150.000 SKU mit SAP EWM verwalten

Auf 35.500m2 Logistikfläche organisiert Arvato die komplette Supply Chain der Douglas Group.
Auf 35.500m2 Logistikfläche organisiert Arvato die komplette Supply Chain der Douglas Group. Bild: Prismat GmbH

Onlineshop oder Filiale? Manchmal eine Grundsatzentscheidung, doch die Douglas Group setzt auf beides. Der Omnichannel-Anbieter für Beauty-Produkte hat sein Online- und Filialgeschäft mit einem neuen Distributionslager noch stärker verzahnt. Außerdem verdreifacht das Unternehmen damit seine Lagerkapazitäten – ein Schritt, der durch den stark wachsenden Absatz über das Internet um jeweils mehr als 20 Prozent in den vergangenen fünf Jahren notwendig war. Der Konzern unterhält in ganz Europa circa 1.880 Geschäfte und beschäftigt etwa 19.200 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2023/2024 erwirtschaftete er einen Umsatz von 4,5Mrd. Euro. Am Logistikstandort in Hamm, verkehrsgünstig in der Nähe des Kamener Kreuzes zwischen A1 und A2 gelegen, betreiben die Douglas Group und Arvato seit Ende 2022 ein hochautomatisiertes Distributionszentrum. Es erweitert die Kapazitäten für das bestehende B2C-Geschäft und versorgt im B2B-Bereich den Einzelhandel mit dem benötigten Nachschub. Die Waren gehen von hier aus in Filialen und an Endkunden in der gesamten DACH-Region.

Das 2D-Shuttlesystem OSR Shuttle Evo sorgt für effiziente und flexible Transporte der 150.000 SKU.
Das 2D-Shuttlesystem OSR Shuttle Evo sorgt für effiziente und flexible Transporte der 150.000 SKU. Bild: Prismat GmbH

Rekordinvestition vor Ort

Arvato übernimmt dort die komplette Logistik für die Filialbelieferung und das Online-Geschäft der Douglas Group, inklusive des Retourenmanagements. „Insgesamt haben wir mehr als 70Mio. Euro in dieses Distributionszentrum gesteckt. Das ist bis heute die größte Investition in einen einzelnen Standort“, sagt Julia Börs, President Beauty & Luxury bei Arvato. Die Arvato SE entwickelt und realisiert als international agierender Dienstleister für Geschäftskunden in mehr als 20 Ländern Supply-Chain-Angebote mit einem hohen Grad an Automatisierung, Geschwindigkeit und Flexibilität. Mit mehr als 17.000 Beschäftigten erzielte das Unternehmen, das zu 100 Prozent zu Bertelsmann gehört, 2023 knapp 2,6Mrd. Euro Umsatz.

Koordiniertes Zusammenspiel

Das Distributionszentrum in Hamm verfügt über eine hochleistungsfähige Automatisierungstechnologie: 420 Beschäftigte arbeiten im Zweischichtbetrieb auf 35.500m2 Logistikfläche. Dort lagern 150.000 SKU (Stock Keeping Units) auf 1,5Mio. Plätzen. 550 Shuttles sausen durch die 22 Gänge auf 25 Ebenen und bringen über 44 Aufzüge täglich 240.000 Lieferscheinpositionen zu den Kommissionierplätzen. Jeden Tag fertigen die Fachkräfte an 29 Warenein- und -ausgangstoren 160 LKW ab, ca. 114.000 Packstücke für Endkunden verlassen den Standort. Damit alles ineinandergreift, setzt Arvato in Hamm auf SAP EWM (Extended Warehouse Management) als Bestandteil der SAP S/4Hana 2021 Suite. Dieses WMS (Warehouse Management System) läuft über Housing in der Azure Cloud. Die Auslieferung der Waren steuert und verwaltet Arvato mit SAP TM, der Software für das Transportmanagement.

Von A bis Z

EWM kann als Gehirn des Distributionszentrums verstanfden werden, das von A wie Avisierung bis Z wie Zoll alle Schritte der Intralogistikkette steuert. Es vereinnahmt und dekonsolidiert Artikel am Wareneingang, managt deren Qualitätskontrolle, lagert Produkte ein, um und aus, kontrolliert Gewicht und Mindesthaltbarkeitsdaten. Das WMS hält zudem alle notwendigen Informationen über den Bestand bereit, verwaltet Aufträge, kommissioniert und konsolidiert Lieferungen an Filialen und Verbraucher. Es stellt eine permanente Inventur sicher, denn es erfasst jeden Zu- und Abgang von Waren. Im Leitstand sind lagerrelevante KPI (Key Performance Indicator) im Blick.

Da beide Unternehmen als ERP-System bereits SAP nutzen und über große interne Kompetenzen verfügen, entschieden sie sich bei der Lagerverwaltung ebenfalls für ein Produkt dieser Software-Schmiede. Um SAP EWM in Betrieb zu nehmen, holte Arvato den Partner Prismat ins Boot. Die SAP-Spezialisten begleiten Anwender bei der Einführung von Systemen für ihre Logistik.

Nah am Standard

Vom Kick-Off im Frühjahr 2021 bis zum Go-Live vergingen rund 18 Monate – also genug Zeit, die Projektanforderungen standardnah umzusetzen und alle Prozesse abzubilden. „Wir kombinieren typische Abläufe mit weiterführenden Bausteinen, die kundenseitig konfigurierbar sind“, erläutert Eric Venn, Head of Sales bei Prismat. Der Dienstleister war maßgeblich an der Konzeption, Integration und Umsetzung der EWM-Prozesse beteiligt. Im Juni 2022 wurde zunächst der Wareneingang mit dem Tool verwaltet, im August folgten Warenausgang und weitere interne Prozesse. Seit Januar 2023 erledigt das WMS nun auch Consumer-Retouren und die B2B-Abwicklung. Damit läuft in Hamm eine der größten SAP-Installationen weltweit.

Hochautomatisierte Abläufe

Auch die Hardware des Distributionszentrums ist State of the Art – beispielsweise das Shuttlesystem OSR Evo des österreichischen Anbieters Knapp. Es übernimmt die Warenbewegungen im Distributionszentrum. Die 550 Shuttles können sich auf der acht Kilometer langen Förderstrecke nicht nur innerhalb einer Gasse bewegen, sondern auch die Gasse wechseln. Damit erreicht ein einzelnes Lagerfahrzeug alle Artikel auf einer Ebene. Pro Stunde lassen sich 12.500 Behälter ein- und auslagern.

Bei der Kommissionierung unterstützt das WMS die Fachkräfte durch Datenfunk und Pick-by-Light. Die Mitarbeiter erhalten Informationen zum Auftrag über WLAN auf ihre MDE-Geräte von Zebra. Pick-by-Light führt die Beschäftigten bei der Bereitstellung zum richtigen Artikel, denn die Kunden können ihren Bestellungen mehrere Gratisproben hinzufügen. An 32 ergonomischen Arbeitsplätzen stellen Fachkräfte anschließend die Lieferungen zusammen.

Das Projektteam hat bestehende Subsysteme an SAP EWM angebunden und die für die automatisierten Prozesse benötigte Technik – von den Shuttle und Sorter-Systemen bis hin zur Fördertechnik – integriert. „Die hohe Performance, die wir mit dem Standort erreichen, war eines der wichtigsten Ziele der Systemeinführung. Außerdem wollten wir unser Know-how bei SAP EWM vertiefen“, sagt Jens Winter, CIO bei Arvato.

Daten einfach nutzen

Eine Business Rules Engine hilft Arvato dabei, komplexe Lagerprozesse zu modellieren, zu verwalten, auszuführen und zu überwachen. Beispielsweise lassen sich damit Regeln zur Einlagerung oder zur Steuerung der Kommissionierung ohne Programmierkenntnisse aufgrund von Artikelattributen, die in Tabellenform vorliegen, definieren. Die Business Rules Engine fungiert also quasi als Wizard, der Anwendern auch ohne tiefgreifende Kenntnisse des Datenmodells oder von Datenbankabfragesprachen ermöglicht, Regeln und Strategien anzulegen. „Die Zusammenarbeit mit Prismat hat vorbildlich funktioniert. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich schnell in das Arvato-Team eingefügt. Dies ist besonders hervorzuheben, da durch die Pandemie physische Kontaktmöglichkeiten eingeschränkt waren. Das EWM-Wissen von Prismat hat sehr geholfen, die komplexen Anforderungen umzusetzen und das Projekt zum Erfolg zu bringen“, betont Stefan Kull.



  • Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Das MES von Critical Manufacturing können Schweizer Unternehmen künftig auch von Hilpert Electronic beziehen. Der Spezialist für Applikationen rund um die Mikroelektronikfertigung ist neuer Vertriebspartner des weltweit agierenden MES-Herstellers mit…

    mehr lesen: Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

  • Algorithmen automatisiert trainieren

    Algorithmen automatisiert trainieren

    Durch künstliche Intelligenz (KI) können Maschinen Objekte erkennen. Dafür werden Algorithmen mit Bilddaten manuell trainiert. Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entstandene Start-up Kimoknow hat eine Technologie entwickelt, um…

    mehr lesen: Algorithmen automatisiert trainieren

  • Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

    Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

    Immer mehr IT-Abteilungen vertrauen auf Penetrationstests oder Bug-Bounty-Programme und simulieren Cyberattacken, um ihre Mitarbeiter zu sensibilisieren. Grund dafür ist der explosionsartige Anstieg von Cyberbedrohungen. 

    mehr lesen: Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

    Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

    Stephan Klokow, Direktor DPI (Deep Packet Inspection) beim Rohde & Schwarz Tochterunternehmen Ipoque, wurde während der Mitgliederversammlung am 18. Mai 2020 in den Vorstand des Branchennetzwerks Cluster IT Mitteldeutschland e.V.…

    mehr lesen: Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

  • Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

    Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

    Fortinet stellt mit der FortiGate 4200F eine leistungsstarke Netzwerk-Firewall vor. Diese basiert auf dem NP7, dem von Fortinet entwickelten Netzwerkprozessor der siebten Generation. Indem sie Networking mit Security verbindet, ermöglicht…

    mehr lesen: Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

  • Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

    Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

    Trotz eines Anstiegs im Vergleich zum Vormonat bleiben die Ifo-Produktionserwartungen im negativen Bereich. Die deutsche Industrieunternehmen erwarten somit einen weiteren Rückgang der Produktion.

    mehr lesen: Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

  • Harald Rackel wird COO bei SSI Schäfer

    Harald Rackel wird COO bei SSI Schäfer

    Zum 1. Oktober hat die SSI Schäfer Gruppe die Position des Chief Operating Officer besetzt. Der Beirat der Unternehmensgruppe hat Harald Rackel in das Amt berufen.

    mehr lesen: Harald Rackel wird COO bei SSI Schäfer

  • Fusionen und Übernahmen 2019 stabil auf niedrigem Niveau

    Fusionen und Übernahmen 2019 stabil auf niedrigem Niveau

    Deutsche Unternehmen waren im Jahr 2019 an weniger Fusionen und Übernahmen beteiligt als im Vorjahr. Für die zweite Jahreshälfte ermittelte der ZEW-Zephyr M&A-Index sogar den tiefsten Stand seit Beginn der…

    mehr lesen: Fusionen und Übernahmen 2019 stabil auf niedrigem Niveau

  • Arbeitsmarktbarometer fängt sich auf niedrigem Niveau

    Arbeitsmarktbarometer fängt sich auf niedrigem Niveau

    Nach seinem Tiefststand im Vormonat, ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Mai wieder leicht gestiegen.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer fängt sich auf niedrigem Niveau

  • Neuer Vertriebspartner nah am SAP-Markt

    Neuer Vertriebspartner nah am SAP-Markt

    Die Feinplanungsspezialistin Dualis GmbH IT Solution will mit einer neuen Vertriebspartnerschaft ihre Position im SAP-Umfeld stärken. Cpro IoT Connect vertreibt und implementiert künftig die APS-Lösung Ganttplan als Platinum-Partner.

    mehr lesen: Neuer Vertriebspartner nah am SAP-Markt

  • SAP kündigt Travel Management-Alternative auf S/4Hana an

    SAP kündigt Travel Management-Alternative auf S/4Hana an

    Reisekostenmanagement mit SAP-Software ist weiterhin On-Premise möglich. Nach dem Druck der SAP-Anwendervereinigung DSAG hat SAP angekündigt, die Lösung Travel Management auf die Hana-Plattform zu migrieren. Damit können Firmen den Wechsel…

    mehr lesen: SAP kündigt Travel Management-Alternative auf S/4Hana an