75 Prozent produktivere Logistikmitarbeitende

Aimtec implementiert sein Warehouse-Management-System bei Gaelen Formteile.
Aimtec implementiert sein Warehouse-Management-System bei Gaelen Formteile. – Bild: Gaelan Formteile

Gealan Formteile produziert Kunststoffformteile insbesondere für Automobil- und Industrieanwendungen. Die Erzeugnisse sind in zahlreichen Fahrzeugen sowie Anwendungen der Heizungs- und Warmwasserbranche zu finden. Als Familienunternehmen mit über 100 Jahren Erfahrung fertigt Gealan mit rund 700 Mitarbeitenden technische Spritzgussteile und Baugruppen an sieben Standorten in drei europäischen Ländern. 2024 entschied sich der Hersteller, die Lagerung seiner Fertigprodukte intern abzubilden, um Synergien im Transport stärker nutzen zu können – auch im Hinblick auf die Reduktion von CO2-Emissionen. Die Standorte Oberkotzau und Hof sollten künftig über ein neues Zentrallager versorgt werden. Knapp einen Kilometer vom Hauptsitz entfernt wurde dafür ein bestehender Standort gefunden und im Juni 2024 bezogen: eine Logistikimmobilie mit mehreren Hallen und insgesamt etwa 8.000 qm Fläche, darunter 3.500 neu geschaffene Palettenstellplätze.

Vom Medienbruch zur Lagertransparenz

„Schnell wurde klar: Die Blocklagerhaltung und Stellplatzverwaltung lassen sich nicht mehr allein über das ERP-System abbilden – wir brauchen ein WMS, das skalierbar ist“, erinnert sich Johannes F. Kühne, Leiter Supply Chain Management bei Gealan Formteile. Es gilt das FIFO-Prinzip (First in, first out). Damit Bestände priorisiert abgewickelt werden, ist eine weitgehende Transparenz insbesondere in der neuen Palettenregalanlage notwendig – erschwert durch chaotische Lagerung. Hinzu kam die Aufgabe, bestehende VDA-Abwicklungen auf neue Scanner und IT-Architektur zu übertragen. Durch die Plattform ‚Aimtec DCIx‘ lässt sich der VDA-Check nun innerhalb eines Systems nutzen.

Die Konsolidierung der Prozesse im neuen Warehouse Management System (WMS) soll sicherstellen, dass Lagerplätze auf Packstückebene verwaltet werden und die Waren zuverlässig auffindbar sind. Zudem mussten Scanner, die im Warenein- und -ausgang eingesetzt werden, kompatibel angebunden werden. Eine weitere Anforderung war, interne ERP-Labels mit VDA-Standardetiketten für den Kundenversand zu verknüpfen, um eine durchgängige Zuordnung zu ermöglichen.

Besonderheiten und Umsetzung

Ein vollständiger Systemwechsel über Nacht kam nicht infrage, da mehrere Standorte denselben ERP-Mandanten nutzten. Um Datenfehler zu vermeiden, wurde festgelegt, dass die Hoheit über Handling Units beim ERP-System bleibt. „Deshalb haben wir das WMS-System einfach dazwischen gepackt und die Datenhoheit im ERP-System belassen“, berichtet Johannes F. Kühne.

Im Zuge dieses Transformationsprojekts wurde die gesamte Steuerung des Zentrallagers inklusive Stellplatzverwaltung mithilfe des WMS-Moduls der Orchestrierungsplattform Aimtec DCIx abgebildet. Damit konnte das Gealan-Projektteam aus SCM und IT die Implementierung federführend stemmen, mit Unterstützung von Aimtec beim Projektmanagement sowie bei technischen Fragen. Die Nummernvergabe im Wareneingang sowie bei internen Versorgungen erfolgt im ERP-System, verbunden mit direktem Austausch der weiteren Buchungen über eine API-Schnittstelle. Die 5G-Scanner von Zebra wurden an die Cloud-Instanz von Aimtec angebunden, da Netzabdeckung vorlag und die Einrichtung einer WiFi-Infrastruktur vor Ort als unwirtschaftlich eingeschätzt wurde.

Im Frühsommer 2024 wurden Bestandsprozesse analysiert und Zielprozesse modelliert. Nach Erreichen eines stabilen Prozessdesigns konnte ein Prototyp vorgestellt werden, der bis zum geplanten Go-Live im Oktober getestet wurde. Der Start erfolgte in zwei Phasen: Einführung des WMS im Oktober, Erweiterung um das VDA-Modul im November.

Lagerfunktionen konsolidiert

Nach Qualitätsprüfung im ERP-System werden nun Bestände per API ins WMS freigegeben. Dort schlägt das System geeignete Lagerorte vor, etwa nach Gewicht. „Heute ist im WMS ersichtlich, wie viele Einheiten einer Ware an welchen Stellplätzen verfügbar sind“, schildert Projektmanager Miroslav Havlicek. Auch Kommissionierungen für Kunden des Herstellers werden papierlos im Zentrallager abgebildet. Aufträge lassen sich über Scanner aufrufen, die Logistikkräfte zu den Stellplätzen führen. Versandetiketten werden VDA-konform erzeugt, der Abnehmer erhält standardisierte Informationen ebenfalls als ASN über EDI. Der Warenausgang wird mit neu programmierten Verladescans abgeschlossen. „Die Einführung des WMS verlief reibungslos, da Anpassungen sofort umgesetzt werden konnten“, sagt Anne Büttner, Teamleiterin Logistikplanung.

Die Konsolidierung der Lagerstandorte und die Rückholung der Fertigwarendistribution führten dazu, dass die Transportkosten im Werksverkehr nahezu halbiert werden konnten. Laut Projektteam konnte die Effizienz der Logistikmitarbeitenden um mehr als 75 Prozent steigen, da Standortfahrten entfielen und Prozesse papierlos ablaufen.

Basis für weitere Digitalisierung

Sobald weitere Standorte von Gealan das WMS eingeführt haben, sollen Lieferanten digital angeschlossen und ASN-Informationen direkt im Wareneingang verarbeitet werden. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Anforderungen des Werks in Ungarn mit dem Template, das wir in Oberkotzau erprobt haben, zu 95 Prozent erfüllen können“, so Kühne. Perspektivisch soll auch die Produktionsplanung stärker digitalisiert werden.



  • Industrie will mehr produzieren

    Industrie will mehr produzieren

    Die Deutschen Industrieunternehmen wollen ihre Produktion ausweiten. Die gesteigerten Erwartungen verhelfen dem entsprechenden Indikator des Ifo Instituts zum höchsten Stand seit 1991.

    mehr lesen: Industrie will mehr produzieren

  • Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

    Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

    57 Prozent der Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie gehen davon aus, gestärkt aus der Coronakrise hervorzugehen. Das geht aus einer Studie von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut hervor. Um diese…

    mehr lesen: Mehrheit der Industrieunternehmen geht gestärkt aus der Krise

  • Agile Methoden liegen im Trend

    Agile Methoden liegen im Trend

    Das sogenannte Wasserfall-Prinzip in der Software-Entwicklung kommt immer seltener zum Einsatz. Häufiger sind agile Methoden wie die ’Continuous Integration’, bei denen Software in kleinen Einheiten kontinuierlich erweitert und verbessert wird.…

    mehr lesen: Agile Methoden liegen im Trend

  • LiefKettG nimmt Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt in den Fokus

    LiefKettG nimmt Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt in den Fokus

    Das Bundeskabinett hat im März den Entwurf für das neue Lieferkettengesetz beschlossen. Wird das Gesetz in dieser Form erlassen, so werden in deutschen Unternehmen einige Änderungen erforderlich. Der Softwareanbieter Comarch…

    mehr lesen: LiefKettG nimmt Schutz von Arbeitnehmern und Umwelt in den Fokus

  • Siemens mit deutlicher Gewinnsteigerung im 2. Quartal

    Siemens mit deutlicher Gewinnsteigerung im 2. Quartal

    Siemens beendet das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres mit positiven Neuigkeiten. Umsatzerlöse und Gewinn legen kräftig zu.

    mehr lesen: Siemens mit deutlicher Gewinnsteigerung im 2. Quartal

  • Mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung

    Mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung

    Insgesamt 8,2Mrd.€ hat der Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2019 für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Auch in der Pandemie behalten F&E-Ausgaben einen hohen Stellenwert.

    mehr lesen: Mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung

  • Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

    IT-Sicherheit ist ein wichtiges Thema für jedes Unternehmen. Denn kommt es zu einem erfolgreichen Angriff kann dies teuer werden. Durch die Nutzung sogenannter Bug-Bounty-Plattformen können Unternehmen kriminellen Hackern vorgreifen.

    mehr lesen: Sicherheitsrisiko neu definieren – Hacker engagieren

  • Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

    Corona stellt Unternehmen und deren Mitarbeiter nach wie vor auf eine harte Probe. Laut der Studie ‚Kollaboration – Erfolgsfaktor Zusammenarbeit‘ schaffen es aktuell nur 22 Prozent der Unternehmen, eine Zusammenarbeit…

    mehr lesen: Zusammenarbeit funktioniert nur in jedem fünften Unternehmen

  • Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

    Im März haben die Bestellungen im Maschinen- und Anlagenbau im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Dabei kamen sowohl aus dem Aus- als auch aus dem Inland positive Signale.

    mehr lesen: Bestellungen im März und im 1. Quartal steigen

  • Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Der Weg zur effizienten Datenstrategie

    Viele deutsche Mittelständler bieten innovative Produkte an, tun sich aber oft schwer, operative Prozesse mithilfe von Daten tatsächlich zu verbessern und wichtige Entscheidungen auf Basis ihrer Daten zu fällen. Der…

    mehr lesen: Der Weg zur effizienten Datenstrategie

  • Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

    HMS hat die neue Fernwartungs-Router-Generation Ewon Cosy+ auf erhöhte Sicherheit ausgelegt. Die Geräte bieten nicht nur moderne hardware-implementierte Sicherheitsmechanismen, sondern auch automatische Updates signierter Firmware über die firmeneigene Plattform Talk2M.

    mehr lesen: Mehr Cybersicherheit für Fernwartungs-Router

  • Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Catherine Kniker wird CSO bei PTC

    Mit dem Wechsel von Kathleen Mitford zu Microsoft wird Catherine Kniker zur EVP (Executive Vice Presdient) und Chief Stategy Officer bei PTC ernannt.

    mehr lesen: Catherine Kniker wird CSO bei PTC