experten von Sophos X-Ops haben eine aktive Bedrohungskampagne näher untersucht, bei der zwei verschiedene Gruppen von Bedrohungsakteuren Unternehmen infiltrieren, indem sie die Funktionalität der Office-365-Plattform missbrauchen und anschließend versuchen,…

    mehr lesen: Cyberkriminelle nutzen Microsoft Teams als Einfallstor

  • Xitaso ernennt Dr. Andreas Angerer zum Geschäftsführer und CTO

    Xitaso ernennt Dr. Andreas Angerer zum Geschäftsführer und CTO

    Der Software Engineering-Dienstleister Xitaso hat Dr. Andreas Angerer (Bild) zum Geschäftsführer und Chief Technology Officer (CTO) ernannt.

    mehr lesen: Xitaso ernennt Dr. Andreas Angerer zum Geschäftsführer und CTO

  • Cumulocity schließt Management-Buyout ab

    Cumulocity schließt Management-Buyout ab

    Cumulocity hat nun offiziell den Verkauf durch die Software AG an das Management-Team des IIoT-Spezialisten bekanntgegeben.

    mehr lesen: Cumulocity schließt Management-Buyout ab

  • Motek und Bondexpo: drei statt vier Messetage

    Motek und Bondexpo: drei statt vier Messetage

    Die 43. Motek, internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung, findet zusammen mit der 18. Bondexpo, internationale Fachmesse für Klebtechnologie, vom 7.bis 9. Oktober 2025 in Stuttgart statt. Wie der Messeveranstalter…

    mehr lesen: Motek und Bondexpo: drei statt vier Messetage

  • Trends und Themen im Maschinen- und Anlagenbau

    Trends und Themen im Maschinen- und Anlagenbau

    Der Maschinen- und Anlagenbau steht vor Herausforderungen, die gleichzeitig Chancen zur Neuausrichtung von Prozessen, Geschäftsmodellen und Strukturen bieten.

    mehr lesen: Trends und Themen im Maschinen- und Anlagenbau

  • RoX – ein digitales Ökosystem für KI-basierte Robotik

    RoX – ein digitales Ökosystem für KI-basierte Robotik

    Das Verbundprojekt RoX widmet sich dem Aufbau eines digitalen Ökosystems, das den Einsatz neuer KI-basierter robotischer Systeme in praxisrelevanten Anwendungen und Branchen ermöglichen soll.

    mehr lesen: RoX – ein digitales Ökosystem für KI-basierte Robotik

  • Wie unstrukturierte Daten und KI Storage-Infrastrukturen verändert

    Wie unstrukturierte Daten und KI Storage-Infrastrukturen verändert

    Die Menge unstrukturierter Daten nimmt zu, auch weil sie als Grundlage für Applikationen mit künstlicher Intelligenz benötigt werden.

    mehr lesen: Wie unstrukturierte Daten und KI Storage-Infrastrukturen verändert

  • KI für Ergonomie am Arbeitsplatz

    KI für Ergonomie am Arbeitsplatz

    Homeoffice, flexible Arbeitsplätze und -orte sowie Videokonferenzen – in den letzten Jahren hat die Veränderung der Arbeitswelt ordentlich an Fahrt aufgenommen.

    mehr lesen: KI für Ergonomie am Arbeitsplatz

  • Absolute IT-Sicherheit ist eine Illusion, die wir nicht brauchen

    Absolute IT-Sicherheit ist eine Illusion, die wir nicht brauchen

    Der Satz „Eine hundertprozentige IT-Sicherheit gibt es nicht“ ist vielen bekannt. Doch die Frage ist: Was folgt daraus? Das erklärt Christian Koch (Bild), Senior Vice President Cybersecurity, Innovations & Business…

    mehr lesen: Absolute IT-Sicherheit ist eine Illusion, die wir nicht brauchen

  • ZVEI kommentiert die Exportbeschränkungen der Biden-Regierung auf KI-Chips

    ZVEI kommentiert die Exportbeschränkungen der Biden-Regierung auf KI-Chips

    Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, fordert die EU-Kommission und die kommende Bundesregierung zum Handeln auf und kommentiert die heute bekanntgewordenen Exportbeschränkungen der US-Regierung auf KI-Chips wie folgt:“Die heute verkündeten Exportbeschränkungen…

    mehr lesen: ZVEI kommentiert die Exportbeschränkungen der Biden-Regierung auf KI-Chips