Qualitätsmanagement und Hana-Migration parallel

Digitale Lösungen für die Qualitätssicherung, Werkerführung und einfache Dokumentation eingebettet in der existierenden SAP-Umgebung.
Digitale Lösungen für die Qualitätssicherung, Werkerführung und einfache Dokumentation eingebettet in der existierenden SAP-Umgebung. – Bild: Quality Miners GmbH

Beim Umstieg aus SAP S4/Hana sind vor allem drei Ansätze etabliert: Greenfield (Neuimplementierung), Brownfield, (technische Konvertierung des Systems), und Hybrid (Selective Data Transition), eine Kombination aus beiden. Während Greenfield die komplette Modernisierung ermöglicht, erfordert das hohen Aufwand. Brownfield ist schneller, birgt aber das Risiko, Altlasten zu übernehmen. Hybride Ansätze bieten einen Mittelweg, benötigen jedoch eine präzise Planung. Viele Firmen zögern mit dem Umstieg, da hohe Kosten, Risiken und Produktionsausfälle drohen. SAP verlängerte die Wartung für ECC auch deswegen bis 2027/2030. Doch das Supportende rückt näher, was Unternehmen zum Handeln zwingt. Trotz aller Hürden versprechen sich viele vom Umstieg Vorteile. An erster Stelle steht die Modernisierung der IT-Landschaft und funktionale Verbesserungen. Im selben Zug bietet die Migration Chancen zur Harmonisierung und Standardisierung der Abläufe – teils über Jahrzehnte angepasste Prozesse können auf den SAP-Standard zurückgeführt werden. Zuletzt versprechen sich Unternehmen mehr Agilität und Innovation. Mit dem neuen ERP-System und Cloud-Integrationen wollen sie schneller auf Marktänderungen reagieren, neue Geschäftsmodelle unterstützen und Technologien wie KI (z.B. SAP Joule) oder IIoT besser nutzen.

Das Qualitätsmanagement

Die Forderung nach der Abschaffung papierbasierter Checklisten in der Qualitätssicherung und dem Einsatz von Echtzeit-Daten und vernetzten Workflows ist oft gerechtfertigt. Digitale Anwendungen ermöglichen papierloses Arbeiten und ersetzen Handarbeit. Werker erfassen Prüfungen per Tablet, die Daten stehen sofort zur Auswertung bereit. Dies ermöglicht ein proaktives Eingreifen – Qualitätsabweichungen werden rechtzeitig erkannt. Die digitale Datenerfassung verbessert Rückverfolgbarkeit, Normerfüllung, verkürzt Reaktionszeiten und fördert eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung. Eine Lösung wäre der Einsatz von MES- und CAQ-Software – Abhängigkeiten von der SAP-Migration erschweren jedoch die Anbindung dieser Systeme. Übergangslösungen oder Eigenentwicklungen bieten kurzfristige Abhilfe, verhindern oft aber eine durchgängige Integration.

Cloud-Technologien für dezentrale QS

Unternehmen setzen zunehmend auf Cloud-Software, um das Qualitätsmanagement standortübergreifend und in Echtzeit zu steuern. Zentral verwaltete Prüfpläne, Werkerführung und digitale QS ersetzen lokal installierte Systeme. Browserbasierte, mobile Apps ermöglichen die Datenerfassung im Shopfloor, Wareneingang oder Labor, während Verantwortliche aktuelle Qualitätsdaten abrufen können. Digitale Shopfloor-Initiativen sind allerdings keine isolierten IT-Projekte, sondern sollten mit der Strategie des Unternehmens verknüpft sein, was auch das ERP-System betrifft. Ein hybrider Ansatz mit Subsystem bringt beides zusammen.

Strategie mit Subsystem

In der Regel ersetzen Hana-Installationen existierende SAP-Systeme. In diesem Kontext ein spezialisierte QM-Subsystem einzuführen heißt, verstärkt auf die Kompatibilität aufpassen zu müssen. Dafür kann das QS-System etwa die standardisierten Integrationspunkte von SAP nutzen und SAP-Objekte wie Prüflose, Prüfarten oder Qualitätsmeldungen nachbilden, anstatt proprietäre Datenstrukturen zu verwenden. Dadurch sollten SAP-Software und Subsystem synchron bleiben und Qualitätsdaten bidirektional fließen. So entstehen nach der Hana-Migration keine Dateninkonsistenzen und das QM-Subsystem kann unterbrechungsfrei genutzt wird. Möglicherweise merkt der Anwender gar nicht, ob im Hintergrund ECC oder S/4 installiert ist. Mit dieser Methode nutzen Hersteller eine unterbrechungsfreie Qualitätssicherung, unabhängig vom Fortschritt der Hana-Migration. Die temporäre Anbindung sowohl an beide Versionsstände ermöglicht es zudem, potenzielle Probleme früh im Testbetrieb zu identifizieren und zu beheben.

Zweigleisig ins Ziel fahren

Zusammengefasst ermöglicht die hybride Strategie mit einem Subsystem eine zweigleisige Vorgehensweise. Für viele Industrieunternehmen hat sich die hybride Strategie als passende Methode erwiesen, um sowohl die S/4Hana-Migration zu bewältigen als auch die Qualitätsprozesse im Shopfloor zu optimieren. Anstatt den Big Bang anzustreben, also die Migration zu vollenden und gleichzeitig ein CAQ-System einzuführen, wird mit einem parallelen QM-Subsystem die Komplexität heruntergebrochen und Risiken verteilt. Weil ein elementarer Teil der Funktionalität bereits ausgelagert ist, reduziert diese Strategie das Risiko von Betriebsunterbrechungen während der ERP-Umstellung und erlaubt Verbesserungen in der Qualitätssicherung, selbst wenn die Hana-Migration noch läuft.



  • Bechtle ernennt Marijke Kasius zur Vice President

    Bechtle ernennt Marijke Kasius zur Vice President

    Neue Position in den Niederlanden Bechtle ernennt Marijke Kasius zur Vice President Das IT-Systemhaus Bechtle verändert die Führungsstruktur und beruft Marijke Kasius zur Vice President für die Bechtle-Unternehmen in den…

    mehr lesen: Bechtle ernennt Marijke Kasius zur Vice President

  • VDMA zeichnet Nachwuchstalente aus

    VDMA zeichnet Nachwuchstalente aus

    Nachwuchspreis ’Digitalisierung im Maschinenbau’ VDMA zeichnet Nachwuchstalente aus 30 Absolventinnen und Absolventen von Deutschen Hochschulen waren für den Nachwuchspreis ’Digitalisierung im Maschinenbau’ nominiert. Vier von ihnen wurden nun für ihre…

    mehr lesen: VDMA zeichnet Nachwuchstalente aus

  • Ransomware-Gruppe BlackCat setzt Opfer mit Vorschriften unter Druck

    Ransomware-Gruppe BlackCat setzt Opfer mit Vorschriften unter Druck

    Kommentar von Martin J. Krämer, KnowBe4 Ransomware-Gruppe BlackCat setzt Opfer mit Vorschriften unter Druck Jüngste Ereignisse zeigen, dass Cyberkriminelle nicht nur über technisches Knowhow verfügen, sondern auch über ein grundlegendes…

    mehr lesen: Ransomware-Gruppe BlackCat setzt Opfer mit Vorschriften unter Druck

  • Was Lernfabriken zur Weiterbildung beitragen

    Was Lernfabriken zur Weiterbildung beitragen

    Fachkräfte für die Industrie 4.0 Was Lernfabriken zur Weiterbildung beitragen Was können sogenannte Lernfabriken 4.0 für die Weiterbildung von Fachkräften leisten? Sehr viel – wenn Lehrkonzepte und Rahmenbedingungen stimmen. Zu…

    mehr lesen: Was Lernfabriken zur Weiterbildung beitragen

  • Das Online- und Präsenz-Lernen verzahnen

    Das Online- und Präsenz-Lernen verzahnen

    Blended Learning Das Online- und Präsenz-Lernen verzahnen Viele Unternehmen nutzen inzwischen die Digitaltechnik, um sogenannte Blended-Learning-Konzepte in ihrer Organisation zu realisieren – auch weil diese Lernform den Erwartungen der Angehörigen…

    mehr lesen: Das Online- und Präsenz-Lernen verzahnen

  • Studie: Carbon Capture and Storage in Industrieprozessen

    Studie: Carbon Capture and Storage in Industrieprozessen

    CO2-Emissionen einlagern Studie: Carbon Capture and Storage in Industrieprozessen Technologien zum Abtrennen und Speichern von CO2 (CCS) waren vor einigen Jahren für Kohlekraftwerke im Gespräch – stießen aber auf massiven…

    mehr lesen: Studie: Carbon Capture and Storage in Industrieprozessen

  • Geschäftsklima in der Autoindustrie kühlt ab

    Geschäftsklima in der Autoindustrie kühlt ab

    Zahlen des Ifo Instituts Geschäftsklima in der Autoindustrie kühlt ab Im Juni 2023 ist Stimmung der Automobilindustrie deutlich eingebrochen. Und nach Angaben des Ifo Instituts hat sich dieses Niveau bis…

    mehr lesen: Geschäftsklima in der Autoindustrie kühlt ab

  • Forschungsausgaben im Maschinenbau auf Rekordwert

    Forschungsausgaben im Maschinenbau auf Rekordwert

    Forschung- und Entwicklung Forschungsausgaben im Maschinenbau auf Rekordwert Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland hat im Jahr 2022 knapp 8,7Mrd.€ für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das war eine Steigerung von…

    mehr lesen: Forschungsausgaben im Maschinenbau auf Rekordwert

  • Michael Pieper wird XPLM-Geschäftsführer

    Michael Pieper wird XPLM-Geschäftsführer

    Karl Wachtel übergibt Unternehmensführung Michael Pieper wird XPLM-Geschäftsführer Karl Wachtel hat die Führung des PLM-Spezialisten XPLM übergeben. Seit November leitet Michael Pieper die Geschicke des Dresdner Unternehmens.

    mehr lesen: Michael Pieper wird XPLM-Geschäftsführer

  • Industrie steigert Investitionen in Klimaschutz

    Industrie steigert Investitionen in Klimaschutz

    Plus 74 Prozent in 10 Jahren Industrie steigert Investitionen in Klimaschutz Etwas mehr als 4Mrd.€ hat die deutsche Industrie im Jahr 2021 im Bereich Klimaschutz investiert. Wie das Statistische Bundesamt…

    mehr lesen: Industrie steigert Investitionen in Klimaschutz

  • Starkes Netzwerk in unsicheren Zeiten

    Starkes Netzwerk in unsicheren Zeiten

    Die SPS in Nürnberg ist der Branchentreff für Automatisierer. Welche Trends dabei in diesem Jahr hervorstechen und was Besucher darüber hinaus erwarten können, berichtet Silke Schulz-Metzner, Vice President SPS beim…

    mehr lesen: Starkes Netzwerk in unsicheren Zeiten

  • Die Welt der Automatisierung auf 120.000m²

    Die Welt der Automatisierung auf 120.000m²

    Zur 32. Ausgabe der SPS – Smart Production Solutions werden in 16 Messehallen mit rund 120.000m² Ausstellungsfläche mehr als 1.300 Aussteller aus der ganzen Welt erwartet. Neben Innovationen bietet der…

    mehr lesen: Die Welt der Automatisierung auf 120.000m²