ERP-Software im wachsenden Startup: Wenn Insellösungen nicht mehr reichen

Bild1
Bild: Nosh.Bio

Wer ein neues Unternehmen gründet, hat die Kosten für Anfangsinvestitionen besonders im Blick. Deshalb nutzen Startups oft einfache, kostengünstige Standard-Software, wenn nötig ergänzt durch branchenspezifische Applikationen. Verschiedenen IT-Komponenten stehen dann gewöhnlich als Insellösungen nebeneinander. Wächst ein Unternehmen, stößt dieses Vorgehen jedoch schnell an Grenzen: Die Komplexität nimmt zu, einzelne Abteilungen können Informationen nicht direkt austauschen, Datensilos und Medienbrüche entstehen und manuelle Prozesse werden zu Fehlerquellen.

Fleischalternative aus Koji-Pilzen

Das Berliner Startup Nosh.Bio geht einen anderen Weg und setzt von Beginn an ein Cloud-ERP ein. Das Unternehmen produziert eine Fleischalternative auf Basis des in der japanischen Küche oft eingesetzten Koji-Pilzes. Zum einen steht dabei die ökologische Idee einer deutlichen Verminderung des CO2-Fußabdrucks bei der Herstellung von Nahrungsmitteln im Vordergrund. Zum anderen ist der Fleischersatz von Nosh.Bio der erste, der aus nur einem Bestandteil besteht. Der japanische Edelpilz hat einen hohen Proteingehalt, eine Konsistenz, die an Hühnerfleisch erinnert, und lange Fasern, die nicht mehr – wie bei anderen Alternativen zu Fleisch – in einem zusätzlichen Arbeitsschritt zu einer festen Struktur verklebt werden müssen. Der Pilz kommt zusammen mit Bioreaktoren in ein Wasserbad und wächst dort innerhalb von nur 48 Stunden stark an. Nach dem Abgießen des Wassers erhält man eine kompakte, geschmacksneutrale Masse, die sich einfach weiterverarbeiten lässt.

Aus Erfahrung gelernt

Bild5
Bild: Nosh.Bio

Warum sich bei Nosh.Bio bereits in der Startphase für ein Cloud-ERP-System entschieden hat, erklärt Gründer und Geschäftsführer Tim Frontzek: „Ich habe Erfahrung mit Unternehmensgründungen. Deshalb weiß ich, dass es ein großer Vorteil ist, direkt mit einem ERP-System zu starten – selbst wenn das Ganze zunächst überdimensioniert erscheint. Man hat auf diese Weise einerseits die beste Startrampe für ein schnelles Wachstum. Andererseits spart man sich einen späteren Kraftakt, wenn die ERP-Implementierung zwangsläufig viel mehr Module umfasst.“

Frontzek hat bereits in der Vergangenheit als Mitgründer des Web-basierten Re-Commerce-Unternehmens Rebuy erlebt, wie zunehmendes Unternehmenswachstum einfache Software-Systeme an ihre Grenzen bringen kann: „Ich kannte diese Probleme aus meiner Zeit bei Rebuy, wo wir sehr viel später ein ERP-System eingeführt haben“, erklärt er. „Je länger man damit wartet, desto schwieriger wird die ERP-Einführung. Das wollte ich bei meiner zweiten großen Gründung vermeiden.“

Der ‚bestmögliche Kompromiss‘

Hinzu kommt, dass Nosh.Bio im B2B-Bereich tätig ist und große international tätige Nahrungsmittelkonzerne bedient: „Im B2B-Bereich wird jedes durch uns verursachte Problem unter Umständen zu einer existentiellen Bedrohung“, so der Gründer von Nosh.Bio. „Auch wenn wir noch am Anfang stehen, ist uns völlig klar, dass wir uns keine Fehler leisten dürfen. Mangelhafte Rechnungen oder falsche Informationen zu Lagerbeständen sind jetzt und in Zukunft tabu.“ Deshalb machte sich Frontzek auf die Suche nach einem ERP-System. Seine Kriterien: Die Software sollte für stabile Prozesse sorgen, die Möglichkeit zur Weiterentwicklung bieten und ‚bezahlbar sein‘. Unter diesen Prämissen analysierte er den ERP-Markt und entschied sich schließlich für das Cloud-ERP-System Haufe X360 als ‚bestmöglichen Kompromiss‘. Ziel der Implementierung war es, die ersten Eingangsrechnungen bereits nach wenigen Wochen mit der Software zu verarbeiten.

Gemeinsam mit dem Implementierungspartner ging es zunächst darum, das gesamte Geschäftsmodell und alle Prozesse im Unternehmen zu verstehen. Denn bei Nosh.Bio gab es noch keinen eigenen Produktionsbetrieb. Die Herstellung des Produktes wurde von einem Lohnfertiger in Italien ausgeführt, ein eigener Produktionsstandort auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei in der Nähe von Dresden befand sich erst in der Entstehung.

Implementierung in sechs Wochen

Zu Beginn sollte das System nur für einzelne Aufgaben in der Buchhaltung eingesetzt werden, was Implementierung und Bedienung vereinfachte. Die Usabil-ity des Systems ermöglichte es, dass sich die betroffenen Mitarbeitenden die benötigten Funktionalitäten und die Bedienoberfläche praktisch selbst beibringen konnten. Dazu stellte der Implementierungspartner innerhalb einer Woche eine Testumgebung zur Verfügung. Nach drei Wochen waren die Verantwortlichen bei Nosh.Bio dazu in der Lage, alle für ihre Arbeit relevanten Funktionen zu nutzen. Das Go-Live des Cloud-ERP-Systems fand nach sechs Wochen statt.

Der Lebensmittelspezialist sieht sich nun perfekt vorbereitet auf zunehmend komplexer werdende unternehmerische Prozesse – auch bedingt durch die Modularität der Software. „Aktuell sind wir in der Konzeptionsphase für das Solution Design, also der konkreten Anpassung der Warenwirtschaft an die Anforderungen von Nosh.Bio, und gehen davon aus, dass wir das Modul in zwei bis drei Monaten implementiert haben“, erklärt Tobias Kühnel, Customer Success Manager beim Implementierungspartner Handeln.de. „Im Bereich Finance sind wir kontinuierlich dabei, Erweiterungen und Automatisierungen vorzunehmen – immer mit Blick auf die tatsächliche Entwicklung der unternehmensinternen Prozesse und die daraus entstehenden Anforderungen.“

Gründer Tim Fronzek blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir können im Zuge unserer Entwicklung weitere Produktionsstandorte und Zwischenlager eröffnen. Schließlich hat unser Produkt einen weltweiten Markt. Wenn die Warenwirtschaft schrittweise komplexer wird, sind wir mit Haufe X360 darauf vorbereitet.“



  • Quantenprozessor besser machen

    Quantenprozessor besser machen

    Quantenrechner sollen unter anderem Optimierungsaufgaben lösen, etwa für Produktionsprozesse. Im Verbundprojekt ‘GeQCoS‘ wollen Forscher Konzepte für den Bau eines verbesserten Quantenprozessors entwickeln.

    mehr lesen: Quantenprozessor besser machen

  • Exeon erweitert Geschäftsführung

    Exeon erweitert Geschäftsführung

    Exeon erweitert die Geschäftsleitung um einen Chief Marketing Officer. Gregor Erismann, der die Stelle am 1. Februar 2021 antritt, war zuvor Geschäftsleitungsmitglied und CMO der Digitalagentur Namics.

    mehr lesen: Exeon erweitert Geschäftsführung

  • Roboterdichte erreicht neuen Rekordwert

    Roboterdichte erreicht neuen Rekordwert

    Die Roboterdichte im produzierenden Gewerbe hat weltweit mit durchschnittlich 113 Industrie-Robotern pro 10.000 Mitarbeiter einen neuen Rekord erreicht. Das berichtet die International Federation of Robotics.

    mehr lesen: Roboterdichte erreicht neuen Rekordwert

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Emotet-Infrastruktur zerschlagen

    Emotet-Infrastruktur zerschlagen

    Die Schadsoftware Emotet hat zu großen Schäden in Unternehmen, Institutionen und Privathaushalten geführt. Nun ist es gelungen, das dahinterstehende Netzwerk zu zerschlagen.

    mehr lesen: Emotet-Infrastruktur zerschlagen

  • Mit digitalem und nachhaltigem Wandel aus der Krise

    Mit digitalem und nachhaltigem Wandel aus der Krise

    Europäische Unternehmen, die sowohl ihre Digitalisierung als auch einen nachhaltigen Wandel vorantreiben, haben laut einer Accenture-Studie bessere Chancen, sich schneller von den Folgen der Covid-19-Pandemie zu erholen bzw. sogar gestärkt…

    mehr lesen: Mit digitalem und nachhaltigem Wandel aus der Krise

  • Maschinen- und Anlagenbau spürt leichten Rückenwind

    Maschinen- und Anlagenbau spürt leichten Rückenwind

    Der Maschinen- und Anlagenbau zieht eine gemischte Bilanz für das abgelaufene Jahr, so das Ergebnis der 9. VDMA-Blitzumfrage zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, an der 575 Mitgliedsunternehmen teilnahmen. Vier…

    mehr lesen: Maschinen- und Anlagenbau spürt leichten Rückenwind

  • PlusServer und GFT kooperieren für das IoT

    PlusServer und GFT kooperieren für das IoT

    Mit der Sphinx Open Online on Pluscloud haben Plusserver und GFT Technologies ihre Kompetenzen im Bereich IoT gebündelt. Einsatzgebiete sind beispielsweise Smart Factories in der Produktion.

    mehr lesen: PlusServer und GFT kooperieren für das IoT

  • ATS erwirbt Lean Scheduling International

    ATS erwirbt Lean Scheduling International

    Mit der Übernahme durch ATS Global wird aus der Lean Scheduling international die ATS Lean Scheduling International.

    mehr lesen: ATS erwirbt Lean Scheduling International

  • Plattformmodul für die Produktion

    Plattformmodul für die Produktion

    Dynatrace tritt in den Markt für Cloud Application Security ein. Dazu hat das Unternehmen seine Software-Intelligence-Plattform um ein neues Modul erweitert: Das neue Dynatrace Application Security Module bietet kontinuierliche Runtime-Application-Self-Protection…

    mehr lesen: Plattformmodul für die Produktion

  • Gefahrenpotenzial steigt weiter

    Gefahrenpotenzial steigt weiter

    Was wird sich bei der Sicherheit kritischer Infrastrukturen, Industrie- und Produktionsanlagen im neuen Jahr ändern? Welche Herausforderungen erwarten die Sicherheitsverantwortlichen, welche Trends zeichnen sich ab? Die Experten für industrielle Cybersecurity…

    mehr lesen: Gefahrenpotenzial steigt weiter

  • Lynx Software Technologies gewinnt Preis

    Lynx Software Technologies gewinnt Preis

    Lynx Software Technologies gibt bekannt, dass Lynx Mosa.ic im Rahmen der IoT Breakthrough Awards zur ‚IoT Security Platform of the Year‘ gekürt wurde.

    mehr lesen: Lynx Software Technologies gewinnt Preis