Generative KI in SAP On-Premise: Im lokalen Chatbot mit SAP-Daten arbeiten

Dirk Ott 300dpi
Bild: Milliarum GmbH & Co. KG

Wo bringt generative KI im Zusammenhang mit Businessdaten aus SAP einen echten Mehrwert? Erste Anwendungsgebiete zeigen sich im Chatten mit SAP-Daten. So lassen sich etwa Businessdaten, wie Artikelstämme, Dokumentationen, Stücklisten oder Projektstrukturen abfragen. Ein zweites Szenario zeigt sich in der leichteren Bedienung komplexer SAP-Prozesse: Mit natürlicher Sprache lassen sich so etwa Kundenaufträge, Projekte oder Produkte aufrufen, ändern oder sogar anlegen. Vorab muss dazu intern entschieden werden, ob der Chatbot auf firmenspezifische Daten zugreifen und damit Wissen daraus ziehen und verarbeiten darf. Spätestens an dieser Stelle stellt sich die Frage: Cloud oder On-Premise?

Concept business technology blockchain internet and future ne
Bild: ©OlegKachura/stock.adobe.com

On-Premise oder Cloud: Sicherheit versus Innovation?

Viele Unternehmen nutzen SAP On-Premise, weil für sie die sicherheitsrelevanten Vorteile überwiegen: Trotz höherer Ressourcenanforderungen bieten sie eine höhere Kontrolle über sensible Daten. Dabei lassen sich lokale Systeme verbunden mit einem entsprechenden Aufwand auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens zuschneiden, ein weiteres Argument gegen den Bezug von Cloud-Systemen. Auch beim Einsatz von KI gilt: Je weiter in der Cloud die Daten liegen, desto weniger Kontrolle über Datensicherheit bleibt beim Unternehmen. Heiß diskutiert wird dabei in SAP-Kreisen, dass die KI-Entwicklungen aus Walldorf sich nahezu ausschließlich auf Cloudtools fokussieren. Unternehmen, die SAP On-Premise nutzen, stecken beim Thema KI angesichts dieser Aussicht vor den Optionen, auf den Cloud-Bezug umzusatteln, ein anderes ERP-System einzuführen oder von KI-Funktionen abgeschnitten zu bleiben.

Serverfarmen meist unnötig

Mit jenen Unternehmen im Blick kam kürzlich das Milliarum AI Construction Kit auf den Markt. Damit erweitern Anwender ihr SAP-System um Funktionen auf Basis von KI. Mit vorkonfigurierten Funktionen für OpenAI, Azure OpenAI und lokal betriebenen Open Source-Modellen lassen sich Chatbots zügig in Unternehmen ausrollen. In Kürze sollen erste anwendungsspezifische Chatbots für SAP On-Premise folgen. Dabei sollen Unternehmen ihr Large Language Modell aussuchen und lokal mit einem eigenen KI-System verbinden können. Denn um mit den eigenen SAP-Daten zu chatten, braucht es keinen gigantischen Chatbot, der über 100 Sprachen spricht und mit mehreren hundert Milliarden Parametern antrainiert wurde, wenn am Ende nur Deutsch für begrenzte Use Cases zum Einsatz kommen soll. Eine Serverfarm dürfte für die meisten Anwendungsfälle im SAP-Umfeld also nicht notwendig sein.

Open Source LLM verfügbar

Der Einsatz von KI im SAP-Umfeld setzt nach der Definition der Ziele und Anwendungsszenarien die Wahl eines Hosters voraus, welcher den Sicherheitsanforderungen des Unternehmens gerecht wird. Dabei kann man sich zum einen für die großen Player am Markt entscheiden: OpenAI ist ein amerikanischer cloudbasierter Hoster, Microsoft Azure bietet vergleichbare Funktionen und erfüllt europäische Vorgaben. Eine Alternative stellen lokale Open Source Large-Language-Modelle (LLM) auf unternehmenseigener Hardware dar. Zu finden sind diese für diverse Anwendungsfälle etwa auf der Plattform Hugging Face. Das Fraunhofer Institut empfahl kürzlich deutschsprachig optimierte Modelle auf Basis Mistral 7b. Es läuft bereits auf Hardware, die von den Leistungsanforderungen her der eines Spiele-PCs ähnelt und bereits ab etwa 10.000 Euro erhältlich ist. Das Open Source Modell Mixtral 8x22b gilt derzeit als leistungsstärkstes europäisches LLM, dass fünf Sprachen fließend beherrscht und mit über 140 Milliarden Parametern antrainiert wurde. Es benötigt mindestens 300 GB Grafikspeicher für den produktiven Inference-Betrieb, welche nicht unbedingt über ein Nvidia-Rechenzentrum bereitgestellt werden müssen. Hier sind auch schon ältere NVIDIA-Grafikkarten-Generationen von der Leistung her vollkommen ausreichend und kostengünstig einsetzbar.

Seiten: 1 2



  • Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

    Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

    Unternehmen gehen digital gestärkt ins dritte Corona-Jahr, so das Ergebnis einer Bitkom-Befragung unter 602 Unternehmen. Demnach will die große Mehrheit ihre Digitalisierungs-Projekte fortsetzen. Diese Aufbruchsstimmung müsse genutzt werden, so Bitkom-Präsident…

    mehr lesen: Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

  • Mittelmaß bei der Digitalisierung

    Mittelmaß bei der Digitalisierung

    Im internationalen Vergleich belegt Deutschland bei der Digitalisierung keine Spitzenposition, sondern tendiert eher zum Mittelfeld. So zumindest legt es eine Studie des Ifo Instituts nahe. Demnach sei nicht nur die…

    mehr lesen: Mittelmaß bei der Digitalisierung

  • Bauteilschwingungen Vorhersagen

    Bauteilschwingungen Vorhersagen

    Bauteilschwingungen, die bei vielen Fertigungsverfahren entstehen, führen oftmals dazu, dass die Oberfläche des Werkstücks beschädigt wird. Darüber hinaus sind sie ein Grund für erhöhten Werkzeugverschleiß. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT…

    mehr lesen: Bauteilschwingungen Vorhersagen

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Neue General-Managerin bei DXC

    Neue General-Managerin bei DXC

    Jacqueline Fechner ist neue General-Managerin für die DACH-Region bei DXC Technology und soll künftig die Geschicke des IT-Dienstleisters in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantworten.

    mehr lesen: Neue General-Managerin bei DXC

  • Chinesische Hackergruppen zielen auf Lieferketten ab

    Chinesische Hackergruppen zielen auf Lieferketten ab

    Ein Bericht von Venafi zeigt, dass chinesische Hacker-Gruppen gezielt Code Signing-Zertifikate für Angriffe auf Software Supply Chains einsetzen.

    mehr lesen: Chinesische Hackergruppen zielen auf Lieferketten ab

  • IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

    IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

    Mit der Ernennung von Andreas Kempenich zum neuen Geschäftsführer für die DACH-Region will der Business-Software-Anbieter IFS die Dynamik in DACH weiter ausbauen.

    mehr lesen: IFS ernennt Andreas Kempenich zum DACH-Geschäftsführer

  • Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

    Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

    Um Unternehmen verbesserte Ortungsanwendungen für industrielle Umgebungen zu ermöglichen, wollen German Edge Cloud und Intranav zukünftig zusammenarbeiten.

    mehr lesen: Kooperation von Intranav und German Edge Cloud

  • Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

    Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

    Die deutschen Maschinenbauer haben ihre Ausfuhren im dritten Quartal um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Die höchsten Zuwächse verzeichneten dabei Textilmaschinen, Mikroelektronik und Landtechnik.

    mehr lesen: Maschinenexporte nähern sich Vorkrisenniveau

  • Produktionsplaner verdienen am meisten

    Produktionsplaner verdienen am meisten

    Gehalt, Jobchancen, persönliche Talente: Bei der Wahl des Ausbildungsberufs müssen junge Menschen vieles beachten. Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, welche Berufe für junge Fachkräfte am vielversprechendsten…

    mehr lesen: Produktionsplaner verdienen am meisten

  • MGM Technology Partners übernimmt Clientis

    MGM Technology Partners übernimmt Clientis

    MGM Technology Partners übernimmt die Clientis AG aus dem bayerischen Moosburg. Der SAP-Spezialist arbeitet für Großunternehmen sowie Mittelständler u.a. aus dem Maschinenbau und der Bekleidungsindustrie.

    mehr lesen: MGM Technology Partners übernimmt Clientis

  • AIM-Trendbarometer: AutoID auf gutem Weg

    AIM-Trendbarometer: AutoID auf gutem Weg

    85 Prozent der im AIM-D organisierten AutoID-Anbieter haben für das 1. Halbjahr 2021 eine verbesserte oder gleichgebliebene Geschäftsentwicklung ihrer Märkte gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr gemeldet. Das hat der Branchenverband AIM-D…

    mehr lesen: AIM-Trendbarometer: AutoID auf gutem Weg