Stärkt gute ESG-Performance die Marktbewertung?

Je nach unternehmerischer ESG Ambition entstehen unterschiedlich hohe Wettbewerbsvorteile und Differenzierungsmerkmale
Je nach unternehmerischer ESG Ambition entstehen unterschiedlich hohe Wettbewerbsvorteile und Differenzierungsmerkmale Bild: ConVista Consulting AG

Mit dem Omnibus-Paket hat der Rat der EU den Anwendungsbereich der Corporate Sustainabil-ity Reporting Directive (CSRD) erweitert: Berichtspflichtig sind im Kern Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz über 450 Millionen Euro. Parallel dazu hat die EFRAG die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) überarbeitet: In der technischen Empfehlung von Ende 2025 wird eine Reduktion der verpflichtenden Datenpunkte um mehr als 60 Prozent dokumentiert, verbunden mit einem Fokus auf wesentliche, entscheidungsrelevante Informationen. Die doppelte Wesentlichkeit fungiert dabei explizit als Filter, nicht als Erweiterungspflicht. Berichtet werden soll, was für Stakeholder und Geschäftsmodell wirklich relevant ist. Für mittelständische Industrie- und Technologieunternehmen bedeutet das: weniger Detailsteuerung von außen, mehr Möglichkeit, das eigene ESG-Profil zu schärfen – und die freiwerdende Energie in wertsteigernde Maßnahmen, statt in Abarbeiten von Checklisten zu investieren.

Ein Datensatz, viele Anwendungen

Dennoch müssen CSRD-pflichtige Unternehmen natürlich weiter über ihre wesentlichen Nachhaltigkeitswirkungen entlang der Wertschöpfungskette berichten – inklusive relevanter Scope-3-Emissionen, Lieferkettenrisiken und Governance-Aspekte (CSRD/ESRS-Rahmen). Dafür sind sie auf ESG-Informationen ihrer Lieferanten angewiesen, also häufig auf exakt die mittelständischen Unternehmen, die formal nicht unter die CSRD fallen. Der neu geschaffene, freiwillige ESRS-VSME-Standard adressiert genau diese Rolle. Er bietet ein schlankes ESG-Profil für nicht-gelistete KMU, das mit den Anforderungen großer Kunden kompatibel ist und zugleich den Aufwand begrenzt. Richtig genutzt, kann daraus ein Skaleneffekt entstehen, denn einmal sauber aufgesetzte ESG-Kennzahlen und Prozesse können für Kundenanfragen, Bankgespräche, Versicherungen, Förderanträge und interne Steuerung parallel genutzt werden. Zudem kann die Qualität der ESG-Daten die Verhandlungsposition in Ausschreibungen und Rahmenverträgen verbessern, weil Lieferantenanforderungen transparent und belastbar beantwortet werden können. Die indirekte Berichtspflicht wird so zum Instrument, um mit einem konsistenten Datenset gleich mehrere geschäftliche Ziele zu bedienen.

ESG zahlt sich aus

Ob es sich wirtschaftlich lohnt, ESG über Compliance hinaus strategisch aufzubauen, ist inzwischen umfassend untersucht. Das NYU Stern Center for Sustainable Business hat gemeinsam mit Rockefeller Asset Man-agement über 1.000 Studien aus den Jahren 2015 bis 2020 ausgewertet und dabei konsequent zwischen Unternehmens- und Investmentperspektive unterschieden. Der dort entwickelte ROSI-Ansatz (Return on Sustainable Investment) quantifiziert ESG-Effekte entlang klassischer Finanzgrößen: Einsparungen, Produktivitätsgewinne, Umsatzsteigerungen, Markenwert und Risikoreduktion werden explizit den zugrunde liegenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen zugeordnet. Das Ergebnis: „The relationship between ESG and financial performance is positive in the majority of cases, particularly over longer time horizons.“

ESG erhöht Marktbewertung

Eine Panelstudie mit Fokus auf OECD-Staaten liefert eine feinkörnigere Sicht. Dsouza et al. analysieren in ‚Sustainable investing: ESG effectiveness and market value in OECD region‘ ein Panel von 1.758 Unternehmen über den Zeitraum 2011 bis 2022 und setzen ESG-Scores in Fixed-Effects-Modellen zur Marktbewertung ins Verhältnis. Hier ergab die Studie: Verbesserte ESG-Performance erhöht die Marktbewertung signifikant, auch nach Kontrolle für Unternehmens- und Länderfaktoren; ein Teil dieses Effekts wird über gesteigerte Profitabilität und operative Leistungsfähigkeit vermittelt. Für mittelständische Industrie- und Technologieunternehmen, die Finanzierungskonditionen, Unternehmenswert oder Nachfolgeregelungen im Blick haben, kann das ein Signal sein: Ein professionelles ESG-Profil ist ein Baustein für eine höhere Bewertung – und damit auch für bessere Verhandlungsspielräume gegenüber Banken, Investoren oder strategischen Partnern.

Kapitallenkung statt Pflichtdenken

Wie ESG als strategisches Steuerungsinstrument eingesetzt werden kann, zeigt China in verdichteter Form. Lin beschreibt im Oxford Capital Markets Law Journal, wie die chinesische Regierung über Regulierungsbehörden, Leitlinien und staatliche Unternehmen ein



  • Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

    Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

    Mit der Ernennung von Ekrem Yigitdoel zum Managing Director will sich die Open Industry 4.0 Alliance für weiteres Wachstum rüsten. Derzeit gehören dem Zusammenschluss rund 80 Mitglieder an.

    mehr lesen: Ekrem Yigitdoel wird Managing Director

  • Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

    Die beiden Unternehmen Innovation.rocks und Augmentaio wollen fusionieren und zukünftig gemeinsam als AR-Spezialist Svarmony am Markt auftreten.

    mehr lesen: Aus Innovation.rocks und Augmentaio wird Svarmony

  • 5G-Ortungslösung für die Industrie

    5G-Ortungslösung für die Industrie

    Im Rahmen einer Partnerschaft haben die Telekom und Trumpf eine Ortungslösung entwickelt, die in einem 5G-Campusnetz betrieben werden kann. Durch den Omlox-Standard lassen sich unterschiedliche Endgeräte miteinander kombinieren.

    mehr lesen: 5G-Ortungslösung für die Industrie

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

    Die Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt, aber auch zu einem zunehmendem Software-Entwicklungsstau geführt, so eine Studie von Mendix. Ein Low-Code-Ansatz kann helfen den damit einhergehenden Problemen zu begegnen.

    mehr lesen: Mit Low-Code gegen den Entwicklungsstau

  • Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

    Seit 2006 ist Ralf W. Dieter Vorstandsvorsitzender der Dürr AG. Zum Jahresende wird er sein Amt zur Verfügung stellen. Seine Nachfolge tritt Jochen Weyrauch an.

    mehr lesen: Jochen Weyrauch folgt auf Ralf Dieter

  • Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

    Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

    Im November findet die 3D-Druck-Messe Formnext in Frankfurt statt. Wie der Veranstalter nun bekanntgegeben hat, kommt dabei die 2G-Regel zum tragen.

    mehr lesen: Zugang zur Formnext nur für Geimpfte und Genesene

  • Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

    Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

    Die Engpässe bei Vorprodukten wirken sich derzeit quasi auf alle Teile der Industrie aus. Besonders davon betroffen ist allerdings die Automobilindustrie, was sich auch in aktuellen Zahlen des Ifo Instituts…

    mehr lesen: Lieferengpässe drücken die Stimmung der Automobilindustrie

  • Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

    Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

    Laut einer ZVEI-Umfrage fühlen sich die Unternehmen der Elektronikbranche eingeschränkt, wenn es um die Nutzung von Daten geht, auch aufgrund von Rechtsunsicherheiten bezüglich der DSGVO.

    mehr lesen: Datenwirtschaft und KI als Chance begreifen

  • Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

    Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

    Nach einer Analyse des Technologie-Dienstleisters NTT haben Ransomware-Attacken ein neues Rekordniveau erreicht: Bis zum Jahresende müssen sich Unternehmen alle elf Sekunden auf einen Angriff mit Erpresser-Schadsoftware einstellen. Dabei nutzen Cyberkriminelle…

    mehr lesen: Mehr Angriffe, mehr Lösegeld, doppelt Erpresst

  • Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

    Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

    In Deutschland nutzen die Menschen laut einer G Data-Erhebung zu selten sichere Passwörter, Antiviren-Programme oder Zwei-Faktor-Authentifizierung. Damit steigt das Risiko im beruflichen und auch im privaten Bereich.

    mehr lesen: Weg ins Firmennetzwerk oft schlecht gesichert

  • Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

    Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

    In dieser Woche erfolgte der Spatenstich für den Neubau des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung. Das Investitionsvolumen beträgt rund 37Mio.€.

    mehr lesen: Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA