Geo-intelligente Datenräume: Datensätze räumlich verortet und verknüpft

515789
Bild: ©VicenSanh/stock.adobe.com

Im produzierenden Gewerbe hängt der Erfolg von einer Vielzahl an Systemen ab: Software für CRM, Supply Chain- und Business Continuity Management, Lagerverwaltung, Produktionssteuerung, Maschinenparameter, Personalmanagement sowie Wartung und Instandhaltung greifen ineinander. In der Praxis sind das noch meist getrennte Datenbanken mit eigenen Strukturen und Logiken. Die Integration, Synchronisation und Analyse der Daten ist oft aufwendig, teuer und fehleranfällig. Automatisierungspotenzial bleibt ungenutzt und Werkzeuge wie Business Intelligence oder künstliche Intelligenz arbeiten isoliert voneinander. Verantwortliche treffen Entscheidungen auf Basis unvollständiger Daten oder Bauchgefühl.

Datenräume normieren

Hier setzt der Ansatz der geo-intelligenten Cluster der Firma The Green Bridge an. Diese bilden eine raumbasierte Datenbank, die Informationen aus heterogenen Systemen integrieren kann. Als Datenmodellierung dienen wenige definierte Regeln in Bezug auf Raum, Zeit und Identifikation. Danach stehen alle Datensätze in einem geografischen Rahmen und, durch den Zeitstempel im Datenmodell, in einem Zeitraster im Kontext. Datensätze erhalten geo-spatiale, universelle und eindeutige Kennungen. So entsteht ein digitaler Zwilling für angebundene Unternehmensbereiche, vom Lager über die Produktionsstraße bis zum Außendienst. Der Zugriff auf diese Datenräume erfolgt über ein relationales Datenmodell sowie eine mobile Applikation für den Austausch von Echtzeitdaten.

Ohne gemeinsame Logik verknüpft

Im Rahmen des Datenmodells lassen sich Daten aus den Geschäftszweigen miteinander verknüpfen, analysieren und automatisiert in Geschäftsprozesse überführen, ohne die jeweiligen Datenlogiken anpassen zu müssen.

Auf Wärmeinseln automatisiert reagieren

In Produktionshallen reichen zentrale Raumtemperaturfühler selten aus, um lokale Überhitzungen zu erkennen. Maschinen und Anlagen erzeugen durch ihre Last Wärmeinseln, die die Klimaanlage nicht bemerkt, wenn sie nur die durchschnittliche Hallentemperatur misst und steuert. Wird ein Hallenbereich zu heiß, können sich die Qualität gefertigter Teile oder sogar die Anlagen selbst aus den Toleranzbereichen lösen. Im Konzept des Cluster Twins von The Green Bridge sollen sogenannte Open AreaSeals das Problem durch geo-referenzierte Wärmebilder lösen. Werden entsprechende Datenquellen angebunden, erkennt das System, ob eine Temperaturerhöhung einen allgemeinen Raumtrend oder einen kritischen Einzelfall an einer Maschine widerspiegelt. Dabei überwacht die Software einzelne Maschinen im räumlichen Kontext. Gesteuert wird nicht über absolute Einzelwerte, sondern relativ zum räumlichen Wärmeverlauf. Bestehen trotz Solltemperatur lokale Hotspots, meldet das System dies automatisch und senkt die Leistung der angebundenen Klimaanlage solange, bis die Wärmeinseln verschwinden.

Wie funktioniert diese Datenkommunikation?

Die Klimaanlage regelt nicht nach ihren eigenen Sensoren, sondern nach den geo-referenzierten Maschinendaten. Im normierten Datenraum lassen sich zahlreiche Datenquellen und -formate zur Steuerung unterschiedlicher Systeme nutzen – ohne direkte Schnittstellen oder vereinheitlichte Logik. Daten verschiedener Hersteller werden erfasst und ggf. analysiert. Über den digitalen Zwilling kommunizieren beispielsweise Pick-and-Place-Roboter von Kuka mit Förderanlagen von Bosch Rexroth und Klimasystemen von Mitsubishi Electric.

Einfluss auf produzierende Firmen

Es lassen sich Daten aus IT- und OT-Systemen integrieren. Erfasste Daten können dann in Business Intelligence und KI-Anwendungen genutzt werden. Mögliche Use cases finden sich in zahlreichen Branchen, darunter die Lebensmittelproduktion, bei Verpackungsanlagen, in der Pharma- oder Automobilindustrie. Das System lässt sich schrittweise aufbauen, wobei ein guter Startpunkt oft die Instandhaltung ist. Dort spielen orts- und zustandsbezogene Datenmodelle oft schnellen Nutzen aus. Ein weiterer Case stellt die Synchronisation der CRM-Daten mit Außendienstaktivitäten dar. Im Bereich der Supply Chain lässt sich mit dem System ein Echtzeit-Tracking von Lager- und Transportprozessen umsetzen.

Der Weg zur Operational Excellence führt über Datenräume, die Komplexität reduzieren, Prozesse synchronisieren und Entscheidungen datenbasiert unterstützen. Geo-spatiale Cluster können eine Grundlage dafür schaffen.

1
Bild: The Green Bridge GmbH

Autor:

Prof. Roman Brylka ist
Geschäftsführer der
The Green Bridge GmbH.



  • Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler übernimmt ab November die Leitung des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland und wird damit zugleich zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen.

    mehr lesen: Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

  • Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit ihrer Plattform Indigo will sich das Münchener Startup Emocean auf dem Markt für Analytics-Projekte positionieren. Das Besondere: Die Lösung soll Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren und so etwa den unmittelbaren…

    mehr lesen: Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

  • Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

    Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

    Die meisten Firmen weltweit verzeichnen aufgrund der Corona-Pandemie Umsatzrückgänge. Doch neun von zehn Firmen investieren weiter in ihre Digitalisierung. Zu diesem Ergebnis kommen Autoren von Tata Consultancy Services (TCS) nach…

    mehr lesen: Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Hyland erwirbt Alfresco (Updated)

    Hyland erwirbt Alfresco (Updated)

    Hyland will den Anbieter von Enterprise Content Management-Lösungen Alfresco kaufen. Die Verträge wurden bereits unterzeichnet, im vierten Quartal soll den Kauf abgeschlossen sein.

    mehr lesen: Hyland erwirbt Alfresco (Updated)

  • Was künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt bedeutet

    Was künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt bedeutet

    Mit den Auswirkungen sowie den Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz für die mittelständische Arbeitswelt bietet, beschäftigt sich das Kompetenzzentrum ‚KI für die Arbeitswelt des industriellen Mittelstands‘.

    mehr lesen: Was künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt bedeutet

  • Kompetenzzentrum für KI-Engineering gegründet

    Kompetenzzentrum für KI-Engineering gegründet

    Die Bedeutung von künstlicher Intelligenz im Ingenieurswesen wächst. Allerdings fehlen Verfahren, um das Verhalten der Systeme planbar und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Abhilfe schaffen soll das Kompetenzzentrum für KI-Engineering (CC-KING)…

    mehr lesen: Kompetenzzentrum für KI-Engineering gegründet

  • Abgelenkt und trotzdem produktiver

    Abgelenkt und trotzdem produktiver

    Chefs glauben: Ein Drittel der Angestellten ist im Home-Office mit Tätigkeiten wie Wäsche waschen beschäftigt. Dennoch ist das Ansehen von Remote-Work bei Managern sogar gestiegen, ergab jetzt eine Umfrage von…

    mehr lesen: Abgelenkt und trotzdem produktiver

  • Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

    Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT entsteht gerade die Software KMUsecure. Das Programm soll produzierende KMU dabei unterstützen, kritische Netzwerkschnittstellen zu sichern und Vernetzung leichter zur Optimierung zu nutzen.

    mehr lesen: Mittler zwischen Mehrwert und Sicherheit

  • Accenture übernimmt Salt Solutions

    Accenture übernimmt Salt Solutions

    Der SAP-Partner und MES-Integrator Salt Solutions wird Teil von Accenture. Wie die Unternehmensberatung bekannt gab, ist die Vereinbarung bereits unterschrieben.

    mehr lesen: Accenture übernimmt Salt Solutions

  • Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

    Im Projekt Scale4Edge arbeiten 22 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft an besonders vertrauenswürdiger Computerhardware. Entstehen soll ein skalierbares Edge-Computing-Ökosystem rund um die Risc-V-Architektur etwa für Industrieanwendungen, Heimautomation und selbstfahrende Autos.

    mehr lesen: Vertrauenswürdige Prozessoren aus Deutschland

  • Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovationsranking im produzierenden Mittelstand

    Innovation gehört zu den drei wichtigsten Digitalisierungszielen im Mittelstand, gleich nach Mitarbeiterproduktivität und Prozessmodernisierung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die im Auftrag des ERP-Anbieters Proalpha entstand. Doch wo ist…

    mehr lesen: Innovationsranking im produzierenden Mittelstand