Nutzen ziehen aus Large Language Models

Hinter ChatGPT, Google Bard und Llama 2 arbeiten sogenannte Large Language Models. Doch welche Anwendungsfälle, Effekte und Risiken gibt es, wenn sich Fertigungsunternehmen diese Technologie zunutze machen wollen?
Hinter ChatGPT, Google Bard und Llama 2 arbeiten sogenannte Large Language Models. Doch welche Anwendungsfälle, Effekte und Risiken gibt es, wenn sich Fertigungsunternehmen diese Technologie zunutze machen wollen?Bild: ©Alexander Limbach/stock.adobe.com

KI-gestützte Predictive Maintenance oder Optimierung des Qualitätswesens wird seit langem in der Industrie praktiziert. Doch mit Large Language Models dürfte sich der KI-Einsatz signifikant erweitern, auch ihre einfache Anwendbarkeit senkt Einstiegsbarrieren. Im Kern liefert generative KI ein einfaches User Interface und generiert Texte im Stile natürlicher Sprache, aber auch Bilder, synthetische Daten oder Szenarien und Zusammenfassungen. Dabei stechen drei Anwendungsfälle von GenAI in der Industrie hervor: Einige sind ohne Aufwand und Vorleistung umsetzbar, andere erfordern Vorarbeiten.

Einsatz für Antworten und Analysen

Schnell und pragmatisch implementierbar sind Hilfestellungen der öffentlich zugänglichen LLMs im Arbeitsalltag. Statt in ein manuelles Handbuch zu schauen, können Mitarbeitende über ein User Interface, meistens ein Chat, ihre Fragen oder Problemstellungen eintippen oder einsprechen. Das ist interessant, wenn die Datengrundlage entweder öffentlich zugänglich ist oder z.B. von einem Softwarelieferanten zur Verfügung gestellt wird. So plant beispielsweise Siemens mit ihrem Industrial Co-Pilot, Anwendern die Programmierung von Werkzeugmaschinen wesentlich zu vereinfachen. Microsofts Co-Pilot unterstützt bei Online-Meetings, indem das Tool Entscheidungen, Aktionspunkte und Diskussionen protokolliert und vorbereitet. Bei Produzenten gehört die Unterstützung der Dateninterpretation für Analysen ebenfalls zu den Aufgaben, die ein LLM übernehmen kann. Auch die Kommunikation ließe sich erleichtern, indem Tools wie ChatGPT Sprachbarrieren überwinden, technische Berichte oder Arbeitsprotokolle, die von Technikern diktiert werden, anfertigen. Doch spätestens wenn die Anfragen vertrauliche Daten betreffen, gibt es Grenzen für die Nutzung externer LLM-Anwendungen, zumal vertrauliche Sachverhalte bereits in der Frage selbst stecken. Außerdem dürften die Lösungen für hier anfallende Probleme selten öffentlich zur Verfügung stehen.

KI-entwickelte Produkte und Qualitätstests

Bereits mit mehr individueller Vorarbeit verbunden sind Simulationen und Übertragungen in individuelle Modelle, die Input aus den öffentlich nutzbaren LLMs mit unternehmenseigenen Daten kombinieren. In diesem Umfeld spielen digitale Zwillinge als Datenlieferanten eine wichtige Rolle. Die komplette Digitalisierung eines Produkts (etwa im Automobilbau) beschleunigt die Produktentwicklung massiv, da sich Optimierungen am Digital Twin simulieren lassen, um Produktdesigns und Anforderungen anzupassen. Entwicklungen könnten sich so von sechs bis neun Monaten auf wenige Wochen reduzieren lassen. Aufbauend auf Machine Learning (ML)-Algorithmen zur Qualitätsprüfung, kann GenAI zudem eine Ursachenanalyse für Qualitätsprobleme erstellen, Gegenmaßnahmen vorschlagen und Berichte erzeugen. Weiter können LLM eingesetzt werden, um Arbeitsschritte zu protokollieren, um etwa die Erstellung von Handbüchern oder Dokumentationen zu automatisieren.

LLM mit internen Daten

In vielen Unternehmen werden täglich eine große Menge strukturierter und unstrukturierter Daten generiert. Dazu gehören Sensorenmetriken, Bilder, Video, Telemetrie-Daten, Nutzerhandbücher, technische Beschreibungen, Qualitätspläne, Anforderungskataloge und -konzepte, Sicherheitsdatenblätter, regulatorische Anforderungen und Liefervereinbarungen. Alle diese Daten lassen sich von LLMs integrieren und analysieren. Doch oft verfügen nur einzelne Bereiche über eine große Datenmenge, die unterschiedlich kodiert, daher nicht so einfach übertragbar und nutzbar sind. Ein zentrales Datenmanagement inklusive eines einheitlichen Unternehmensdatenmodell ist eine Grundlage, um Informationen aus Rohdaten zu schöpfen.

Bewusstsein schärfen

Unternehmen sollten Regeln für den Umgang mit LLMs aufstellen, gerade für die Nutzung von offenen LLMs wie GPT und Co. Mitarbeitende müssen aufmerksam sein, keine sensiblen Unternehmens- und Kundendaten aus Versehen preiszugeben. Eine zu starke Regulierung oder gar ein generelles Verbot dieser KI-Systeme im Unternehmen dürfte hingegen wenig weiterhelfen, sondern im schlimmsten Fall eher die Attraktivität als Arbeitgeber senken. Es braucht außerdem Verantwortlichkeiten für das Management von Daten, wie es dieses beispielsweise bereits in vielen Versicherungsunternehmen mit einem Chief Data Officer gibt. Diese Führungskräfte setzen nicht nur Regeln im Sinne einer zentralen Unternehmensgovernance, sondern treiben auch die bereichsübergreifende Integration von Daten voran. Mit der strategischen Bedeutung von Daten als Ressource brauchen Unternehmen ein übergreifendes Wissensmanagement.



  • Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

    Rezessionsgefahr und eine abgeschwächte Auslandsnachfrage trüben die Stimmung im deutschen Maschinenbau. Dies geht aus dem vierteljährlichen Maschinenbaubarometer von PWC für das dritte Quartal 2019 hervor. Demnach blicken 48 Prozent der…

    mehr lesen: Deutscher Maschinenbau im Stimmungstief

  • IT-Umgebungen mit KI managen

    IT-Umgebungen mit KI managen

    Der Anstieg an vernetzten Geräten und Services könnte zukünftig dazu führen, dass IT-Umgebungen nicht mehr allein von Menschenhand gesteuert werden. Dies ist das Ergebnis des ‘2020 Global Networking Technology Report‘…

    mehr lesen: IT-Umgebungen mit KI managen

  • Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Cosmo Consult erweitert Führungsteam

    Um den Weg für weiteres Wachstum zu ebnen, hat das Software- und Beratungsunternehmen Cosmo Consult seine Führungsmannschaft um drei neue Positionen erweitert.

    mehr lesen: Cosmo Consult erweitert Führungsteam

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

    Der IT-Security-Spezialist Trend Micro erweitert seinen Wettbewerb ‘Pwn2Own Miami‘ auf industrielle Steuerungssysteme (ICS). Die Aufgabe besteht darin, Schwachstellen in der Software und den Protokollen von weit verbreiteten Systemen zu finden.…

    mehr lesen: Im Wettbewerb Schwachstellen aufspüren

  • Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

    In dem auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojekt Sorisma wollen die Projektpartner Methoden erarbeiten, die Unternehmen dabei helfen soll, Fallstricke bei der Einführung von Industrie 4.0-Technologien zu vermeiden.

    mehr lesen: Industrie 4.0 ohne Stolpersteine

  • T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

    Mit Thomas Blöchl als neuem COO hat die T.CON ein viertes Mitglied in die Geschäftsführung berufen.

    mehr lesen: T.CON ernennt Thomas Blöchl zum COO

  • Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

    Die Beschäftigungsaussichten für die nächsten drei Monate sind laut Ifo-Beschäftigungsbarometer weiter positiv, jedoch zeigt der Index einen weniger starken Beschäftigungsanstieg als in den vergangenen Jahren.

    mehr lesen: Unternehmen planen weniger Neueinstellungen

  • Automation trifft Software

    Automation trifft Software

    Vom 26. bis zum 28. November 2019 wird das Nürnberger Messegelände zum Branchentreff der Automatisierungstechnik. Dabei weist die SPS – Smart Production Solutions in diesem Jahr erstmals bereits im Namen…

    mehr lesen: Automation trifft Software

  • T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    Im Rahmen der Digital X in Köln haben Siemens und T-Systems angekündigt, künftig gemeinsame Lösungen für das industrielle Internet der Dinge anzubieten.

    mehr lesen: T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

  • Neuer EMEA General Manager bei PTC

    Neuer EMEA General Manager bei PTC

    PTC hat mit Stéphane Barberet einen neuen General Manager für die EMEA-Region. Barberet kommt von Dell zum US-Softwareanbieter.

    mehr lesen: Neuer EMEA General Manager bei PTC

  • ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Beauftragte für Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, haben in Dortmund die Pläne für ein europäisches Cloud-Projekt vorgestellt.

    mehr lesen: ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa