Integrierte Feinplanung bei Eaton: Komplexe Produktion beherrschen

eaton 2019 12 41
Bild: Tetys GmbH & Co. KG

In der modernen Fertigung fordern Kunden einerseits kürzere Lieferzeiten und reagieren empfindlich auf Verzögerungen, andererseits zwingt der Kostendruck Unternehmen dazu, Bestände zu minimieren und Kapazitäten optimal auszulasten. In den Eaton-Werken Holzhausen, Dausenau und Gladbach ist diese Komplexität die tägliche Realität. Angesichts eines Portfolios von mehr als 900 Spritzgussprodukten mit monatlichen Produktionsmengen von bis zu 18 Millionen Teilen in der Kunststofffertigung sowie Stanzartikel und -mengen in vergleichbarer Größenordnung stellt die manuelle Produktionsplanung eine erhebliche Herausforderung dar.

Ein Navi für die Produktion

Eaton setzt hier auf die Software-Suite Tetys, die Planung und Datenerfassung miteinander verknüpft. Die integrierte Feinplanung agiert hierbei wie ein Navigationssystem: Sie erhält die Bedarfe von SAP und errechnet auf Basis komplexer Algorithmen die ideale Produktionsreihenfolge. Dies beinhaltet unter anderem die optimale Losgröße, die optimale Rüstreihenfolge und den optimalen Lagerbestand und ermöglicht somit den effizienten Einsatz von Ressourcen. Die Software unterstützt den gesamten Fertigungsprozess sowohl in der Kunststoff-Vorfertigung als auch in der Metallbearbeitung mit Stanzen, Biegen, Entfetten und Galvanisieren sowie der Schweiß- und Löttechnik und der Lohnbearbeitung. Es entstehen nahtlose Übergänge zwischen Metallbearbeitung und Kunststofffertigung bis hin zum fertigen Produkt.

eaton 2019 12 17
In abteilungsübergreifenden Produktionstreffen besprechen Schichtführer, Instandhalter und Produktionsleiter den Status Quo. – Bild: Tetys GmbH & Co. KG

Dabei berücksichtigt das Tool die Verfügbarkeit von Mitarbeitern, Maschinen, Material und Produktionshilfsmitteln wie etwa von Werkzeugen. So können die Planer sich auf unvorhergesehenes wie Maschinenausfälle, Werkzeugbrüche oder kurzfristige Änderungen von Aufträgen konzentrieren. Nur dann greifen sie manuell ein. Außerdem können sie Alternativen simulieren, die zunächst nicht an die Fertigungssteuerung übertragen werden.

Der Leitstand als Herzstück

Herzstück der Planung ist der grafische Leitstand. Er stellt alle Vorgänge übersichtlich dar und ermöglicht so schnelles Handeln, das auf fundierten Entscheidungen beruht. Der Planer klickt einen Auftrag an und sieht sofort alle Vernetzungen: Wo kommt das Vormaterial her, wo wird es benötigt, für welchen Artikel, an welcher Stufe wird es weiterverarbeitet? Manuelle Änderungen erfolgen durch Verschieben der betreffenden Vorgänge am Bildschirm. Dabei sieht der Planer unmittelbar alle Konsequenzen. Bewegt er einen Vorgang, verschieben sich alle damit verbundenen ebenfalls – die neue Planung steht sofort. Im Hintergrund hat die Software dann alle einzelnen Fertigungsaufträge analysiert. Bei Eaton sind üblicherweise mehrere tausend Fertigungsaufträge zu berücksichtigen.

Auf Basis der Produktionsplanung übernimmt das MES alle Vorgänge der Betriebsdatenerfassung wie beispielsweise das Workflow-Management, die produktionsbegleitende Qualitätssicherung und die Materialflusserfassung. Auch Planung und Durchführung von Maschinenwartungen werden berücksichtigt: Die Tetys-Module kommunizieren miteinander. So fließen Rückmeldungen aus der Produktion zum Beispiel zu nicht verfügbaren Maschinen sofort in die Feinplanung zurück und die Produktion kann mit hoher Dynamik reagieren.

eaton 2019 12 63
Bild: Tetys GmbH & Co. KG

Einen weiteren Mehrwert bei Eaton bildet die bidirektionale Anbindung an SAP. Während manche Systeme oft lediglich Daten vom ERP-System empfangen, ist Tetys berechtigt, Informationen aktiv zurückzuschreiben. Dies erleichtert die Kommunikation zwischen ERP und Shopfloor. Fertigungsaufträge werden in Tetys erstellt, angepasst und abgeschlossen. Da Artikel- und Auftragsnummern in beiden Systemen identisch sind, haben alle Mitarbeiter vom Einkauf bis zum Schichtführer die gleiche Sicht auf die Daten. Diese Durchgängigkeit reduziert Systembrüche: Ändert sich ein Kundenauftrag kurzfristig im ERP, wird dies innerhalb von Minuten bis auf die Maschinenebene kommuniziert. Umgekehrt fließen Störungen oder Verzögerungen am Shopfloor sofort zurück in die Planung, sodass der Vertrieb dem Kunden gegenüber jederzeit aussagekräftig bleibt.

Tägliche Tier-Meetings

Die Tetys-Software analysiert im Hintergrund manuelle Änderungen und prüft, ob die neue Planung konsistent bleibt. Bevor eine Änderung aktiv in die Fertigungssteuerung übertragen wird, können die Planer zudem verschiedene Alternativen simulieren, um das beste Szenario auszuwählen.

In täglichen ‚Tier-Meetings‘ (abteilungsübergreifende Produktionstreffen) an den Produktions-Cockpits treffen sich Schichtführer, Instandhalter und Produktionsleiter, um auf Basis aktueller digitaler Daten den Status Quo zu besprechen.

Zur Akzeptanz des Systems bei Mitarbeitern trägt zudem bei, dass das System einheitlich gestaltet ist und Mitarbeiter sich in beiden ‚Welten‘ – ERP und Shopfloor – mit identischen Bezeichnungen zurechtfinden. Artikel- und Auftragsnummern sind etwa auf beiden Ebenen einheitlich. Auch die Bedienoberflächen der Terminals weisen ein identisches Look & Feel auf. Das ‚Drag&Drop‘ mit der sofortigen Anzeige aller Konsequenzen erleichtert die Planung.

Die Bilanz der drei Standorte: Bei Eaton gelang es, die Fertigung zu ‚beruhigen‘ – bei gleichzeitig hohem Durchsatz und Flexibilität. Eaton hat hier eine Modellfabrik geschaffen, die das gesamte Produktionswissen digital an einem Ort sichert.



  • Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

    Bei der Verhinderung von sicherheitsrelevanten Ereignissen, und insbesondere von Störfällen, wird die Prozessleittechnik (PLT) immer wichtiger. Die Richtlinienreihe VDI/VDE 2180 beschäftigt sich mit diesem Thema, wurde grundlegend überarbeitet und neu…

    mehr lesen: Funktionale Sicherheit in der Prozessindustrie

  • Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

    Nach dem Start von NTT Ltd. Anfang Juli hat der IT-Dienstleister Kai Grunwitz zum Chef des Deutschland-Geschäfts ernannt.

    mehr lesen: Grunwitz wird NTT Deutschland-Chef

  • 5G in Industrie und Wirtschaft

    5G in Industrie und Wirtschaft

    Mit der 5G CMM — Connected Mobile Machines will die Deutsche Messe dem neuen Mobilfunkstandard in den Fokus rücken. Rund 100 Teilnehmer werden dabei vom 8. bis zum 10. Oktober…

    mehr lesen: 5G in Industrie und Wirtschaft

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

    Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

    Im SIBB Forum ‚Cobot Love‘, das am 30. Oktober im MotionLab.Berlin stattfindet, beleuchten Experten aus Praxis und Forschung technologische Möglichkeiten, Anwendungspotentiale und Marktaussichten intelligenter Robotiksysteme anhand konkreter Use Cases.

    mehr lesen: Kollaborative Roboter und ihre Interaktion mit Menschen

  • Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

    Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

    Eine Studie von Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML zeigt, wie weit deutsche Unternehmen bei der Umsetzung einer ‘intelligenten Instandhaltung‘ sind –…

    mehr lesen: Keine ausreichende Datengrundlage für Smart Maintenance

  • Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

    Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

    G Data Software tritt künftig unter dem Namen G Data CyberDefense auf. Dies gab das Unternehmen am Montag in einer Pressemitteilung bekannt.

    mehr lesen: Aus G Data Software wird G Data CyberDefense

  • Zühlke leitet SmartFactory-EU

    Zühlke leitet SmartFactory-EU

    Brainport Industries (Niederlande), Flanders Make (Belgien) und die SmartFactory-KL habe sich zusammengetan und die Vereinigung SmartFactory-EU gegründet.

    mehr lesen: Zühlke leitet SmartFactory-EU

  • Eine Karte für den Notfall

    Eine Karte für den Notfall

    Ähnlich wichtig wie das Verhalten im Brandfall ist das richtige Verhalten, wenn es zu einem Cyberangriff kommt. Mit der IT-Notfallkarte will das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Erste Hilfe…

    mehr lesen: Eine Karte für den Notfall

  • Dieter Meuser ist CEO von IoTOS

    Dieter Meuser ist CEO von IoTOS

    Dieter Meuser ist seit dem 1. September Geschäftsführer von IoTOS, einem Anbieter von Cloud-basierten industriellen IoT-Anwendungen. Meuser kommt von der Dürr AG zum Limburger Unternehmen.

    mehr lesen: Dieter Meuser ist CEO von IoTOS

  • IAB-Arbeitsmarktbarometer legt wieder zu

    IAB-Arbeitsmarktbarometer legt wieder zu

    Der seit einem dreiviertel Jahr anhaltende Abwärtstrend beim IAB-Arbeitsmarktbarometer hat sich im September nicht fortgesetzt. Im Gegenteil: Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist wieder gestiegen –…

    mehr lesen: IAB-Arbeitsmarktbarometer legt wieder zu

  • Ausfuhren im Juli 2019 wieder gestiegen

    Ausfuhren im Juli 2019 wieder gestiegen

    Die Exporte der deutschen Elektroindustrie haben im Juli 2019 wieder angezogen. Mit 18,1Mrd.€ übertrafen sie ihr Vorjahresniveau um 6,3%. „Dieser jüngste Anstieg folgt allerdings auf einen fünfprozentigen Rückgang im Vormonat…

    mehr lesen: Ausfuhren im Juli 2019 wieder gestiegen