Internet, iPhone, Datenraum

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Nationale und internationale Koordinationsstruktur für Manufacturing-X basierend auf Vorschlag von Factory-X – Bild: Plattform Industrie 4.0, MXCG

Daten sind ein nicht zu unterschätzender Rohstoff und in jedem Unternehmen in großem Umfang vorhanden – ob Daten aus Liefernetzwerken, der Fertigung oder einer einzelnen Maschine. Diese Daten sind viel mehr als ein Abfallprodukt, mit ihnen lässt sich beispielsweise die eigene Produktivität analysieren, sie sind wettbewerbsrelevant und können in einer vertrauensvollen Umgebung sogar monetarisiert werden. Höchste Zeit also, sie zu lokalisieren, ihren Wert zu bemessen und in Datenpaketen an den Markt zu bringen. Genauso aber könnte sich ein Unternehmen dort auch selbst nach interessanten Daten für eigene Zwecke umsehen.

Datenräume für die Firmen

Aus dieser Idee heraus haben sich national wie international sowie in verschiedenen Branchen verschiedene Datenräume herausgebildet. Von diesen Datenräumen versprechen sich die Unternehmen vielfältige Chancen, die letztlich zu einer stärkeren und langfristig gefestigten Marktposition führen sollen. Wie geht das? Zum einen über Produktivitätssteigerungen, zum anderen über neue digitale Geschäftsmodelle aller Art. Der Handel mit Daten wird in den kommenden Jahren an Fahrt aufnehmen, die EU erwartete ein zusätzliches BIP von rund 270 Milliarden Euro für die EU-Mitgliedstaaten. Befeuert wird diese Entwicklung durch den EU Data Act, nach dem Betriebsdaten und -informationen von Produkten, die etwa einen Chip oder Sensor haben, nicht mehr dem Hersteller, sondern dem Betreiber gehören. Eine Monopolstellung von Daten wird dadurch vermieden und neuen Geschäftsmodellen der Boden bereitet, weil das Teilen von Daten erforderlich wird.

Transparenz und Vernetzung

Für aufgeschlossene Unternehmen stellt sich nun die Frage, wie sie sich diesem Thema nähern und gegebenenfalls an ein bestehendes Datenraumprojekt andocken können. Aus diesem Grund hat der VDMA kürzlich ein Dokument ‚Akteure in der industriellen Datenökonomie‘ veröffentlicht, das einen Überblick über die ganze Bandbreite von Projekten in verschiedenen industriellen Branchen aufzeigt. Der Schwerpunkt liegt auf deutschen Projekten, es werden aber auch eine Reihe wichtiger europäischer Initiativen berücksichtigt. Das Ziel der Veröffentlichung ist es, Transparenz in dem noch neuen und unübersichtlichen Forschungs- und Marktumfeld zu schaffen und Möglichkeiten zu geben, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und wichtige technische und inhaltliche Abstimmungen zu treffen.

Interoperabilität ist ein Muss

Diese Absprachen werden gebraucht, denn ohne gemeinsame Standards geht es nicht. Um in einem Datenraum Daten tauschen zu können, spielt Interoperabilität eine entscheidende Rolle, also die Fähigkeit der Teilnehmer, sich über die gleiche Sprache zu verständigen. In klassischen Plattformarchitekturen legt der Plattformbetreiber die Sprache fest, in einem föderierten Datenraum kann dies nur unter demokratischer Beteiligung aller Teilnehmer geschehen. Durch die Entwicklung und Nutzung von technischen Standards wie OPC UA und die Verwaltungsschale kann eine semantische Interoperabilität erreicht werden.

Die Kompatibilitäts-Wächter

Interoperabilität braucht aber auch organisatorische Leitplanken, damit ein inhaltlich wie technisch homogenes Ökosystem entsteht. Daher wurde im Bereich der industriellen Produktion das Manufacturing-X Guidance Board eingerichtet. Dies ist Teil der Manufacturing-X-Initiative und besteht aus ernannten und bevollmächtigten Vertretern einer ausgewählten Gruppe von Projekten unter dem Manufacturing-X-Dach sowie aus ausgewählten verwandten Projekten. Das Manufacturing-X (m-X) Guidance Board soll sicherstellen, dass alle teilnehmenden Projekte zu einem Satz von kompatiblen und interoperablen digitalen Ökosystemen über Branchen hinweg beitragen. Die teilnehmenden Projekte sollen frei von Überschneidungen sein.

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Die Autorin Tanja Walter-Dunne ist im Forum Manufacturing-X des VDMA für Kommunikation zuständig. – Bild: ©Sarah Kastner Fotografie/VDMA e.V.

Schnittstelle zur Weltwirtschaft

Auf einer organisatorisch höheren Stufe steht der Manufacturing-X Council Germany. Hier geht es auch um internationale Aspekte, denn Datenräume spielen auf fast allen Kontinenten eine immer wichtigere Rolle. Das Manufacturing-X Council Germany benennt die deutschen Delegierten im International Manufacturing-X Council (IMXC) und ist damit die Schnittstelle zu International Manufacturing-X und anderen internationalen Akteuren. Die neue Struktur von Manufacturing-X, die nun den Schwerpunkt auf Realisierung und Skalierung setzt, wurde kürzlich vorgestellt. Sie soll die Neuausrichtung zu einer Umsetzungsorganisation für Manufacturing-X national unterstützen und gleichzeitig die internationale Anschlussfähigkeit sichern.

Manufacturing-X in der verarbeitenden Industrie

Mit Manufacturing-X gibt es einen Oberbegriff für die verarbeitenden Industrie, der wie erwähnt eine ganze Reihe verschiedener X-Projekte bündelt. Dazu zählen beispielsweise Factory-X, Wind-X, RoX und Scale-MX. Das veröffentlichte VDMA-Dokument gibt neben dem Maschinen- und Anlagenbau auch einen Überblick über die Branchen Energiewirtschaft, Luft- und Raumfahrt sowie Mobilität und nennt Kontaktdaten zu Ansprechpartnern. Darüber hinaus bietet es eine Suchfunktion nach in der Datenökonomie aktiven Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Verbänden, aber auch nach Regionen, Branchen oder sonstigen Stichworten.

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Der Autor Christoph Herr soll als Industrial Evangelist für Manufacturing-X beim VDMA dazu beitragen, die Datenökonomie verständlich zu erklären und voranzubringen. – Bild: VDMA e.V.

Mitmachen heißt Mitgestalten

Noch können Unternehmen spürbaren Einfluss auf die Gestaltung nehmen und wirtschaftlichen Gewinn daraus ziehen. Es könnte ähnlich sein wie damals, als das Internet oder das erste iPhone verfügbar wurde. Nur wenige dürften sich damals vorgestellt haben, welchen Einfluss diese technologischen Neuerungen ausüben und welche Marktkapitalisierungen verfügbar wurden. Nicht ausgeschlossen, dass sich hier ein vergleichbares Phänom ankündigt und jene Unternehmen davon profitieren werden, die sich heute schon damit beschäftigen.



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