Mit OPC UA standardisiert kommunizieren

307675 iStock 1336250828
Bild: ©Gorodenkoff/stockadobe.com

Die heutige Fertigungsindustrie steht vor einer ständig wachsenden Nachfrage nach Produkten höchster Qualität, kurzen Markteinführungszeiten und effizienten Produktionsprozessen. Manufacturing Execution Systeme (MES) helfen dabei, diesen Herausforderungen zu begegnen. Gemäß der IEC 62264 fungieren sie als Bindeglied zwischen der Planungs- und der Fertigungsebene und ermöglichen die Überwachung, Steuerung und Optimierung von Fertigungsprozessen.

Die Implementierung einer Software allein reicht jedoch oft nicht aus, um die gewünschten Effekte zu realisieren. Die Standardisierung spielt bei Einführung eine entscheidende Rolle. Standardisierung bedeutet die Einführung gemeinsamer Richtlinien, Protokolle und Datenformate, um die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen sicherzustellen und den Datenaustausch zu erleichtern. Ohne Standardisierung können Unternehmen mit komplexen Herausforderungen bei der MES-Integration konfrontiert werden. Es kann etwa zu Inkompatibilitäten zwischen verschiedenen Systemen, ineffizientem Datenaustausch oder gar Datenverlust kommen. Darüber hinaus kann eine mangelnde Standardisierung die Skalierbarkeit und Flexibilität der Fertigungsprozesse beeinträchtigen. Die Kommunikation und der Datenaustausch zwischen den Ebenen ist entscheidend, um Informationen schnell zu erhalten und darauf reagieren zu können.

OPC UA für die Smart Factory

In diesem Kontext rückt die Rolle von OPC UA als Komponente in einer Smart Factory in den Vordergrund. OPC UA (Open Platform Communications Unified Architecture) ist ein standardisiertes Kommunikationsprotokoll, das speziell für die Anforderungen der industriellen Automatisierung entwickelt wurde. Es ermöglicht die nahtlose Integration verschiedener Geräte und Systeme. Das Kommunikationsprotokoll verbindet das MES mit den verschiedenen Komponenten in der Fertigungsebene. Es erlaubt eine plattformunabhängige und sichere Kommunikation und Datenübertragung, wodurch Informationen in strukturierter Form ausgetauscht werden können.

Die Effekte reichen von verbesserter Transparenz und einen schnellen Einblick in die Fertigungsprozesse bis zur Möglichkeit, auf Abweichungen oder Störungen zu reagieren. Darüber hinaus erleichtert OPC UA die Skalierbarkeit und Interoperabilität in komplexen Fertigungsumgebungen, da es plattformunabhängig ist und verschiedene Anwendungsfälle abdeckt. Darüber hinaus sind auch Versionswechsel der einzelnen integrierten Teilsysteme im Laufe der Zeit erheblich einfacher und überschaubarer durchzuführen, was auch wiederum zu mehr Sicherheit und Kostenreduktion beiträgt.

OPC UA for Machinery Part 3 – Job Management

OPC UA for Machinery Part 3 – Job Management ist ein spezifischer Teil des OPC UA-Standards, der sich auf die Verwaltung von Jobs und Aufgaben in Maschinen und Anlagen konzentriert. Dieser Teil bietet ein Framework und eine Schnittstelle, die es Maschinen und Anlagen ermöglicht, Job-Informationen auszutauschen und zu verwalten. Diese Jobs können etwa Aufgaben, Arbeitsanweisungen oder Produktionsaufträge. Die Hauptziele sind:

  • Job-Verwaltung: Dieser Teil des Standards definiert die Struktur und Methoden zur Erstellung, Aktualisierung, Zuweisung und Verfolgung von Jobs. Dies ermöglicht die Koordination von Aufgaben in industriellen Abläufen.
  • Status und Fortschritt: Der Standard ermöglicht die Überwachung des Status und des Fortschritts von Jobs. Dies soll sicherstellen, dass Maschinen und Anlagen ihre Aufgaben ordnungsgemäß ausführen.
  • Fehlerbehandlung: Das Framework enthält auch Mechanismen zur Behandlung von Fehlern und Ausnahmen, die während der Ausführung von Jobs auftreten können.
  • Synchronisation: Die Schnittstelle ermöglicht die Synchronisation von Aufgaben und Ressourcen in komplexen Produktionsumgebungen.

OPC UA for Machinery Part 3 – Job Management ist besonders relevant in Bereichen wie der diskreten Fertigung, der Robotik und der Automatisierung, in denen die Koordination und Überwachung von Aufgaben und Jobs von entscheidender Bedeutung ist. Er ermöglicht eine effiziente Kommunikation und Koordination zwischen verschiedenen Maschinen und Anlagen in einem Produktionsprozess.

Prozesse oft individuell

Standardisierte MES-Funktionalitäten haben das Potenzial, die Produktionsprozesse zu optimieren, indem sie Transparenz, Kontrolle und Effizienz steigern. Allerdings sind Kundenprozesse oft individuell und speziell an die Anforderungen und Gegebenheiten eines Unternehmens angepasst. Um ein MES mit der erforderlichen Interoperabilität einzuführen ist es für Unternehmen daher von Vorteil, die eigenen Prozesse so weit als möglich zu standardisieren, um damit die Implementierungsphase einer MES-Software zu vereinfachen und die Komplexität zu reduzieren. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine komplette Umstrukturierung, sondern vielmehr die Integration von standardisierten Elementen.

Gewünschte Effekte erzielt

Müssen Prozesse an Standards angepasst werden, kann dies eine Herausforderung darstellen. Langfristig ergeben sich jedoch die angestrebten Effekte. Effizientere Produktionsprozesse, die vielfältige Verwertung digitalisierter Informationen bis hin zu KI und die Möglichkeit zur schnelleren Anpassung an sich ändernde Marktbedingungen sind nur einige der Vorteile, die durch die MES-Standardfunktionalitäten und die Anpassung von Unternehmensprozessen an diese Standards realisiert werden können.

image 27
Bild: Gfos mbH

Autor:

Andreas Kirsch ist Strategic Business Development Manager MES bei der GFOS mbH.



  • Logimat-Preis für bestes Produkt verliehen

    Logimat-Preis für bestes Produkt verliehen

    Im Rahmen der Logimatwurde der Preis ‚Logimat Best Product‘ in drei Kategorien verliehen.

    mehr lesen: Logimat-Preis für bestes Produkt verliehen

  • Spezielle Chips für reduzierten KI-Energieverbrauch

    Spezielle Chips für reduzierten KI-Energieverbrauch

    Im Rahmen des KI-Leuchtturmprojekts ‚Eki‘ hat ein Forschungsteam unter der Leitung der Universität Paderborn an der Verbesserung der Energieeffizienz von KI-Systemen gearbeitet und Methoden entwickelt, mit denen sich der Energieverbrauch…

    mehr lesen: Spezielle Chips für reduzierten KI-Energieverbrauch

  • Neues Mitglied im Aufsichtsrat von Wibu-Systems

    Neues Mitglied im Aufsichtsrat von Wibu-Systems

    Wibu-Systems, ein Spezialist für Softwareschutz, Lizenzierung und Cybersicherheit, hat Prof. Dr. Jörn Müller-Quade in den Aufsichtsrat berufen.

    mehr lesen: Neues Mitglied im Aufsichtsrat von Wibu-Systems

  • SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

    Im Rahmen der Fachmesse Logimat haben SEW-Eurodrive und Safelog eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben.

    mehr lesen: SEW-Eurodrive und Safelog entwickeln Softwaresystem für die Intralogisik

  • KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

    Ein neuartiges Bauteil, das durch eine fortschrittliche Fertigungstechnologie eine sehr schnelle, sparsame und verlässliche Datenübertragung ermöglicht, haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der École Polytechnique Fédérale de…

    mehr lesen: KIT-Forschende entwickeln Technologie für lichtbasierte Datenverbindungen

  • PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC tritt dem ZVEI bei

    PTC ist dem ZVEI beigetreten und will in diesem Rahmen seine Expertise in den Bereichen digitale Geschäftsmodelle, industrielle künstliche Intelligenz (KI) und datenbasierte Wertschöpfung in die Verbandsarbeit einbringen.

    mehr lesen: PTC tritt dem ZVEI bei

  • Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

    Laut einer Untersuchung von TE Connectivity treibt die deutsche Industrie den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Automatisierung mit hoher Geschwindigkeit voran.

    mehr lesen: Unternehmen setzen auf KI, aber es muss sich auch lohnen

  • Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Ein Chatbot für den Wissenstransfer

    Wenn Fachkräfte ein Unternehmen verlassen, geht auch oft Knowhow verloren. Im Projekt ‚Stark‘ untersuchen Forschende des Fraunhofer IPK gemeinsam mit der BSP Business and Law School – Hochschule für Management…

    mehr lesen: Ein Chatbot für den Wissenstransfer

  • Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

    Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

    Klassische Computer können viele Optimierungsprobleme wie etwa das ‚Problem des Handlungsreisenden‘ nur näherungsweise knacken, aber nicht vollständig und oft nur unter langer Laufzeit.

    mehr lesen: Quantencomputer und klassische Rechner optimieren gemeinsam

  • Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

    Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

    Im Projekt ‚Panda‘ setzen die Beteiligten auf digitale Produktpässe und künstliche Intelligenz (KI), um Recycling und Demontage von Produkten effizienter zu machen.

    mehr lesen: Digitale Kreislaufwirtschaft in dezentraler Fabrik

  • Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

    Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

    Gezielte Cyberangriffe auf Anlagen und Maschinen sind längst Realität. Mit CRA, NIS2 und der neuen EU-Maschinenverordnung reagiert der Gesetzgeber nicht nur mit klaren Empfehlungen, sondern auch mit konkreten Meldepflichten, Vorgaben…

    mehr lesen: Ein kurzer Blick auf CRA, EU-Maschinenverordnung und NIS-2

  • Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

    Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘

    Beim Strategiegipfel IT-Management, der am 14. und 15. April 2026 im Hotel Palace in Berlin stattfindet, diskutieren IT-Verantwortliche darüber, wie IT zu einem strategischen Enabler werden kann.

    mehr lesen: Konferenz beleuchtet IT als ‚Architektin der Zukunft‘