Wie Produktionsleiter Planungslatenz reduzieren

Young worker giving presentation in front of whiteboard in a factory
Bild: ©Drazen/stock.adobe.com

Produzierende Unternehmen haben in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte erzielt, wenn es um Geschwindigkeit geht: Schnellere Anlagen, optimierte Prozesse und kürzere Lieferzeiten beschleunigen die Fertigung entlang der Wertschöpfungskette. Doch in Zeiten volatiler Märkte, geopolitischer Unsicherheiten und schwankender Nachfrage rückt zunehmend in den Vordergrund, wie schnell Unternehmen ihre Planung anpassen können. Denn selbst moderne Produktionsabläufe nützen wenig, wenn Entscheidungen durch starre Planungszyklen ausgebremst werden. Unter Planungslatenz versteht man die Zeitspanne zwischen dem Auftreten eines Signals – etwa einer Nachfrageänderung, einer Zollanpassung oder einer Lieferstörung – und der tatsächlichen Entscheidung im Unternehmen, auf das Signal zu reagieren. Diese Verzögerung wirkt sich unmittelbar auf Servicefähigkeit, Kapitalbindung und letztlich die Profitabilität aus.

Belegbare Nachteile

Eine Reihe von Studien in der Produktionsbranche zeigen, dass Latenzzeiten in der Planung nicht nur ineffizient sind, sondern auch finanzielle und operative Risiken mit sich bringen. So hat IDC festgestellt, dass die Forecast-Fehlerquote bei monatlicher Planung etwa 50 Prozent höher liegt als bei kontinuierlicher Planung. Einer McKinsey-Studie zufolge büßen Hersteller durch hohe Latenzzeiten in der Planung bis zu 10 Prozent ihres EBITs ein, da sie unnötig Überbestände aufbauen oder sich auftuende Opportunities nicht bedienen können.

Grenzen klassischer Monatsplanung

Viele Betriebe arbeiten weiterhin mit monatlichen Planungszyklen. Diese Planungshorizonte führen fast zwangsläufig zu Verzögerungen. Annahmen veralten schneller, als Entscheidungen greifen. Die Koordination zwischen Abteilungen leidet. Korrekturen erfolgen verspätet – Überbestände oder verpasste Nachfrage sind die Folge. Ein alternatives Planungsmodell hingegen ist kontinuierlich, vernetzt und entscheidungsorientiert. Es reduziert die Latenzzeit, indem es Erkenntnisse unmittelbar in handlungsfähige Szenarien übersetzt.

Von der Theorie zur Umsetzung

Bereits durch die Kombination eines digitalen Zwillings mit einem ausgewählten Planungsprozess und regelmäßigen Szenarioanalysen können Unternehmen ihre Latenzzeiten spürbar verringern. Entscheidend ist dabei nicht, alle Datenquellen gleichzeitig einzubinden, sondern die Verzögerung zwischen Entscheidung und Umsetzung gezielt zu reduzieren.

Warnsignale für Planungslatenz

Ob das eigene Unternehmen durch zu starre Planung ausgebremst wird, lässt sich bei verstärktem Auftreten einiger Effekte erkennen. Regelmäßige Überbestände bei einzelnen Materialien sind ein erstes Indiz für verzögerte Anpassungen. Häufige Expresslieferungen, um Termine zu halten, deuten auf kurzfristige Reaktionen statt vorausschauender Planung hin. Planabweichungen von mehr als 30 Prozent bei Nachfrage oder Kapazität weisen auf strukturelle Ungenauigkeiten im Forecast hin. Engpässe trotz scheinbar hoher Lagerbestände zeigen, dass Transparenz und Abstimmung zwischen Planung und Materialfluss fehlen.

Was Produktionsleiter tun können

Produktionsleiter sollten den Fokus auf einen besonders volatilen Prozess legen, etwa die Disposition kritischer Bauteile. Digitale Zwillinge helfen dabei, Kosten, Kapazitäten und Durchlaufzeiten zu modellieren, bevor reale Maßnahmen ergriffen werden. Laufende Was-wäre-wenn-Analysen für Störungen oder Marktänderungen unterstützen eine kontinuierliche Anpassung. Mensch und Technik müssen zusammengedacht werden. Der Einsatz etwa von Cobots sollte daher immer in Verbindung mit Qualifikationen, Schichtmodellen und Schulungsbedarfen geplant werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, Kennzahlen zur Planungsagilität als Ergänzung zu klassischen Effizienzmetriken zu entwickeln.

Anpassungsfähigkeit erhöht Effizienz

Während die Produktion früher vor allem von Skaleneffekten und später von Effizienzsteigerungen profitierte, ist es heute auch die Anpassungsfähigkeit, die über Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Kontinuierliche Planung ermöglicht es, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, Risiken zu begrenzen und Chancen gezielt zu nutzen. Für Produktionsleiter bedeutet das: Wer seine Planungsprozesse modernisiert, verschafft sich nicht nur einen Puffer gegen Unsicherheit, sondern echte Wettbewerbsvorteile. Softwareanbieter wie Board zeigen, wie sich kontinuierliche Planungsansätze in der Praxis technisch abbilden lassen. Entscheidend ist jedoch, dass Produktionsleiter selbst die Initiative ergreifen und die Transformation aktiv gestalten.



  • Flexibel und sicher

    Flexibel und sicher

    Helmholz erweitert sein Portfolio an Industrieroutern. Die bewährten REX-Geräte sind ab sofort auch mit zusätzlicher WAN (Wide Area Network)-Schnittstelle und Fallback-Mechanismus erhältlich.

    mehr lesen: Flexibel und sicher

  • Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Die Fuji Europe Corparation hat Tower-Factory, einen Anbieter von Lagerlogistiksystemen, übernommen. Kunden von Fuji Europe sollen dadurch Lösungen erhalten, die den gesamten Materialfluss abdecken.

    mehr lesen: Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

  • Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

    Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

    Für die Webinare des TeDo Verlags, die im Rahmen des Herbstes der Innovationen durchgeführt werden, haben sich bereits weit über 1.200 Teilnehmer angemeldet. Das SPS-Magazin, die IT&Production, die Robotik und…

    mehr lesen: Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Neuer VDMA-Präsident gewählt

    Neuer VDMA-Präsident gewählt

    Der VDMA hat mit Karl Haeusgen einen neuen Präsidenten. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde der Vorstandsvorsitzende von Hawe Hydraulik als Nachfolger von Carl Martin Welcker bestimmt. Auch der Verband VDMA…

    mehr lesen: Neuer VDMA-Präsident gewählt

  • Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

    Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

    Maindays 2020 Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel Unter dem Motto ‘Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel‘ findet die 21. Jahrestagung MainDays vom 24. bis zum 25. November in Potsdam…

    mehr lesen: Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

  • Kurzarbeit geht weiter zurück

    Kurzarbeit geht weiter zurück

    Im September ist die Zahl der Beschäftigten, die in Kurzarbeit sind, weiter zurückgegangen. Das Ifo-Institut schätzt die Zahl der Kurzarbeiter aktuell auf 3,7 Millionen Menschen.

    mehr lesen: Kurzarbeit geht weiter zurück

  • Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

    Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

    Das Fraunhofer IPT und die Firma German Edge Cloud arbeiten gerade an der Fraunhofer Edge Cloud, die bald 20 Fraunhofer-Institute vernetzen soll. Die offene Foschungsplattform und Testumgebung hilft später im…

    mehr lesen: Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

  • CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

    CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

    Bosch erweitert das noch junge Automatisierungssystem CtrlX um Komponenten und Services. Vor allem aber lädt die Unternehmensgruppe Third-Party-Anbieter dazu ein, sich mit eigenen Anwendungen auf der Plattform zu engagieren.

    mehr lesen: CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

  • Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit ihrer Plattform Indigo will sich das Münchener Startup Emocean auf dem Markt für Analytics-Projekte positionieren. Das Besondere: Die Lösung soll Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren und so etwa den unmittelbaren…

    mehr lesen: Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

  • Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus ein reales Orderminus von 14 Prozent verzeichnet. Das ist seit Beginn der Corona-Krise der geringste Rückgang auf Monatsbasis.

    mehr lesen: Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

  • Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler übernimmt ab November die Leitung des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland und wird damit zugleich zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen.

    mehr lesen: Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland