Transparente Planung erhöht Liefertreue und senkt Bestände

3416917 col
Bild: Valantic Supply Chain Excellence GmbH

Ottobock ist als Hersteller in den Bereichen Prothetik und tragbarer menschlicher Bionik weltweit aktiv. Die bisherige Kapazitätsplanung des Orthopädietechnik-Spezialisten auf Basis von SAP ECC und Microsoft Excel war von Erfahrungswerten abhängig, aufwendig und eine der Herausforderungen in der Wertschöpfungskette von Ottobock. Deshalb sollte die Valantic WaySuite als zusätzliche Standardsoftware neben SAP eingeführt werden. Dem Projektteam, das die Einführung der Advanced Planning and Scheduling Software (APS) verantwortete, war klar, dass Prozesse und Software aufeinander abgestimmt sein müssen, damit ein Digitalisierungsschritt wie die teilautomatisierte Bedarfs- und Produktionsplanung seine volle Wirkung entfalten kann.

Ottobock Cleg4
Bild: Valantic Supply Chain Excellence GmbH

Startschuss 2020

Als im August 2020 die Zusammenarbeit mit dem IT-Partner startete, waren die Planer des Orthopädietechnik-Unternehmens daran interessiert, auf bewährte Methoden und Best Practices umzustellen. Die Supply-Chain-Spezialisten bringen schließlich Jahrzehnte an Erfahrung in der Prozessoptimierung mit. So gehörte eine Reihe von PP/DS-Prozess-Workshops mit Vertretern von Fertigungsplanung und Logistik, Business Process Management, Produktion/Production Engineering, Einkauf, SAP PP/MM Application Management und Sales zu den ersten Maßnahmen. Die bisherige Planungsorganisation, Zuständigkeiten und Prozesse wurden beleuchtet und Optimierungspotenziale anhand repräsentativer Produkte und Arbeitspläne gesucht. Nach der Erarbeitung eines Planungsleitbilds folgte ein standardisiertes Vorgehen in der Softwarenutzung.

90 Prozent der Rollstühle werden individuell angepasst. Die Varianz galt es softwareseitig abzubilden
90 Prozent der Rollstühle werden individuell angepasst. Die Varianz galt es softwareseitig abzubilden – Bild: valantic Supply Chain Excellence GmbH

Zentrale S&OP und lokale Produktionsplanung

Die Einführung der Software begann in der Firmenzentrale in Duderstadt, Niedersachsen, anschließend folgte das bulgarische Werk in Blagoevgrad. Besonders herausfordernd waren die Produktionshilfsmittel für die Prothesenherstellung. Insbesondere Gießformen für Prothesenfüße führten häufig zu Engpässen in der Produktionskapazität. Ebenso wie die Fertigungshilfsmittel wurden verfügbare Kapazitäten in der Kombination von Mitarbeiterpool-Arbeitsplätzen und Arbeitsplatzhierarchien im System abgebildet. Das war eine Voraussetzung für ATP/CTP-Machbarkeitsprüfungen zur Bestimmung realistischer Liefertermine und die automatische Optimierung der Fertigungssteuerung mit dem Modul WayOPT. Bis Juli 2021 war die Implementierung der APS-Software im Hauptwerk umgesetzt. „Es war von Vorteil, Planer aus anderen Werken frühzeitig einzubeziehen, um einen standardisierten Tagesablauf und eine einheitliche Arbeitsweise in der APS-Software zu etablieren. Nach der zentralisierten Bedarfsplanung erfolgt die konkrete Produktionsplanung jeweils in den einzelnen Werken. Dabei arbeiten wir alle mit den gleichen Listen und Ansichten. Dies gibt uns ein hohes Maß an Transparenz und definiert die werksübergreifenden Prozesse“, erläutert Bastian Steffens, Supply Chain Process Specialist und Projektleiter des APS-Projekts bei Ottobock.

Szenarios simulieren

Im nächsten Schritt wurden von Oktober 2021 bis Mai 2022 im Ottobock-Werk in Wien die Module der S&OP-Software implementiert. Hier waren die werksübergreifenden Lieferkettenverzweigungen das zentrale Thema, denn in Wien werden Produkte der mechatronischen Knie- und Armprothetik hergestellt. Die Produktion in Wien ist beispielsweise von den Ottobock-Standorten Duderstadt und Blagoevgrad abhängig, da diese z.B. Frästeile und vormontierte Baugruppen liefern. Die Planung wird erschwert durch die große Zahl der Produktvarianten. „Die Kollegen in Wien nutzen die Szenariotechnik der Software besonders intensiv. Man kann in WayRTS in Echtzeit die Produktionsplanung für verschiedene Ausgangsszenarien simulieren, ohne dass dies den gültigen Planungsstand beeinflusst. Das Team bereitet sich dadurch auf verschiedene Situationen hinsichtlich der Materialverfügbarkeit und Bearbeitungskapazitäten vor“, erläutert Bastian Steffens.

Individuelle Rollstühle

Ottobock bietet ebenfalls eine große Zahl an manuellen und Elektro- und Kinderrollstühlen sowie Reha-Kinderwagen, Sitz- und Positionierungssysteme. Sie werden im thüringischen Königsee produziert, der Heimatstadt des Unternehmensgründers Otto Bock. Nach rund acht Monaten Projektlaufzeit ging das System im Februar 2023 produktiv. Eine Herausforderung war dabei der Variantenreichtum der Rollstühle. Der Vertrieb arbeitet mit unterschiedlichen Fragen zur Gestaltung der Rollstühle, wobei es Millionen Kombinationsmöglichkeiten gibt. Angesichts des unterschiedlichen Aufwandes sollte die APS-Software eine konstante Auslastung der Arbeitsplätze gewährleisten. Sie bezieht dazu die benötigten Stücklisten aus dem SAP-System. Durch den hohen Anteil an kundenindividuellen Produkten – über 90 Prozent der Rollstühle werden individuell gefertigt – war hier die Anpassung der Software an die Variantenkonfigurationen aus den Angeboten entscheidend.

Plan testen, dann umsetzen

Nach dem letztem Roll-out in Königsee ziehen die Planungsverantwortlichen bei Ottobock ein positives Fazit. Mit der kapazitiven Optimierung von Arbeitsplätzen und Fertigungshilfsmitteln wurde es möglich, über das Jahr hinweg ausbalancierte Produktionspläne zu erstellen. Der Hersteller profitiert von mehr Transparenz in Bezug auf Bedarfe, Bestände und Engpässe. Gleichzeitig konnte der Aufwand für Planung und Steuerung insgesamt reduziert werden. Das Planungsteam kann nun Anfragen und Auftragseinlastungen als Szenarien in Echtzeit simulieren, ohne die produktive Arbeit zu stören. Nach Abschluss der Simulationen lässt sich die gewählte Variante ins Produktivsystem übernehmen. Die Einführung führte zu höherer Produktivität und verbesserte die Lieferzuverlässigkeit, was die Kunden zu schätzen wissen dürften.



  • Wo Manager zukünftig Cybergefahren sehen

    Wo Manager zukünftig Cybergefahren sehen

    Deutsche und Schweizer C-Level Manager sehen besonders für das Homeoffice Handlungsbedarf, um dort in der Zukunft sensible Daten besser zu schützen. Die Österreicher halten Smart-Building-Technologien für anfällig. Dies zeigen die…

    mehr lesen: Wo Manager zukünftig Cybergefahren sehen

  • Produzenten mit Montage als Teilnehmer gesucht

    Produzenten mit Montage als Teilnehmer gesucht

    Forschende am IPH-Institut für Integrierte Produktion Hannover entwickeln eine Methode, um die Nachhaltigkeit von Automatisierungssystemen zu bewerten und solche Systeme einzuführen. Produzierende Unternehmen können sich am Projekt beteiligen.

    mehr lesen: Produzenten mit Montage als Teilnehmer gesucht

  • Tochterunternehmen Onoff verschmilzt mit SpiraTec

    Tochterunternehmen Onoff verschmilzt mit SpiraTec

    Die Onoff GmbH, eine hundertprozentige Tochterfirma der SpiraTec AG, ist mit der Muttergesellschaft verschmolzen. Die Kombination der Ressourcen, des Knowhows und der Teams soll die Grundlage für die zukünftigen Expansionspläne…

    mehr lesen: Tochterunternehmen Onoff verschmilzt mit SpiraTec

  • Neues Forschungszentrum für die kognitive Produktion entsteht

    Neues Forschungszentrum für die kognitive Produktion entsteht

    Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU hat den Bau des neuen Forschungszentrums begonnen. Im Neubau soll dann an Systemen im Sinn einer kognitiven Produktion geforscht werden. Konkreter ist damit…

    mehr lesen: Neues Forschungszentrum für die kognitive Produktion entsteht

  • 86 Prozent finden DSGVO-Umsetzung schwierig

    86 Prozent finden DSGVO-Umsetzung schwierig

    Für 86 Prozent der Firmen ist es sehr herausfordernd, die DSGVO umzusetzen, ergab eine Umfrage von Piwik Pro. Doch dass Konformität und ihre Marketingaktivitäten vereinbar seien, gaben 90 Prozent der…

    mehr lesen: 86 Prozent finden DSGVO-Umsetzung schwierig

  • SuperOffice-CEO Jentoft geht nach 18 Jahren

    SuperOffice-CEO Jentoft geht nach 18 Jahren

    Der CRM-Softwareanbieter SuperOffice hat Lars Engbork zum neuen CEO ernannt. Er übernimmt die Leitung von Gisle Jentoft, der das norwegische Unternehmen 18 Jahre lang geführt hat. Seit 2020 hält der…

    mehr lesen: SuperOffice-CEO Jentoft geht nach 18 Jahren

  • Transferprojekt vermittelt Blockchain-Wissen für KMU

    Transferprojekt vermittelt Blockchain-Wissen für KMU

    Im neu gestarteten Projekt DUH-IT sollen KMU aus Dortmund, Unna und Hamm den Einsatz von Blockchain-Technologie in der Lieferkettengestaltung erkunden. So wollen das Fraunhofer IML und die TU Dortmund die…

    mehr lesen: Transferprojekt vermittelt Blockchain-Wissen für KMU

  • Maschinenausfuhren gehen zurück

    Maschinenausfuhren gehen zurück

    Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat im ersten Quartal 2024 nominal 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr exportiert, meldet der Branchenverband VDMA. Die Exporte nach China sinken weiter, das Wachstum…

    mehr lesen: Maschinenausfuhren gehen zurück

  • All About Automation in Heilbronn vorüber

    All About Automation in Heilbronn vorüber

    Das Messekonzept der All About Automation: überschaubar, praxisnah und regional. Damit ist Veranstalterin Easyfairs erfolgreich, die dritte Ausgabe der Automatisierungsschau in Heilbronn verzeichnete rund 30 Prozent mehr Aussteller und 40…

    mehr lesen: All About Automation in Heilbronn vorüber

  • Instandhaltung und Field Service mit SAP-Software abwickeln

    Instandhaltung und Field Service mit SAP-Software abwickeln

    Der 28. Jahreskongress SAP EAM 2024 findet am 20. und 21. Juni in Berlin statt. Auch dieses Mal stehen auf der unabhängigen Konferenz Neuigkeiten und Herausforderungen rund um SAP-softwaregestütztes Instandhaltungsmanagement…

    mehr lesen: Instandhaltung und Field Service mit SAP-Software abwickeln

  • AI Act nimmt letzte Hürde

    AI Act nimmt letzte Hürde

    Die Mitgliedsstaaten der EU wollen am 21. Mai 2024 im Ministerrat den AI Act beschließen. In der Verordnung werden Systeme mit künstlicher Intelligenz nach Risikoklassen unterteilt und reguliert. Bitkom-Präsident Dr.…

    mehr lesen: AI Act nimmt letzte Hürde

  • Decide4ECO nutzt Manufacturing-X für nachhaltige Produktentwicklung

    Decide4ECO nutzt Manufacturing-X für nachhaltige Produktentwicklung

    Im Rahmen der Initiative Manufacturing-X fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Konsortialprojekt Decide4Eco mit 7,3Mio.€. Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie Produkte nachhaltiger entwickelt und…

    mehr lesen: Decide4ECO nutzt Manufacturing-X für nachhaltige Produktentwicklung